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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Betriebsrat, Befristung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Niedersachsen
Akten­zeichen: 2 Sa 1733/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 08.08.2012
   
Leit­sätze: § 14 Abs.2 Tz­B­fG ist nicht richt­li­ni­en­kon­form da­hin­ge­hend ein­zu­schränken, dass er auf be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se von Be­triebs­rats­mit­glie­dern kei­ne An­wen­dung fin­det.

Der von Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2002/14/EG ge­for­der­te Min­dest­schutz für die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter im deut­schen Recht ist wird auch bei nach § 14 Abs.2 Tz­B­fG sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen von Be­triebs­rats­mit­glie­dern un­ter an­de­rem durch §§ 78 Satz 2, 119 Be­trVG (i.V.m. § 280 Abs. 1 BGB oder § 823 Abs. 2 BGB) gewähr­leis­tet.

Aus dem Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 78 Satz 2 Be­trVG kann sich ein An­spruch des Be­triebs­rats­mit­glieds auf Ab­schluss ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges er­ge­ben, wenn die Nichtüber­nah­me in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis al­lein auf der Be­triebs­ratstätig­keit be­ruht. Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für ei­ne der­ar­ti­ge Be­nach­tei­li­gung trägt der Ar­beit­neh­mer. Der von Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2002/14/EG ge­for­der­te ef­fek­ti­ve Min­dest­schutz ist da­durch zu gewähren, dass im Rah­men von § 78 Satz 2 Be­trVG von ei­ner ab­ge­stuf­ten Dar­le­gungs- und Be­weis­last aus­zu­ge­hen ist.



Man­gels ei­ner plan­wid­ri­gen Re­ge­lungslücke kann § 78a Abs.2 Satz 1 Be­trVG nicht ana­log an­ge­wandt wer­den.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Braunschweig, Urteil vom 02.11 2011, 3 Ca 366/11
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 25.06.2014, 7 AZR 847/12
   

Verkündet am:
08.08.2012

Du­wa­n­off,
Ge­richts­an­ge­stell­te
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

2 Sa 1733/11

3 Ca 366/11 ArbG Braun­schweig

In dem Rechts­streit

A., A-Straße, A-Stadt

Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin,

Proz.-Bev.: Rechts­anwälte B., B-Straße, B-Stadt

ge­gen

Fir­ma C., C-Straße, A-Stadt

Be­klag­ter und Be­ru­fungs­be­klag­ter,

Proz.-Bev.: D. , D-Straße, D-Stadt

hat die 2. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 8. Au­gust 2012 durch

den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Kreß,

den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Stol­te,

die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Frau Burg

für Recht er­kannt:

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Braun­schweig vom 02. No­vem­ber 2011 - 3 Ca 366/11 - wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des für das Be­ru­fungs­ver­fah­ren wird auf 10.080,- € fest­ge­setzt.

 

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses so­wie über die Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin.

Die Be­klag­te ist ein in­ter­na­tio­nal agie­ren­der Her­stel­ler für or­ga­ni­sche und an­or­ga­ni­sche Pig­men­te, Kor­ro­si­ons­schutz­pig­men­te und Pig­ment­präpa­ra­tio­nen.

Die Kläge­rin war seit dem 12. Ok­to­ber 2009 bei der Be­klag­ten als Che­mie­la­bo­ran­tin beschäftigt. Dem Ar­beits­verhält­nis lag der Ar­beits­ver­trag vom 5. Ok­to­ber 2009 zu Grun­de (Bl. 7 - 9 d. A.). Gemäß § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges war das Ar­beits­verhält­nis bis zum Ab­lauf des 11. Ok­to­ber 2010 be­fris­tet.

Im April/Mai 2010 wur­de die Kläge­rin als or­dent­li­ches Mit­glied in den bei der Be­klag­ten be­ste­hen­den Be­triebs­rat gewählt.

Am 24. Sep­tem­ber 2010 ver­ein­bar­ten die Par­tei­en ei­ne Verlänge­rung des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges bis zum 11. Ok­to­ber 2011 (Bl. 10 d. A.). Mit Schrei­ben vom 12. Ju­li 2011 teil­te die Be­klag­te der Kläge­rin mit, dass sie nach En­de der Be­fris­tung nicht über­nom­men wer­den könne (Bl. 48 d. A.). Die Kläge­rin er­ziel­te zu­letzt ein Brut­to­mo­nats­ent­gelt in Höhe von 2.520,00 €.

Mit ih­rer am 2. Au­gust 2011 beim Ar­beits­ge­richt Braun­schweig ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge be­gehr­te die Kläge­rin die Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der Be­fris­tung zum 11. Ok­to­ber 2011 be­en­det wor­den ist. Sie hat die An­sicht ver­tre­ten, die Be­fris­tung sei un­wirk­sam. Die Be­klag­te könne die Be­fris­tung nicht auf § 14 Abs. 2 Tz­B­fG stützen. Die­se Norm sei nach richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung des Ar­ti­kels 7 der Richt­li­nie 2002/14/EG nicht als Recht­fer­ti­gung für die Be­fris­tung her­an­zu­zie­hen, wenn ein Ar­beit­neh­mer zum Be­triebs­rat gewählt wor­den sei. Die Richt­li­nie 2002/14/EG, wel­che in Ar­ti­kel 7 die Mit­glieds­staa­ten zur Schaf­fung ei­nes aus­rei­chen­den Schut­zes von Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen ver­pflich­te, sei vor­be­halt­lich des § 78 a Be­trVG im Hin­blick auf den Schutz ei­nes be­fris­tet beschäftig­ten Be­triebs­rats­mit­glie­des nicht bis zum 23. März 2005 um­ge­setzt wor­den. Die be­ste­hen­den Re­ge­lun­gen in §§ 78, 103, 119 Be­trVG und § 15 KSchG er­fass­ten zwar wei­te Be­rei­che. Ei­ne Re­ge­lungslücke be­ste­he je­doch bei der Be­fris­tung ei­nes Be­triebs­rats­mit­glieds gemäß § 14 Abs. 2 Tz­B­fG. Die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses oh­ne sach­li­chen Grund sei das ent­schei­den­de Hin­der­nis, sich für ein

 

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Be­triebs­rats­amt zu be­wer­ben und ent­spre­chend tätig zu wer­den. Im Hin­blick dar­auf, dass in Deutsch­land neu ge­gründe­te Un­ter­neh­men so­gar aus­sch­ließlich be­fris­te­te Verträge ab­sch­ließen könn­ten, wer­de deut­lich, dass im Er­geb­nis die Be­triebs­ver­fas­sung und die Kon­sul­ta­ti­ons­richt­li­nie in den Be­trie­ben prak­tisch leer lie­fen. Dies wi­der­spre­che dem Ziel von Ar­ti­kel 27 der eu­ropäischen Grund­rechts­char­ta, durch ei­nen Son­derkündi­gungs­schutz der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung ein Um­feld für ak­ti­ve und ef­fek­ti­ve Be­triebs­rats­ar­beit zu schaf­fen. Spätes­tens ab dem 23. März 2005 sei § 14 Abs. 2 Tz­B­fG richt­li­ni­en­kon­form aus­zu­le­gen und auf Be­fris­tun­gen von Be­triebs­rats­mit­glie­dern nicht an­zu­wen­den.

Fer­ner sei die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges un­ter Berück­sich­ti­gung von § 15 KSchG un­wirk­sam. Im Sin­ne des ex­ten­siv aus­zu­le­gen­den Schutz­zwe­ckes des § 15 KSchG lie­ge es, die Un­abhängig­keit der Amts­ausübung des Be­triebs­rats­mit­glie­des auch vor den Aus­wir­kun­gen ei­ner er­neu­ten Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges zu schützen.

Die Kläge­rin hat be­haup­tet, be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se würden bei der Be­klag­ten re­gelmäßig verlängert oder in un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se überführt. Die sonst übli­che Über­nah­me sei ihr auf­grund ih­rer Tätig­keit im Be­triebs­rat ver­wei­gert wor­den. Hierfür strei­te ein An­scheins­be­weis. Bei der Be­klag­ten be­ste­he nämlich ein Be­darf an der Beschäfti­gung von Che­mie­la­bo­ran­ten.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen der Kläge­rin und der Be­klag­ten nicht auf­grund ei­ner Be­fris­tung zum 11. Ok­to­ber 2011 be­en­det ist, son­dern als un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über den 11. Ok­to­ber 2011 hin­aus be­steht.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie hat die An­sicht ver­tre­ten, § 14 Abs. 2 Tz­B­fG sei we­der im Lich­te von Ar­ti­kel 27 der Eu­ropäischen Grund­rechts­char­ta noch von Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2002/14/EG ein­schränkend aus­zu­le­gen. Das na­tio­na­le Recht müsse al­lein den in Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2002/14/EG vor­ge­se­he­nen Min­dest­schutz gewähr­leis­ten. Die­ser wer­de durch die §§ 78, 103, 119 Be­trVG und § 15 KSchG si­cher­ge­stellt. § 15 Abs. 1 S. 1 KSchG sei vor­lie­gend nicht an­wend­bar, weil die­se Norm vor­aus­set­ze, dass ei­nem

 

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Be­triebs­rats­mit­glied gekündigt wer­de. Das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin en­de je­doch auf­grund der wirk­sam ver­ein­bar­ten Be­fris­tung. § 78 a Be­trVG sei als Aus­nah­me­vor­schrift eng aus­zu­le­gen und nicht ana­lo­giefähig. Im Übri­gen lie­fe ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung auf ei­nen nachträglich ein­tre­ten­den, fak­ti­schen Kon­tra­hie­rungs­zwang hin­aus. Ein der­ar­ti­ger Kon­tra­hie­rungs­zwang sei - an­ders als bei Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tern nach § 78 a Be­trVG - nicht durch das So­zi­al­staats­prin­zip le­gi­ti­miert. Im Übri­gen könne der Ar­beit­ge­ber dem Aus­zu­bil­den­den die Un­zu­mut­bar­keit sei­nes Wei­ter­beschäfti­gungs­ver­lan­gens ent­ge­gen­hal­ten.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Ar­beits­verhält­nis en­de mit Ab­lauf der gemäß § 14 Abs. 2 Tz­B­fG wirk­sam ver­ein­bar­ten Be­fris­tung zum 11. Ok­to­ber 2011. Das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin sei ins­ge­samt für die Dau­er von 2 Jah­ren be­fris­tet wor­den. In­ner­halb die­ser zulässi­gen Ge­samt­dau­er sei es ein­mal verlängert wor­den. Die Mit­glied­schaft der Kläge­rin in dem Be­triebs­rat ste­he der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges gemäß § 14 Abs. 2 Tz­B­fG nicht ent­ge­gen. § 14 Abs. 2 Tz­B­fG sei nicht im Hin­blick auf Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2002/14/EG richt­li­ni­en­kon­form ein­schränkend aus­zu­le­gen. Der Ge­setz­ge­ber ha­be Be­triebs­rats­mit­glie­der vom dem An­wen­dungs­be­reich des § 14 Abs. 2 Tz­B­fG nicht aus­ge­nom­men. Ei­ne ein­schränken­de An­wen­dung wi­derspräche dem kla­ren Ge­set­zes­wort­laut. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin fol­ge die Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung nicht aus § 15 KSchG. § 15 KSchG gewähre Be­triebs­rats­mit­glie­dern be­son­de­ren Schutz bei Kündi­gun­gen, nicht aber bei der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund ei­ner Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung. Der Kläge­rin ste­he auch kein Ent­fris­tungs­an­spruch gemäß § 78 Be­trVG in Ver­bin­dung mit § 280 Abs. 1 BGB zu. Es sei nicht er­sicht­lich, dass die Be­klag­te ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot ver­s­toßen ha­be. Die Kläge­rin ha­be we­der vor­ge­tra­gen, wel­che be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­se die Be­klag­te verlängert oder in un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se überführt ha­be noch ha­be sie dar­ge­legt, auf­grund wel­cher Umstände sie zu der Über­zeu­gung ge­langt sei, sie sei we­gen ih­res Be­triebs­rats­man­da­tes nicht über­nom­men wor­den. Dass die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis im Sep­tem­ber 2010 für ei­ne wei­te­res Jahr verlängert ha­be, ob­gleich die Kläge­rin be­reits in das Be­triebs­rats­gre­mi­um gewählt wor­den sei, ver­deut­li­che viel­mehr, dass die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin ge­ra­de un­abhängig von de­ren Be­triebs­ratstätig­keit zunächst - wenn auch nur be­fris­tet - fort­ge­setzt ha­be.

Das Ur­teil des Ar­beits­ge­rich­tes ist der Kläge­rin am 21. No­vem­ber 2011 zu­ge­stellt wor­den. Hier­ge­gen hat sie mit ei­nem am 15. De­zem­ber 2011 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt

 

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Nie­der­sach­sen ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 18. Ja­nu­ar 2012 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.

Die Kläge­rin meint, die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts sei feh­ler­haft und ab­zuändern. Sie wie­der­holt und ver­tieft ihr erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen und be­haup­tet ergänzend, im Zeit­raum des Aus­lau­fens des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges ha­be die Be­klag­te an­de­re Beschäftig­te in un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se über­nom­men und tatsächlich wei­ter beschäftigt. Frau W. sei nach zweijähri­ger Be­fris­tung ab 1. Au­gust 2011 un­be­fris­tet wei­ter­beschäftigt wor­den, Frau G. sei nach zweijähri­ger Be­fris­tung ab 16. Sep­tem­ber 2011 ver­mut­lich un­be­fris­tet wei­ter­beschäftigt wor­den, Herr B. sei nach zweijähri­ger Be­fris­tung ab 1. Sep­tem­ber 2011 ver­mut­lich un­be­fris­tet wei­ter­beschäftigt wor­den.

Die Kläge­rin ver­tritt die Auf­fas­sung, die Re­ge­lun­gen in §§ 14 Abs. 2, 15 Abs. 1 Tz­B­fG, führ­ten zu ei­nem Zu­stand völli­ger Schutz­lo­sig­keit für be­fris­tet beschäftig­te Be­triebs­rats­mit­glie­der. Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2002/14/EG ver­lan­ge, dass Schutz und Si­cher­hei­ten ab Be­kannt­wer­den der Be­wer­bung für ein Man­dat und während der Man­datsführung zur Gewähr­leis­tung der in­ne­ren Un­abhängig­keit durch das na­tio­na­le Recht ga­ran­tiert würden. §§ 14 Abs. 2, 15 Tz­B­fG müss­ten des­halb hin­ter dem Uni­ons­recht zurück­tre­ten mit der Fol­ge, dass es nicht zu ei­nem wirk­sa­men Aus­lau­fen des Ar­beits­ver­tra­ges durch ei­ne Be­fris­tung kom­me. § 78 Be­trVG bie­te nicht den von der Richt­li­nie ge­for­der­ten Schutz. Die­se Norm er­fas­se nicht den Zeit­punkt und Zeit­raum, für den nach dem Ge­bot der Richt­li­nie Schutz und Si­cher­hei­ten zu gewähr­leis­ten sei­en. Nach ih­rem Wort­laut bie­te die Norm kei­ne Si­cher­hei­ten, son­dern nur ei­nen Schutz vor fest­ge­stell­ten Störun­gen. Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2002/14/EG könne da­durch Rech­nung ge­tra­gen wer­den, dass die Vor­schrift an­ge­lehnt an den Schutz - und Prüfungs­maßstab des § 78 a Be­trVG uni­ons­rechts­kon­form aus­ge­legt wer­de und dass maßgeb­li­cher An­knüpfungs­zeit­punkt für die Gewähr­leis­tung des aus­rei­chen­den Schut­zes und der aus­rei­chen­den Si­cher­hei­ten der Zeit­punkt sei, zu dem die Richt­li­nie das Be­ste­hen des Schut­zes und der Si­cher­hei­ten vor­aus­set­ze. Die sei das Be­kannt­wer­den der Kan­di­da­tur für den Be­triebs­rat. Denk­bar sei ei­ne ent­spre­chen­de An­wen­dung des § 78 a Be­trVG auch auf be­fris­tet beschäftig­te Be­triebs­rats­mit­glie­der. Sch­ließe man die durch die feh­len­den Si­cher­hei­ten für be­fris­tet beschäftig­te Be­triebs­rats­mit­glie­der ent­stan­de­ne Re­ge­lungslücke durch ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung des § 78 a Be­trVG oder durch ei­ne uni­on­rechts­kon­for­me, an den Grundsätzen des § 78 a Be­trVG ori­en­tier­ten Aus­le­gung des § 78 Be­trVG, ha­be die Kläge­rin ei­nen An­spruch auf Ver­trags­schluss. Dar­aus fol­ge der ers­te Hilfs­an­trag. Der Hilfs­hilfs­an­trag ori­en­tie­re sich an der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­rich­tes München vom

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12. Ju­li 2012 (- 24 Ca 1619/11 - ). Da­nach sei die Wie­der­ga­be des vollständi­gen Ver­trags­wort­lau­tes im Hin­blick auf die Voll­streck­bar­keit im An­trag er­for­der­lich.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

1.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Braun­schweig vom 02.11.2011 - 3 Ca 366/11 - wird ab­geändert.

2.
Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen der Kläge­rin und der Be­klag­ten nicht auf Grund ei­ner Be­fris­tung zum 11. Ok­to­ber 2011 be­en­det ist, son­dern als un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über den 11. Ok­to­ber 2011 hin­aus fort­be­steht.

Hilfs­wei­se für den Fall des Un­ter­lie­gens mit dem An­trag zu 2:

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, der Kläge­rin mit Wir­kung zum 12. Ok­to­ber 2011 ein An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­trags zu un­ter­brei­ten, wo­nach die Kläge­rin un­be­fris­tet im Übri­gen zu den Ar­beits­be­din­gun­gen aus dem mit ihr ge­schlos­se­nen und ein­mal verlänger­ten Ar­beits­ver­trag vom 05.10.2009 zu beschäfti­gen ist.

Hilfs­hilfs­wei­se für den Fall des Un­ter­lie­gens mit dem An­trag zu 2 und dem Hilfs­an­trag:

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, der Kläge­rin mit Wir­kung zum 12. Ok­to­ber 2011 den Ab­schluss ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges mit im Übri­gen den nach­ge­nann­ten Ar­beits­be­din­gun­gen zu un­ter­brei­ten:

§ 1 Be­ginn des An­stel­lungs­ver­tra­ges

Die Ar­beit­neh­me­rin erhält mit Wir­kung vom 12. Ok­to­ber 2011 ei­nen Ar­beits­ver­trag als Che­mie­la­bo­ran­tin im La­bor im Be­reich ICP.

Bei Be­darf erklärt sich die Ar­beit­neh­me­rin be­reit, auch an an­de­rer Stel­le im Un­ter­neh­men und un­ter zu­mut­ba­ren Be­din­gun­gen ver­gleich­ba­re Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men.

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§ 2 Kündi­gungs­fris­ten

Das Ar­beits­verhält­nis wird auf un­be­stimm­te Zeit ge­schlos­sen.

Die Kündi­gungs­fris­ten rich­ten sich nach dem Ta­rif­ver­trag der che­mi­schen In­dus­trie.

Im Fal­le ei­ner Kündi­gung ist die Fir­ma be­rech­tigt, die Mit­ar­bei­te­rin bis zum Ver­trags­en­de frei­zu­stel­len.

§ 3 Vergütung

Das mo­nat­li­che Brut­to­ge­halt beträgt nach dem Ta­rif der che­mi­schen In­dus­trie:

E 7 / An­fangs­satz = EUR 2.471,00

Die Vergütung wird je­weils am En­de des Mo­nats fällig.

Die Zah­lung er­folgt bar­geld­los auf das der Fir­ma be­kann­te Kon­to der

Ar­beit­neh­me­rin.

Außer­dem erhält die Mit­ar­bei­te­rin bei Teil­nah­me ei­nen Zu­schuss zum Werks­es­sen von EUR 0,77 pro Mahl­zeit.

§ 4 Ar­beits­zeit / Über­stun­den

Die Ar­beits­zeit beträgt der­zeit wöchent­lich 37,50 St­un­den gem. Ta­rif­ver­trag oh­ne Berück­sich­ti­gung von un­be­zahl­ten Pau­sen.

Der Ar­beits­be­ginn und das Ar­beits­en­de so­wie die un­be­zahl­ten Pau­sen sind in ei­ner be­son­de­ren Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­re­gelt.

Die Fir­ma ist be­rech­tigt, aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen ei­ne Ände­rung der Ar­beits­zeit­auf­tei­lung vor­zu­neh­men, bzw. auch Über­stun­den an­zu­ord­nen. Die Über­stun­den ein­sch­ließlich Zu­la­gen wer­den nach Ab­spra­che mit der Fir­ma durch Frei­zeit aus­ge­gli­chen.

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§ 5 Ur­laub

Der Ur­laubs­an­spruch rich­tet sich nach den ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen. Er beträgt z. Zt. 30 Ar­beits­ta­ge (oh­ne Sonn­aben­de) pro Ka­len­der­jahr. Für je­den Ur­laubs­tag erhält die Mit­ar­bei­te­rin ein zusätz­li­ches Ur­laubs­geld von EUR 20,45.

§ 6 Ne­bentätig­keit

Die Ar­beit­neh­me­rin ver­pflich­tet sich, ih­re gan­ze Ar­beits­kraft im In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers ein­zu­set­zen. Sie ver­pflich­tet sich, je­de bei Ver­trags­ab­schluss be­reits aus­geübte oder später be­ab­sich­tig­te ent­gelt­li­che Ne­bentätig­keit dem Ar­beit­ge­ber un­auf­ge­for­dert und recht­zei­tig mit­zu­tei­len.

Der Ar­beit­ge­ber ist be­rech­tigt, der Mit­ar­bei­te­rin die Ne­bentätig­keit zu un­ter­sa­gen, wenn und so­weit da­durch ei­ne Kon­kur­renz­si­tua­ti­on ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber ent­steht, ge­gen Vor­schrif­ten des Ar­beits­zeit­ge­set­zes ver­s­toßen wird, die ord­nungs­gemäße Erfüllung der Pflich­ten der Ar­beit­neh­me­rin aus die­sem Ar­beits­verhält­nis gefähr­det wird oder sons­ti­ge be­rech­tig­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers er­heb­lich be­ein­träch­tigt wer­den können.

§ 7 Ar­beits­ver­hin­de­rung

Die Ar­beit­neh­me­rin ist ver­pflich­tet, im Fal­le ei­ner Ar­beits­ver­hin­de­rung in­fol­ge Krank­heit oder aus sons­ti­gen Gründen der Fir­ma un­verzüglich Mit­tei­lung zu ma­chen. Bei Ar­beits­unfähig­keit in­fol­ge Er­kran­kung hat die Mit­ar­bei­te­rin der Fir­ma spätes­tens am drit­ten Tag der Er­kran­kung ei­ne ärzt­li­che Be­schei­ni­gung vor­zu­le­gen, aus der sich die Dau­er der vor­aus­sicht­li­chen Ar­beits­unfähig­keit er­gibt.

§ 8 Ver­schwie­gen­heits­pflicht

Die Ar­beit­neh­me­rin ver­pflich­tet sich, über die ihr be­kannt ge­wor­de­nen oder an­ver­trau­ten Geschäfts­vorgänge so­wie über al­le sons­ti­gen be­trieb­li­chen

An­ge­le­gen­hei­ten so­wohl während der Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses, als auch nach des­sen Be­en­di­gung, Drit­ten ge­genüber Still­schwei­gen zu be­wah­ren. Bei Be­en­di­gung des An­stel­lungs­verhält­nis­ses sind al­le be­trieb­li­chen Un­ter­la­gen so­wie et­wa an­ge­fer­tig­te Ab­schrif­ten oder Ko­pi­en an die Fir­ma her­aus­zu­ge­ben.

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§ 9 Be­trieb­li­che Re­ge­lun­gen / Ta­rif­ver­trag

Die Be­triebs­ord­nung und die be­ste­hen­den Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen können im Per­so­nalbüro ein­ge­se­hen wer­den.

Ergänzend gel­ten die Re­ge­lun­gen des Ta­rif­ver­tra­ges der che­mi­schen In­dus­trie in sei­ner je­weils gel­ten­den Fas­sung.

§ 10 Ne­ben­ab­re­den

Ne­ben­ab­re­den und Ände­run­gen des Ver­tra­ges bedürfen zu ih­rer Rechtsgültig­keit der Schrift­form.

 

Die­ses For­mer­for­der­nis kann we­der münd­lich noch still­schwei­gend auf­ge­ho­ben oder außer Kraft ge­setzt wer­den.

§ 11 Ansprüche aus die­sem Ar­beits­verhält­nis

Die­se sind spätes­tens zwei Mo­na­te nach En­de der Beschäfti­gung gel­tend zu ma­chen, da sie an­dern­falls er­satz­los ver­fal­len.

§ 12 Sons­ti­ges

Ei­ne et­wai­ge Ungültig­keit ein­zel­ner Ver­trags­be­stim­mun­gen berührt die Wirk­sam- keit der übri­gen Be­stim­mun­gen nicht.

III.
Im Fal­le des Ob­sie­gens mit den Haupt­anträgen oder dem Hilfs­an­trag oder dem Hilfs­hilfs­an­trag wird die Be­klag­te ver­ur­teilt, die Kläge­rin zu un­veränder­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen je­doch un­be­fris­tet tatsächlich als Che­mie­la­bo­ran­tin wei­ter­zu­beschäfti­gen.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

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Die Be­klag­te be­haup­tet, bei ihr würden be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se we­der re­gelmäßig verlängert noch in un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se überführt. Das Ar­beits­verhält­nis mit Herrn W., Un­ter­neh­mens­ein­tritt 1. Ju­li 2010, sei mit Ab­lauf des 15. März 2011 aus­ge­lau­fen. Das Ar­beits­verhält­nis mit Frau W., Un­ter­neh­mens­ein­tritt 17. Mai 2010, sei mit dem 31. De­zem­ber 2011 aus­ge­lau­fen. Das Ar­beits­verhält­nis Herrn J., Un­ter­neh­mens­ein­tritt 1. Mai 2010, sei zum 31. März 2011 aus­ge­lau­fen. Das Ar­beits­verhält­nis mit Frau B., Un­ter­neh­mens­ein­tritt 5. Ju­li 2010, sei mit dem 31. De­zem­ber 2010 aus­ge­lau­fen. Die Mit­ar­bei­ter Frau G. und Herr M. würden be­fris­tet beschäftigt. Hin­ter­grund der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Kläge­rin sei, dass das ICP-La­bor, in dem die Kläge­rin ge­ar­bei­tet ha­be, nicht mehr benötigt wer­de. Die Auf­ga­ben sei­en von der zen­tra­len For­schungs- und Ent­wick­lungs­ab­tei­lung über­nom­men wor­den. Auch sei­en wei­te­re drei der ehe­mals dort beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter nicht mehr bei ihr beschäftigt. Im Übri­gen ver­tei­digt die Be­klag­te das an­ge­foch­te­ne Ur­teil nach Maßga­be ih­rer Schriftsätze vom 22. Fe­bru­ar 2012 (Bl. 187 - 198 d. A.) vom 26. Ju­li 2012 (Bl. 229 - 232 d. A.) und vom 2. Au­gust 2012 (Bl. 273 - 279 d. A.). Die Be­klag­te macht gel­tend, bei den erst­mals in der Be­ru­fungs­in­stanz im We­ge der Hilfs­anträge ge­stell­ten Anträgen han­de­le es sich um ei­ne Klagände­rung. Die­ser Klagände­rung wer­de wi­der­spro­chen.

We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst den zu den Ak­ten ge­reich­ten An­la­gen so­wie auf das Pro­to­koll der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 8. Au­gust 2012 Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

I.
Die gemäß § 64 Abs. 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung der Kläge­rin ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den und da­her ins­ge­samt zulässig (§§ 66 Abs. 1 S. 1 ArbGG, 519, 520 ZPO).

II.
Die Be­ru­fung ist ins­ge­samt un­be­gründet.

1.
Die Kla­ge ist im Haupt­an­trag un­be­gründet.

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Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en en­de­te auf­grund Be­fris­tung gemäß § 14 Abs. 2 Tz­B­fG mit Ab­lauf des 1. Ok­to­ber 2011

a.
Die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung er­gibt sich nicht be­reits aus § 17 S. 2 Tz­B­fG i.V.m. § 7 KSchG. Die Kläge­rin hat bin­nen der dreiwöchi­gen Frist Kla­ge vor dem Ar­beits­ge­richt Braun­schweig er­ho­ben.

b.
Nach § 14 Abs. 2, S. 1, 1. Halb­satz Tz­B­fG ist die sach­grund­lo­se Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges oh­ne Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des bis zur Dau­er von 2 Jah­ren zulässig. Bis zu die­ser Ge­samt­dau­er ist die höchs­tens drei­ma­li­ge Verlänge­rung ei­nes ka­len­dermäßig be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges zulässig (§ 14 Abs. 2, S. 1, 2. Halb­satz Tz­B­fG).

Die zulässi­ge Ge­samt­dau­er des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses und die An­zahl mögli­cher Ver­trags­verlänge­run­gen sind nicht über­schrit­ten. Die Verlänge­rungs­ver­ein­ba­rung vom 24. Sep­tem­ber 2010 wur­de schrift­lich noch während der Lauf­zeit des zu verlängern­den Ver­tra­ges - der erst am 11. Ok­to­ber 2010 aus­ge­lau­fen wäre - ge­trof­fen. Die Lauf­zeit des Verlänge­rungs­ver­tra­ges schloss sich un­mit­tel­bar an die des zu verlängern­den Ver­tra­ges an. Die Par­tei­en ha­ben in der Verlänge­rungs­ver­ein­ba­rung auch ver­ein­bart, dass es im Übri­gen bei den Kon­di­tio­nen des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges ver­bleibt.

c.
§ 14 Abs. 2 Tz­B­fG ist nicht richt­li­ni­en­kon­form/uni­ons­rechts­kon­form da­hin­ge­hend ein­zu­schränken, dass er auf be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se von Be­triebs­rats­mit­glie­dern kei­ne An­wen­dung fin­det.

aa.
Da­bei ist zunächst fest­zu­hal­ten, dass die Kläge­rin im Er­geb­nis kei­ne richt­li­ni­en­kon­for­me/uni­ons­rechts­kon­for­me Aus­le­gung des § 14 Abs. 2 Tz­B­fG be­gehrt, son­dern ei­ne gänz­li­che Nicht­an­wen­dung der Norm bei der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung von Be­triebs­rats­mit­glie­dern. Die Auf­fas­sung der Kläge­rin über­schrei­tet die zulässi­gen Gren­zen ei­ner richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung.

 

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(1).
Die na­tio­na­len Ge­rich­te ha­ben bei der Aus­le­gung al­les zu tun, was in ih­rer Zuständig­keit liegt, um die vol­le Wirk­sam­keit der Richt­li­nie zu gewähr­leis­ten und zu ei­nem Er­geb­nis zu ge­lan­gen, das mit dem von der Richt­li­nie ver­folg­ten Ziel übe­rein­stimmt. Der Grund­satz der richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung wird be­grenzt durch die all­ge­mei­nen Aus­le­gungs­re­geln, die für das in Fra­ge ste­hen­de na­tio­na­le Recht maßgeb­lich sind. Der er­kenn­ba­re Wil­le des na­tio­na­len Ge­setz­ge­bers darf nicht verändert wer­den. Die Aus­le­gung im Lich­te der Richt­li­nie darf nicht als Grund­la­ge für ei­ne Aus­le­gung con­tra le­gem des na­tio­na­len Rechts die­nen (EuGH, 10. März 2011 - C-109/09 - NZA 2011, 397).

(2).
§ 14 Abs. 2 Tz­B­fG enthält kei­ner­lei Ein­schränkun­gen sei­nes An­wen­dungs­be­rei­ches, son­dern stellt auf Ar­beits­verträge ab. Die von der Kläge­rin be­an­spruch­te Ein­schränkung des An­wen­dungs­be­rei­ches der­ge­stalt, dass hier­von Ar­beits­verträge mit Be­triebs­rats­mit­glie­dern aus­ge­nom­men sein sol­len, über­schrei­tet die Wort­laut­gren­ze der Aus­le­gung und wäre ei­ne Aus­le­gung con­tra le­gem (vgl. Lak­ies, ArbR 2011, 445).

bb.
Der von Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2002/14/EG ge­for­der­te Min­dest­schutz für die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter im deut­schen Recht ist auch bei nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen von Be­triebs­rats­mit­glie­dern gewähr­leis­tet.

(1).
In Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2002/14/EG heißt es:

"Die Mit­glieds­staa­ten tra­gen dafür Sor­ge, dass die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter bei der Ausübung ih­rer Funk­ti­on ei­nen aus­rei­chen­den Schutz und aus­rei­chen­de Si­cher­hei­ten ge­nießen, die es ih­nen ermögli­chen, die ih­nen über­tra­ge­nen Auf­ga­ben in an­ge­mes­se­ner Wei­se wahr­zu­neh­men."

(2).
Das na­tio­na­le Recht muss in­so­weit nur ei­nen Min­dest­schutz gewähr­leis­ten. Nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­ho­fes (EuGH) hat der Uni­ons­ge­setz­ge­ber den Mit­glied­staa­ten bei den für die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter zu tref­fen­den Schutz­maßnah­men und den zu bie­ten­den Si­cher­hei­ten ein wei­tes Er­mes­sen ein­geräumt. Dies er­gibt sich so­wohl aus dem Wort­laut von Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2002/14/EG, als auch aus dem

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Um­stand, dass die­se nur ei­nen all­ge­mei­nen Rah­men mit Min­dest­vor­schrif­ten vor­sieht. Der von ei­ner Kündi­gung be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter muss im Rah­men ge­eig­ne­ter Ver­wal­tungs- oder Ge­richts­ver­fah­ren über­prüfen las­sen können, ob der Grund für die­se Ent­schei­dung nicht sei­ne Ei­gen­schaft oder die Ausübung sei­ner Funk­ti­on als Ver­tre­ter ist und es müssen an­ge­mes­se­ne Sank­tio­nen für den Fall an­wend­bar sein, dass sich her­aus­stel­len soll­te, dass zwi­schen die­ser Ei­gen­schaft oder die­ser Funk­ti­on und der ge­genüber die­sem Ver­tre­ter aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung ein Zu­sam­men­hang be­steht (EuGH, 11. Fe­bru­ar 2010 - C-405/08 - NZA 2010, 286). Aus der Richt­li­nie folgt nicht, dass der Kündi­gungs­schutz, der für Be­triebs­rats­mit­glie­der nach § 15 KSchG gilt, auch für be­fris­tet beschäftig­te Be­triebs­rats­mit­glie­der in der Wei­se aus­ge­stal­tet wer­den müss­te, dass die­se ei­nen An­spruch auf ei­ne un­be­fris­te­te Beschäfti­gung ha­ben. Der von Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie ge­for­der­te Min­dest­schutz wird un­ter an­de­rem durch §§ 78 Satz 2, 119 Be­trVG (i.V.m. § 280 Abs. 1 BGB oder § 823 Abs. 2 BGB) gewähr­leis­tet (vgl. BAG, 12. Fe­bru­ar 1975 - 5 AZR 79/74 - AP Be­trVG 1972 § 78 Nr. 1).

Dem­ent­spre­chend folgt aus Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2002/14/EG höchs­tens der­sel­be Schutz wie aus § 78 Satz 2 Be­trVG: Das Be­triebs­rats­mit­glied darf nicht we­gen sei­ner Be­triebs­ratstätig­keit be­nach­tei­ligt, im kon­kre­ten Fall sein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis nicht we­gen sei­ner Be­triebs­ratstätig­keit be­en­det wer­den. Ab­wei­chen­des folgt auch nicht dar­aus, dass der Ar­beit­neh­mer im Rah­men des § 78 S. 2 Be­trVG grundsätz­lich die Dar­le­gungs- und Be­weis­last dafür trägt, dass er auf­grund sei­ner Mit­ar­beit im Be­triebs­rat sein Ar­beits­verhält­nis ver­lo­ren hat. Der ge­for­der­te ef­fek­ti­ve Min­dest­schutz ist da­durch zu gewähren, dass im Rah­men von § 78 Satz 2 Be­trVG von ei­ner ab­ge­stuf­ten Dar­le­gungs- und Be­weis­last aus­zu­ge­hen ist (Ul­ri­ci, ju­ris­PR-ArbR 31/2011 Anm. 4). Es reicht des­halb aus, wenn das Be­triebs­rats­mit­glied, das die Gründe für die Nicht­verlänge­rung sei­nes Ver­tra­ges in der Re­gel nicht kennt, zunächst vorträgt, dass die­se Ent­schei­dung we­gen sei­nes Be­triebs­rats­am­tes bzw. sei­ner Be­triebs­ratstätig­keit er­folgt ist. Hier­auf ist es dann Sa­che des Ar­beit­ge­bers im Ein­zel­nen dar­zu­le­gen, aus wel­chen Gründen das be­fris­tet ab­ge­schlos­se­ne Ar­beits­verhält­nis nicht be­fris­tet verlängert oder in ein un­be­fris­te­tes um­ge­wan­delt wur­de. Un­abhängig hier­von kann nach den Re­geln über den Be­weis des ers­ten An­scheins ge­ge­be­nen­falls auch ei­ne tatsächli­che Ver­mu­tung dafür be­ste­hen, dass ein ent­spre­chen­der Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Be­triebs­rats­amt und der be­nach­tei­li­gen­den Ent­schei­dung be­steht. Ein wei­ter­ge­hen­der Schutz der sach­grund­los be­fris­te­ten beschäftig­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der durch ei­ne Ein­schränkung des An­wen­dungs­be­reich vom § 14 Abs. 2 Tz­B­fG ist zur Gewähr­leis­tung des uni­ons­recht­lich ge­for­der­ten Min­dest­schut­zes für Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter nicht ge­bo­ten (LAG Ber­lin-

 

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Bran­den­burg, 4. No­vem­ber 2011, 13 Sa 1549/11 - ju­ris; LAG München, 18. Fe­bru­ar 2011 - 7 Sa 896/10 - ju­ris; ArbG Ber­lin, 1. Sep­tem­ber 2011 - 33 Ca 5577/11 - ju­ris; Ul­ri­ci a.a.O.; Bo­em­ke, ju­ris­PR - ArbR 18/2012 Anm. 1; a. A. ArbG München, 8. Ok­to­ber 2010 - 24 Ca 861/10 - ju­ris).

cc.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin steht die­sem Er­geb­nis auch nicht die Char­ta der Grund­rech­te der EU (GRC) ent­ge­gen. Durch die Be­stim­mun­gen der Char­ta wird der Gel­tungs­be­reich des Uni­ons­rechts nicht er­wei­tert, es wer­den auch kei­ne neu­en Zuständig­kei­ten be­gründet (Ar­ti­kel 6 Abs. 1, S. 2 EUV, Ar­ti­kel 51 Abs. 2 GRC). Es wird ins­be­son­de­re auch kein un­mit­tel­bar gel­ten­des EU-Recht durch die Char­ta neu ge­schaf­fen.

Da­von ab­ge­se­hen folgt aus dem Wort­laut des Ar­ti­kel 27 und des Ar­ti­kel 30 GRC nichts zu Guns­ten der Auf­fas­sung der Kläge­rin. Ar­ti­kel 27 GRC be­stimmt: Für die Ar­beit­neh­mer oder ih­re Ver­tre­ter muss auf den ge­eig­ne­ten Ebe­nen ei­ne recht­zei­ti­ge Un­ter­rich­tung und Anhörung in den Fällen und un­ter den Vor­aus­set­zun­gen gewähr­leis­tet sein, "die nach dem Uni­ons­recht und den ein­zel­nen Rechts­vor­schrif­ten und Ge­pflo­gen­hei­ten vor­ge­se­hen sind". Ar­ti­kel 30 GRC re­gelt: Je­der Ar­beit­neh­mer hat "nach dem Uni­ons­recht und den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und Ge­pflo­gen­hei­ten An­spruch auf Schutz vor un­ge­recht­fer­tig­ter Ent­las­sung". We­der das Uni­ons­recht noch das in­ner­staat­li­che deut­sche Recht re­geln je­doch ei­nen An­spruch von Be­triebs­rats­mit­glie­dern auf ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis (Lak­ies, a.a.O).

2.
Die Hilfs­anträge sind zulässig, aber un­be­gründet.

a.
Die im zwei­ten Rechts­zug er­folg­te Klagände­rung in Form des nun­mehr erst­mals ge­stell­ten Hilfs- bzs. Hilfs­hilfs­an­tra­ges ist zulässig.

Die Anträge wer­den auf Tat­sa­chen gestützt, die die Kam­mer oh­ne­hin ih­rer Ent­schei­dung zu Grun­de zu le­gen hat und sind sach­dien­lich (§ 533 ZPO). Die Fra­ge der Sach­dien­lich­keit ist nach ob­jek­ti­ven Ge­sichts­punk­ten zu be­ur­tei­len. Ent­schei­dend ist da­bei der Ge­sichts­punkt der Pro­zess­wirt­schaft­lich­keit. Sach­dien­lich­keit ist zu be­ja­hen, wenn die Kla­ge zwar be­reits in ers­ter In­stanz hätte geändert wer­den können, durch

 

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Zu­las­sung der Kla­geände­rung in der Be­ru­fungs­in­stanz aber ein neu­er Pro­zess ver­mie­den wird. Der Sach­dien­lich­keit steht nicht ent­ge­gen, dass ei­ne Tat­sa­chen­in­stanz ver­lo­ren geht (BAG, 26. Fe­bru­ar 1986 - 7 AZR 503/84 - ju­ris). Nach die­sen Grundsätzen ist die Klagände­rung sach­dien­lich. Der Hilfs­an­trag setzt die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses vor­aus. Das bis­he­ri­ge Pro­zes­s­er­geb­nis kann ver­wer­tet wer­den. Die Hilfs­anträge ver­mei­den ei­nen neu­en Pro­zess zwi­schen den Par­tei­en und wer­den auf Tat­sa­chen gestützt, die die Kam­mer oh­ne­hin ih­rer Ent­schei­dung zu Grun­de zu le­gen hat. Die Par­tei­en strei­ten in­so­weit um rei­ne Rechts­fra­gen.

b.
Bei­de Hilfs­anträge sind un­be­gründet. Die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch auf Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges.

aa.
Die Kläge­rin hat nicht gemäß § 78 Satz 2 Be­trVG in Ver­bin­dung mit § 280 Abs. 1 BGB ei­nen An­spruch auf Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges im An­schluss an das be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis.

(1).
Es ist grundsätz­lich möglich, dass die Nicht­verlänge­rung ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen des Be­triebs­rats­am­tes be­inhal­tet, wenn dies al­lein des­halb er­folgt, weil der be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer Mit­glied des Be­triebs­ra­tes ist (vgl. Fit­ting/En­gels/Schmidt/Tre­bin­ger/Lin­sen­mei­er, Be­trVG, 25. Aufl., § 78 Rd­Nr. 17 ff.).

(2).
Vor­ste­hen­de Vor­aus­set­zun­gen sind we­der bei An­wen­dung der Re­geln über dem Be­weis des ers­ten An­scheins noch im Rah­men ei­ner ab­ge­stuf­ten Dar­le­gungs- und Be­weis­last ge­ge­ben. Ein Ver­s­toß der Be­klag­ten ge­gen § 78 Satz 2 Be­trVG liegt nicht vor.

Die Kläge­rin hat be­haup­tet, bei der Be­klag­ten würden be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se re­gelmäßig verlängert und in un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se überführt. Die Nicht­verlänge­rung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses be­ru­he auf ih­rer Mit­glied­schaft im Be­triebs­rat. Die­sem Vor­trag ist die Be­klag­te sub­stan­ti­iert ent­ge­gen­ge­tre­ten. Die Be­klag­te hat - durch die Kläge­rin un­wi­der­spro­chen (§ 138 Abs. 3 ZPO) - vor­ge­tra­gen, dass die von der Kläge­rin be­nann­ten Mit­ar­bei­ter Frau G. und Herr B. nur be­fris­tet beschäftigt sind.

 

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Fer­ner hat die Be­klag­te vier Mit­ar­bei­ter na­ment­lich be­nannt, de­ren be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se von ihr nicht verlängert wor­den sind. Dar­aus folgt, dass die Be­klag­te auch die be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­se an­de­rer Ar­beit­neh­mer nicht verlängert hat, ob­gleich die­se nicht Mit­glied des Be­triebs­ra­tes wa­ren/sind. Fer­ner hat Be­klag­te nach­voll­zieh­ba­re Gründe vor­ge­tra­gen, das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin nicht fort­zu­set­zen, die in kei­nem Zu­sam­men­hang mit der Be­triebs­ratstätig­keit der Kläge­rin ste­hen. Sie hat aus­geführt, das Ar­beits­verhält­nis mit der Kläge­rin sei des­we­gen nicht verlängert wor­den, weil das ICP-La­bor, in dem die Kläge­rin ge­ar­bei­tet ha­be, nicht mehr benötigt wer­de. Ne­ben der Kläge­rin sei­en auch drei wei­te­re der dort bis­her täti­gen Mit­ar­bei­ter nicht mehr bei ihr beschäftigt.

bb.
Ein An­spruch der Kläge­rin auf Ab­schluss ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges er­gibt sich auch nicht aus ei­ner ana­lo­gen An­wen­dung des § 78 a Abs. 2 Satz 1 Be­trVG.

In­so­weit fehlt es be­reits an ei­ner plan­wid­ri­gen Re­ge­lungslücke, weil der Ge­setz­ge­ber für Be­triebs­rats­mit­glie­der kei­ne dem § 78 a Abs. 2 Satz 1 Be­trVG ver­gleich­ba­re Vor­schrift schaf­fen woll­te.

Für Aus­zu­bil­den­de ist der Ge­setz­ge­ber bei Schaf­fung des § 78 a Abs. 2 S. 1 Be­trVG da­von aus­ge­gan­gen, dass de­ren Über­nah­me in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis der Re­gel­fall ist, weil Un­ter­neh­men die mit ei­ner Aus­bil­dung ver­bun­de­nen Las­ten im In­ter­es­se der Nach­wuchs­ge­win­nung über­neh­men. Die Nichtüber­nah­me ei­nes in der Be­triebs­ver­fas­sung en­ga­gier­ten Aus­zu­bil­den­den er­scheint vor die­sem Hin­ter­grund als nach § 78 a Abs. 4 Be­trVG recht­fer­ti­gungs­bedürf­ti­ge Aus­nah­me. Für be­fris­tet ein­ge­stell­te Ar­beit­neh­mer ist al­ler­dings ge­ra­de­zu ein um­ge­kehr­tes Verhält­nis von Re­gel und Aus­nah­me vor­zu­fin­den (Ul­ri­ci, a.a.O.; ArbG Ber­lin, 1. Sep­tem­ber 2011 - 33 Ca 5877/11; Lak­ies, a.a.O.; Bo­em­ke, a.a.O.). Der Ge­setz­ge­ber hat den von Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2002/14/EG ver­lang­ten Min­dest­schutz durch § 78 Satz 2 Be­trVG gewähr­leis­tet. Ei­ne darüber hin­aus­ge­hen­de Schutzlücke, de­ren Sch­ließung uni­ons­recht­lich ge­bo­ten wäre, be­steht nicht.

3.
Über den Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag hat­te die Kam­mer nicht zu ent­schei­den, weil die­ser le­dig­lich für den Fall des Ob­sie­gens mit den Haupt- bzw. Hilfs­anträgen ge­stellt war.

 

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III.
Die Be­ru­fung war mit der Kos­ten­fol­ge des § 97 Abs. 1 ZPO zurück­zu­wei­sen.

Im Rah­men der Fest­set­zung des Wer­tes des Streit­ge­gen­stands für das Be­ru­fungs­ver­fah­ren ist die Be­stands­schutz­strei­tig­keit (Haupt­an­trag) mit ins­ge­samt drei But­to­mo­nats­gehältern (§ 42 Abs. 3 S. 1 GKG) und die Hilfs­anträge mit ei­nem wei­te­ren Brut­to­mo­nats­ge­halt be­wer­tet wor­den.

Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ruht auf § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG so­wie im Hin­blick auf das Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt - 7 AZR 698/11 - .


Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil fin­det, wie sich aus der Ur­teils­for­mel er­gibt, die Re­vi­si­on statt.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils, die Re­vi­si­ons­be­gründung in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­hen.

Die An­schrift des Bun­des­ar­beits­ge­richts lau­tet:

Post­fach, 99113 Er­furt
oder
Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt.
Te­le­fax-Nr.: (0361) 26 36 - 20 00

Auf die Möglich­keit der Ein­rei­chung elek­tro­ni­scher Do­ku­men­te beim Bun­des­ar­beits­ge­richt nach § 46 c ArbGG i. V. m. den be­son­de­ren Vor­aus­set­zun­gen nach der Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 09. März 2006, BGBl. 2006 Teil I Nr. 12, S. 519 f., aus­ge­ge­ben zu Bonn am 15. März 2006, wird hin­ge­wie­sen.

Vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt müssen sich die Par­tei­en durch Pro­zess­be­vollmäch­tig­te ver­tre­ten las­sen. Als Be­vollmäch­tig­te sind außer Rechts­anwälten nur die in § 11 Ab­satz 2 Satz 2 Nr. 4 und 5 ArbGG be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen zu­ge­las­sen. Die­se müssen in Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln.

Die Re­vi­si­ons­schrift, die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift und die sons­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren sol­len 7-fach - für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ein Ex­em­plar mehr - ein­ge­reicht wer­den.

 

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Kreß 

Stol­te 

Burg

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