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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Befristung von Vertragsbestandteilen, Beförderung, Führungsaufgabe, TVöD
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 11 Sa 1047/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 23.08.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Potsdam, Urteil vom 16.03.2011, 8 Ca 2521/10
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

 

Verkündet

am 23. Au­gust 2011

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)

11 Sa 1047/11

8 Ca 2521/10
Ar­beits­ge­richt Pots­dam

J., JOSin
als Ur­kunds­be­am­ter/in
der Geschäfts­stel­le


Im Na­men des Vol­kes

 

Ur­teil

In Sa­chen

pp

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 11. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 23. Au­gust 2011
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. P. als Vor­sit­zen­der
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Frau B. und Frau H.

für Recht er­kannt:

I.
Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pots­dam vom 16.03.2011 - 8 Ca 2521/10 - ab­geändert:

1.
Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis des Klägers nicht auf Grund der Be­fris­tung im Ar­beits­ver­trag vom 19.09.2006 i.V.m. § 32 TVöD zum 31.12.2010 be­en­det wor­den ist.

2.
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits vorläufig als Fach­be­reichs­lei­ter des Fach­be­reichs Grün- und Ver­kehrs­flächen wei­ter zu beschäfti­gen.

II.
Die Kos­ten des Rechts­streits hat die Be­klag­te zu tra­gen.

III.
Für die Be­klag­te wird die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen.

 

Dr. P. B. H.

 

- 3 -

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über den un­be­fris­te­ten Fort­be­stand ih­res Ar­beits-verhält­nis­ses so­wie die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur einst­wei­li­gen Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers.

Mit ei­nem am 16. März 2011 verkünde­ten Ur­teil, auf des­sen Tat­be­stand Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt Pots­dam – 8 Ca 2521/10 – die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Es hat dies im We­sent­li­chen da­mit be­gründet, dass die von den Par­tei­en ge­schlos­se­ne Be­fris­tungs­ab­re­de nach § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG in Ver­bin­dung mit § 32 TVöD nicht zu be­an­stan­den sei. Die­se ge­setz­li­che Be­stim­mung sei wirk­sam in den Ar­beits­ver­trag ein­be­zo­gen wor­den; denn bei feh­len­der oder nur ein­sei­ti­ger Ta­rif­bin­dung könn­te dies ar­beits­ver­trag­lich ver­ein­bart wer­den, oh­ne dass der ge­sam­te Ta­rif­ver­trag oder al­le Ta­rif­re­ge­lun­gen zur Be­fris­tung in ih­rer Ge­samt­heit in Be­zug ge­nom­men wer­den müss­ten. Eben­so we­nig ste­he das Zi­tier­ge­bot des § 32 Abs. 2 TVöD der In­be­zug­nah­me ent­ge­gen. Die­se Re­ge­lung sei nämlich erst nach dem Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges in den Ta­rif­ver­trag auf­ge­nom­men wor­den. § 32 TVöD re­ge­le die Fra­ge der Zulässig­keit ei­ner sach­grund­lo­sen Be­fris­tung im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG. Mit § 32 Abs. 1 Satz 1 und 2 TVöD hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en von der ge­setz­li­chen Ta­riföff­nungs­klau­sel in § 14 Abs. 2 Satz 3 und 4 Tz­B­fG Ge­brauch ge­macht. Führung auf Zeit brau­che da­nach nicht sach­lich be­gründet zu wer­den. Aber auch wenn man dies an­ders se­hen wol­le, sei die Kla­ge un­be­gründet; denn die be­fris­te­te Über­tra­gung von Führungs­ver­ant­wor­tung stel­le ei­nen sach­li­chen Grund für ei­ne Be­fris­tung im Sin­ne von § 14 Abs. 1 Tz­B­fG dar. Der Ka­ta­log der Re­ge­lun­gen in Ziff. 1 bis 8 der Vor­schrift sei nicht ab­sch­ließend und der in § 32 TVöD ge­re­gel­te Sach­grund wer­de den dar­in zum Aus­druck kom­men­den Wer­tungs­maßstäben ge­recht. Es gel­te nämlich, ei­nen In­no­va­ti­ons­stau zu ver­hin­dern. Bei der Über­tra­gung von Führungs­auf­ga­ben auf Zeit han­de­le es sich übli­cher­wei­se um die Be­set­zung von Stel­len, die auf be­stimm­te Persönlich­kei­ten mit spe­zi­el­len Fähig­kei­ten zu­ge­schnit­ten sei­en. Es be­ste­he da­her ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers, Führungs­po­si­tio­nen nur auf Zeit zu be­set­zen, um im Sin­ne ei­ner

 

- 4 -

in­no­va­ti­ven Ro­ta­ti­on auch an­de­re Be­wer­ber zum Zu­ge kom­men zu las­sen und nicht auf Jah­re sol­che Stel­len zu blo­ckie­ren oder sie mögli­cher­wei­se über­haupt nicht neu zu be­set­zen (we­gen der Ein­zel­hei­ten der Be­gründung wird auf Bl. 60 bis 67 d. A. ver­wie­sen).

Ge­gen die­se ihm am 15. April 2011 zu­ge­stell­te Ent­schei­dung hat der Kläger mit ei­nem am 16. Mai 2011 (Mon­tag) beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 1. Ju­li 2011 am 30. Ju­ni 2011 be­gründet.

Er hält die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung für un­zu­tref­fend; denn das Ar­beits­ge­richt ha­be ver­kannt, dass § 32 TVöD nicht wirk­sam in den Ar­beits­ver­trag ein­be­zo­gen wor­den sei. § 14 Abs. 2 Satz 4 Tz­B­fG er­for­de­re die Ver­ein­ba­rung der An­wen­dung der ta­rif­li­chen Re­ge­lung ins­ge­samt, an der es je­doch man­ge­le. Ab­ge­se­hen da­von han­de­le es sich bei § 32 TVöD auch nicht um ei­ne Re­ge­lung zur sach­grund­lo­sen Be­fris­tung. Dies fol­ge dar­aus, dass in § 32 Abs. 2 TVöD aus­drück­lich an die Erfüllung be­stimm­ter tatsäch­li­cher Vor­aus­set­zun­gen an­ge­knüpft wer­de. Da­mit hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Re­ge­lung aus­drück­lich auf ei­nen Sach­grund be­zo­gen. Je­doch sei die Re­ge­lung in § 32 TVöD nicht ge­eig­net, ei­nen über den Ka­ta­log des § 14 Abs. 1 Ziff. 1 bis 8 Tz­B­fG hin­aus­ge­hen­den wei­te­ren Sach­grund dar­zu­stel­len. Dies fol­ge dar­aus, dass zwar den Ka­ta­log er­wei­tern­de bran­chen­spe­zi­fi­sche Re­ge­lun­gen vor­stell­bar sei­en, es je­doch für den öffent­li­chen Dienst kei­nes­wegs ty­pisch sei, dass Führungs­auf­ga­ben nur auf Zeit über­tra­gen wer­den soll­ten, um Ver­sch­leißsi­tua­tio­nen hin­rei­chend be­geg­nen zu können (Bl. 79 bis 92 d. A.).

Der Kläger be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Pots­dam vom 16.03.2011 – 8 Ca 2521/10 – nach den kläge­ri­schen Schluss­anträgen ers­ter In­stanz zu er­ken­nen

und im Fal­le des Ob­sie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits vorläufig wei­ter­zu­beschäfti­gen.

 

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Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie schließt sich den nach ih­rer Auf­fas­sung zu­tref­fen­den Gründen der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung an, die sie mit wei­te­ren Ausführun­gen un­terstützt (Bl. 101 bis 105 d. A.).

Ent­schei­dungs­gründe


Die an sich statt­haf­te so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te und be­gründe­te Be­ru­fung des Klägers führt un­ter Auf­he­bung der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung zur Kla­ge­statt­ga­be.

I.

1. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en en­de­te nicht auf­grund der im Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en ent­hal­te­nen Be­fris­tungs­ab­re­de.

a)
Dies gilt zunächst in­so­weit, als § 32 TVöD als ta­rif­ver­trag­li­che Er­wei­te­rung der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung an­ge­se­hen wer­den könn­te (Spo­ner/St­ein­herr, TVöD, § 32 Rd­nr. 7; KomTVöD/Bet­ten­hau­sen, § 32 Rd­nr. 3; Cle­mens/Scheu­ring, TVöD, § 32 Rd­nr. 3; Brei­er/Das­sau/Kie­fer/Lang/Lan­gen­brinck, TVöD, § 32 Rd­nr. 6; Be­p­ler/Böhle-Ku­ner, TVöD, § 32 Rd­nr. 6); denn ei­ne wirk­sa­me ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me die­ser Re­ge­lung ist nicht er­folgt.

aa)
§ 14 Abs. 2 Satz 1 1. Al­ter­na­ti­ve Tz­B­fG sieht vor, dass die ka­len­dermäßige Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges oh­ne Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des bis zur Dau­er von zwei Jah­ren zulässig ist. In Satz 3 der Re­ge­lung ist fest­ge­legt, dass durch Ta­rif­ver­trag die An­zahl der

 

- 6 -

Verlänge­run­gen oder die Höchst­dau­er der Be­fris­tung ab­wei­chend von Satz 1 fest­ge­legt wer­den kann, wo­bei Satz 4 an­ord­net, dass im Gel­tungs­be­reich ei­nes sol­chen Ta­rif­ver­tra­ges auch nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer die An­wen­dung der ta­rif­li­chen Re­ge­lung ver­ein­ba­ren können.

bb)
Dies hat un­abhängig von der Fra­ge, ob die In­be­zug­nah­me von Ta­rif­recht punk­tu­ell (Mei­nel/Hayn/Herms, Tz­B­fG, 3. Aufl., § 14 Rd­nr. 178; Sie­vers, Tz­B­fG,§ 14 Rd­nr. 353) er­fol­gen darf, die Ge­samt­heit des Ta­rif­ver­tra­ges (An­nuß/Thüsing-Masch­mann, Tz­B­fG, § 14 Rd­nr. 68) oder zu­min­dest des Re­ge­lungs­ge­gen­stan­des (APS/Back­haus, 3. Aufl., § 14 Tz­B­fG Rd­nr. 410) er­fasst wer­den muss, zur Fol­ge, dass im Streit­fall ei­ne wirk­sa­me In­be­zug­nah­me nicht er­folgt ist.

Vor­aus­set­zung dafür wäre, dass dies „im Gel­tungs­be­reich ei­nes sol­chen Ta­rif­ver­tra­ges“ er­folg­te, wo­bei die­ser Pas­sus in ei­nem um­fas­sen­den Sin­ne zu ver­ste­hen ist und da­mit auch der persönli­che Gel­tungs­be­reich des Ta­rif­ver­tra­ges an­ge­spro­chen ist (Laux/Schlach­ter, Tz­B­fG, 2. Aufl., § 14 Rd­nr. 128; Boecken/Jous­sen, Tz­B­fG, 2. Aufl. § 14 Rd­nr. 127).

Da­von kann vor­lie­gend je­doch nicht aus­ge­gan­gen wer­den; denn § 3 Abs. 1 des Ar­beits­ver­tra­ges be­inhal­tet aus­drück­lich, dass die Ein­stel­lung außer­halb des re­gelmäßigen Gel­tungs­be­rei­ches des TVöD er­folgt (außer­ta­rif­li­che An­stel­lung).

b)
Aber auch bei ei­nem Verständ­nis des § 32 TVöD als wei­te­rer Be­fris­tungs­grund außer­halb des Ka­ta­logs des § 14 Abs. 1 Ziff. 1 bis 8 Tz­B­fG er­weist sich die Be­fris­tungs­ab­re­de als un­wirk­sam.

aa)
Da­bei ist al­ler­dings zu­tref­fend, dass die Aufzählung von Sach­gründen für die Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen in § 14 Abs. 1 Satz 2 Ziff. 1 bis 8 Tz­B­fG nicht ab­sch­ließend ist. Auch an­de­re Sach­gründe können die Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen recht­fer­ti­gen. Dies gilt al­ler­dings nur dann, wenn sie den in § 14 Abs. 1 Tz­B­fG zum Aus­druck kom­men­den Wer­tungs­maßstäben

 

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ent­spre­chen (BAG – 7 AZR 399/08 – vom 09.12.2009, AP Nr. 67 zu § 14 Tz­B­fG so­wie BAG – 7 AZR 136/09 – vom 02.06.2010, AP Nr. 7 zu § 14 Tz­B­fG).

bb)
An der Erfüllung der Vor­aus­set­zung der „Gleich­wer­tig­keit“ fehlt es im Streit­fall.

(1)
§ 14 Abs. 1 Ziff. 4 Tz­B­fG ge­stat­tet den Ab­schluss be­fris­te­ter Ar­beits­verträge mit Rück­sicht auf die Ei­gen­art der Ar­beits­leis­tung. Da­mit wird vor al­lem an den Cha­rak­ter der Ar­beits­leis­tung, we­ni­ger an den vorüber­ge­hen­den Be­darf dar­an an­ge­knüpft (KR-Lip­ke, 8. Aufl. § 14 Tz­B­fG, Rd­nr. 126); die­sem Ge­sichts­punkt ist durch die Re­ge­lung in Zif­fer 1 genügt. Er­fasst wer­den da­mit ins­be­son­de­re Fälle, in de­nen der Ar­beit­ge­ber sich auf ihn schützen­de grund­recht­li­che Po­si­tio­nen stützen kann. In­so­weit ist ins­be­son­de­re an Art. 5 GG (Film, Pres­se, Kunst, Mu­sik, For­schung und Leh­re) zu den­ken (BAG – 5 AZR 342/97 – vom 22.04.1998, AP Nr. 26 zu § 611 BGB Rund­funk), aber auch Art. 9 oder Art. 3 GG können hier berück­sich­tigt wer­den (KR-Lip­ke, § 14 Tz­B­fG Rd­nr. 127). Wei­ter­hin kann bei Berück­sich­ti­gung des Wert­ge­hal­tes des Art. 38 GG auch an die Beschäfti­gung von wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­tern von Par­la­ments­frak­tio­nen ge­dacht wer­den (BAG – 7 AZR 450/97 – vom 26.08.1998, AP Nr. 202 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag). Da­ne­ben können als dem Re­ge­lungs­be­reich der Zif­fer 4 zu­zu­rech­nen­de Fall­ge­stal­tun­gen auch so­ge­nann­te „Ver­sch­leißtat­bestände“ in Be­tracht kom­men. Da­bei han­delt es sich um ei­nen das übli­che Maß über­schrei­ten­den ver­trags­ty­pi­schen Ver­sch­leiß. Der in­fol­ge länge­rer Ausübung des­sel­ben Be­ru­fes ein­tre­ten­de nor­ma­le Ver­sch­leiß reicht in­so­weit nicht aus (BAG – 7 AZR 437/97 – vom 15.04.1999, AP Nr. 1 zu § 13 AÜG). Vor die­sem Hin­ter­grund sind an den Re­ge­lungs­zweck von ei­nen wei­te­ren sach­li­chen Grund für die Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen bil­den­den ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen be­son­de­re An­for­de­run­gen zu stel­len. Wenn sie dies in ih­rem Tat­be­stand nicht be­reits deut­lich zum Aus­druck brin­gen, ist zu­min­dest bei der Aus­le­gung der Vor­schrift dar­auf Be­dacht zu neh­men. Dies be­deu­tet, dass dem Bedürf­nis nach Ver­mei­dung von In­no­va­ti­ons­staus auch im öffent­li­chen Dienst durch die er­wei­ter­te

 

- 8 -

Zu­las­sung von Be­fris­tungs­ab­re­den durch­aus ent­spro­chen wer­den kann, je­doch muss sich dies auf Po­si­tio­nen mit be­son­de­rer Be­deu­tung oder sol­che be­schränken, auf die an den Stel­len­in­ha­ber be­son­de­re An­for­de­run­gen zu stel­len sind. An­ge­sichts der be­son­de­ren An­for­de­run­gen, die an die sach­li­che Recht­fer­ti­gung der Be­fris­tung im Sin­ne von Zif­fer 4 ge­stellt wer­den, wäre es un­verständ­lich, wenn ei­ne struk­tu­rell ähn­li­che Er­wei­te­rung durch Ta­rif­ver­trag die Erfüllung ent­spre­chend ho­her Vor­aus­set­zun­gen nicht er­for­der­te.

(2)
Dies lässt sich im Streit­fall je­doch nicht fest­stel­len.

So­weit die Be­klag­te sich dar­auf be­ruft, mit der be­fris­te­ten Be­set­zung von Führungs­po­si­tio­nen ei­nem zu befürch­ten­den In­no­va­ti­ons­stau be­geg­nen zu wol­len, ist dies zwar ein Ge­sichts­punkt, der grundsätz­lich von Be­deu­tung sein kann, je­doch setzt dies ei­ne be­son­ders geschütz­te Rechts­po­si­ti­on des Ar­beit­ge­bers vor­aus (vgl. BVerfG 1 BvR 848/77 vom 13.01.1982, AP Nr. 48 zu § 611 BGB Abhängig­keit), an der es vor­lie­gend je­doch man­gelt. Eben­so we­nig wird deut­lich, dass die dem Kläger über­tra­ge­ne Tätig­keit wie et­wa je­ne ei­nes Sport­trai­ners ei­nem be­son­de­ren Ver­sch­leiß un­ter­lie­gen würde.

Viel­mehr wur­de ihm le­dig­lich die Po­si­ti­on des Lei­ters des Fach­be­reichs Grün- und Ver­kehrs­flächen über­tra­gen, oh­ne dass dem Vor­trag der Be­klag­ten zu ent­neh­men wäre, dass dies für die Stadt von be­son­de­rer Be­deu­tung wäre, weil der Stel­len­in­ha­ber zur sach­ge­rech­ten Erfüllung sei­ner Auf­ga­ben über spe­zi­el­le Fähig­kei­ten verfügen oder be­son­de­re Kennt­nis­se oder persönli­che Ei­gen­schaf­ten ha­ben müss­te, die bei länge­rer Ausübung der Tätig­keit be­ein­träch­tigt würden. Da­nach bleibt al­lein der von der Be­klag­ten eben­falls in An­spruch ge­nom­me­ne Wunsch nach der Möglich­keit le­dig­lich be­fris­te­ter Über­tra­gung von Führungs­po­si­tio­nen, der in sei­ner All­ge­mein­heit je­doch nicht aus­reicht, um das Merk­mal der „Gleich­wer­tig­keit“ in dem vor­be­schrie­be­nen Sin­ne zu erfüllen. So­weit die Be­fris­tung mögli­cher­wei­se auf den Sach­grund der Er­pro­bung gestützt wer­den könn­te, steht dem – wie der Kläger mit Recht her­vor­ge­ho­ben hat – die an­ge­sichts der Re­ge­lung des § 30 Abs. 4 TVöD über­lan­ge Dau­er der Pro­be­zeit (KR-Lip­ke, § 14 Tz­B­fG Rd­nr. 162) ent­ge­gen.

 

- 9 -

2. Er­weist sich die Be­fris­tungs­ab­re­de als un­wirk­sam, war auch über den Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag zu ent­schei­den. Die­ser ist über sein Wort­laut hin­aus in Ver­bin­dung mit dem zu sei­ner In­ter­pre­ta­ti­on her­an­zu­zie­hen­den In­halt des Ar­beits­ver­tra­ges (§ 1: „Fach­be­reichs­lei­ter Grün- und Ver­kehrs­flächen“, Bl. 5 d. A.) in dem im Te­nor zu I 2 zum Aus­druck ge­kom­me­nen Sin­ne zu ver­ste­hen. An­ge­sichts des Feh­lens dem ent­ge­gen­ste­hen­der be­son­de­rer Umstände war auch die­sem An­trag zu ent­spre­chen.

II.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus §§ 64 Abs. 6 ArbGG, 91 ZPO.

III.

Die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on la­gen vor. Zu der spe­zi­el­len Fra­ge der Zu­ord­nung des § 32 TVöD zu Ab­satz 1 oder Ab­satz 2 des § 14 Tz­B­fG bzw. sei­ner „Gleich­wer­tig­keit“ liegt er­sicht­lich noch kei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vor.


Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Be­klag­ten bei dem

Bun­des­ar­beits­ge­richt,

Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt

(Post­adres­se: 99113 Er­furt),

Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­den. 

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb

ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

 

- 10 -

schrift­lich beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den.

Sie ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb

ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten

schrift­lich zu be­gründen. 

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­de.

Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als sol­che sind außer Rechts­anwälten nur fol­gen­de Stel­len zu­ge­las­sen, die zu­dem durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln müssen:

• Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,

• ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Der Schrift­form wird auch durch Ein­rei­chung ei­nes elek­tro­ni­schen Do­ku­ments i. S. d. § 46 c ArbGG genügt. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts un­ter www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de.

 

Dr. P

B.

H.

 

 

 

 

 

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