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Be­ra­tungs­stel­len for­dern mehr Geld für Sucht­hil­fe

Sucht­kran­ke be­ra­ten, Be­hand­lun­gen ver­mit­teln, Hil­fe bei der Ein­glie­de­rung in den Be­ruf: Sucht­hil­fe ist wich­tig, da sind sich al­le Be­tei­lig­ten ei­nig. Doch über die Fi­nan­zie­rung gibt es Streit

13.04.2015. (dpa) - Die Sucht­hil­fe­stel­len im Süd­wes­ten schla­gen Alarm und for­dern mehr Geld vom Land und von den Kom­mu­nen.

"Die Fi­nan­zie­rungs­si­tua­ti­on ist ins­ge­samt pre­kär", sag­te der Vi­ze­chef der Lan­des­stel­le für Sucht­fra­gen, Hans-Joa­chim Ab­stein, der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

Die Lan­des­re­gie­rung ha­be die Zah­lun­gen schon viel zu lan­ge nicht mehr er­höht.

"Was wir auf je­den Fall brau­chen, wä­re ei­ne Dy­na­mi­sie­rung, ei­ne An­pas­sung an die Kos­ten­stei­ge­run­gen."

Es sei­en For­de­run­gen an das So­zi­al­mi­nis­te­ri­um ge­gan­gen, ei­ne kon­kre­te Sum­me wol­le er aber noch nicht öf­fent­lich nen­nen.

Dem Mi­nis­te­ri­um in Stutt­gart zu­fol­ge wur­den die Zu­wen­dun­gen des Lan­des 2004 um 1000 Eu­ro auf jähr­lich 16 900 Eu­ro pro Voll­zeit­stel­le ge­senkt. Seit­her sei­en sie kon­stant ge­blie­ben. Der Stadt- und Land­kreis müs­se sich min­des­tens in sel­ber Hö­he an der Fi­nan­zie­rung be­tei­li­gen. Die rest­li­chen Kos­ten über­näh­men die Trä­ger. Die Fi­nan­zie­rung der Sucht­hil­fe ist aus Sicht der Lan­des­re­gie­rung nach wie vor ge­si­chert, wie es aus dem Mi­nis­te­ri­um heißt.

Das se­hen die Be­trof­fe­nen an­ders. Die Geld­knapp­heit geht Ab­stein zu­fol­ge bei man­chen Stel­len zu­las­ten der ei­gent­li­chen Kern­auf­ga­be Be­ra­tung: Weil sie Geld er­wirt­schaf­ten müss­ten, bö­ten Ein­rich­tun­gen zum Bei­spiel ver­mehrt Kur­se für Men­schen an, die we­gen Al­ko­hols am Steu­er ih­ren Füh­rer­schein ver­lo­ren hät­ten. Be­son­ders ex­trem sei die La­ge in Mann­heim. Dort sol­len so­gar Ar­beits­plät­ze weg­fal­len. Das sei ihm aus an­de­ren Städ­ten im Süd­wes­ten nicht be­kannt, sag­te Ab­stein.

Auch die Ge­schäfts­füh­re­rin der Li­ga der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge im Land, Eva Wei­ser, plä­diert für mehr Geld. "Die Kos­ten für die Ge­häl­ter stei­gen durch die Ta­rif­ver­hand­lun­gen, aber die Zu­schüs­se vom Land blei­ben gleich", kri­ti­sier­te sie. "Die Trä­ger müs­sen im­mer schau­en, wo sie das feh­len­de Geld her­krie­gen, das nimmt viel Zeit in An­spruch." Man­che schlös­sen des­halb mit ei­nem Mi­nus ab und sä­hen sich teils so­gar ge­zwun­gen, ih­ren Bi­schof um Geld zu bit­ten.

Die Mann­hei­mer Sucht­be­ra­tungs­stel­len müs­sen we­gen pre­kä­rer Fi­nanz­la­ge nach An­ga­ben der Trä­ger 20 Pro­zent ih­rer Stel­len ein­spa­ren: Im Lau­fe des Jah­res sol­len fünf Voll­zeit­stel­len ge­stri­chen wer­den. Die Fol­gen aus Sicht der Trä­ger: we­ni­ger Prä­ven­ti­ons­ar­beit, län­ge­re War­te­zei­ten für ei­ne Sucht­be­ra­tung und kaum Zeit, um neue Ent­wick­lun­gen auf­zu­grei­fen. Die Stadt Mann­heim ha­be es ab­ge­lehnt, ih­re Zu­schüs­se an die ge­stie­ge­nen Kos­ten an­zu­pas­sen. Die Trä­ger trü­gen da­her heu­te 35 bis 40 Pro­zent mehr Kos­ten als noch vor 15 Jah­ren, er­klär­te der dor­ti­ge Ca­ri­tas­ver­band.

Ca­ri­tas und der an­de­re kirch­li­che Trä­ger Dia­ko­nie sei­en in Mann­heim be­son­ders be­trof­fen: Sie müss­ten in­zwi­schen ins­ge­samt 250 000 Eu­ro im Jahr an Ei­gen­mit­teln zu­schie­ßen. "Es ist im­mer schwie­ri­ger ge­wor­den, das Geld auf­zu­brin­gen", sag­te der Mann­hei­mer Ca­ri­tas-Vor­stand Ro­man Ni­tsch. Ca­ri­tas und Dia­ko­nie sen­ken da­her künf­tig ih­ren Ei­gen­be­trag auf je 70 000 Eu­ro.

Die bei­den an­de­ren Trä­ger in der Stadt, Dro­gen­ver­ein und Ba­den-Würt­tem­ber­gi­scher Lan­des­ver­band für Prä­ven­ti­on und Re­ha­bi­li­ta­ti­on, kön­nen die Fi­nan­zie­rungs­lü­cke we­gen Haus­halts­de­fi­zi­ten nicht auf­fan­gen. Die Stadt Mann­heim kün­dig­te an, bei den kom­mu­na­len Zu­schüs­sen für die Sucht­be­ra­tungs­stel­len zu­min­dest kei­ne Kür­zung vor­zu­neh­men.

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Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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