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Be­nach­tei­li­gung ei­nes Be­triebs­rats durch Ver­wei­ge­rung der Fest­an­stel­lung

Wird ei­nem Be­triebs­rats­mit­glied bei Aus­lau­fen ei­nes Zeit­ver­trags die Fest­an­stel­lung ver­wei­gert, kann dar­in ei­ne ver­bo­te­ne Be­nach­tei­li­gung lie­gen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
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31.01.2012. Mit­glie­der des Be­triebs­rats müs­sen dem Ar­beit­ge­ber im­mer wie­der ein­mal "auf die Ner­ven" ge­hen und ge­nie­ßen da­her ei­nen spe­zi­el­len Kün­di­gungs­schutz als Be­triebs­rats­mit­glie­der. Al­ler­dings greift die­se be­son­de­re Ab­si­che­rung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses nur ein, wenn es um ei­ne Kün­di­gung geht. Ge­gen­über dem Aus­lau­fen ei­nes zeit­lich be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags hilft der bes­te Kün­di­gungs­schutz nicht.

Im­mer­hin gibt es im Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) all­ge­mein ge­hal­te­ne Re­ge­lun­gen, die Be­triebs­rä­te vor Be­nach­tei­li­gun­gen schüt­zen sol­len. An sich kann auch die un­ter­blie­be­ne Über­nah­me ei­nes be­fris­tet be­schäf­tig­ten Be­triebs­rats­mit­glieds in ein Dau­er­ar­beits­ver­hält­nis ei­ne sol­che ver­bo­te­ne Be­nach­tei­li­gung sein. An­ders als ei­ne Kün­di­gung, die klar im Raum steht, ist ei­ne sol­che "Be­nach­tei­li­gung durch Un­ter­las­sung" aber sehr schwer nach­zu­wei­sen, wie ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg zeigt (Ur­teil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11).

Haben befristet beschäftigte Betriebsratsmitglieder einen Anspruch auf Festanstellung?

Gemäß § 78 Satz 2 Be­trVG dürfen Mit­glie­der des Be­triebs­ra­tes we­gen ih­rer Tätig­keit nicht be­nach­tei­ligt wer­den. Ei­ne Be­nach­tei­li­gung ist ei­ne Schlech­ter­stel­lung von Be­triebs­rats­mit­glie­dern im Verhält­nis zu an­de­ren, ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern, die nicht sach­lich be­gründet ist, son­dern ih­ren Grund in dem Be­triebs­rats­amt hat.

Die­ses Ver­bot der Schlech­ter­stel­lung ist kei­ne un­wich­ti­ge Ge­set­zes­vor­schrift. Hin­ter ihr steht nämlich Art. 7 der Richt­li­nie 2002/14/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 11.03.2002 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Un­ter­rich­tung und Anhörung der Ar­beit­neh­mer in der Eu­ropäischen Ge­mein­schaft.

Aber folgt aus § 78 Satz 2 Be­trVG und/oder aus Art.7 der Richt­li­nie 2002/14/EG auch ein An­spruch auf Über­nah­me in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis? Das LAG Ber­lin-Bran­den­burg meint zwar im Prin­zip „Ja“, macht den Be­trof­fe­nen den Nach­weis ei­ner Be­nach­tei­li­gung aber nicht leicht.

LAG Berlin-Brandenburg: Die Beweislast für eine Benachteiligung durch verweigerte Festanstellung trägt der Betriebsrat

Im Streit­fall war der Kläger auf Grund­la­ge ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges als Te­le­fo­na­gent für ein Call Cen­ter tätig und wur­de et­wa nach der Hälf­te der Ver­trags­lauf­zeit Be­triebs­rats­vor­sit­zen­der. Als sein Ar­beits­ver­trag aus­lief und der Ar­beit­ge­ber das Ar­beits­verhält­nis nicht fort­set­zen woll­te, klag­te er auf Ab­schluss ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges.

Da­mit blieb er je­doch vor dem Ar­beits­ge­richt Ber­lin (Ur­teil vom 15.06.2011, 10 Ca 4964/11) und dem LAG oh­ne Er­folg. Er konn­te nämlich nicht nach­wei­sen, dass er ge­ra­de we­gen sei­ner Be­triebs­ratstätig­keit nicht über­nom­men wor­den war. Der Ar­beit­ge­ber konn­te be­le­gen, dass er sich bei der Per­so­nal­pla­nung an der Kun­den­nach­fra­ge ori­en­tier­te, und er hat­te an­de­re, mit dem Kläger ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer trotz gu­ter Leis­tun­gen eben­falls nicht in ei­ne Fest­an­stel­lung über­nom­men. Außer­dem hat­te er auch die Verträge an­de­rer Be­triebs­rats­mit­glie­der ent­fris­tet, so dass ihm auch an die­ser Stel­le nicht vor­ge­wor­fen wer­den konn­te, er woll­te Be­triebsräte aus­gren­zen.

Fa­zit: Der Kläger hat ge­gen das Ur­teil Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt (Az.: 7 AZN 1992/11). Ob sie Er­folg hat, ist of­fen. Be­fris­tet beschäftig­ten Be­triebsräten ist zu ra­ten, möglichst frühzei­tig möglichst vie­le In­for­ma­tio­nen darüber zu sam­meln, wel­che ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mer aus ei­nem be­fris­te­ten in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über­nom­men wer­den.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 1. Februar 2016

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