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Über die Be­las­tungs­gren­ze und zu­rück - Burn-out in den Griff be­kom­men

Stress hat je­der mal, auch mal mehr: Man­che ste­cken das recht lo­cker weg, an­de­re be­kom­men ein Burn-out. Was da­vor schützt, lässt sich trai­nie­ren. Manch­mal braucht man aber ein­fach pro­fes­sio­nel­le Hil­fe

10.02.2016. (dpa) - Bei ei­nem Burn-out mer­ken Be­trof­fe­ne meis­tens gar nicht, wie sie ih­re Be­las­tungs­gren­ze über­schrei­ten.

Denn was vie­len nicht klar ist: Dass sie ei­ne Be­las­tungs­gren­ze ha­ben.

Und dass Kör­per und See­le lei­den, wenn man sie igno­riert.

So ging es An­dre­as Schwar­zer (Na­me ge­än­dert).

Er hat 30 Jah­re in ei­ner Bran­che ge­ar­bei­tet, ein Abend­stu­di­um ge­macht, sich in sei­nem Be­trieb bis ins Ma­nage­ment hoch­ge­ar­bei­tet.

Dann, vor sechs Jah­ren, ist der heu­te 51-Jäh­ri­ge "kom­plett um­ge­fal­len": "Ich ha­be drei oder vier Wo­chen nur noch im Bett ge­le­gen, kein Licht und kei­ne Ge­räu­sche er­tra­gen." Aus da­ma­li­ger Sicht kam das für ihn plötz­lich. Die Warn­si­gna­le hat er nicht er­kannt. Mit Stra­te­gi­en, die dem Aus­bren­nen ent­ge­gen­wir­ken, hat­te er sich nicht be­fasst.

Burn-out ist kei­ne ei­ge­ne Er­kran­kung, son­dern ein Ri­si­ko­zu­stand, sagt Iris Hauth. Sie ist Prä­si­den­tin der Deut­schen Ge­sell­schaft für Psych­ia­trie, Psy­cho­the­ra­pie, Psy­cho­so­ma­tik und Ner­ven­heil­kun­de (DGPPN). "Der kann zum Bei­spiel zu De­pres­sio­nen oder Angst­stö­run­gen füh­ren." Wer ei­nen sehr ho­hen An­spruch an sich selbst hat und sich stark über sei­nen Job und den be­ruf­li­chen Er­folg de­fi­niert, ist be­son­ders ge­fähr­det.

Dass die ei­nen ein Burn-out be­kom­men und die an­de­ren, de­ren Le­ben ähn­lich ge­tak­tet ist, nicht, hängt aber auch von bio­lo­gi­schen Fak­to­ren ab, wie Hauth er­klärt. Au­ßer­dem sind psy­chi­sche und so­zia­le Fak­to­ren aus­schlag­ge­bend. Die las­sen sich trai­nie­ren: Es geht vor al­lem dar­um, um die Selbst­wirk­sam­keit zu wis­sen und nicht pro­blem-, son­dern lö­sungs­ori­en­tiert zu den­ken, er­klärt Hauth. Au­ßer­dem spielt es ei­ne Rol­le, ob man fä­hig ist, sich Hil­fe zu ho­len. Und: Man braucht ei­nen Aus­gleich zum Stress.

Aus­gleich ist in die­sem Fall wie ein Ge­gen­ge­wicht zu ver­ste­hen: Hat man Stress auf der Ar­beit, soll­te man in sei­ner Frei­zeit das Ge­gen­teil von dem tun, was man bei der Ar­beit macht, rät Coach Nor­bert Hü­ge. Er ist Bun­des­vor­sit­zen­der des Deut­schen Bun­des­ver­bands für Burn-out-Pro­phy­la­xe und Prä­ven­ti­on. "Ein Bau­ar­bei­ter darf ru­hig auf die Couch. Wer den gan­zen Tag am Schreib­tisch sitzt, braucht Be­we­gung."

Na­tür­lich ist es wich­tig, et­was zu fin­den, was Spaß macht. Das ist nicht ein­fach - schließ­lich ist es ty­pisch, dass man sich selbst aus dem Blick ver­liert, wenn man auf ein Burn-out zu­steu­ert. Der Ge­dan­ke "Wenn ich in Ren­te ge­he, dann ..." sei ein gu­ter An­halts­punkt, um et­was zu fin­den, was Spaß macht, sagt Hü­ge. Wich­tig ist es, sol­che Wün­sche di­rekt um­zu­set­zen, um den Aus­gleich zur Ar­beits­welt zu schaf­fen.

Auch Schwar­zer hat ge­lernt her­aus­zu­fin­den, was ihm Spaß macht. Kraft­quel­len nennt er das. Um die zu fin­den, soll­te man sich fra­gen: "Was hat mir in der Ju­gend Spaß ge­macht? Mit wel­chen Men­schen hat­te ich frü­her Spaß?", schlägt Schwar­zer vor. Er emp­fiehlt: Son­ne, Licht, Na­tur, men­sch­li­che Nä­he, Ru­he und viel Schlaf. Er lei­tet in­zwi­schen ei­ne Burn-out-Selbst­hil­fe­grup­pe in Ber­lin und hat ein Buch zum The­ma ver­öf­fent­licht.

Aus­gleich zu schaf­fen, macht auch noch Sinn, wenn es schon Alarm­si­gna­le für ein Burn-out gibt, er­klärt Hauth. Man soll­te ak­tiv wer­den, wenn man stän­dig er­schöpft ist und das Wo­chen­en­de zur Er­ho­lung nicht aus­reicht. Auch sich nur noch auf die Ar­beit zu kon­zen­trie­ren und Fa­mi­lie, Freun­de und sich selbst zu ver­nach­läs­si­gen, sind ty­pi­sche Sym­pto­me. Wenn die­se Sym­pto­me län­ger als zwei Wo­chen be­ste­hen, kön­nen Be­trof­fe­ne da­von aus­ge­hen, dass es sich nicht nur um ei­ne "schlech­te Pha­se" han­delt, sagt Hauth.

Bei Schwar­zer war es viel län­ger. Und viel schlim­mer. Ein­ein­halb Jah­re vor sei­nem kom­plet­ten Zu­sam­men­brauch hat­te er star­ke Ver­span­nun­gen und so­gar ei­ne Kie­fer­klem­me - er aß nur noch Sup­pe mit dem Stroh­halm. Hin­ter all dem hat­te er kör­per­li­che Ur­sa­chen ver­mu­tet. Or­ga­nisch konn­ten die Ärz­te aber nichts fest­stel­len. "Dass es Din­ge gibt, die ich nicht be­wäl­ti­gen kann, das zu ler­nen, war ei­ne lan­ge Rei­se." Ge­hol­fen hat ihm ein Kli­nik­auf­ent­halt, ei­ne The­ra­pie, viel über sein Pro­blem zu le­sen und der Aus­tausch in der Selbst­hil­fe­grup­pe, die er selbst ge­grün­det hat.

Da­mit es nicht so weit kommt, emp­fiehlt Hauth, bei ent­spre­chen­den Warn­zei­chen zu ana­ly­sie­ren, wo die Stress­fak­to­ren lie­gen. Im nächs­ten Schritt stellt man sich ei­nen Plan zum Aus­ru­hen auf. "Das ist nicht als St­un­den­plan zum Ab­ar­bei­ten ge­dacht. Eher als dau­er­haf­te Er­in­ne­rung an ei­ne neue Struk­tur." Dort soll­te man Ent­span­nung, Sport und Mu­ße pla­nen.

Wer das durch­zieht, kann sein Le­ben um­struk­tu­rie­ren. "Der Mensch ist ein Ge­wohn­heits­tier und kann sich in­ner­halb von drei bis vier Wo­chen neue Ge­wohn­hei­ten an­trai­nie­ren", er­klärt Hü­ge. Ein Spa­zier­gang am Mor­gen, Sit-ups vor der Ar­beit oder re­gel­mä­ßig Lau­fen ge­hen. "Wer Sport treibt, ist platt, aber glück­lich, statt nie­der­ge­schla­gen und aus­ge­laugt." Aber Vor­sicht: Bloß nicht die Wer­te aus dem Ar­beits­le­ben auf den Sport über­tra­gen, warnt Hü­ge. "Es müs­sen nicht zehn Ki­lo­me­ter in ei­ner be­stimm­ten Zeit sein."

So ein Ver­än­de­rungs­pro­zess dau­ert laut Hauth ei­ni­ge Wo­chen. Wer dann merkt, dass er die neu ge­plan­te Ta­ges- und Wo­chen­struk­tur nicht ein­hält, nach wie vor Schlaf­stö­run­gen hat oder der Druck sich nicht ver­än­dert, soll­te sich pro­fes­sio­nel­le Hil­fe ho­len. Und na­tür­lich ist das ein Lang­zeit­pro­jekt. "Man soll­te das Gan­ze eben nicht se­hen wie ei­ne Vier-Wo­chen-Kur und dann wei­ter­ma­chen wie vor­her." Mit der Än­de­rung des ei­ge­nen Le­bens muss nicht zwangs­läu­fig die Kün­di­gung ein­her­ge­hen. Aber der Ar­beits­platz soll­te ana­ly­siert wer­den und man soll­te mit sei­nem Vor­ge­setz­ten und dem Be­triebs­arzt über Mög­lich­kei­ten der Ent­las­tung spre­chen - am al­ten Ar­beits­platz oder durch ei­nen Wech­sel in­ner­halb der Fir­ma.

Schwar­zer ist zu­nächst in sei­ne al­te Fir­ma zu­rück­ge­kehrt, nach ei­nen Jahr hat er aber ge­merkt: Das ist es nicht. Zu­nächst ar­bei­te­te er halb­tags in ei­ner Fahr­rad­werk­statt, jetzt en­ga­giert er sich im Dach­ver­band der Ber­li­ner Selbst­hil­fe SE­KIS. Er meint: "Egal, ob man in sei­nem Job bleibt oder nicht, hin­ter­her ist man nicht mehr der Al­te. Dem Al­ten ist es ja pas­siert."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. Oktober 2016

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