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Be­triebs­rat: Be­schluss­fas­sung bei Ver­hin­de­rung ei­nes Mit­glieds

Ein Be­triebs­rats­mit­glied gilt als dau­er­haft ver­hin­dert, wenn es sich im Mut­ter­schutz be­fin­det: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Be­schluss vom 15.10.2010, 10 TaBV 37/10

10.05.2011. Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) ist dar­auf aus­ge­rich­tet, dem Be­triebs­rat ei­ne un­un­ter­bro­che­ne Ar­beit zu er­mög­li­chen. Ge­mäß § 25 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG springt bei­spiels­wei­se ein Er­satz­mit­glied ein, wenn ein Be­triebs­rats­mit­glied zeit­wei­lig oder dau­er­haft ver­hin­dert ist, al­so z.B. we­gen ei­ner In­ter­es­sen­ko­lis­si­on nicht mit ab­stim­men darf. So wird ein stets be­schluss­fä­hi­ger Be­triebs­rat si­cher­ge­stellt (vgl. § 33 Abs. 1, 2 Be­trVG).

Für die Wirk­sam­keit ei­nes Be­schlus­ses ist aber nicht nur ei­ne be­stimm­te An­zahl an­we­sen­der Be­triebs­rats­mit­glie­der ent­schei­dend, son­dern es müs­sen auch die rich­ti­gen, d.h. die ak­ti­ven Mit­glie­der teil­neh­men. Ent­schei­dend ist, ob das ei­gent­li­che Mit­glied, recht­lich be­trach­tet, wirk­lich ver­hin­dert ist oder nicht. Über die Fra­ge, wann wäh­rend der El­tern­zeit oder Zei­ten des Mut­ter­schut­zes ei­ne "Ver­hin­de­rung" vor­liegt, ent­schied kürz­lich das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm (Be­schluss vom 15.10.2010, 10 TaBV 37/10).

In dem Recht­streit hat­te ein Be­triebs­rat bei ei­nem Be­schluss ei­nes sei­ner weib­li­ches Mit­glie­der nicht be­tei­ligt, weil es im Mut­ter­schutz war. Der Ar­beit­ge­ber be­stritt dar­auf­hin die Wirk­sam­keit des Be­schlus­ses. Zu Un­recht, wie Ar­beits­ge­richt Her­ne (Be­schluss vom 09.03.2010, 2 BV 74/09) und LAG Hamm mein­ten. Das Mit­glied hat­te näm­lich aus­drück­lich mit­ge­teilt, wäh­rend des Mut­ter­schut­zes und der El­tern­zeit an Sit­zun­gen nicht teil­neh­men zu wol­len. Es war da­her in die­ser Zeit "ver­hin­dert".

Fa­zit: Be­triebs­rä­te müs­sen Sit­zun­gen und Be­schlüs­se sorg­fäl­tig pla­nen und durch­füh­ren, da­mit sie recht­lich was­ser­dicht sind. Spe­zi­ell bei Be­schlüs­sen, die nicht wie­der­holt wer­den kön­nen, muss auf ein ord­nungs­ge­mä­ßes Ver­fah­ren ge­ach­tet wer­den. Da­bei kann die Fra­ge ent­schei­dend sein, ob ein Be­triebs­rats­mit­glied im Rechts­sinn ver­hin­dert ist. Vie­le Si­tua­tio­nen las­sen sich al­lein mit dem Ge­set­zes­text nicht lö­sen. Be­triebs­rä­te soll­ten sich da­her im Zwei­fel durch ei­nen Rechts­an­walt un­ter­stüt­zen las­sen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. Juli 2016

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