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Der Berg an Über­stun­den wächst et­was in Deutsch­land

Die Ar­beits­zeit? Reicht im Bü­ro of­fi­zi­ell oft von neun bis fünf: Doch im­mer häu­fi­ger schie­ben Ar­beit­neh­mer Über­stun­den. Der Stres­spe­gel stei­ge, warnt ei­ne Po­li­ti­ke­rin. Ein Ar­beit­ge­ber­ver­tre­ter ver­weist hin­ge­gen auf ganz an­de­re Zah­len

13.07.2016. (dpa) - Der Berg an Ex­tra­ar­beit wächst: Be­schäf­tig­te in Deutsch­land ha­ben im ver­gan­ge­nen Jahr mehr Über­stun­den ge­leis­tet als zu­vor, der Wert stieg im Ver­gleich zu 2014 um et­wa 1,2 Pro­zent auf 1813 Mil­lio­nen St­un­den.

Dies geht aus ei­ner Sta­tis­tik des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB) her­vor, das für die Bun­des­agen­tur für Ar­beit forscht.

Zu­vor hat­te die "Saar­brü­cker Zei­tung" dar­über be­rich­tet.

Da es ins­ge­samt aber mehr Jobs gab, blieb der Schnitt pro Ar­beit­neh­mer in et­wa gleich - et­wa 21 be­zahl­te und 26 nicht be­zahl­te Ex­tra­stun­den gab es pro Kopf 2015.

Mehr als die Hälf­te der Über­stun­den war al­so un­be­zahlt. Der Sta­tis­tik zu­fol­ge fie­len im ver­gan­ge­nen Jahr 816 Mil­lio­nen be­zahl­te Über­stun­den an, das wa­ren 18 Mil­lio­nen mehr als 2014. Nicht ent­lohnt wur­den 997 Mil­lio­nen Über­stun­den, vier Mil­lio­nen mehr als ein Jahr zu­vor. Bei den un­be­zahl­ten Ex­tra­schich­ten war der pro­zen­tua­le An­stieg al­so nied­ri­ger als bei be­zahl­ter Zu­satz­ar­beit. Auf ei­nen Ar­beit­neh­mer her­un­ter­ge­rech­net er­gibt sich ein Schnitt von 21,1 be­zahl­ten Über­stun­den pro Jahr und 25,7 nicht be­zahl­ten Ex­tra­stun­den.

Der leich­te Trend zu mehr un­be­zahl­ten Über­stun­den setz­te sich 2016 fort - den An­ga­ben zu­fol­ge ent­fie­len auf das ers­te Quar­tal 254 Mil­lio­nen St­un­den Ar­beit au­ßer­halb re­gu­lä­rer Zei­ten, 4 Mil­lio­nen mehr als im ers­ten Quar­tal 2014.

Aus der Po­li­tik kam Kri­tik. Die ar­beits­markt­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Links­frak­ti­on, Sa­bi­ne Zim­mer­mann, wer­te­te die Zah­len als Be­leg, wie knapp die Per­so­nal­de­cke in den Un­ter­neh­men sei. Über­stun­den sei­en ein Spie­gel­bild von Ar­beits­ver­dich­tung und zu­neh­men­dem Stress. "Deutsch­land wür­de ein wah­res Job­wun­der er­le­ben, wenn die Un­ter­neh­men, statt Über­stun­den zu ver­lan­gen, Stel­len ein­rich­ten wür­den", sag­te Zim­mer­mann.

Beim Deut­schen Ge­werk­schafts­bund rauf­te man sich die Haa­re we­gen der Über­stun­den-Sta­tis­tik. "Fast ei­ne Mil­li­ar­de un­be­zahl­ter Über­stun­den sind ein Skan­dal, der schnell be­en­det wer­den muss", sag­te An­ne­lie Bun­ten­bach, Mit­glied im DGB-Bun­des­vor­stand. Sie poch­te dar­auf, dass Ar­beits­zeit voll­stän­dig er­fasst und ent­lohnt wer­den müs­se. "Gleich­zei­tig muss mehr da­für ge­tan wer­den, über­lan­ge Ar­beits­zei­ten zu ver­mei­den, da­mit Ar­beit nicht krank macht."

Der Ar­beits­so­zio­lo­gin Sa­bi­ne Pfeif­fer von der Uni­ver­si­tät Ho­hen­heim be­stä­tig­te den Trend zur in­ten­si­ve­ren Ar­beit. "Der Takt ist un­glaub­lich hoch ge­wor­den und vie­les kann nur noch er­le­digt wer­den, in­dem Be­schäf­tig­te die Ar­beits­zeit aus­wei­ten", so Pfeif­fer. Ein auf ra­sche Er­geb­nis­se fi­xier­tes Ma­nage­ment und der sich ver­schär­fen­de wirt­schaft­li­che Druck führ­ten da­zu, dass das nö­ti­ge Ar­beits­vo­lu­men nicht mehr rea­lis­tisch ein­ge­schätzt und ein­ge­plant wer­de.

Die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de (BDA) wies dar­auf hin, dass Deutsch­land mit ei­ner durch­schnitt­li­chen ta­rif­li­chen Jah­res­ar­beits­zeit von 1651 St­un­den deut­lich un­ter dem EU-Schnitt von 1707 St­un­den lie­ge, pro Wo­che und Ar­beit­neh­mer sei­en es 37,7 St­un­den in Deutsch­land und 38,1 St­un­den im EU-Schnitt. Zu­dem wies ein Spre­cher dar­auf hin, dass die Zahl der Über­stun­den in der Ver­gan­gen­heit vor al­lem we­gen Ar­beits­zeit­kon­ten ten­den­zi­ell zu­rück­ge­gan­gen sei. Tat­säch­lich war das Vo­lu­men der Über­stun­den der Sta­tis­tik zu­fol­ge 2012 und 2013 deut­lich ge­sun­ken, seit 2014 steigt es leicht.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 23. August 2016

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