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Viel Bei­fall für die Agen­da 2010 - jetzt auch von der SPD

Schrö­ders "Agen­da 2010" war die um­strit­tens­te So­zi­al­re­form der Nach­kriegs­zeit: Die SPD hat lan­ge da­mit ge­ha­dert. Zum zehn­ten Jah­res­tag je­doch ha­ben die Par­tei­gran­den das Wahl­kampf­po­ten­zi­al er­kannt

11.03.2013. (dpa) - Zehn Jah­re nach An­kün­di­gung der "Agen­da 2010" drin­gen Re­gie­rung und Op­po­si­ti­on auf ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung des Re­form­pa­kets.

Füh­ren­de SPD-Po­li­ti­ker wer­te­ten die von Rot-Grün durch­ge­setz­ten So­zi­al­re­for­men kurz vor dem Jah­res­tag als gro­ßen Er­folg, der Deutsch­land vor dem Nie­der­gang be­wahrt ha­be.

Der frü­he­re SPD-Kanz­ler Ger­hard Schrö­der ver­lang­te, die Wett­be­werbs­fä­hig­keit mit ei­ner Agen­da 2020 zu stär­ken. Ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) sag­te: "Jetzt geht es dar­um, dass Men­schen, die sich an­stren­gen, auch Chan­cen ha­ben, vor­an­zu­kom­men."

Schrö­der hat­te das Re­form­pa­ket am 14. März 2003 im Bun­des­tag prä­sen­tiert. Um­ge­setzt wur­den die Schrit­te ein­schließ­lich der Hartz-IV-Re­ge­lung bis An­fang 2005. Die "Agen­da 2010" war mit Ein­schnit­ten bei der Ren­te, der Ar­beits­lo­sen-Un­ter­stüt­zung und im Ge­sund­heits­sys­tem die tief­grei­fends­te So­zi­al­re­form der Nach­kriegs­zeit. In der SPD ist sie bis heu­te um­strit­ten.

Zum zehn­ten Jah­res­tag stell­te sich die so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Füh­rungs­rie­ge je­doch de­mons­tra­tiv hin­ter das Re­form­werk. "Die Agen­da 2010 war sehr er­folg­reich, aber es wird zehn Jah­re nach ih­rer An­kün­di­gung im­mer noch viel Fal­sches dar­über er­zählt", sag­te Par­tei­chef Sig­mar Ga­bri­el dem "Fo­cus". SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Peer St­ein­brück kri­ti­sier­te, sei­ne Par­tei hät­te viel selbst­be­wuss­ter und stol­zer da­mit um­ge­hen müs­sen. "Wir sind Dep­pen, dass wir die Agen­da im­mer mit Hartz IV gleich­ge­setzt ha­ben", sag­te er bei ei­ner Ver­an­stal­tung in Karls­ru­he. Da­mit kön­ne nun Schwarz-Gelb die Ren­di­te ein­fah­ren.

SPD-Frak­ti­ons­chef Frank-Wal­ter St­ein­mei­er, sei­ner­zeit Kanz­ler­amts­chef im Ka­bi­nett Schrö­der, be­zeich­ne­te das Re­form­pro­jekt als "Aus­bruch aus der Ab­wärts­spi­ra­le". "Wenn Schrö­der da­mals so mut­los re­giert hät­te wie An­ge­la Mer­kel heu­te, stün­den wir jetzt in ei­ner Rei­he mit Ita­li­en, Frank­reich und Spa­ni­en vor deut­lich grö­ße­ren Pro­ble­men in­mit­ten der Eu­ro-Kri­se", sag­te er der "Süd­deut­schen Zei­tung". St­ein­mei­er räum­te ein, dass die "Agen­da 2010" auch zu Aus­wüch­sen et­wa im Nied­rig­lohn­sek­tor ge­führt ha­be. Das müs­se kor­ri­giert wer­den - auch durch ei­nen Min­dest­lohn.

Schrö­der sprach sich da­für aus, ein neu­es, um­fas­sen­des Re­form­pa­ket auf den Weg zu brin­gen. "Deutsch­land kann sei­nen Vor­sprung ge­gen­über auf­stre­ben­den Wirt­schafts­mäch­ten wie Bra­si­li­en und Chi­na nur ver­tei­di­gen, wenn wir hart an un­se­rer Wett­be­werbs­fä­hig­keit ar­bei­ten", sag­te er der "Bild"-Zei­tung (Mon­tag). Als wich­tigs­te Vor­ha­ben nann­te der Alt­kanz­ler In­ves­ti­tio­nen in For­schung und Bil­dung. "Die so­zia­len Sys­te­me kön­nen in ei­ner äl­ter wer­den­den Ge­sell­schaft nicht sta­tisch ge­hal­ten wer­den. Des­halb brau­chen wir im­mer wie­der Mut zur Ver­än­de­rung!"

St­ein­mei­er sag­te in der ARD-Sen­dung "Be­richt aus Ber­lin", ei­ne Agen­da 2020 müs­se be­rück­sich­ti­gen, dass die Pro­ble­me des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts nicht die des kom­men­den sei­en. Im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt sei das Haupt­pro­blem die ho­he Ar­beits­lo­sig­keit ge­we­sen, im kom­men­den wer­de es der Man­gel an qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­kräf­ten sein. "Die Agen­da 2020, wenn es sie gibt, muss in den Mit­tel­punkt stel­len: Bil­dung, Bil­dung, Bil­dung."

Ar­beits­mi­nis­te­rin von der Ley­en be­zeich­ne­te die Re­form­schrit­te des da­ma­li­gen SPD-Kanz­lers als im Grund­satz "mu­tig und rich­tig". "Al­ler­dings muss­ten wir deut­lich nach­ar­bei­ten und die Agen­da 2010 so­zia­ler ma­chen", sag­te sie dem "Ta­ges­spie­gel" (Sams­tag). Ei­ne "Agen­da 2020" müs­se im Zei­chen von Chan­cen­ge­rech­tig­keit und Fach­kräf­te­si­che­rung ste­hen.

Links­par­tei-Che­fin Kat­ja Kip­ping for­der­te, "dem Hartz-IV-Sys­tem die schlimms­ten Gift­zäh­ne zu zie­hen". Da­für müss­ten der Re­gel­satz an­ge­ho­ben und die Sank­tio­nen ab­ge­schafft wer­den, sag­te sie der "Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung".

Der neue Vor­sit­zen­de der fünf "Wirt­schafts­wei­sen", Chris­toph Schmidt, warn­te hin­ge­gen da­vor, die "Agen­da 2010" zu­rück­zu­dre­hen. Ei­ne Ab­kehr von der Ren­te mit 67 oder die Ein­füh­rung ei­nes Min­dest­lohns könn­te vie­le Er­fol­ge wie­der zu­nich­te ma­chen, sag­te er dem "Ta­ges­spie­gel am Sonn­tag".

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Letzte Überarbeitung: 4. Dezember 2014

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