Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Betriebsrat, Beteiligungsfähigkeit
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein
Akten­zeichen: 1 TaBV 12 b/11
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 27.03.2012
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Elmshorn, Beschluss vom 23.12.2010, 1 BV 49 d/10
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-
Hol­stein

Ak­ten­zei­chen: 1 TaBV 12 b/11
1 BV 49 d/10 ArbG Elms­horn
(Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)

Verkündet am 27.03.2012

als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Be­schluss

Im Na­men des Vol­kes

Im Be­schluss­ver­fah­ren mit den Be­tei­lig­ten

pp.

hat die 1. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein auf die Anhörung
der Be­tei­lig­ten am 27.03.2012 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt
… als Vor­sit­zen­den und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter … und den eh­ren­amt­li­chen
Rich­ter … als Be­sit­zer

b e s c h l o s s e n:

 

- 2 -

Die Be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Elms­horn vom 23.12.2010 – 1 BV 49 d/10 – wird zurück­ge­wie­sen.

Die Rechts­be­schwer­de wird nicht zu­ge­las­sen.


-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­sen Be­schluss ist das Rechts­mit­tel der Rechts­be­schwer­de nicht ge­ge­ben; im Übri­gen wird auf § 92 a Ar­beits­ge­richts­ge­setz ver­wie­sen.
-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Gründe:

I.

Die Be­tei­lig­ten strei­ten im Be­schwer­de­ver­fah­ren nur noch über die Nich­tig­keit der Be­triebs­rats­wahl in der Be­triebsstätte T. und in­so­weit vor al­lem darüber, ob der Be­triebs­rat noch be­tei­lig­tenfähig ist.

Die Rechts­vorgänge­rin der An­trag­stel­le­rin (Ar­beit­ge­be­rin) un­ter­hielt im Jahr 2009 ei­ne Be­triebsstätte in T. mit 28 Ar­beit­neh­mern, für die ein 3-köpfi­ger Be­triebs­rat gewählt war. We­gen des Ver­lus­tes ei­nes Auf­trags schlos­sen die­ser Be­triebs­rat und die Ar­beit­ge­be­rin am 14./19.05.2009 ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich (Bl. 18 f d. A.), der ei­ne Ein­schränkung der Be­triebsstätte und ab dem 01.01.2010 den Ein­satz von (nur) noch 4 Kraft­fah­rern von T. aus vor­sah. Außer­dem soll­te die Be­triebsstätte zum
01.01.2010 von T. nach U. ver­legt wer­den. Tatsächlich verzöger­te sich die­ser Um­zug bis Mai 2010.

 

- 3 -

Am 15.12.2009 er­folg­te in T. ein Aus­hang über ei­ne vor­ge­zo­ge­ne Be­triebs­rats­wahl für die Be­triebsstätte, am 28.12.2009 wur­de ein Wahl­vor­stand be­stellt, der ei­ne Wähler­lis­te mit 6 Per­so­nen er­stell­te, dar­un­ter 2 Leih­ar­beit­neh­mern. Am 15.01.2010 fand die Wahl des An­trags­geg­ners (Be­triebs­rat) statt. Das Er­geb­nis wur­de dem Be­triebs­lei­ter E. der Ar­beit­ge­be­rin mit­ge­teilt.

Im Ja­nu­ar 2010 beschäftig­te die Ar­beit­ge­be­rin in T. 4 Ar­beit­neh­mer, ein wei­te­rer Ar­beit­neh­mer war bis zum Ab­lauf sei­ner Kündi­gungs­frist am 31.01.2010 frei­ge­stellt. Darüber hin­aus setzt die Ar­beit­ge­be­rin re­gelmäßig 2 Leih­ar­beit­neh­mer ein. Zum 01.04.2010 stell­te die Ar­beit­ge­be­rin ei­nen wei­te­ren Ar­beit­neh­mer ein.

Mit ih­rem am 25.10.2010 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen An­trag hat die Ar­beit­ge­be­rin un­ter an­de­rem die Fest­stel­lung der Nich­tig­keit der Be­triebs­rats­wahl vom 15.01.2010 be­gehrt.

We­gen des Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten in ers­ter In­stanz und der dort ge­stell­ten Anträge wird auf die Ak­te Be­zug ge­nom­men.

Das Ar­beits­ge­richt hat mit Be­schluss vom 23.12.2010 den An­trag der Ar­beit­ge­be­rin auf Fest­stel­lung der Nich­tig­keit der Wahl zurück­ge­wie­sen. We­gen der Be­gründung des Ar­beits­ge­richts wird auf den an­ge­foch­te­nen Be­schluss ver­wie­sen.

Ge­gen die­sen ihr am 27.01.2011 zu­ge­stell­ten Be­schluss hat die Ar­beit­ge­be­rin am 21.02.2011 Be­schwer­de ein­ge­legt und die­se am 23.03.2011 be­gründet. Der Be­triebs­rat hat sei­ne im Hin­blick auf ei­nen an­de­ren Streit­ge­gen­stand des an­ge­foch­te­nen Be­schlus­ses ein­ge­leg­te Be­schwer­de zwi­schen­zeit­lich zurück­ge­nom­men.

Im März 2011 or­ga­ni­sier­te die Ar­beit­ge­be­rin ih­ren Be­trieb der ehe­ma­li­gen Außen­stel­le T., jetzt Außen­stel­le U., um: ein Ar­beit­neh­mer, Herr H., wur­de mit Wir­kung zum 03.03.2011 von U. nach I. ver­setzt. 2 Fahr­zeu­ge, die bis­lang in U. sta­tio­niert wa­ren, nämlich ein Heck­la­der und ein Front­la­der, wur­den zum Stand­ort I. ver­legt. Die­se Fahr­zeu­ge wer­den seit­dem von I. aus dis­po­niert. Seit März 2011 wer­den in U.

 

- 4 -

dau­er­haft nur 4 Ar­beit­neh­mer ein­ge­setzt. Da­ne­ben kommt aus­sch­ließlich als Krank­heits/Ur­laubs­ver­tre­tung ein Leih­ar­beit­neh­mer zum Ein­satz.

Die Ar­beit­ge­be­rin ist der Auf­fas­sung, die Be­triebs­rats­wahl vom 15.01.2010 sei nich­tig und wie­der­holt und ver­tieft in­so­weit ih­ren Vor­trag aus der ers­ten In­stanz.

Je­den­falls sei seit März 2011 der Schwel­len­wert des § 1 Be­trVG dau­er­haft un­ter­schrit­ten. Des­we­gen sei das Amt des Be­triebs­rats be­en­det.

Die Ver­set­zung des Ar­beit­neh­mers H. nach I., der Ein­satz ei­nes Leih­ar­beit­neh­mers von I. aus so­wie die Ver­le­gung zwei­er LKW sei auf­grund ei­ner neu­en Tou­ren­pla­nung und –op­ti­mie­rung er­folgt. Hier­durch er­ge­be sich auf das Jahr hoch­ge­rech­net ei­ne Kos­ten­er­spar­nis von ca. 30.000,00 EUR. We­gen der Ein­stel­lung des Geschäfts mit der Kehr­ma­schi­ne in U. En­de 2011 wer­de noch ein wei­te­rer Ar­beit­neh­mer aus U. ab­ge­zo­gen. Mit dem En­de des Am­tes des Be­triebs­rats sei die­ser im Ver­fah­ren nicht
mehr be­tei­lig­tenfähig.

Die Ar­beit­ge­be­rin be­an­tragt,

1. auf die Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 1. wird der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Elms­horn vom 23.12.2010, Ak­ten­zei­chen 1 BV 49 d/10, ab­geändert,

2. auf den An­trag zu 1. der Be­tei­lig­ten zu 1. wird fest­ge­stellt, dass die Be­triebs­rats­wahl für die Be­triebs­stel­le U. vom 15.01.2010 nich­tig ist.

Der Be­triebs­rat be­an­tragt,

die Be­schwer­de der An­trag­stel­le­rin zurück­zu­wei­sen.

Er ist der Auf­fas­sung, sein Amt be­ste­he auch dann fort, wenn die Re­du­zie­rung der Ar­beit­neh­mer in U. auf 4 von Dau­er sein soll­te. Der Be­trieb in U. sei chro­nisch un­ter­be­setzt. Die Ar­beit­ge­be­rin ha­be die­sen Zu­stand ge­gen wirt­schaft­li­che Ver­nunft her-

 

- 5 -

bei­geführt, um ihn – Be­triebs­rat – auf die­se Wei­se sei­nes Am­tes zu ent­he­ben. Die an­geb­lich man­geln­de Aus­las­tung des Heck­la­ders in U. lie­ge dar­an, dass U.-er Mit­ar­bei­ter wie­der­holt versäumt hätten, Auf­träge, die mit die­sem Fahr­zeug ge­leis­tet wor­den sei­en, auf des­sen Kenn­zei­chen um­zu­schrei­ben. Tatsächlich rei­che der in U. vor­han­de­ne Be­stand an Mit­ar­bei­tern und Fahr­zeu­gen nicht aus, um al­le Kun­den im Ein­zugs­be­reich an­zu­fah­ren.

Sei­ne Be­tei­lig­tenfähig­keit im Ver­fah­ren sei we­gen der „Dop­pel­re­le­vanz“ die­ses Um­stands zu­grun­de­zu­le­gen.

In der Sa­che ver­tei­digt der Be­triebs­rat die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts.

We­gen des wei­te­ren Sach- und Streit­stands wird auf den In­halt der Ak­te Be­zug ge­nom­men.

II.

Die statt­haf­te, form- und frist­gemäß ein­ge­leg­te und be­gründe­te und da­mit zulässi­ge Be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin ist nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat den An­trag auf Fest­stel­lung der Nich­tig­keit der Be­triebs­rats­wahl im Er­geb­nis zu Recht zurück­ge­wie­sen. Der An­trag ist im Lau­fe des Ver­fah­rens un­zulässig ge­wor­den. We­gen des dau­er­haf­ten Ab­sin­kens der Zahl der Beschäftig­ten in der Be­triebsstätte U. un­ter 5 Ar­beit­neh­mer fehlt es an ei­nem exis­tie­ren­den Be­triebs­rat. Der An­trags­geg­ner ist da-
mit nicht be­tei­lig­tenfähig.

Grundsätz­lich ist der Be­triebs­rat ei­nes Be­trie­bes in ei­nem ihn be­tref­fen­den Be­schluss­ver­fah­ren nach § 10 Satz 1, 2. Halb­satz ArbGG be­tei­lig­tenfähig. Die Be­tei­lig­tenfähig­keit setzt je­doch vor­aus, dass der Be­triebs­rat zum für die Ent­schei­dung des Sach­ver­halts maßgeb­li­chen Zeit­punkt (noch) exis­tiert. Fehlt die Be­tei­lig­tenfähig­keit, ist der An­trag als un­zulässig ab­zu­wei­sen und zwar auch dann, wenn der Man­gel auf Sei­ten des mit dem An­trag in An­spruch ge­nom­me­nen Be­tei­lig­ten vor­liegt (Ger­mel­mann u. a., ArbGG, 7. Auf­la­ge, § 10, Rn 47).

 

- 6 -

1. Maßgeb­li­cher Zeit­punkt für die Fest­stel­lung der Be­tei­lig­tenfähig­keit ist der Schluss der Ver­hand­lung, auf die die Ent­schei­dung er­geht (Ger­mel­mann, a.a.O.).

Da­nach kommt es vor­lie­gend dar­auf an, ob der Be­triebs­rat zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, al­so am 27.03.2012, noch be­tei­lig­tenfähig war.

2. An der Be­tei­lig­tenfähig­keit des Be­triebs­rats fehlt es, weil sein Amt ab Um­set­zung der von der Ar­beit­ge­be­rin ge­trof­fe­nen Ent­schei­dung, in U. dau­er­haft kei­ne 5 Ar­beit­neh­mer mehr zu beschäfti­gen, so­mit am 03.03.2011 en­de­te.

a) Nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung en­det das Amt des Be­triebs­rats, wenn die Zahl der in der Re­gel ständig beschäftig­ten wahl­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer nicht nur vorüber­ge­hend die vor­ge­schrie­be­ne Min­dest­an­zahl von 5 Ar­beit­neh­mern un­ter­schrei­tet und des­halb der Be­trieb nicht mehr be­triebs­ratsfähig ist (BAG vom 07.04.2004 – 7 ABR 41/03 – Ju­ris, Rn 17; Fit­ting, 25. Auf­la­ge, § 21, Rn 31 so­wie § 1, Rn 269; Hess-Sch­lochau­er, 8. Auf­la­ge, § 21, Rn 21; GK-Kreutz, 9. Auf­la­ge, § 21, Rn 37; ErfK-Koch,
12. Auf­la­ge, § 21, Rn 4; GK-Fran­zen, § 1 Rn 102; Däubler/Kitt­ner/Busch­mann, 13. Auf­la­ge, § 21, Rn 29, Ri­char­di/Thüsing. 13. Auf­la­ge, § 21, Rn 23). Die Be­triebs­ratsfähig­keit ist nicht bloß ei­ne Vor­aus­set­zung für die Wahl des Be­triebs­rats, son­dern be­stimmt gleich­zei­tig den Gel­tungs­be­reich des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes. Ihr Weg­fall führt zur so­for­ti­gen Be­en­di­gung des Be­triebs­rats­am­tes (GK-Kreutz, a.a.O.) Bestätigt wird die­se Auf­fas­sung mit­tel­bar durch § 21 a Be­trVG, denn bei ei­ner Be­triebs­spal­tung hat der Be­triebs­rat kein Über­g­angs­man­dat, wenn der aus der Be­triebs­spal­tung her­vor­ge­gan­ge­ne Be­trieb nicht über die in § 1 ge­nann­te Ar­beit­neh­mer­zahl verfügt (Thüsing, a.a.O.). Die­ser prak­tisch ein­hel­li­gen Auf­fas­sung in der ein­schlägi­gen Kom­men­tar­li­te­ra­tur, der sich das BAG in der an­ge­ge­be­nen Ent­schei­dung, wenn auch nicht tra­gend, eben­falls an­ge­schlos­sen hat, folgt auch die Kam­mer. Ob­wohl § 1 Abs. 1 Satz 1BetrVG sei­nem Wort­laut nach nur et­was über die Wahl von
Be­triebsräten sagt, legt der Ge­setz­ge­ber da­mit zu­gleich die Min­dest­beschäftig­ten­zahl ei­nes Be­trie­bes fest, ab der ein Be­triebs­rat über­haupt be­ste­hen kann. Da­mit wird ei­ner Zer­split­te­rung der be­trieb­li­chen Mit­be­stim­mung auf zahl­rei­che klei­ne Be­triebsräte ent­ge­gen­ge­wirkt. Für Be­triebsstätten, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 1

 

- 7 -

Abs 1 Satz 1 Be­trVG nicht erfüllen, ist viel­mehr der Be­triebs­rat des Haupt­be­triebs zuständig, § 4 Abs. 2 Be­trVG.

Vor die­sem Hin­ter­grund er­scheint zwei­fel­haft, ob der von Busch­mann (a.a.O.) ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, wo­nach der Be­triebs­rat be­ste­hen blei­be, wenn der Ar­beit­ge­ber die Vor­aus­set­zun­gen für den Weg­fall des Be­triebs­rats durch willkürli­che Ent­las­sun­gen von Ar­beit­neh­mern arg­lis­tig her­beiführe, um ei­nen un­be­que­men Be­triebs­rat aus­zu­schal­ten, zu fol­gen ist (in­so­weit aus­drück­lich an­de­rer An­sicht Kreutz, a.a.O.; Fit­ting, § 1, Rn 269). Es spricht viel dafür, dass die Or­ga­ni­sa­ti­on der Be­triebs­ver­fas­sung von
sub­jek­ti­ven Mo­ti­ven des Ar­beit­ge­bers nicht be­ein­flusst wer­den kann.

Letzt­lich braucht die­se Fra­ge aber nicht ent­schie­den zu wer­den, da der Be­triebs­rat im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nicht im An­satz dar­ge­legt hat, dass die Ar­beit­ge­be­rin die Vor­aus­set­zun­gen für den Weg­fall der Be­triebs­ratsfähig­keit arg­lis­tig her­bei­geführt hat. Die Ar­beit­ge­be­rin hat viel­mehr die Gründe für die geänder­ten Pla­nun­gen dar­ge­stellt. Die Ar­beit­ge­be­rin hat ih­re Mo­ti­ve und wirt­schaft­li­chen Kenn­da­ten für die Um­set­zung des Ar­beit­neh­mers H. so­wie die Ver­le­gung des Stand­orts zwei­er Fahr­zeu­ge mit
Schriftsätzen vom 30.01.2012 (Sei­te 2 u. 3, Bl. 214 f d. A.) und vom 07.03.2012 (Bl. 236 – 239 d. A.) im Ein­zel­nen vor­ge­tra­gen. Der Be­triebs­rat hat hier­auf mit Schrift­satz vom 24.02.2012 (Sei­te 1 und 2, Bl. 232 f d. A.) selbst ein­geräumt, dass die Aus­las­tung des Heck­la­ders in U. nur bei 30 % ge­le­gen ha­be, dies aber auf das Versäum­nis Fahr­zeug­aufträge um­zu­schrei­ben zurück­geführt und im Wei­te­ren unnöti­ge Fahrt- und Ar­beits­kos­ten gerügt.

Die­se Einwände vermögen den Vor­trag des Ar­beit­ge­bers nicht zu ent­kräften, schon gar nicht vermögen sie den Vor­wurf des rechts­miss­bräuch­li­chen Ver­hal­tens zu be­le­gen. Die Ar­beit­ge­be­rin darf sich auf die von ihr selbst er­stell­ten EDV-gestütz­ten Aus­las­tungs­sta­tis­ti­ken ver­las­sen. Auch hat die Ar­beit­ge­be­rin die Ge­samt­kal­ku­la­ti­on des Ein­sat­zes des Heck­la­ders vor­ge­tra­gen, nämlich dass die­ser auch für die kom­mu­na­le Ab­fall­ent­sor­gung des Krei­ses St­ein­burg die­ne. Schon dar­aus recht­fer­tigt sich die
Ver­la­ge­rung des Stand­or­tes ei­nes LKW und der da­mit ver­bun­de­ne Wech­sel ei­nes Ar­beit­neh­mers. Kon­kre­te Einwände hier­ge­gen sind vom Be­triebs­rat nicht er­ho­ben wor­den. Für den bloßen Ver­dacht des Be­triebs­rats, die Um­or­ga­ni­sa­ti­on er­fol­ge, um

 

- 8 -

ihn aus dem Amt zu drängen, gibt es kei­ne An­halts­punk­te. Auch wenn in U. Ar­beit zu er­le­di­gen ist, für die Per­so­nal benötigt wird, zwingt dies die Ar­beit­ge­be­rin nicht da­zu, die­ses Per­so­nal von U. aus ein­zu­set­zen. Im Rah­men der Ge­samt­dis­po­si­ti­on der Fahr­ten für die Ab­fall­be­sei­ti­gung er­scheint es je­den­falls nicht rechts­miss­bräuch­lich, wenn die Dis­po­si­ti­on der in I. sta­tio­nier­ten Fahr­zeu­ge ein­heit­lich von I. aus er­folgt. Selbst wenn die Kal­ku­la­ti­on der Ar­beit­ge­be­rin sich im Er­geb­nis als nicht zu­tref­fend
er­wei­sen soll­te, wäre da­mit ein rechts­miss­bräuch­li­ches Vor­ge­hen sei­tens des Be­triebs­rats noch nicht dar­ge­legt.

Die Ar­beit­ge­be­rin hat kon­kret vor­ge­tra­gen, dass durch die Ver­le­gung zwei­er Fahr­zeu­ge nach I. und den Ab­zug ei­nes Ar­beit­neh­mers ei­ne er­heb­lich güns­ti­ge­re Aus­las­tung der LKW zu er­rei­chen sei, die zu ei­ner Kos­ten­er­spar­nis von ca. 30.000,00 EUR im Jahr geführt ha­be. Der Be­triebs­rat persönlich hat im Anhörungs­ter­min vor der Kam­mer auch bestätigt, dass die bei­den ver­leg­ten Fahr­zeu­ge nun­mehr von I. aus dis­po­niert wer­den. Da­mit ist be­legt, dass die Ar­beit­ge­be­rin ih­re un­ter­neh­me­ri­sche
Ent­schei­dung nicht nur im per­so­nel­len son­dern auch im Be­reich der Sach­mit­tel tatsächlich um­ge­setzt hat. Dass die Ar­beit­ge­be­rin nach wie vor die Möglich­keit hätte, auch wei­te­re Ar­beit­neh­mer in U. zu beschäfti­gen, macht ihr Vor­ge­hen nicht rechts­miss­bräuch­lich und willkürlich. Dafür ist vom Be­triebs­rat, außer der bloßen Be­haup­tung, dies sei so, nichts vor­ge­tra­gen.

b) Da­nach sind im Sach­ver­halt die Vor­aus­set­zun­gen für das En­de des Be­triebs­rats­am­tes erfüllt. Die Zahl der in U. re­gelmäßig beschäftig­ten wahl­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer ist seit 03. März 2011 dau­er­haft un­ter 5 Ar­beit­neh­mer ge­sun­ken.

Maßgeb­li­cher Zeit­punkt für die Ent­schei­dung der Fra­ge, ob ein be­stimm­ter Ar­beit­neh­mer­stand un­ter die re­gelmäßige Beschäftig­ten­zahl von 5 Ar­beit­neh­mern ab­ge­sun­ken ist, ist der­je­ni­ge, zu dem der Ar­beit­ge­ber sich ent­schließt, den Per­so­nal­be­stand in sei­ner Be­triebsstätte dau­er­haft zu re­du­zie­ren. Die­ser Be­schluss ist von der Ar­beit­ge­be­rin zum 03.03.2011 ge­fasst und um­ge­setzt wor­den, so dass auf die­sen Zeit­punkt ab­zu­stel­len ist. Ob ei­ne un­ter­neh­me­ri­sche Pla­nung von Dau­er ist, hängt zunächst ein­mal vom In­halt des ge­fass­ten Be­schlus­ses ab. Plant der Ar­beit­ge­ber nur ei­ne vorüber­ge­hen­de Per­so­nal­re­du­zie­rung – et­wa für ei­nen Zeit­raum von bis zu 6

 

- 9 -

Mo­na­ten – ändert sich die Zahl der re­gelmäßig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer nicht. Darüber hin­aus kann auf den nicht nur vorüber­ge­hen­den Cha­rak­ter ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­ons­maßnah­me auch dann ge­schlos­sen wer­den, wenn die­se, wie im vor­lie­gen­den Fall, für mehr als ein Jahr durch­geführt wird. Soll­te die Zahl der Beschäftig­ten wie­der auf 5 oder mehr Ar­beit­neh­mer stei­gen, ist un­ter den Vor­aus­set­zun­gen der §§ 1, 4 Be­trVG ggfs. ein neu­er Be­triebs­rat zu wählen.

Zum 03.03.2011 la­gen die Vor­aus­set­zun­gen für den Weg­fall des Be­triebs­rats­am­tes vor.

aa) Dass die Ar­beit­ge­be­rin sich ent­schie­den, hat die An­zahl der Beschäftig­ten auf un­ter 5 zu re­du­zie­ren, er­gibt sich oh­ne Wei­te­res dar­aus, dass der Per­so­nal­be­stand der Be­triebsstätte seit 03.03.2011 nur noch 4 Ar­beit­neh­mer beträgt.

bb) Dass in Ver­tre­tungsfällen ein Leih­ar­beit­neh­mer ein­ge­setzt wird, ändert an der Zahl der in der Re­gel beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer nichts. Auch un­ter Berück­sich­ti­gung des Leih­ar­beit­neh­mers wer­den zu kei­nem Zeit­punkt im Jahr im Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin 5 Ar­beit­neh­mer tatsächlich beschäftigt.

3. Die Be­tei­lig­tenfähig­keit des Be­triebs­rats kann auch nicht im Hin­blick auf ei­ne et­wai­ge „Dop­pel­re­le­vanz“ die­ses Merk­mals für die Fra­ge der Zulässig­keit des An­trags der Ar­beit­ge­be­rin un­ter­stellt wer­den.

Rich­tig ist, dass im Streit um die Be­tei­lig­tenfähig­keit die­se für die Zulässig­keit ei­nes An­trags un­ter­stellt wer­den kann, um zu ei­ner Sach­ent­schei­dung zu ge­lan­gen (BAG vom 19.09.2006 – 1 ABR 53/05 – Ju­ris, Rn 19; Ger­mel­mann, § 10, Rn 46). Vor­lie­gend ist Streit­ge­gen­stand aber die Nich­tig­keit der Be­triebs­rats­wahl, al­so die Fra­ge, ob der Be­triebs­rat am 15.01.2010 wirk­sam oder nich­tig gewählt wur­de. Nur in­so­weit wird auch die Be­tei­lig­tenfähig­keit des Be­triebs­rats un­ter­stellt, d. h. der An­trag der Ar­beit­ge­be­rin ist nicht be­reits des­halb un­zulässig, weil die Wahl des Be­triebs­rats nich­tig war. Da­ge­gen ist Streit­ge­gen­stand des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens nicht, ob der Be­triebs­rat sei­ne Exis­tenz auf­grund an­de­rer Umstände wie­der ver­lo­ren

 

- 10 -

hat. Die­ses Merk­mal ist da­mit auch nicht dop­pel­re­le­vant, da es für die Be­gründet­heit des An­trags kei­ne Rol­le spielt.

4. Ei­ne Hei­lung der feh­len­den Be­tei­lig­tenfähig­keit, wie et­wa im Fal­le feh­len­der Pro­zessfähig­keit ei­ne Ge­neh­mi­gung, ist im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen.

5. Gründe für die Rechts­be­schwer­de lie­gen nicht vor. Mit sei­ner Ent­schei­dung folgt das Ge­richt der ein­hel­li­gen An­sicht in der ein­schlägi­gen Kom­men­tar­li­te­ra­tur und der ein­zi­gen sich zu die­sem Sach­ver­halt ver­hal­ten­den Ent­schei­dung des BAG.

 

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 1 TaBV 12 b/11  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880