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Der Azu­bi 4.0 - Wie die Di­gi­ta­li­sie­rung die Leh­re ver­än­dert

Die Di­gi­ta­li­sie­rung ver­än­dert die Ar­beits­welt ra­sant: Das be­ein­flusst auch die Aus­bil­dung. Was ist noch zeit­ge­mäß? Und was müs­sen Ju­gend­li­che in der Ar­beits­welt von mor­gen kön­nen? Auf der Bil­dungs­mes­se Did­ac­ta wer­den die­se Fra­gen be­han­delt

22.02.2016. (dpa) - Ma­rie Klein ist 23 Jah­re alt und an­ge­hen­de Tisch­le­rin.

In der Be­rufs­schu­le be­fasst sie sich mit Holz­ar­ten und ih­ren Be­ar­bei­tungs­mög­lich­kei­ten - so wie Ge­ne­ra­tio­nen an­ge­hen­der Tisch­ler vor ihr.

"Da macht man nur die Ba­sics", sagt sie.

Die Ar­beit mit CNC-Ma­schi­nen, al­so mit per Com­pu­ter steu­er­ba­ren Werk­zeug­ma­schi­nen, kommt nur am Ran­de vor.

Da­bei prä­gen die­se Ma­schi­nen ih­ren All­tag in der Fir­ma.

"Die Ar­beit dar­an ge­hört bei uns im Be­trieb da­zu", sagt sie.

Als an­ge­hen­de Tisch­le­rin er­lebt sie im Klei­nen, was in vie­len Be­rei­chen der Ar­beits­welt pas­siert: Die Di­gi­ta­li­sie­rung ver­än­dert die Art der Ar­beit ra­sant. Neue Her­stel­lungs- und Fer­ti­gungs­ver­fah­ren ent­ste­hen und ver­lan­gen Mit­ar­bei­tern neue Kom­pe­ten­zen ab. Ih­re Aus­bil­dung an der Be­rufs­schu­le hält mit den Neue­run­gen je­doch nur ein Stück weit mit.

Klein lernt ih­ren Be­ruf bei der Tisch­le­rei Bä­cher Berg­mann aus Köln. Die Fir­ma setzt ne­ben CNC-Ma­schi­nen auch 3D-Dru­cker ein. "So kön­nen wir mit viel hö­he­rer Ge­schwin­dig­keit pro­du­zie­ren, als wenn wir von Hand tisch­lern", er­klärt Ge­schäfts­füh­rer Se­bas­ti­an Bä­cher. Und die Ma­schi­nen las­sen sich für je­den Auf­trag neu pro­gram­mie­ren. Statt Mas­sen­wa­re zu fer­ti­gen, bleibt das End­pro­dukt sehr in­di­vi­du­ell.

Oh­ne die­se ef­fek­ti­ve­re Pro­duk­ti­on könn­te Bä­cher nur schwer am Markt be­ste­hen. Die In­dus­trie setzt das Hand­werk zu­neh­mend un­ter Druck. Die Maß­an­fer­ti­gung von Mö­beln für Kun­den war lan­ge Zeit dem Hand­werk vor­be­hal­ten. Nun er­mög­licht die Di­gi­ta­li­sie­rung neue Pro­duk­ti­ons­tech­ni­ken, die auch bei der Fer­ti­gung in ei­ner Fa­brik ei­ne ho­he In­di­vi­dua­li­sier­bar­keit von Pro­duk­ten er­laubt. Ein Bei­spiel: Ei­ne Kü­chen­bank nach Maß muss heu­te nicht der deut­sche Tisch­ler ma­chen. Sie kann oh­ne wei­te­res ei­ne deut­sche Fir­ma aus der Fa­brik in Chi­na kom­men las­sen. Um da mit­hal­ten zu kön­nen, muss Bä­cher mehr Pro­duk­te in kür­ze­rer Zeit an­fer­ti­gen. Die Ma­schi­nen hel­fen ihm da­bei.

Und in vie­len an­de­ren Aus­bil­dun­gen ist das ähn­lich. "Wir ge­hen da­von aus, dass die Aus­bil­dungs­be­ru­fe sich in den nächs­ten Jah­ren stark wan­deln wer­den", sagt Alex­an­der Bi­ckel von der Fir­ma Fes­to Did­ac­tic auf der Bil­dungs­mes­se Did­ac­ta in Köln. Das Un­ter­neh­men bie­tet Lehr­mit­tel für die tech­ni­sche Aus­bil­dung an. Spä­tes­tens in fünf Jah­ren sei der Druck durch die Di­gi­ta­li­sie­rung so groß, dass ganz neue Be­rufs­bil­der ent­ste­hen.

Schon jetzt ist die Ver­än­de­rung der be­ste­hen­den Aus­bil­dungs­be­ru­fe in vol­lem Gan­ge. Beim Bun­des­in­sti­tut für Be­rufs­bil­dung (BIBB) gibt es Über­le­gun­gen, wie be­ste­hen­de Aus­bil­dun­gen den neu­en Ent­wick­lun­gen an­ge­passt wer­den kön­nen. So wer­den zum Bei­spiel die be­ste­hen­den vier IT-Aus­bil­dun­gen der­zeit grund­le­gend über­ar­bei­tet, er­klärt Tor­ben Pa­dur vom BIBB. Der Be­ruf des Pro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gen soll sich so ver­än­dern, dass er den An­for­de­run­gen an den Fach­ar­bei­ter 4.0 ge­nügt. Das be­zieht sich auf den Be­griff der In­dus­trie 4.0, in der die Ma­schi­nen ei­ner Fa­brik zu­neh­mend un­ter­ein­an­der ver­netzt sind.

Auch in der Aus­bil­dung im Ein­zel­han­del könn­te es Än­de­run­gen ge­ben. "Es gibt Über­le­gun­gen, ob beim Ein­zel­han­dels­kauf­mann das Qua­li­fi­ka­ti­ons­fach E-Com­mer­ce ein­ge­führt wer­den muss", er­klärt So­phia Tie­mann, Ge­schäfts­füh­re­rin der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern in Nord­rhein-West­fa­len.

Die Ar­beits­welt und so­mit auch die Aus­bil­dun­gen sind im Wan­del. Doch was be­deu­ten die Um­brü­che nun für die Ju­gend­li­chen? Was müs­sen sie in Zu­kunft kön­nen? "Aus­bil­dun­gen wer­den in Zu­kunft viel in­ter­dis­zi­pli­nä­rer sein, als sie es heu­te sind", glaubt Bi­ckel. IT, Me­cha­nik, Ma­schi­nen­bau und Da­ten­ver­ar­bei­tung - was heu­te un­ter Um­stän­den noch stark ge­trennt ist, wird künf­tig in der Aus­bil­dung stär­ker mit­ein­an­der kom­bi­niert.

Da­mit ein­her geht ei­ne hö­he­re Kom­ple­xi­tät der Aus­bil­dun­gen, sagt Pa­dur. Gleich­zei­tig wer­den vie­le Auf­ga­ben aber auch ein­fa­cher, da Be­rufs­tä­ti­ge sie nicht mehr selbst er­le­di­gen müs­sen, son­dern Ma­schi­nen das für sie ma­chen.

Wich­tig ist, sich neu­en Tech­no­lo­gi­en nicht zu ver­schlie­ßen, son­dern sich ak­tiv da­mit zu be­schäf­ti­gen, rät Bi­ckel. Das be­deu­te nicht zwin­gend, dass je­der pro­gram­mie­ren ler­nen muss. Den Be­ruf des Pro­gram­mie­rers ge­be es schließ­lich schon. Aber man soll­te nicht mit Com­pu­tern auf Kriegs­fuß ste­hen, wie es Tisch­ler Bä­cher for­mu­liert.

Ma­rie Klein hat­te bis zur Aus­bil­dung mit Com­pu­tern nicht viel am Hut. Sie hat­te we­der in der Schu­le ei­nen Com­pu­ter­kurs, noch spiel­te sie pri­vat ger­ne PC-Spie­le. In die Ar­beit an CNC-Ma­schi­nen ist sie den­noch gut rein­ge­kom­men. "Es ist schon ganz schön kom­pli­ziert", sagt sie. "Doch dann ha­be ich mich rein­ge­fuchst, und dann geht es auch."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 14. November 2016

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