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LAG Ber­lin: Frist­lo­se Kün­di­gung we­gen Dieb­stahls am Ar­beits­platz

Dieb­stahl von 50 Eu­ro aus der La­den­kas­se ist kein Ba­ga­tell­de­likt: Frist­lo­se Kün­di­gung ei­ner Ver­käu­fe­rin: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 16.09.2010, 25 Sa 1080/10

17.06.2011. Der Ar­beit­ge­ber ist zur au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers be­rech­tigt, wenn er da­für ei­nen „wich­ti­gen Grund“ im Sin­ne von § 626 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) hat. Ein sol­cher Grund ist u.a. ein Dieb­stahl und der da­mit ver­bun­de­ne Ver­trau­ens­ver­lust des Ar­beit­ge­bers.

Mit sei­nem „Em­me­ly“-Ur­teil (Ur­teil vom 10.06.2010, 2 AZR 541/09) hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) aber deut­lich ge­macht, dass ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung nicht stets zu­läs­sig ist, wenn der Dieb­stahl nur ei­ne „Ba­ga­tel­le“ ist, wenn der Ar­beit­neh­mer lan­ge Jah­re „be­an­stan­dungs­frei“ ge­ar­bei­tet hat und der Dieb­stahl ei­nen ein­ma­li­gen un­ty­pi­schen Fehl­tritt dar­stellt. Dann muss das „Ver­trau­en­s­ka­pi­tal“ nicht im­mer auf ei­nen Schlag völ­lig zer­stört sein, so dass ei­ne Ab­mah­nung die an­ge­mes­se­ne Re­ak­ti­on ist.

Dass al­ler­dings auch alt­ge­dien­te Ar­beit­neh­mer da­mit kei­nen „Frei­brief“ für Straf­ta­ten ha­ben, zeigt ein Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg (Ur­teil vom 16.09.2010, 25 Sa 1080/10).

Ge­klagt hat­te hier ei­ne Ver­käu­fe­rin, die nach 13 Jah­ren be­an­stan­dungs­frei­er Tä­tig­keit 50 Eu­ro aus der Kas­se un­ter­schla­gen hat­te. Das Ar­beits­ge­richt Neu­rup­pin (Ur­teil vom 02.03.2010, 4 Ca 1424/09) und das LAG wie­sen ih­re Kla­ge ab, weil hier - an­ders als bei „Em­me­ly“ - der Ar­beit­ge­ber di­rekt und er­heb­lich ge­schä­digt wur­de. Da die­ses Ver­hal­ten den Kern­be­reich der Ar­beits­auf­ga­ben der Klä­ge­rin be­traf, war der voll­stän­di­ge Ver­trau­ens­ver­lust nach­voll­zieh­bar und ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung rech­tens.

Fa­zit: Auch lan­ge Be­schäf­ti­gungs­zei­ten kön­nen bei ei­ner Straf­tat das Ar­beits­ver­hält­nis nicht ret­ten, wenn der Scha­den kei­ne Ba­ga­tel­le ist, wenn die Tat den Kern­be­reich der Ar­beits­auf­ga­ben be­trifft und wenn sie nicht den Cha­rak­ter ei­nes ein­ma­li­gen "un­ty­pi­schen Aus­rut­schers" hat. Wenn sich das Blatt in sol­chen Fäl­len über­haupt noch wen­den lässt, dann durch ein so­for­ti­ges und rück­halt­lo­ses Zu­ge­ben der Tat. Ar­beit­neh­mern ist in sol­chen Fäl­len zu ra­ten, ihr Ver­hal­ten so­fort of­fen zu le­gen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

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