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Be­triebs­rat hat An­spruch auf ei­nen Lap­top

Der Be­triebs­rat kann trotz ei­nes schon vor­han­de­nen sta­tio­nä­ren PCs ei­nen Lap­top ver­lan­gen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Be­schluss vom 13.12.2011, 11 TaBV 59/11

15.08.2012. Ge­mäß § 40 Abs.2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) muss der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik "in er­for­der­li­chem Um­fang" zur Ver­fü­gung stel­len.

Was der Be­triebs­rat für "er­for­der­lich" hal­ten darf und da­her vom Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen kann, dar­über wird im­mer wie­der vor Ge­richt ge­strit­ten.

Ob ein oder meh­re­re In­ter­net­zu­gän­gen, ob Dienst­han­dys oder Lap­tops - im­mer wie­der mei­nen Ar­beit­ge­ber, dass der Be­triebs­rat mit sei­nen Aus­stat­tungs­for­de­run­gen über­zieht, spe­zi­ell bei hö­her­prei­si­ger Tech­nik.

In ei­ner vor kur­zem be­kannt ge­wor­de­nen Ent­schei­dung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln dem Be­triebs­rat recht ge­ge­ben, der vom Ar­beit­ge­ber zu­sätz­lich zu ei­nem schon vor­han­de­nen PC die An­schaf­fung ei­nes Lap­tops ver­langt hat­te: LAG Köln, Be­schluss vom 13.12.2011, 11 TaBV 59/11.

Laptops, Handys, mehrere Internetzugänge: Wieviel Informationstechnik darf der Betriebsrat fordern?

Der Be­triebs­rat führt sei­ne Geschäfte ei­gen­ver­ant­wort­lich und da­her un­abhängig vom Ar­beit­ge­ber. Dem­zu­fol­ge kann er im Prin­zip selbst ent­schei­den, wel­che Sach­mit­tel er benötigt. Ob ein Sach­mit­tel er­for­der­lich ist oder nicht, ent­schei­det nicht der Ar­beit­ge­ber, son­dern der Be­triebs­rat. Da­bei hat er ei­nen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum, den so­wohl der Ar­beit­ge­ber als auch die Ar­beits­ge­rich­te re­spek­tie­ren müssen.

Im Rah­men sei­ner Einschätzung darf der Be­triebs­rat al­ler­dings nicht nur von sei­nen In­ter­es­sen bzw. von dem In­ter­es­se der Be­leg­schaft an ei­ner möglichst op­ti­ma­len Be­triebs­rats­ar­beit aus­ge­hen. Er muss auch die In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers berück­sich­ti­gen, für den Kos­tendämp­fung, Ge­heim­hal­tung und/oder Bekämp­fung von Miss­brauch wich­tig sind.

Meist kommt es bei die­ser Abwägung dar­auf an, mit wel­cher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik die Ar­beitsplätze im Be­trieb übli­cher­wei­se aus­ge­stat­tet sind. Denn in der Re­gel kann der Be­triebs­rat ver­lan­gen, die be­triebsübli­che Aus­stat­tung mit In­for­ma­ti­ons­tech­nik eben­falls zu er­hal­ten, d.h. eben­so gut aus­gerüstet zu sein wie "nor­ma­le" Ar­beit­neh­mer im Be­trieb.

Hat sich ein Be­triebs­rat zu die­sen Fra­gen Ge­dan­ken ge­macht, d.h. hat sei­ne Bedürf­nis­se und die be­trieb­li­chen Verhält­nis­se kri­tisch be­trach­tet, hat er preisgüns­ti­ge­re Al­ter­na­ti­ven er­wo­gen und viel­leicht so­gar ver­schie­de­ne Kos­ten­an­ge­bo­te ein­ge­holt, hat es der Ar­beit­ge­ber schwer, dem Be­triebs­rat ei­nen Sach­mit­tel­wunsch ab­zu­schla­gen, auch wenn die­ser auf den ers­ten Blick als "Ex­tra­wurst" er­scheint.

LAG Köln: Der Betriebsrat eines Betriebs mit mehr als 200 Arbeitnehmern kann einen Laptop verlangen

Der neunköpfi­ge Be­triebs­rat ei­nes mit­telständi­schen Un­ter­neh­mens woll­te zusätz­lich zu ei­nem in sei­nem Büro in­stal­lier­ten sta­ti­onären PC ei­nen mo­bi­len Lap­top ha­ben.

Der Be­triebs­rat hielt den Lap­top er­for­der­lich, um Vor­schläge, Or­ga­ni­gram­me und an­de­re Über­sich­ten im Be­trieb vor Ort mit den Ar­beit­neh­mern, al­so oh­ne ei­nen Ter­min im Be­triebs­ratsbüro, be­spre­chen zu können. Vor­ran­gig soll­te der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de das Gerät nut­zen, da er Haupt­an­sprech­part­ner für die Ar­beit­neh­mer war. Weil er we­gen vie­ler auswärti­ger Ter­mi­ne nur sel­ten auf den PC im Büro zu­grei­fen konn­te und E-Mail-An­fra­gen der Ar­beit­neh­mer auf die­se Wei­se nicht rasch be­ant­wor­ten konn­te, hielt der Be­triebs­rat ei­nen Lap­top für not­wen­dig.

Außer­dem ver­wies der Be­triebs­rat dar­auf, dass in der Ver­wal­tung des Be­triebs über­wie­gend mit Lap­tops ge­ar­bei­tet wur­de. An­ge­sichts der Be­triebs­größe (mehr als 200 Ar­beit­neh­mer) hielt der Be­triebs­rat ein sol­ches Gerät auch wirt­schaft­lich ak­zep­ta­bel.

Das Ar­beits­ge­richt Köln (Be­schluss vom 09.06.2011, 15 BV 273/10) und das LAG LAG folg­ten die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on und spra­chen dem Be­triebs­rat den gewünsch­ten Lap­top zu: Spiel, Satz und Sieg für den Be­triebs­rat.

Fa­zit: Wel­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und In­for­ma­ti­ons­tech­nik der Be­triebs­rat ver­lan­gen kann, hängt we­sent­lich von sei­ner Ar­gu­men­ta­ti­on ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber und vor Ge­richt ab, d.h. von der "Ver­kau­fe". Ob­wohl die Ge­rich­te vom Be­triebs­rat "of­fi­zi­ell" nicht den Nach­weis ver­lan­gen, dass oh­ne die strei­ti­ge Tech­nik die Be­triebs­rats­ar­beit zu­sam­men­bre­chen würde, soll­te der Be­triebs­rat in die­se Rich­tung ar­gu­men­tie­ren. Ergänzend kann man auf ge­rin­ge Kos­ten und auf die Be­triebsüblich­keit der strei­ti­gen Geräte ver­wei­sen.

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Letzte Überarbeitung: 30. September 2016

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