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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Internetzugang, Betriebsrat
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Niedersachsen
Akten­zeichen: 2 TaBV 55/10
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 27.10.2010
   
Leit­sätze: Be­sitzt der Ar­beit­ge­ber ei­nen In­ter­net­zu­gang, den er nur ein­ge­schränkt nutzt, führt die­se ein­ge­schränk­te Nut­zung durch den Ar­beit­ge­ber nicht da­zu, dass der An­spruch des Be­triebs­rats auf ei­nen In­ter­net­zu­gang entfällt.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Braunschweig, Beschluss vom 30.03.2010, 2 BV 16/09
   

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT

NIE­DERSACHSEN

 

Verkündet am:

27.10.2010

Ger.-Ang. als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

IM NA­MEN DES VOL­KES

BESCHLUSS

2 TaBV 55/10

2 BV 16/09 ArbG Braun­schweig

In dem Be­schluss­ver­fah­ren

mit den Be­tei­lig­ten

Be­schwer­deführe­rin und Be­tei­lig­te zu 2.

und

An­trag­stel­ler und Be­tei­lig­ter zu 1.

hat die 2. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen oh­ne münd­li­che Ver­hand­lung in der Be­ra­tung vom 24.01.2011 durch

den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Voigt,
die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Frau Mi­os­ga,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Weets

be­schlos­sen:

Die Be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Braun­schweig vom 30.03.2010 - 2 BV 16/09 - wird zurück­ge­wie­sen.

Die Rechts­be­schwer­de wird nicht zu­ge­las­sen.

*) sie­he Be­rich­ti­gungs­be­schluss vom 24.01.2011, letz­te Sei­ten,

 

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G r ü n d e

I.
Die Be­tei­lig­ten strei­ten darüber, ob die Ar­beit­ge­be­rin ver­pflich­tet ist, dem Be­triebs­rat ei­nen In­ter­net­zu­gang zu eröff­nen und die Ein­rich­tung ei­ner ei­ge­nen E-Mail-Adres­se zu ermögli­chen.

Die Ar­beit­ge­be­rin ist ein Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men, das in 76 Fi­li­almärk­ten 617 Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen und darüber hin­aus an ih­rem Stand­ort in S. im Fuhr­park 35 Fah­rer, im Aus­lie­fe­rungs­la­ger 60 Mit­ar­bei­ter und in der Ver­wal­tung 26 Ar­beit­neh­mer/Ar­beit­neh­me­rin­nen beschäftigt. Der An­trag­stel­ler ist der bei der Ar­beit­ge­be­rin ge­bil­de­te 13-köpfi­ge Be­triebs­rat. Dem Be­triebs­rat steht ein Per­so­nal­com­pu­ter zur Verfügung. Er kann we­der das haus­ei­ge­ne In­tra­net nut­zen noch E-Mails emp­fan­gen oder ver­sen­den. Die Ar­beit­ge­be­rin nutzt ei­nen Per­so­nal­com­pu­ter mit In­ter­net­zu­gang. Er dient der Da­tenüber­mitt­lung an Behörden und Kran­ken­kas­sen. Zu­min­dest in ei­nem Fall ist über den E-Mail-Ac­count und den ein­ge­rich­te­ten In­ter­net­zu­gang von der A.E. GmbH & Co. OHG in E. ei­ne Be­wer­bung an die Ar­beit­ge­be­rin in S. wei­ter­ge­lei­tet wor­den (Bl. 208 d. A.). Des Wei­te­ren wer­den E-Mails von Kun­den, die zunächst an ei­nen Pro­vi­der zur Be­ar­bei­tung wei­ter­ge­lei­tet wor­den sind, an die Ar­beit­ge­be­rin über ih­ren E-Mail-Ac­count ge­lei­tet.

Der Be­triebs­rat bat die Ar­beit­ge­be­rin um Ein­rich­tung ei­nes In­ter­net­an­schlus­ses nebst E-Mail-Ac­count. Die Ar­beit­ge­be­rin lehn­te die­ses Be­geh­ren des Be­triebs­ra­tes ab.

Dar­auf­hin lei­te­te der Be­triebs­rat das vor­lie­gen­de Be­schluss­ver­fah­ren beim Ar­beits­ge­richt ein.

Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, zur sach­ge­rech­ten Erfüllung der ihm ob­lie­gen­den Auf­ga­ben sei ein In­ter­net­an­schluss er­for­der­lich, eben­so wie die Ein­rich­tung ei­nes E-Mail-Ac­count. Be­rech­tig­te In­ter­es­sen der Ar­beit­ge­be­rin stünden dem nicht ent­ge­gen.

Der Be­triebs­rat hat be­an­tragt,

die Ar­beit­ge­be­rin zu ver­pflich­ten, ihm ei­nen In­ter­net­an­schluss mit ei­ge­ner E-Mail-Adres­se zur Verfügung zu stel­len.

Die Ar­beit­ge­be­rin hat be­an­tragt,

 

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den An­trag zurück­zu­wei­sen.

Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, un­abhängig von der Fra­ge, ob die In­ter­net­nut­zung für die kon­kre­te Auf­ga­ben­erfüllung des Be­triebs­rats er­for­der­lich sei, sei je­den­falls zu berück­sich­ti­gen, dass sie den In­ter­net­zu­gang nicht im Zu­sam­men­hang mit be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Auf­ga­ben nut­ze. Per­so­nal- und Ver­wal­tungs­lei­tung in­for­mier­ten sich aus­sch­ließlich über die klas­si­schen Me­di­en wie Kom­men­ta­re, Fach­zeit­schrif­ten, Lo­se­blatt­samm­lun­gen und Ge­set­zes­tex­te und da­mit über­wie­gend in Pa­pier­form. Sie ver­fol­ge im Übri­gen das Kon­zept, sich weit­ge­hend vom In­ter­net ab­zu­schot­ten. Es er­fol­ge kei­ne Nut­zung des In­ter­nets durch die ei­ge­ne Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on zur In­for­ma­ti­ons­ver­mitt­lung. Die­se Grundsätze gel­ten un­ter­neh­mens­weit. We­gen des wei­te­ren erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten wird auf den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Braun­schweig vom 30.03.2010 ver­wie­sen.

Mit die­sem Be­schluss hat das Ar­beits­ge­richt dem An­trag des Be­triebs­rats ent­spro­chen und die Ar­beit­ge­be­rin ver­pflich­tet, dem Be­triebs­rat ei­nen In­ter­net­an­schluss mit ei­ge­ner E-Mail-Adres­se zur Verfügung zu stel­len.
Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt im We­sent­li­chen aus­geführt, die vom Be­triebs­rat be­gehr­ten Sach­mit­tel sei­en er­for­der­lich gemäß § 40 Abs. 2 Be­trVG. Da der Be­triebs­rat sei­ne Geschäfte grundsätz­lich ei­genständig und ei­gen­ver­ant­wort­lich führe, sei er in der Ent­schei­dung darüber, auf wel­che Wei­se er sich die zur Erfüllung sei­ner Auf­ga­ben not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen ver­schaf­fen wol­le, frei. Da­her sei der Be­triebs­rat be­rech­tigt, sich auch des In­ter­nets zur In­for­ma­ti­ons­ver­schaf­fung und zur Kom­mu­ni­ka­ti­on zu be­die­nen. Er könne sich mit Hil­fe der im In­ter­net zur Verfügung ste­hen­den Such­ma­schi­nen zu ein­zel­nen be­trieb­li­chen Pro­blem­stel­lun­gen um­fas­send in­for­mie­ren, oh­ne auf Zu­falls­fun­de in Zeit­schrif­ten oder Zei­tun­gen und ver­al­te­ten Kom­men­tie­run­gen oder länge­re Zeit zurück­lie­gen­de Ge­richts­ent­schei­dung an­ge­wie­sen zu sein.
Der er­for­der­li­che Um­fang der dem Be­triebs­rat zur Verfügung ste­hen­den Sach­mit­tel be­stim­me sich nicht aus­sch­ließlich nach dem Aus­stat­tungs­ni­veau des Ar­beit­ge­bers. Die Geschäfts­lei­tung ei­nes Be­trie­bes ver­fol­ge an­de­re Zie­le als die lau­fen­de Geschäftsführung des Be­triebs­rats. Das Aus­stat­tungs­ni­veau des Ar­beit­ge­bers könne für den er­for­der­li­chen Um­fang der Sach­mit­tel nicht be­stim­mend sein. Ei­ne ggf. vor­lie­gen­de lei­den­schaft­li­che In­ter­net­absti­nenz des Ar­beit­ge­bers, die dem Be­triebs­rat je­de Möglich­keit der mit der In­ter­net­nut­zung ver­bun­de­nen In­for­ma­ti­ons­ge­win­nung neh­me und ihn ggf. auf ei­nen ver­al­te­ten und oh­ne­hin sehr ge­rin­gen Be­stand von Fach­li­te­ra­tur ver­wei­sen könne, sei nicht ge-

 

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eig­net, dem Be­triebs­rat die Möglich­keit zur Erfüllung sei­ner ge­setz­li­chen Auf­ga­ben zu ver­schaf­fen.

Die Ar­beit­ge­be­rin hat ge­gen den ihr am 30.06.2010 zu­ge­stell­ten Be­schluss am 26.07. 2010 Be­schwer­de ein­ge­legt, die sie am 28.08.2010 be­gründet hat.

Die Ar­beit­ge­be­rin trägt vor, das Ar­beits­ge­richt ha­be nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt, dass sie den vor­han­de­nen In­ter­net­zu­gang nur sehr ein­ge­schränkt nut­ze, ins­be­son­de­re dass ei­ne Nut­zung zur ar­beits­recht­li­chen Sach­be­ar­bei­tung oder In­for­ma­ti­ons­ver­schaf­fung nicht er­fol­ge. So­weit von der A.E. GmbH & Co OHG in E. in ei­nem Ein­zel­fall ei­ne Be­wer­bung über das In­ter­net an sie ge­gan­gen sei, ha­be es sich da­bei um ei­nen Ein­zel­fall ge­han­delt. Sie ver­zich­te ge­ne­rell auf die Nut­zung des In­ter­nets durch ih­re Mit­ar­bei­ter auch und ge­ra­de in der zen­tra­len Ver­wal­tung. Es sei ihr Geschäfts­prin­zip, dass zur er­folg­rei­chen Um­set­zung des ge­pfleg­ten Geschäfts­mo­del­les kei­ne mo­der­nen Me­di­en benötigt und ein­ge­setzt würden.

Die Not­wen­dig­keit der Ein­rich­tung ei­nes E-Mail-Ac­counts für die Be­triebs­rats­ar­beit sei un­ter dem Ge­sichts­punkt der be­triebs­in­ter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on nicht er­sicht­lich. Das er­ge­be sich dar­aus, dass kein Ar­beits­platz im Be­trieb ei­nen E-Mail-Ac­count be­sit­ze. Da kei­ne der re­gio­na­len Ge­sell­schaf­ten ih­re E-Mail-Adres­se be­kannt ge­be, würde der Be­triebs­rat über ei­ne Ver­brei­tung sei­ner E-Mail-Adres­se ei­ne Bes­ser­stel­lung er­fah­ren.

Die Ar­beit­ge­be­rin be­an­tragt,

den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Braun­schweig vom 30.03.2010, zu­ge­stellt am 30.06.2020, auf­zu­he­ben und den An­trag des Be­triebs­rats zurück­zu­wei­sen.

Der Be­triebs­rat be­an­tragt,

die Be­schwer­de zurück­zu­wei­sen.

Der Be­triebs­rat ver­tei­digt die ar­beits­ge­richt­li­che Ent­schei­dung. Im Übri­gen trägt der Be­triebs­rat vor, an der E-Mail der Un­ter­neh­mens­zen­tra­le in E., die in ei­ner Per­so­nal­sa­che an die Ar­beit­ge­be­rin ge­sandt wor­den sei, wer­de deut­lich, dass die Ar­beit­ge­be­rin das In­ter­net wei­ter­ge­hend nut­ze. Auf die kon­kre­te wei­ter­ge­hen­de Nut­zung im Ein­zel­nen kom­me es nicht an. Es genüge, dass der In­ter­net­an­schluss von der Ar­beit­ge­be­rin vor­ge­hal­ten wer­de und ihr je­der­zeit die Möglich­keit ge­be, die­sen um­fang­rei­cher, als von ihr dar­ge­stellt, zu

 

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nut­zen. Die Vor­stel­lung der Ar­beit­ge­be­rin, dass im Un­ter­neh­men das In­ter­net nur sehr ein­ge­schränkt ge­nutzt wer­den sol­le, ha­be kei­ner­lei Ein­fluss auf sei­nen An­spruch auf Ein­rich­tung ei­nes In­ter­net­zu­gan­ges mit E-Mail-Ac­count. Le­dig­lich dann, wenn ein Ar­beit­ge­ber aus wirt­schaft­li­chen Gründen in ei­ner schwie­ri­gen Si­tua­ti­on auf die An­schaf­fung der ent­spre­chen­den Tech­nik ver­zich­te, sei dies auch für den Be­triebs­rat von Re­le­vanz. Der­ar­ti­ge wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten sei­en nicht er­sicht­lich.

We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten im Ein­zel­nen wird auf den münd­lich vor­ge­tra­ge­nen In­halt ih­rer ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

II.
A) Die statt­haf­te Be­schwer­de ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den und da­mit ins­ge­samt zulässig (§§ 87 Abs. 2, 64, 66 ArbGG, §§ 519, 520 ZPO).

B) Die Be­schwer­de ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat dem An­trag des Be­triebs­ra­tes auf Ein­rich­tung ei­nes In­ter­net­an­schlus­ses nebst E-Mail-Ac­count zu Recht und mit zu­tref­fen­der Be­gründung ent­spro­chen.

1.) Nach § 40 Abs. 2 Be­trVG hat der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat die für die lau­fen­de Geschäftsführung er­for­der­li­chen sach­li­chen Mit­tel im er­for­der­li­chen Um­fang zur Verfügung zu stel­len. Da­zu gehören auch Mit­tel der In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts darf der Be­triebs­rat ei­nen Zu­gang zum In­ter­net zur sach­ge­rech­ten Wahr­neh­mung der ihm ob­lie­gen­den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Auf­ga­ben re­gelmäßig nach § 40 Abs. 2 Be­trVG für er­for­der­lich hal­ten, so­fern dem kei­ne be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ent­ge­gen­ste­hen. Da­her be­darf es zur Be­gründung des An­spru­ches nicht der Dar­le­gung kon­kre­ter ak­tu­ell an­ste­hen­der be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Auf­ga­ben, zu de­ren Er­le­di­gung In­for­ma­tio­nen aus dem In­ter­net benötigt würden (vgl. BAG, Be­schluss vom 20.01.2010 - 7 ABR 79/08 - zi­tiert nach ju­ris.web, NZA 201, 1901). Nach § 40 Abs. 2 Be­trVG ste­hen In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik gleich­ran­gig ne­ben Räum­en, sach­li­chen Mit­teln und Büro­per­so­nal.

Die Be­schränkung des Sach­mit­tel­an­spruchs des Be­triebs­rats auf den er­for­der­li­chen Um­fang dient da­zu, ei­ne übermäßige fi­nan­zi­el­le Be­las­tung des Ar­beit­ge­bers zu ver­hin­dern (vgl. BAG a.a.O. Rn. 11). Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts

 

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ob­liegt es dem Be­triebs­rat zu prüfen, ob ein von ihm ver­lang­tes Sach­mit­tel zur Er­le­di­gung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben er­for­der­lich und vom Ar­beit­ge­ber zur Verfügung zu stel­len ist. Die ge­richt­li­che Über­prüfung der Ent­schei­dung des Be­triebs­ra­tes be­schränkt sich da­bei dar­auf zu prüfen, ob sich die In­ter­es­sen­abwägung des Be­triebs­ra­tes im Rah­men sei­nes Be­ur­tei­lungs­spiel­rau­mes hält, d. h., ob das ver­lang­te Sach­mit­tel auf­grund der kon­kre­ten be­trieb­li­chen Si­tua­ti­on der Er­le­di­gung der ge­setz­li­chen Auf­ga­ben des Be­triebs­ra­tes dient und der Be­triebs­rat bei sei­ner Ent­schei­dung nicht nur die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft berück­sich­tigt, son­dern auch be­rech­tig­ten Be­lan­gen des Ar­beit­ge­bers Rech­nung trägt (vgl. BAG a.a.O. Rn. 13; BAG Be­schluss vom 09.12.2009, 7 ABR 46/08 zi­tiert nach ju­ris.web, NZA 2010,662).

Im Rah­men der da­nach vor­zu­neh­men­den Prüfung ist auf die Auf­ga­ben des Be­triebs­ra­tes nach dem Be­trVG und an­de­ren Ge­set­zen ab­zu­stel­len. Vor al­lem ob­lie­gen dem Be­triebs­rat die Wahr­neh­mung der ge­setz­li­chen Mit­be­stim­mungs- und Mit­wir­kungs­rech­te in so­zia­len, per­so­nel­len und ggf. auch wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten so­wie die Auf­ga­ben bei der Ge­stal­tung von Ar­beitsplätzen, Ar­beits­ab­lauf und Ar­beits­um­ge­bung. In den in § 87 Be­trVG auf­geführ­ten An­ge­le­gen­hei­ten hat er ein Initia­tiv­recht und kann von sich aus ei­ne Re­ge­lung der mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen An­ge­le­gen­heit vor­schla­gen. In be­stimm­ten An­ge­le­gen­hei­ten sind die Ar­beit­neh­mer be­rech­tigt, ein Mit­glied des Be­triebs­rats ih­rer Wahl hin­zu­zu­zie­hen. Es gehört da­her auch zu den Auf­ga­ben ei­nes je­den ein­zel­nen Be­triebs­rats­mit­glieds, die Ar­beit­neh­mer zu be­ra­ten.

Die­sen Auf­ga­ben kann der Be­triebs­rat nur ge­recht wer­den, wenn er über er­for­der­li­che recht­li­che und tatsächli­che In­for­ma­tio­nen verfügt. Die Ein­ho­lung die­ser In­for­ma­tio­nen ist für sei­ne Auf­ga­ben­erfüllung mit­hin not­wen­dig. Bei der Fra­ge, auf wel­chem We­ge ei­ne In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung er­folgt und wel­che Sach­mit­tel hierfür ge­nutzt wer­den, steht dem Be­triebs­rat ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum zu. Ent­schei­det er sich zur In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung durch das In­ter­net, ist das in der Re­gel nicht zu be­an­stan­den, da er­mes­sens­feh­ler­frei. Der Be­triebs­rat kann auch nicht dar­auf ver­wie­sen wer­den, sich an­hand von ge­druck­ten In­for­ma­ti­ons­me­di­en zu in­for­mie­ren. Im In­ter­net ste­hen dem Be­triebs­rat Such­ma­schi­nen zu ein­zel­nen Pro­blem­stel­lun­gen zur Verfügung und ermögli­chen ihm auf die­se Wei­se ei­ne sys­te­ma­ti­sche Be­ar­bei­tung an­ste­hen­der Pro­ble­me, oh­ne auf Zu­falls­fun­de an­ge­wie­sen zu sein (BAG, Be­schluss vom 20.01.2010 - 7 ABR 79/08 - zi­tiert nach ju­ris. web, Rn. 18, NZA 2010, 1901).


In An­be­tracht der of­fen­kun­di­gen Dien­lich­keit des In­ter­nets zur Auf­ga­ben­erfüllung des Be­triebs­ra­tes ist es nicht er­for­der­lich, dass die­ser im Rechts­streit kon­kre­te, sich ihm ak­tu­ell

 

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stel­len­de be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Auf­ga­ben dar­legt, zu de­ren Er­le­di­gung er In­for­ma­tio­nen aus dem In­ter­net benötigt. Viel­mehr ist be­reits dann, wenn er über­haupt be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Auf­ga­ben wahr­nimmt, da­von aus­zu­ge­hen, dass das In­ter­net der Erfüllung die­ser Auf­ga­ben dient.

2.) Bei ei­nem In­ter­net­an­schluss können für die vom Be­triebs­rat im Rah­men sei­nes Be­ur­tei­lungs­spiel­raums zu tref­fen­de Ent­schei­dung - in Abhängig­keit vom Ein­zel­fall und der kon­kre­ten be­trieb­li­chen Si­tua­ti­on - ne­ben der Be­gren­zung der Kos­ten­pflicht wei­te­re Ge­sichts­punk­te Be­deu­tung er­lan­gen. So kann die kon­kre­te Möglich­keit der Gefähr­dung be­son­de­rer Ge­heim­hal­tungs­in­ter­es­sen ge­gen ei­nen In­ter­net­zu­gang spre­chen. Auch dann, wenn der Ar­beit­ge­ber greif­ba­re An­halts­punk­te für die Ge­fahr des Miss­brauchs des ver­lang­ten Sach­mit­tels vor­bringt, kann dies je nach den Ein­zel­fal­l­umständen dem Sach­mit­tel­ver­lan­gen ent­ge­gen­ste­hen. Be­deut­sam im Rah­men der Berück­sich­ti­gung be­trieb­li­cher In­ter­es­sen können schließlich auch das be­triebsübli­che und kon­kret das auf Ar­beit­ge­ber­sei­te vor­han­de­ne Aus­stat­tungs­ni­veau sein (vgl. BAG, Be­schluss vom 17.02.2010 - 7 ABR 58/08 - zi­tiert nach ju­ris.web, Rn. 28). Da­nach kann ins­be­son­de­re das in klei­ne­ren Be­trie­ben mit ge­rin­ger wirt­schaft­li­cher Leis­tungs­kraft vor­han­de­ne Aus­stat­tungs­ni­veau, bei dem der In­ha­ber des Un­ter­neh­mens selbst aus Kos­ten­gründen auf den Ein­satz teu­rer In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik ver­zich­tet, Aus­wir­kun­gen auf den An­spruch des Be­triebs­ra­tes ha­ben.

3.) Un­ter Be­ach­tung der dar­ge­stell­ten Grundsätze der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts er­gibt sich für den vor­lie­gen­den Fall, dass der Be­triebs­rat ei­nen An­spruch auf den be­gehr­ten In­ter­net­an­schluss nebst ei­ge­ner E-Mail-Adres­se be­sitzt. Auf­grund der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist da­von aus­zu­ge­hen, dass man­gels ent­ge­gen­ste­hen­der An­halts­punk­te die Nut­zung des In­ter­nets zur ord­nungs­gemäßen Erfüllung der Auf­ga­ben des Be­triebs­ra­tes im vor­lie­gen­den Fall er­for­der­lich ist.

4.) Das bei der Ar­beit­ge­be­rin be­ste­hen­de Aus­stat­tungs­ni­veau im Hin­blick auf die In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik steht dem An­spruch des Be­triebs­ra­tes nicht ent­ge­gen. Selbst wenn die Ar­beit­ge­be­rin das In­ter­net nur in ei­nem ein­ge­schränk­ten Rah­men nutzt, steht ihr gleich­wohl ein funk­ti­onsfähi­ger In­ter­net­an­schluss zur Verfügung. Da­mit hat sie die Möglich­keit, je­der­zeit ih­re In­ter­net­nut­zung aus­zu­wei­ten.

Im Übri­gen berück­sich­tigt das Bun­des­ar­beits­ge­richt ei­ne vom Ar­beit­ge­ber nur ein­ge­schränkt vor­ge­nom­me­ne In­ter­net­nut­zung aus man­geln­der wirt­schaft­li­cher Leis­tungs­kraft,

 

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so­weit der Ar­beit­ge­ber selbst aus Kos­ten­gründen auf den Ein­satz teu­re­rer In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik ab­sieht (vgl. BAG, Be­schluss vom 17.02.2010 - 7 ABR 58/08 - Rn. 28; zi­tiert nach ju­ris.web; BAG, Be­schluss vom 17.02.2010 – 7 ABR 103/09 Rn.30 zi­tiert nach ju­ris.web; BAG, Be­schluss vom 17.02.2010, 7 ABR 81/09 zi­tiert nach ju­ris. web, NZA-RR 2010, 413).

5.) An­de­re sub­jek­ti­ve Vor­stel­lun­gen des Ar­beit­ge­bers, die ihn von ei­ner wei­ter­ge­hen­den In­ter­net­nut­zung, als sie heu­te üblich ist, ab­se­hen las­sen, sind für den Be­triebs­rat nicht bin­dend. Der Be­triebs­rat ent­schei­det in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung, wie und in wel­chem Um­fang und mit wel­chen Mit­teln er sich die für sei­ne Ar­beit er­for­der­li­chen Sach­in­for­ma­tio­nen ver­schafft (BAG, Be­schluss vom 20.01.2010 - 7 ABR 79/08 - Rn.18 a.a.O.). Da­her kann er auch ent­schei­den, dass er die In­for­ma­ti­ons­ge­win­nung auf dem Weg über das In­ter­net durchführt. Dass die Ein­rich­tung ei­nes In­ter­net­zu­gangs mit be­son­de­rer Kos­ten­last ver­bun­den wäre, hat die Ar­beit­ge­be­rin im Ein­zel­fall nicht kon­kre­ti­siert. Dies ist auch nicht er­sicht­lich.

6.) Der Be­triebs­rat hat dar­ge­legt, dass die Ein­rich­tung ei­nes E-Mail-Ac­counts für ihn von Wich­tig­keit ist. Er hat an ein­zel­nen Bei­spie­len auf­geführt, dass im Sin­ne ei­ner sach­ge­rech­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Ver­tre­tern der Be­rufs­ge­nos­sen­schaft und an­de­ren So­zi­al­ver­si­che­rungs­trägern eben­so wie mit sei­nem Rechts­an­walt die Ein­rich­tung des E-Mail-Ac­counts er­for­der­lich ist. Sie ermöglicht ihm ei­nen schnel­len Kon­takt und ei­ne zügi­ge In­for­ma­ti­onsüber­mitt­lung. Die Ar­beit­ge­be­rin hat nicht dar­ge­legt, noch ist dies er­sicht­lich, dass dem Bedürf­nis des Be­triebs­rats kon­kre­te Sa­ch­in­ter­es­sen der Ar­beit­ge­be­rin ent­ge­gen­ste­hen. Die Tech­nik des In­ter­net­an­schlus­ses exis­tiert bei der Ar­beit­ge­be­rin. Die Tat­sa­che, dass die Ar­beit­ge­be­rin die­se Tech­nik aus Gründen, die ih­rer Vor­stel­lung ent­spre­chen, die in­des kei­nen rea­len Be­zug zur un­ter­neh­me­ri­schen Tätig­keit er­ken­nen las­sen, nur ein­ge­schränkt nutzt, steht dem An­spruch des Be­triebs­ra­tes nicht ent­ge­gen. Die Ar­beit­ge­be­rin hat auf der Grund­la­ge der bei ihr be­ste­hen­den Tech­nik je­der­zeit die Möglich­keit, das In­ter­net auch in ei­nem wei­te­ren Um­fang zu nut­zen, als dies mögli­cher­wei­se im ak­tu­el­len be­trieb­li­chen All­tag ge­schieht.

Nach all­dem war, wie er­folgt, zu ent­schei­den.

Gründe, die Rechts­be­schwer­de zu­zu­las­sen, lie­gen nicht vor.

 

- 9 -

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die Nicht­zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de fin­det die Be­schwer­de statt.

Die Be­schwer­de kann nur dar­auf gestützt wer­den, dass

1. ei­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­ge grundsätz­li­che Be­deu­tung hat,

2. das Ur­teil von ei­ner Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, von ei­ner Ent­schei­dung des Ge­mein­sa­men Se­nats der obers­ten Ge­richtshöfe, des Bun­des, von ei­ner Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts oder, so­lan­ge ei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts in der Rechts­fra­ge nicht er­gan­gen ist, von ei­ner Ent­schei­dung ei­ner an­de­ren Kam­mer des­sel­ben Lan­des­ar­beits­ge­richts oder ei­nes an­de­ren Lan­des­ar­beits­ge­richts ab­weicht und die Ent­schei­dung auf die­ser Ab­wei­chung be­ruht,

oder

3. ein ab­so­lu­ter Rechts­be­schwer­de­grund gemäß § 547 Nr. 1 bis 5 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung oder ei­ner ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Ver­let­zung des An­spruchs auf recht­li­ches Gehör gel­tend ge­macht wird und vor­liegt.

Die Be­schwer­de muss bin­nen ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat nach Zu­stel­lung die­ses Be­schlus­ses bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den.

Die An­schrift des Bun­des­ar­beits­ge­richts lau­tet:

Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt,

Te­le­fax-Nr.: (0361) 26 36 – 20 00.

Die Be­schwer­de ist in­ner­halb ei­ner Not­frist von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung des Be­schlus­ses zu be­gründen. In der Be­schwer­de­be­gründung müssen die Vor­aus­set­zun­gen der obi­gen Nr. 2 dar­ge­legt oder die Ent­schei­dung be­zeich­net wer­den, von der der Be­schluss ab­weicht.

Vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt müssen sich die Par­tei­en durch Pro­zess­be­vollmäch­tig­te ver­tre­ten las­sen. Als Be­vollmäch­tig­te sind außer Rechts­anwälten nur die in § 11 Ab­satz 2 Satz 2 Nr. 4 und 5 ArbGG be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen zu­ge­las­sen. Die­se müssen in Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln.

Die Be­schwer­de­schrift, die Be­schwer­de­be­gründungs­schrift und die sons­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze im Be­schwer­de­ver­fah­ren sol­len 7fach – für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ein Ex­em­plar mehr – bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­reicht wer­den.

 

Voigt  

Mi­os­ga  

Weets

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