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Be­triebs­rat - Min­der­hei­ten­lis­te kann kein ei­ge­nes Bü­ro ver­lan­gen

Ei­ne Min­der­heits­lis­te im Be­triebs­rat kann we­der vom Ar­beit­ge­ber noch vom Be­triebs­rat ei­ge­ne Bü­ro­räu­me für sich als Min­der­heits­grup­pe ver­lan­gen.: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 19.07.2011, 7 TaBV 764/11
11.10.2011. Der Be­triebs­rat ver­tritt die In­ter­es­sen al­ler Ar­beit­neh­mer des Be­trie­bes - und soll zu die­sem Zweck mit dem Ar­beit­ge­ber ver­trau­ens­voll zu­sam­men­ar­bei­ten (§ 2 Abs.1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz - Be­trVG). Auch die Be­triebs­rats­mit­glie­der neh­men die In­ter­es­sen al­ler Ar­beit­neh­mer wahr. So­weit je­den­falls die recht­li­che Ide­al­vor­stel­lung.

Fak­tisch sind Be­triebs­rä­te - je­den­falls in gro­ßen Be­trie­ben mit dem­ent­spre­chend vie­len Be­triebs­rats­mit­glie­dern (vgl. § 9 Be­trVG) - ei­ne Ver­samm­lung ver­schie­de­ner Grup­pen und Grüpp­chen, die oft sehr ver­schie­de­ne Vor­stel­lun­gen von der "rich­ti­gen" Be­triebs­rats­ar­beit ha­ben.

Dann kön­nen die Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zwi­schen den ver­schie­de­nen Grup­pie­run­gen im Be­triebs­rat so stark wer­den, dass Min­der­hei­ten­grup­pie­run­gen ei­ge­ne Rech­te, zu­min­dest aber ei­ge­ne Räu­me für sich be­an­spru­chen. Ob zu­recht oder nicht, hat­te vor kur­zem das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg zu ent­schei­den (Be­schluss vom 19.07.2011, 7 TaBV 764/11).

Welche Rechte hat eine Minderheitsgruppe im Betriebsrat?

Der Be­triebs­rat kann - als "ein­heit­li­ches" Gre­mi­um - vom Ar­beit­ge­ber gemäß § 40 Be­trVG Räume und Sach­mit­tel ver­lan­gen, d.h. Bürtech­nik, Li­te­ra­tur, Büro­ma­te­ri­al usw. Der An­spruch auf Räume und Sach­mit­tel und das Ver­bot, die Ar­beit des Be­triebs­rats und sei­ner Mit­glie­der zu be­hin­dern und Be­triebs­rats­mit­glie­der zu be­nach­tei­li­gen, wird die Un­abhängig­keit des Be­triebs­rats ge­si­chert (§ 78 Be­trVG).

Da das Be­trVG von ei­nem ein­heit­li­chen Gre­mi­um "Be­triebs­rat" aus­geht, das dem Ar­beit­ge­ber ge­genüber­steht, enthält es kei­ne Re­ge­lun­gen zum Min­der­hei­ten­schutz. „Frak­tio­nen“ bzw. „Ko­ali­tio­nen“ im Be­triebs­rat wer­den vom Ge­setz nicht erwähnt. Die Kon­kur­renz ver­schie­de­ner Grup­pie­run­gen im Be­triebs­rat spielt nur während der Be­triebs­rats­wahl ei­ne Rol­le. Dann sind ver­schie­de­ne Wahl­vor­schläge möglich (vgl. § 14 Be­trVG). Aber auch dann ha­ben die Mit­glie­der ver­schie­de­ner Vor­schlags­lis­ten nur In­for­ma­ti­ons­rech­te, und wenn sie von Wahl­feh­lern be­trof­fen sind, ha­ben sie als Wahl­lis­te kein ei­ge­nes Recht, die Wahl an­zu­fech­ten (vgl. § 19 Be­trVG).

Doch kon­flikt­freu­di­ge Be­triebsräts­mit­glie­der sind er­fin­de­risch. Im­mer­hin könn­ten an­der­wei­tig be­ste­hen­de Re­geln zum Min­der­hei­ten­schutz auf den Be­triebs­rat ent­spre­chend an­zu­wen­den sein. Nach An­sicht des LAG Ber­lin-Bran­den­burg ist das aber nicht der Fall (Be­schluss vom 19.07.2011, 7 TaBV 764/11).

LAG Berlin-Brandenburg: Minderheitsgruppen im Betriebsrat haben keinen Anspruch auf eigene Sachmittel und Räume

In dem Ber­li­ner Werk ei­nes Au­to­mo­bil­pro­du­zen­ten wa­ren bei ei­ner Be­triebs­rats­wahl ne­ben Kan­di­da­ten der Ge­werk­schafts­lis­te auch Kan­di­da­ten ei­ner Al­ter­na­tiv­lis­te gewählt wor­den. Der Ar­beit­ge­ber hat­te dem Be­triebs­rat ein ei­ge­nes Gebäude mit ei­ge­nen Räum­en und Ma­te­ria­li­en zur Verfügung ge­stellt. Mit der vom Be­triebs­rat be­schlos­se­nen Ver­tei­lung die­ser Mit­tel wa­ren die Mit­glie­der der Al­ter­na­tiv­lis­te nicht ein­ver­stan­den und for­der­ten ei­ge­ne, für die an­de­ren nicht zugäng­li­che Räume und Sach­mit­tel.

Da­mit hat­ten sie we­der vor dem Ar­beits­ge­richt Ber­lin (Be­schluss vom 07.02.2011, 17 BV 14806/10) noch vor dem LAG Er­folg. Nach Auf­fas­sung der Ge­rich­te geht das Be­trVG da­von aus, dass der Be­triebs­rat nur als Ein­heit ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber auf­tre­ten kann und ei­ner Min­der­hei­ten­grup­pie­rung im Be­triebs­rat kei­ne ei­ge­nen Rech­te zu­ste­hen - we­der ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber noch ge­genüber dem Be­triebs­rat.

Fa­zit: Da der Min­der­hei­ten­schutz kein Prin­zip des Be­trVG ist, ha­ben Min­der­heits­grup­pen im Be­triebs­rat kei­ne ei­ge­nen be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rech­te. Sie müssen sich mit der Mehr­heit im Be­triebs­rat ir­gend­wie ar­ran­gie­ren. Das kann im All­tag lästig sein. Letzt­lich hilft dann nur, auf pri­va­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel zurück­zu­grei­fen, z.B. in Form ei­ner ei­ge­nen Web­sei­te.

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Letzte Überarbeitung: 1. Juni 2014

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