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Aus­zah­lung der Müt­ter­ren­te spä­ter - Wirt­schaft ge­gen Ren­ten­pa­ket

Die mil­li­ar­den­teu­ren Ren­ten­plä­ne von Ar­beits­mi­nis­te­rin Nah­les pro­vo­zie­ren Wi­der­spruch: Die Wirt­schaft lässt kein gu­tes Haar an dem Vor­ha­ben, auch Uni­on und SPD se­hen noch Dis­kus­si­ons­be­darf. Jetzt wird be­kannt, dass sich die Aus­zah­lung der Müt­ter­ren­te ver­zö­gert

20.01.2014. (dpa) - Die Aus­zah­lung der ver­bes­ser­ten Müt­ter­ren­te ver­zö­gert sich vor­aus­sicht­lich um ei­ni­ge Mo­na­te.

Aus tech­ni­schen Grün­den kann das zu­sätz­li­che Geld nicht wie ge­plant ab 1. Ju­li an die et­wa 9,5 Mil­lio­nen Leis­tungs­be­rech­tig­ten über­wie­sen wer­den.

"Spä­tes­tens Weih­nach­ten ist das Geld auf dem Kon­to", sag­te die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der SPD-Frak­ti­on im Bun­des­tag, Ca­ro­la Rei­mann, dem Ma­ga­zin "Fo­cus".

Ein Spre­cher des Ar­beits- und So­zi­al­mi­nis­te­ri­ums be­ton­te am Sonn­tag auf An­fra­ge der Nach­rich­ten­agen­tur dpa: "Die Ab­wick­lung durch die Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger wird si­cher­lich ei­ni­ge Mo­na­te dau­ern. Al­le Be­rech­tig­ten er­hal­ten aber den vol­len Be­trag von Ju­li an, auch wenn er erst spä­ter aus­ge­zahlt wer­den soll­te."

CDU, CSU und SPD hat­ten sich im Ko­ali­ti­ons­ver­trag dar­auf ver­stän­digt, Müt­ter und im Ein­zel­fall auch Vä­ter, de­ren Kin­der vor 1992 ge­bo­ren wur­den, bei der Ren­te bes­ser­zu­stel­len. Die Müt­te­r­en­te ist Teil ei­nes mil­li­ar­den­schwe­ren Ren­ten­pa­kets, das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) vor we­ni­gen Ta­gen vor­leg­te und das wei­ter für mas­si­ven Un­mut in der Wirt­schaft, aber auch in der gro­ßen Ko­ali­ti­on sorgt.

Die Ar­beit­ge­ber for­dern bei der ge­plan­ten ab­schlag­frei­en Ren­te mit 63 für lang­jäh­rig Ver­si­cher­te Ein­schrän­kun­gen. Das Vor­ha­ben, da­für un­be­grenzt al­le Zei­ten von Kurz­zeit­ar­beits­lo­sig­keit an­zu­er­ken­nen, leh­nen sie ab, wie aus ei­nem Po­si­ti­ons­pa­pier des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des BDA her­vor­geht. Statt­des­sen for­dern sie, "nur ei­ne kur­ze Ge­samt­dau­er von Zei­ten der Er­werbs­lo­sig­keit" an­zu­rech­nen, ma­xi­mal drei Jah­re.

Nach Ein­schät­zung des Zen­tral­ver­bands des Deut­schen Hand­werks be­schä­dig­ten die Plä­ne - dar­un­ter auch auf­ge­stock­te Ren­ten für Er­werbs­ge­min­der­te - "das Ver­trau­en in ei­ne nach­hal­ti­ge und de­mo­gra­fie­fes­te Ren­ten­po­li­tik". "Hö­he­re Lohn­zu­satz­kos­ten ge­fähr­den nach­weis­lich Ar­beits­plät­ze im Hand­werk", heißt es in ei­ner Stel­lung­nah­me, aus der "Wirt­schafts­wo­che" und "Fo­cus" zi­tie­ren.

Nah­les ver­tei­dig­te die schwarz-ro­ten Re­form­plä­ne. "Hier sind Men­schen, die pro­fi­tie­ren, die das ver­dient ha­ben. Hier wird nichts ver­schenkt", sag­te sie in der ARD-Sen­dung "Be­richt aus Ber­lin". "Das sind die Ge­ne­ra­tio­nen, die die­ses Ren­ten­sys­tem über Jah­re sta­bil ge­hal­ten ha­ben, die Bei­trä­ge ein­ge­zahlt ha­ben - oder Frau­en, die eben kei­ne Ki­ta hat­ten, kei­ne Kin­der­gär­ten, und trotz­dem ei­ne sehr gro­ße und für uns al­le ja wich­ti­ge Er­zie­hungs­ar­beit ge­macht ha­ben."

Die Ren­ten­plä­ne schla­gen nach dem Ent­wurf von Nah­les bis 2030 jähr­lich mit neun bis elf Mil­li­ar­den Eu­ro zu Bu­che. Vor­ge­se­hen ist, dass der Bund zur Fi­nan­zie­rung von 2019 an bis zu zwei Mil­li­ar­den Eu­ro mehr in die Ren­ten­kas­se über­weist, de­ren Re­ser­ven dann vor­aus­sicht­lich auf­ge­braucht sind. Dies soll Bei­trags­stei­ge­run­gen zu­min­dest ab­mil­dern. Nach Ein­schät­zung von Uni­ons-Frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der (CDU) muss der Bun­des­zu­schuss so­gar "ver­mut­lich schon ab 2018" stei­gen, wie er der "Frank­fur­ter Rund­schau" (Sams­tag) sag­te.

"Der ent­schei­den­de Web­feh­ler die­ser Ren­ten­re­form ist, dass die Ko­ali­ti­on die Ver­bes­se­rung der Müt­ter­ren­ten aus der Ren­ten­kas­se be­zah­len will", kri­ti­sier­te DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach im "Fo­cus". Die Müt­ter­ren­te müs­se aus Steu­ern fi­nan­ziert wer­den.

Auch SPD-Po­li­ti­ker wol­len dar­über neu de­bat­tie­ren. "Die Ver­bes­se­run­gen in der Ren­te hal­te ich für rich­tig. Aber da­mit wir die Ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit nicht aus dem Au­ge ver­lie­ren, müs­sen wir dar­über dis­ku­tie­ren, die Steu­er­fi­nan­zie­rung der Müt­ter­ren­te zu stär­ken", sag­te Bay­erns SPD-Chef Flo­ri­an Pro­nold der "Bild am Sonn­tag". Ähn­lich äu­ßer­te sich in dem Blatt die Ju­so-Vor­sit­zen­de Jo­han­na Ue­ker­mann.

Alt-Bun­des­prä­si­dent Ro­man Her­zog sag­te der Zei­tung: "Ich mah­ne, auch bei der Ren­ten­po­li­tik die In­ter­es­sen der jun­gen Ge­ne­ra­ti­on nicht zu ver­ges­sen, denn die muss al­le Be­schlüs­se am En­de be­zah­len."

Die CDU sieht vor al­lem Än­de­rungs­be­darf bei der Ren­te mit 63. So will der Ab­ge­ord­ne­te Jens Spahn kei­ne Zei­ten der Ar­beits­lo­sig­keit be­rück­sich­tigt wis­sen: "Die ab­schlags­freie Ren­te mit 63 ist das fal­sche Si­gnal. Wenn sie nun kom­men soll, dann nur für die, die wirk­lich 45 Jah­re lang ma­locht ha­ben", sag­te er der "BamS".

Der So­zi­al­ver­band VdK Deutsch­land dringt auf Nach­bes­se­run­gen bei der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te. Auch künf­tig müss­ten vie­le Be­trof­fe­ne mit ho­hen Ren­ten-Ab­schlä­gen le­ben, sag­te VdK-Prä­si­den­tin Ul­ri­ke Ma­scher der "Neu­en Os­na­brü­cker Zei­tung" (Sams­tag).

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Letzte Überarbeitung: 20. März 2014

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