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LAG Ber­lin: Frist­lo­se Kün­di­gung we­gen Be­lei­di­gung

LAG Ber­lin-Bran­den­burg er­klärt frist­lo­se Kün­di­gung ei­nes BVG-Bus­fah­rers we­gen öf­fent­li­cher Be­lei­di­gung des Ar­beit­ge­bers für rech­tens: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 06.05.2011, 6 Sa 2558/10

17.08.2011. Ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung kann or­dent­lich oder au­ßer­or­dent­lich, d.h. als frist­lo­se Kün­di­gung aus­ge­spro­chen wer­den. Ei­ne Be­lei­di­gung des Ar­beit­ge­bers zieht oft ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung nach sich, weil der Ar­beit­ge­ber das Ver­trau­en in­fol­ge der Be­lei­di­gung als zer­stört an­sieht.

Ge­rich­te müs­sen trotz­dem prü­fen, ob der Ar­beit­ge­ber nicht wei­te­re Ver­trags­stö­run­gen durch mil­de­re Mit­tel, z.B. durch ei­ne Ab­mah­nung ver­hin­dern könn­te.

Denn im All­ge­mei­nen ist auch ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung we­gen ei­ner Be­lei­di­gung des Ar­beit­ge­bers nur nach ei­ner vor­he­ri­gen frucht­lo­sen Ab­mah­nung ei­ner ähn­li­chen Be­lei­di­gung zu­läs­sig, d.h. in ei­nem Wie­der­ho­lungs­fall.

Nur aus­nahms­wei­se ist ei­ne Ab­mah­nung nicht nö­tig - wenn die Be­lei­di­gung so ex­trem war, dass man nicht an­neh­men kann, ei­ne Ab­mah­nung wür­de den Ar­beit­neh­mer wie­der auf die rich­ti­ge Spur brin­gen. Vor kur­zem hat­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg über ei­nen sol­chen Fall zu ent­schei­den (Ur­teil vom 06.05.2011, 6 Sa 2558/10).

Ein Bus­fah­rer stritt mit ei­nem Kol­le­gen, der dar­auf­hin den Bus ver­ließ. Trotz­dem stopp­te der Fah­rer den voll­be­setz­ten Bus und rief die Po­li­zei. Oh­ne Rück­sicht auf Fahr­gäs­te, Fahr­plan und den öf­fent­li­che Ruf sei­nes Ar­beit­ge­bers be­klag­te er sich dann über „men­schen­un­wür­di­ge“ Ar­beits­be­din­gun­gen. We­gen die­ser mehr­fa­chen schwe­ren Pflicht­ver­stö­ße hiel­ten das Ar­beits­ge­richt Ber­lin (Ur­teil vom 20.10.2010, 29 Ca 10262/10) und das LAG ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung auch oh­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung für zu­läs­sig.

Fa­zit: Wer sei­ne Ar­beit lie­gen lässt, um über sei­nen Ar­beit­ge­ber mal so rich­tig öf­fent­lich her­zu­zie­hen, muss mit ei­ner frist­lo­sen Kün­di­gung rech­nen. Hier ka­men ver­schie­de­ne gra­vie­ren­de Pflicht­ver­stö­ße zu­sam­men. Schon die grund­lo­se Ar­beits­un­ter­bre­chung und die Miss­ach­tung der war­ten­den Fahr­gäs­te ist ein kaum ent­schuld­ba­rer Pflicht­ver­stoß, zu dem die öf­fent­li­che Ruf­schä­di­gung des Ar­beit­ge­bers hin­zu­kam. Ar­beit­neh­mer soll­ten sol­che "Aus­ras­ter" ver­mei­den, sonst droht ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de schrift­lich ab­ge­fasst und ver­öf­fent­licht. Die Ent­schei­dungs­grün­de im Voll­text fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 15. Februar 2017

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