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Handbuch Arbeitsrecht
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Be­hin­de­rung, Men­schen mit Be­hin­de­rung

In­for­ma­tio­nen zum The­ma Be­hin­de­rung, Men­schen mit Be­hin­de­rung: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht

Le­sen Sie hier, wel­che Men­schen im Ar­beits­recht als be­hin­dert gel­ten und wor­in der Un­ter­schied zwi­schen Be­hin­de­rung und Schwer­be­hin­de­rung be­steht.

Au­ßer­dem fin­den Sie Hin­wei­se da­zu, wel­che ar­beit­recht­li­chen Schutz­vor­schrif­ten zu­guns­ten von be­hin­der­ten Men­schen gel­ten, wann ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung vor­liegt und was Ar­beit­ge­ber zu­guns­ten von be­hin­der­ten Men­schen tun müs­sen, um häu­fi­gen Krank­hei­ten vor­zu­beu­gen.

von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin

Wer ist behindert im Sinne des Arbeitsrechts?

Ob je­mand im Sin­ne des Ar­beits- und So­zi­al­rechts be­hin­dert ist oder nicht, be­stimmt sich nach § 2 Abs.1 Neun­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IX). Die­se ge­setz­li­che De­fi­ni­ti­on lau­tet:

„Men­schen sind be­hin­dert, wenn ih­re

  • körper­li­che Funk­ti­on,
  • geis­ti­ge Fähig­keit oder
  • see­li­sche Ge­sund­heit

mit ho­her Wahr­schein­lich­keit länger als sechs Mo­na­te von dem für das Le­bens­al­ter ty­pi­schen Zu­stand ab­wei­chen und da­her ih­re Teil­ha­be am Le­ben in der Ge­sell­schaft be­ein­träch­tigt ist. Sie sind von Be­hin­de­rung be­droht, wenn die Be­ein­träch­ti­gung zu er­war­ten ist.“

Wie man an die­ser De­fi­ni­ti­on er­ken­nen kann, sind körper­li­che oder geis­ti­ge De­fi­zi­te nur dann ei­ne Be­hin­de­rung, wenn sie ein Dau­er­pro­blem für den Be­trof­fe­nen sind (d.h. wenn sie vor­aus­sicht­lich länger als sechs Mo­na­te be­ste­hen) und wenn sie nicht durch all­ge­mein übli­che Trai­nings- bzw. Lern­pro­zes­se be­sei­tigt wer­den können: Wer nicht le­sen und schrei­ben kann, ist zwar durch die­ses De­fi­zit in sei­ner Teil­ha­be am Le­ben in der Ge­sell­schaft be­ein­träch­tigt, doch kann er es (je­den­falls im Prin­zip) be­sei­ti­gen, in­dem er das Le­sen und Schrei­ben er­lernt, eben so, wie an­de­re Men­schen auch.

Außer­dem kommt es auch auf das Al­ter an, in dem man sich be­fin­det. Wer mit zwölf Mo­na­ten (noch) nicht flüssig spre­chen kann oder wer mit 90 Jah­ren nicht mehr so gut ge­hen ist wie mit an­de­re mit 20 Jah­ren, ist des­halb noch nicht be­hin­dert.

Worin besteht der Unterschied zwischen einer Behinderung und einer Schwerbehinderung?

Ei­ne Be­hin­de­rung kann mehr oder we­ni­ger er­heb­lich sein. Da­bei wird ei­ne Ab­stu­fung des „Gra­des der Be­hin­de­rung“ („GdB“) auf ei­ner Ska­la bis 100 (sehr schwe­re Be­hin­de­rung) vor­ge­nom­men, und zwar in Zeh­ner­schrit­ten. Von ei­ner „Be­hin­de­rung“ wird da­bei erst ab ei­nem Grad der Be­hin­de­rung von 20 ge­spro­chen. Der GdB wird auf der Grund­la­ge ärzt­li­cher Un­ter­su­chun­gen er­mit­telt.

Schwer­be­hin­dert“ sind Men­schen, bei de­nen ein Grad der Be­hin­de­rung von we­nigs­tens 50 vor­liegt (§ 2 Abs.2 SGB IX). Schwer­be­hin­der­te Men­schen wer­den im Ar­beits­le­ben in be­son­de­rer Wei­se gefördert, z.B. beim The­ma Ur­laub und durch be­son­de­re Re­ge­lun­gen zum Kündi­gungs­schutz.

Welche arbeitsrechtlichen Schutzvorschriften gelten zugunsten von behinderten Menschen?

Gemäß Art.3 Abs.3 Satz 2 Grund­ge­setz (GG) darf nie­mand we­gen sei­ner Be­hin­de­rung be­nach­tei­ligt wer­den. Die­ses Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot gilt zu­guns­ten von „nur“ be­hin­der­ten Men­schen und natürlich auch zu­guns­ten von schwer­be­hin­der­ten.

Im Er­werbs­le­ben ist das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung be­son­ders wich­tig und da­her im All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) in vie­len Ein­zel­hei­ten ge­re­gelt. Das AGG ver­bie­tet ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung be­hin­der­ter Men­schen vor al­lem

  • bei der Ein­stel­lung,
  • beim be­ruf­li­chen Auf­stieg,
  • bei der Durchführung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses und
  • bei der Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses bzw. bei den „Ent­las­sungs­be­din­gun­gen“.

Eben­so wie das in Art.3 GG ent­hal­te­ne Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot gel­ten auch die Vor­schrif­ten des AGG zu­guns­ten von „nur“ be­hin­der­ten Men­schen und natürlich auch zu­guns­ten von Schwer­be­hin­der­ten.

Darüber hin­aus wer­den be­hin­der­te Men­schen durch das SGB IX geschützt. Hier im Rah­men des SGB IX ist die Ab­stu­fung zwi­schen be­hin­der­ten Men­schen (d.h. von Per­so­nen mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung von we­ni­ger als 50) und von schwer­be­hin­der­ten Men­schen (d.h. von Per­so­nen mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung von 50 oder mehr) be­son­ders wich­tig.

So gilt z.B. der be­son­de­re Schutz be­hin­der­ter Men­schen vor ei­ner Kündi­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses durch den Ar­beit­ge­ber nur zu­guns­ten von schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mern (§ 85 SGB IX), und auch der ge­setz­li­che Zu­satz­ur­laub steht nur schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mern zu (§ 125 SGB IX). Außer­dem ha­ben die schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer ei­ne ei­ge­ne be­trieb­li­che In­ter­es­sen­ver­tre­tung, die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den Sie un­ter „Hand­buch Ar­beits­recht: Schwer­be­hin­de­rung“ und un­ter "Hand­buch Ar­beits­recht: Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung".

Wann liegt eine Diskriminierung wegen einer Behinderung vor?

Ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung liegt vor, wenn ein be­hin­der­ter Stel­len­be­wer­ber oder Ar­beit­neh­mer we­gen sei­ner Be­hin­de­rung schlech­ter als an­de­re, mit ihm ver­gleich­ba­re Stel­len­be­wer­ber oder Ar­beit­neh­mer be­han­delt wird und wenn es für ei­ne sol­che Schlech­ter­stel­lung nicht aus­nahms­wei­se ei­nen trif­ti­gen sach­li­chen Grund gibt. Ei­ne sach­lich nicht ge­recht­fer­tig­te Be­nach­tei­li­gung bzw. Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Be­hin­de­rung ist ge­setz­lich eben­so ver­bo­ten wie ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts oder des Al­ters.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu die­sen Fra­gen fin­den Sie un­ter „Hand­buch Ar­beits­recht: Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te - Be­hin­de­rung“.

Was müssen Arbeitgeber zugunsten von Behinderten tun, um häufigen Krankheiten vorzubeugen (Prävention)?

Wenn ein Ar­beit­neh­mer in­ner­halb ei­nes Jah­res länger als sechs Wo­chen un­un­ter­bro­chen oder wie­der­holt ar­beits­unfähig ist, muss der Ar­beit­ge­ber gemäß § 84 Abs.2 Satz 1 SGB IX un­ter Be­tei­li­gung des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers und des Be­triebs­rats oder Per­so­nal­rats klären, wie die Ar­beits­unfähig­keit möglichst über­wun­den wer­den und mit wel­chen Leis­tun­gen oder Hil­fen er­neu­ter Ar­beits­unfähig­keit vor­ge­beugt und der Ar­beits­platz er­hal­ten wer­den kann.

BEISPIEL: Ein Ar­beit­neh­mer ist im Jah­re 2011 drei Mal für je­weils zwei Wo­chen ar­beits­unfähig er­krankt und ge­gen En­de des Jah­res noch­mals für ei­ne Wo­che. Ins­ge­samt war er da­her im Jah­re 2011 länger als sechs Wo­chen wie­der­holt ar­beits­unfähig. Da­her muss der Ar­beit­ge­ber auf den Ar­beit­neh­mer zu­ge­hen und mit ihm klären, wie ei­ner er­neu­ten Ar­beits­unfähig­keit vor­ge­beugt und der Ar­beits­platz er­hal­ten wer­den kann.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu der Fra­ge, was der Ar­beit­ge­ber bei der Durchführung ei­nes sol­chen be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ments (BEM) be­ach­ten muss, fin­den Sie un­ter „Hand­buch Ar­beits­recht: Be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM)“.

Wo finden Sie mehr zum Thema Behinderung, Menschen mit Behinderung?

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen, die Sie im Zu­sam­men­hang mit dem The­ma The­ma Be­hin­de­rung, Men­schen mit Be­hin­de­rung in­ter­es­sie­ren könn­ten, fin­den Sie hier:

Kom­men­ta­re un­se­res An­walts­teams zu ak­tu­el­len Fra­gen rund um das The­ma Be­hin­de­rung, Men­schen mit Be­hin­de­rung fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 16. Oktober 2016

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