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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Befristung, Schriftform
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 8 Sa 63/12
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 19.04.2012
   
Leit­sätze: Un­wirk­sa­me Verlänge­rung des sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges durch schrift­li­che Ver­ein­ba­rung erst nach Ab­lauf des vor­an­ge­hen­den Be­fris­tungs­zeit­raums. Recht­zei­ti­ge münd­li­che Verlänge­rungs­ab­re­de wahrt nicht die Schrift­form; kei­ne Hei­lung möglich (ge­gen LAG Düssel­dorf, 06.12.2001 - 11 Sa 1204/01 - LA­GE § 17 Tz­B­fG Nr. 1).
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Herne, Urteil vom 7.12.2011, 1 Ca 2112/11
   

8 Sa 63/12  

1 Ca 2112/11
ArbG Her­ne

 

Verkündet am 19.04.2012

Gre­watsch Re­gie­rungs­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In Sa­chen

hat die 8. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 19.04.2012
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Du­den­bos­tel
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Kut­scher­au­er und Men­ke

für Recht er­kannt:

Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Her­ne vom 07.12.2011 – 1 Ca 2112/11 – ab­geändert:
1. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf­grund der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung vom 26.07.2010 zum 31.07.2011 be­en­det wor­den ist.
2. Die Be­klag­te trägt die Kos­ten des Rechts­streits.
3. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Be­fris­tungs­ab­re­de und in die­sem Zu­sam­men­hang u. a. um die Fra­ge, ob das zwi­schen den Par­tei­en erst­mals un­ter dem 15.03.2007 ver­ein­bar­te und auf­grund ta­rif­li­cher Zu­las­sung wie­der­holt bis zum 31.07.2010 sach­grund­los be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis durch den wei­te­ren, nun­mehr bis zum 31.07.2011 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag wirk­sam verlängert wor­den ist. Letz­te­rer Ver­trag ist in der Wei­se zu­stan­de ge­kom­men, dass die Be­klag­te das von ihr un­ter­zeich­ne­te Ver­trags­ex­em­plar dem Kläger mit An­schrei­ben vom 26.07.2010 - ab­ge­sandt am 06.08.2010 – über­mit­telt hat. Der - in Er­war­tung der Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses - ur­laubs­be­dingt ab­we­sen­de Kläger hat den ihm am 09.08.2010 zu­ge­gan­ge­nen Ver­trag so­dann un­ter­zeich­net und an die Be­klag­te zurück­ge­sandt. Nach Ab­lauf der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Be­fris­tungs­dau­er (31.07.2011) ist es zu ei­ner wei­te­ren Verlänge­rung oder Ent­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges nicht ge­kom­men, wor­auf der Kläger un­ter dem 11.08.2011 Kla­ge er­ho­ben hat.

Der im Jah­re 1949 ge­bo­re­ne Kläger ist auf­grund je­weils schrift­lich ab­ge­schlos­se­ner be­fris­te­ter Ar­beits­verträge (Bl. 172 ff. d.A.) seit dem 15.03.2007 bei der be­klag­ten Ge­sell­schaft bzw. ih­rer Rechts­vorgänge­rin, der R1 B1 GmbH, als Aus­bil­der beschäftigt. Die je­weils ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträge se­hen in § 1 ei­ne Be­fris­tung „auf­grund des § 14 Abs. 2 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­set­zes" vor. Gem. § 3 Ar­beits­ver­trag fin­den auf das Ar­beits­verhält­nis die dort ge­nann­ten Ta­rif­verträge in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung An­wen­dung, u. a. der Man­tel­ta­rif­ver­trag der R1 B1 GmbH (Bl. 75 ff. d.A.). Die­ser sieht in der ein­schlägi­gen Fas­sung gem. Ände­rungs­ta­rif­ver­trag vom 15.07.2009 (Bl. 88 d.A.) ei­ne höchs­tens fünf­ma­li­ge sach­grund­lo­se Be­fris­tung mit ei­ner zulässi­gen Ge­samt­be­fris­tungs­dau­er von 60 Mo­na­ten vor.

Der Kläger hält die zu­letzt ver­ein­bar­te Be­fris­tung zum 31.07.2011 für un­wirk­sam und macht zum ei­nen gel­tend, die frag­li­che Re­ge­lung sei eu­ro­pa­rechts­wid­rig. Fer­ner hält er die ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me Klau­sel für in­trans­pa­rent, da die­se die Ein­be­zie­hung vom Ge­setz ab­wei­chen­der Re­ge­lun­gen auf­grund der Ta­riföff­nungs­klau­sel des § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG nicht er­ken­nen las­se. Sch­ließlich führe auch der Um­stand, dass die Ver­ein­ba­rung über die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses erst am 09.08.2010 zu­stan­de ge­kom­men sei, zur Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung. Da das zu­vor be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis be­reits am 31.07.2010 be­en­det wor­den und ein neue Ver­trag erst ab­ge­schlos­sen wor­den sei, während der Kläger schon wei­ter­ge­ar­bei­tet ha­be, sei ei­ne wei­te­re Be­fris­tung nicht mehr zulässig ge­we­sen.

Durch Ur­teil vom 07.12.2011 (Bl. 89 ff. d. A.), auf wel­ches We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Par­tei­vor­brin­gens Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt den An­trag des Klägers, fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf­grund der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung vom 26.07.2010 zum 31.07.2011 be­en­det wor­den ist, ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung ist im We­sent­li­chen aus­geführt wor­den, ge­gen die Wirk­sam­keit der ge­trof­fe­nen Be­fris­tungs­ab­re­de bestünden kei­ne recht­li­chen Be­den­ken. Zwar sei der Kläger auf­grund wie­der­hol­ter jähr­li­cher Be­fris­tun­gen be­reits seit dem 01.03.2007 für die Be­klag­te tätig. Ab­wei­chend von der Vor­schrift des § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG er­lau­be je­doch die ar­beits­ver­trag­lich wirk­sam in Be­zug ge­nom­me­ne Re­ge­lung des ein­schlägi­gen Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges ei­ne fünf­ma­li­ge Verlänge­rung bis zur Ge­samt­dau­er von 60 Mo­na­ten. We­der könne dem Stand­punkt des Klägers ge­folgt wer­den, die ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me Klau­sel sei in­trans­pa­rent, noch ver­s­toße die ge­setz­li­che Re­ge­lung des § 14 Abs. 2 S. 3 ge­gen Ge­mein­schafts­recht, da die ein­schlägi­ge Richt­li­nie dem na­tio­na­len Ge­setz­ge­ber ei­nen ent­spre­chen­den Spiel­raum über­las­se. Ent­ge­gen dem Stand­punkt des Klägers ver­s­toße die ver­ein­bar­te Be­fris­tung auch nicht ge­gen das Ver­bot der Vor­beschäfti­gung gemäß § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG. Selbst wenn es vor Un­ter­zeich­nung des Ar­beits­ver­tra­ges zur Ar­beits­auf­nah­me ge­kom­men sein soll­te, schei­de ein kon­klu­den­ter Ver­trags­ab­schluss vor Un­ter­zeich­nung der Ver­trags­ur­kun­de aus. Durch Über­sen­dung ei­nes schrift­li­chen Ver­trags­an­ge­bots ha­be die Be­klag­te nämlich aus­rei­chend ver­deut­licht, dass der Verlänge­rungs­ver­trag nur bei Wah­rung des Schrift­for­mer­for­der­nis­ses des § 14 Abs. 4 Tz­B­fG zu­stan­de kom­men sol­le. Da der Kläger auch selbst nicht vor­tra­ge, die Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung sei be­reits vor Un­ter­zeich­nung des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges münd­lich ver­ein­bart ge­we­sen, han­de­le es sich auch nicht um die nachträgli­che Be­ur­kun­dung ei­ner for­mun­wirk­sa­men Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung. Da­mit sei dem ge­setz­li­chen Schrift­for­mer­for­der­nis Genüge ge­tan.

Mit sei­ner recht­zei­tig ein­ge­leg­ten und be­gründe­ten Be­ru­fung hält der Kläger un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens am Kla­ge­be­geh­ren fest und be­an­tragt, un­ter Auf­he­bung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Her­ne vom 07.12.2011 – 1 Ca 2112/11 – fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf­grund der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung vom 26.07.2010 zum 31.07.2010 be­en­det wor­den ist.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Von der wei­te­ren Dar­stel­lung des Tat­be­stan­des wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG ab­ge­se­hen.

Ent­schei­dungs­gründe:

Die Be­ru­fung des Klägers ist be­gründet und führt zur an­trags­gemäßen Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf­grund der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung vom 26.07.2010 zum 31.07.2011 be­en­det wor­den ist.

I. Ab­wei­chend vom Stand­punkt des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils ist die im zu­letzt ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag ver­ein­bar­te Be­fris­tungs­ab­re­de un­wirk­sam.

Auch wenn man dem Stand­punkt des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils folgt, dass auf­grund der in § 3 des Ar­beits­ver­tra­ges ent­hal­te­nen Ver­wei­sung auf den Man­tel­ta­rif­ver­trag der R1 B1 GmbH in sei­ner je­weils gülti­gen Fas­sung ei­ne wei­te­re Verlänge­rung des zu­vor ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­tra­ges an sich zulässig ge­we­sen wäre, schei­tert die Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung vor­lie­gend an dem Um­stand, dass sie erst zu ei­nem Zeit­punkt ab­ge­schlos­sen wor­den ist, als die im vor­an­ge­hen­den Ar­beits­ver­trag ver­ein­bar­te Be­fris­tung zum 31.07.2010 be­reits ab­ge­lau­fen und das Ar­beits­verhält­nis da­mit be­en­det war. Die ta­rif­lich zu­ge­las­se­ne wei­te­re „Verlänge­rung" des Ver­tra­ges war da­mit schon be­griff­lich nicht mehr möglich. Viel­mehr han­delt es sich bei dem erst nach Ab­lauf des bis zum 31.07.2010 ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag um ei­nen Neu­ab­schluss. Ei­ne Be­fris­tung des neu ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­tra­ges war in­des­sen nach § 14 Abs. 2 Satz 2 un­zulässig, weil zu­vor be­reits ein Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en be­stan­den hat.

1. Wie das Bun­des­ar­beits­ge­richt wie­der­holt ent­schie­den hat (u. a. BAG, 26.07.2000, 7 AZR 51/99, AP Nr. 4 zu § 1 BeschFG 1996 = DB 2001, 100), folgt be­reits aus dem ge­setz­lich ver­wen­de­ten Be­griff der „Verlänge­rung", dass der zu­grun­de lie­gen­de Ver­trag nur während sei­ner Lauf­zeit verlängert wer­den kann. Nach Ab­lauf des ver­ein­bar­ten Zeit­raums ist er be­en­det. Wech­sel­sei­ti­ge Rech­te und Pflich­ten der Par­tei­en müss­ten er­neut ver­ein­bart wer­den. Der erst nach Frist­ab­lauf ab­ge­schlos­se­ne Ver­trag stellt da­nach ei­nen Neu­ab­schluss dar, wel­cher dem Vor­beschäfti­gungs­ver­bot un­ter­liegt (BAG, a.a.o., ju­ris Rn. 31 zur ent­spre­chen­den Rechts­la­ge nach dem BeschFG 1996; KR-Lip­ke, 9. Aufl., § 14 Tz­B­fG Rn 393, 416). Ta­rif­li­che Ab­wei­chun­gen von der ge­setz­li­chen Re­ge­lung sind in § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG al­lein in Be­zug auf Be­fris­tungs­dau­er und An­zahl der Verlänge­run­gen zu­ge­las­sen, nicht je­doch in Be­zug auf die Mo­da­litäten der „Verlänge­rung"-Ver­ein­ba­rung bzw. auf die Re­ge­lung des § 14 Abs. 2 S. 2 Tz­B­fG (KR-Lip­ke a.a.O. Rn 435; APS-Back­haus, § 14 Tz­B­fG Rn 403).

2. Et­was an­de­res er­gibt sich auch nicht aus der vom Ar­beits­ge­richt zi­tier­ten Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 16.04.2008 (7 AZR 1048/08), wel­che sich mit dem For­mer­for­der­nis des § 14 Abs. 4 Tz­B­fG und der Fra­ge­stel­lung be­fasst, in­wie­fern die tatsächli­che Ar­beits­auf­nah­me vor Zu­stan­de­kom­men der ver­ein­bar­ten Ver­trags­be­ur­kun­dung zur Be­gründung ei­nes un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis führt. Da der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ein Fall der Sach­grund­be­fris­tung zu­grun­de lag, kam es auf die Pro­ble­ma­tik der „Verlänge­rung" nicht an.

Vor­lie­gend folgt die Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung nicht dar­aus, dass der Kläger et­wa vor Un­ter­zeich­nung des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges sei­ne Ar­beit be­reits tatsächlich auf­ge­nom­men hätte; ent­schei­dend ist viel­mehr, dass die an sich mögli­che Verlänge­rung des vor­an­ge­hen­den Ver­tra­ges erst nach Ab­lauf der hier­in vor­ge­se­he­nen Be­fris­tung zu­stan­de ge­kom­men ist.

3. Auch die Tat­sa­che, dass sich die Par­tei­en nach Dar­stel­lung des Klägers be­reits vor Ab­lauf der vor­an­ge­hen­den Be­fris­tung zum 31.07.2010 über ei­ne Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses form­los ver­bind­lich verständigt hat­ten und aus die­sem Grun­de ei­ne zeit­na­he Un­ter­zeich­nung der Verlänge­rungs­ver­ein­ba­rung be­ab­sich­tigt war, ändert nichts dar­an, dass ei­ne dem Schrift­for­mer­for­der­nis des § 14 Abs. 4 Tz­B­fG genügen­de Ver­ein­ba­rung nicht während des vor­an­ge­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses zu­stan­de ge­kom­men ist.

So­weit dem­ge­genüber das LAG Düssel­dorf (Ur­teil vom 06.12.2001, 11 Sa 1204/01, LA­GE § 17 Tz­B­fG Nr. 1) für ei­nen der­ar­ti­gen Fall an­ge­nom­men hat, von der Ein­hal­tung des Schrift­for­mer­for­der­nis­ses könne ab­ge­se­hen wer­den, wenn die schrift­li­che Fi­xie­rung der Verlänge­rungs­ver­ein­ba­rung un­mit­tel­bar (bzw. mögli­cher­wei­se auch zeit­nah) nach dem ursprüng­lich ver­ein­bar­ten Be­fris­tungs­en­de er­fol­ge, über­zeugt dies nicht. Ei­ne sol­che Sicht­wei­se ist we­der mit dem zwin­gen­den Schrift­for­mer­for­der­nis für Be­fris­tungs­ab­re­den ver­ein­bar, wel­ches ei­ne Hei­lung ei­ner for­mun­wirk­sa­men Ab­re­de durch nachträgli­che Be­ur­kun­dung aus­sch­ließt, noch wird mit die­ser Auf­fas­sung dem Ge­sichts­punkt der Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit aus­rei­chend Rech­nung ge­tra­gen. Wie die vor­lie­gen­de Sach­ver­halts Ge­stal­tung zeigt, bedürf­te es je­weils der Aufklärung, ob die Ver­trags­verlänge­rung le­dig­lich „in Aus­sicht ge­nom­men" oder - ab­wei­chend vom Grund­satz des § 154 Abs. 2 BGB – be­reits ver­bind­lich ver­ein­bart ist, fer­ner käme es dar­auf an, ob der hier ver­stri­che­ne Zeit­raum von 9 Ta­gen bis zur nachträgli­chen Ver­trags­be­ur­kun­dung noch als un­be­deu­tend an­zu­se­hen wäre. So­weit er­sicht­lich, hat die ge­nann­te Ent­schei­dung des LAG Düssel­dorf im Schrift­tum kei­ne Zu­stim­mung ge­fun­den (KR-Lip­ke a.a.O. Rn 395; Laux/Schlach­ter, 2. Aufl., § 14 Tz­B­fG Rn 106; Mei­nel/Heyn/Herms, 3. Aufl., Rn 165; Kop­pen­felds, AuR 2002, 241).

4. Da­mit muss es sein Be­wen­den ha­ben, dass die an­ge­grif­fe­ne Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges zum 31.07.2011 kei­ne zulässi­ge Verlänge­rung des vor­an­ge­hen­den Ar­beits­ver­tra­ges dar­stellt. Ei­ne et­wa noch während des vor­an­ge­hen­den Ar­beits­ver­tra­ges münd­lich ver­ein­bar­te Ver­trags­verlänge­rung schei­tert am Schrift­for­mer­for­der­nis des § 14 Abs. 4 Tz­B­fG.

II. Die Kos­ten des Rechts­streits hat die Be­klag­te zu tra­gen, da sie un­ter­le­gen ist.

III. Die Kam­mer hat die Re­vi­si­on ge­gen das Ur­teil im Hin­blick auf die zi­tier­te Ent­schei­dung des LAG Düssel­dorf zu­ge­las­sen.

RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von

RE­VISION

ein­ge­legt wer­den.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

Fax: 0361 2636 2000

ein­ge­legt wer­den.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte,
2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.

* ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

 

Dr. Du­den­bos­tel 

Kut­scher­au­er 

Men­ke

/Gr.

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