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Deut­sche Bank schrumpft Kon­zern­be­leg­schaft um 25 000 Stel­len

Mil­li­ar­den­ver­lust, his­to­ri­scher Di­vi­den­den­aus­fall, Job­ab­bau - die Deut­sche Bank fährt un­ter ih­rem neu­en Chef John Cryan ei­nen har­ten Spar­kurs: Das neue Ma­nage­ment will die Bank über Jah­re um­krem­peln. An der Bör­se kom­men die Plä­ne nicht gut an

30.10.2015. (dpa) - Mit dras­ti­schen Ein­schnit­ten will John Cryan die Deut­sche Bank wie­der in die Er­folgs­spur füh­ren: Tau­sen­de Mit­ar­bei­ter ver­lie­ren ih­ren Job, das Aus­lands­netz wird aus­ge­dünnt, die Ak­tio­nä­re müs­sen erst­mals in der Nach­kriegs­ge­schich­te auf ei­ne Di­vi­den­de ver­zich­ten - und das gleich für zwei Jah­re in Fol­ge.

"Wir ha­ben uns kla­re Zie­le ge­steckt, an de­nen wir uns mes­sen las­sen", sag­te der neue star­ke Mann des Dax-Kon­zerns bei sei­nem ers­ten öf­fent­li­chen Auf­tritt am Don­ners­tag in Frank­furt.

An der Bör­se über­zeug­te Cryans Plan zu­nächst nicht: Die Ak­tie ver­lor bis zum frü­hen Nach­mit­tag rund sechs Pro­zent.

Kon­zern­weit will die Deut­sche Bank künf­tig mit gut 25 000 Stel­len we­ni­ger aus­kom­men - et­wa ei­nem Vier­tel we­ni­ger als die zu­letzt über 100 000.

Im ei­ge­nen Haus wer­den un­ter dem Strich 9000 Ar­beits­plät­ze ab­ge­baut, 4000 da­von im Hei­mat­markt Deutsch­land. Wie stark der Stel­len­ab­bau die ein­zel­nen Spar­ten tref­fen wird, führ­te das Ma­nage­ment nicht aus.

Noch der al­te Vor­stand hat­te im April be­schlos­sen, bis En­de 2017 et­wa 200 der 700 ei­ge­nen Fi­lia­len zu schlie­ßen. Dies wer­de vor al­lem Bal­lungs­räu­me tref­fen, er­klär­te der neue Pri­vat­kun­den­chef Chris­ti­an Sewing: "Wir wer­den wei­ter­hin mit über 500 Fi­lia­len in Deutsch­land prä­sent sein und da­mit die Flä­che sehr gut ab­de­cken."

Er­heb­lich schrump­fen wird die Be­leg­schaft des Dax-Kon­zerns zu­sätz­lich über den Ver­kauf von Be­tei­li­gun­gen - vor al­lem durch die eben­falls be­reits im April be­schlos­se­ne Tren­nung von der Post­bank. Dies ver­rin­gert den Mit­ar­bei­ter­stamm um et­wa 20 000 Voll­zeit­kräf­te. Ins­ge­samt wird der Mit­ar­bei­ter­stamm des Deut­sche-Bank-Kon­zerns so­mit bis 2018 um ein Vier­tel auf et­wa 77 000 Voll­zeit­kräf­te schrump­fen.

"Ich ver­si­che­re ih­nen, dass wir die­sen Stel­len­ab­bau auf ei­ne fai­re Art und Wei­se in Rück­spra­che mit un­se­ren Be­triebs­rä­ten vor­neh­men wer­den", sag­te Cryan. Die Ge­werk­schaft Ver­di, de­ren Chef Frank Bsirs­ke im Deut­sche-Bank-Auf­sichts­rat sitzt, mahn­te zu ei­nem so­zi­al­ver­träg­li­chen Um­bau: "Wir er­war­ten, dass für die Dau­er des Um­baus be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den."

Die Fo­kus­sie­rung auf Per­so­nal­ab­bau und Fi­li­al­schlie­ßun­gen sei das fal­sche Si­gnal, be­män­gel­te Kon­zern­be­triebs­rats­chef Al­fred Her­ling: "Denn da­mit drängt sich der Ein­druck auf, dass die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter nun die Sup­pe aus­löf­feln müs­sen, die ih­nen das Top-Ma­nage­ment frü­he­rer Jah­re mit Scha­dens­er­satz­zah­lun­gen und Ab­schrei­bun­gen in schwin­del­er­re­gen­der Hö­he ein­ge­brockt hat."

Seit 2012 muss­te die Bank rund 12 Mil­li­ar­den Eu­ro für Ver­feh­lun­gen wie Zins­ma­ni­pu­la­tio­nen und frag­wür­di­ge Hy­po­the­ken­ge­schäf­te zah­len. Ak­tu­ell hat sie 4,8 Mil­li­ar­den Eu­ro für Rechts­strei­tig­kei­ten zu­rück­ge­legt.

In­ves­tie­ren will Cryan in mo­der­ne­re Com­pu­ter­sys­te­me, und er will wie­der mehr Know-how in die­sem Be­reich ins Haus zu­rück­ho­len. 6000 Stel­len bei ex­ter­nen Dienst­leis­tern sol­len in die­sem Zu­ge weg­fal­len.

Im In­vest­ment­ban­king stellt die Bank et­li­che Han­dels­ge­schäf­te ein. Dem In­sti­tut ma­chen die im­mer stren­ge­ren Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen zu schaf­fen, vie­le Ge­schäf­te ge­ra­de im schwan­kungs­an­fäl­li­gen Ka­pi­tal­markt­ge­schäft loh­nen sich nicht mehr.

Der Spar­kurs soll die Kos­ten um brut­to rund 3,8 Mil­li­ar­den Eu­ro drü­cken. Die Kos­ten für den Um­bau in­klu­si­ve Ab­fin­dun­gen be­zif­fer­te das Geld­haus auf rund 3,0 bis 3,5 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Nach ei­nem Re­kord­ver­lust von sechs Mil­li­ar­den Eu­ro im drit­ten Quar­tal stellt sich der Vor­stand auf ro­te Zah­len für das Ge­samt­jahr ein. "Wenn nicht ein Wun­der pas­siert, wer­den wir ei­nen Ver­lust für 2015 aus­wei­sen", sag­te Cryan. Grund sind mil­li­ar­den­schwe­re Ab­schrei­bun­gen im In­vest­ment­ban­king und im Pri­vat­kun­den­ge­schäft.

"Wir ge­hen nicht da­von aus, dass 2016 und 2017 star­ke Jah­re sein wer­den. Die Kos­ten für Rechts­strei­tig­kei­ten und re­gu­la­to­ri­sche Auf­wen­dun­gen wer­den un­se­re Er­geb­nis­se be­las­ten", sag­te Cryan. "2018 dürf­te ein ent­schei­den­des Jahr für uns sein, bis da­hin wer­den wir ein zu­frie­den­stel­len­des Ni­veau bei den Ge­win­nen ha­ben."

Vie­le Ana­lys­ten hat­ten mehr er­war­tet. Die an­ge­kün­dig­ten Maß­nah­men sei­en eher klei­ne Ver­bes­se­run­gen als ei­ne Re­vo­lu­ti­on, kom­men­tier­te So­cié­té-Gé­né­ra­le-Ex­per­te An­d­rew Lim. Die neu­en Zie­le sei­en nicht am­bi­tio­nier­ter als die Pla­nun­gen un­ter dem al­ten Co-Chef An­s­hu Jain, ur­teil­te Mor­gan-St­an­ley-Ana­lyst Huw van Stee­n­is.

Der ehe­ma­li­ge UBS-Fi­nanz­vor­stand Cryan hat­te zum 1. Ju­li Jain an der Füh­rungs­spit­ze der Bank ab­ge­löst. Der zwei­te Co-Chef Jür­gen Fit­schen bleibt noch bis zur Haupt­ver­samm­lung im Mai 2016 im Amt, ehe der Bri­te al­lein das Ru­der über­nimmt.

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Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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