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An­spruch des Be­triebs­rats auf ei­ge­nen Raum

Auch oh­ne frei­ge­stell­tes Mit­glie­de kön­nen Be­triebs­rä­te ei­nen ei­ge­nen Raum ver­lan­gen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Be­schluss vom 23.01.2013, 5 TaBV 7/12

31.05.2013. Be­triebs­rä­te müs­sen re­gel­mä­ßig Sit­zun­gen ab­hal­ten und Sprech­stun­den für ih­re Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen an­bie­ten.

Da­zu brau­chen sie Räu­me, im Ide­al­fall ein ei­ge­nes, nur ih­nen als Be­triebs­rat zur Ver­fü­gung ste­hen­des Bü­ro mit ei­nem schö­nen Schild "Be­triebs­rats­bü­ro". Schließ­lich muss der Be­triebs­rat ja auch ir­gend­wo sei­ne Un­ter­la­gen auf­be­wah­ren, und da­zu eig­net sich ein ei­ge­nes Bü­ro am bes­ten.

Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) ver­pflich­tet den Ar­beit­ge­ber zwar da­zu, dem Be­triebs­rat "in er­for­der­li­chem Um­fang Räu­me" zur Ver­fü­gung zu stel­len, doch muss das nach dem Ge­setz nicht un­be­dingt ein spe­zi­ell für den Be­triebs­rat re­ser­vier­ter Raum sein. Trotz­dem hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln ei­nem sie­ben­köp­fi­gen Be­triebs­rat in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung ei­nen ei­ge­nen Raum zu­ge­spro­chen: LAG Köln, Be­schluss vom 23.01.2013, 5 TaBV 7/12.

Kann ein siebenköpfiger Betriebsrat einen speziell für ihn reservierten Büroraum verlangen?

Je größer Be­trieb und der Be­triebs­rat, des­to größer der Ar­beits­an­fall und des­to dring­li­cher der Wunsch nach ei­ge­ner Büro­tech­nik (PC, In­ter­net) und ei­nem ei­ge­nen Raum.

In § 40 Abs.2 Be­trVG heißt es da­zu, dass der Ar­beit­ge­ber da­zu ver­pflich­tet ist, dem Be­triebs­rat "für die Sit­zun­gen, die Sprech­stun­den und die lau­fen­de Geschäftsführung in er­for­der­li­chem Um­fang Räume, sach­li­che Mit­tel, In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik so­wie Büro­per­so­nal zur Verfügung zu stel­len."

Darüber, was in ei­nem kon­kre­ten Be­trieb "er­for­der­lich" ist, kann man strei­ten, und aus dem Wort "Räume" er­gibt sich nicht, dass der Be­triebs­rat in je­dem Be­trieb ei­nen nur für ihn re­ser­vier­ten Raum ver­lan­gen kann. In klei­nen Be­trie­ben kann es dem Be­triebs­rat auch zu­zu­mu­ten sein, ein­mal die­sen und ein an­de­res Mal je­nen Raum für die lau­fen­den Be­triebs­rats­ar­beit, für Sit­zun­gen und für Sprech­stun­den zu nut­zen.

So hat das LAG Schles­wig-Hol­stein im Jah­re 2007 ent­schie­den, dass der Be­triebs­rat in Be­trie­ben oh­ne frei­ge­stell­te Be­triebs­rats­mit­glie­der nicht un­be­dingt ei­nen ei­ge­nen Raum zur al­lei­ni­gen Nut­zung ver­lan­gen kann. Viel­mehr kom­me in ei­nem sol­chen Fall auch die stun­den­wei­se Zu­wei­sung ei­nes Rau­mes in Be­tracht (LAG Schles­wig-Hol­stein, Be­schluss vom 19.09.2007, 6 Ta BV 14/07).

Und da erst ab ei­ner Be­triebs­größe von 200 Ar­beit­neh­mern ein ein Be­triebs­rats­mit­glied frei­zu­stel­len ist (§ 38 Abs.1 Be­trVG), ver­steht es sich nicht von selbst, dass ein sie­benköpfi­ger Be­triebs­rat ei­nes Be­triebs mit 155 Ar­beit­neh­mern ei­nen ei­ge­nen Raum ver­lan­gen kann.

Der Fall des LAG Köln: Facility-Management-Betrieb mit 155 Mitarbeitern will dem Betriebsrat kein eigenes Büro zugestehen

Der Ar­beit­ge­ber er­bringt Dienst­leis­tun­gen im Haus­meis­ter­breich und beschäftigt 155 Ar­beit­neh­mer, da­von 42 in Voll­zeit und den Rest in Teil­zeit, dar­un­ter vie­le Mi­ni­job­ber.

Der Be­triebs­rat be­steht aus sie­ben Mit­glie­dern. Sechs sei­ner Mit­glie­der ar­bei­ten als Haus­meis­ter. In den Ob­jek­ten ist je­weils ein Haus­meis­terbüro ein­ge­rich­tet.

Im März 2010 ver­lang­te der Be­triebs­rat vom Ar­beit­ge­ber ein ei­ge­nes Büro mit ei­nem Schreib­tisch, ei­nem Te­le­fon­an­schluss, ei­nem PC, ei­nem Ak­ten­schrank und min­des­tens sie­ben Stühlen. Da der Ar­beit­ge­ber das nicht ein­sah, zog der Be­triebs­rat vor das Ar­beits­ge­richt Köln und ob­sieg­te dort in vol­lem Um­fang (Ar­beits­ge­richt Köln, Be­schluss vom 21.12.2011, 3 BV 150/10 ).

LAG Köln: Auch Betriebsräte mit keinem freigestellten Betriebsratsmitglied können einen eigenen Raum zur alleinigen Nutzung verlangen

Das LAG wies die Be­schwer­de des Ar­beit­ge­bers zurück. Zur Be­gründung heißt es:

Die Ent­schei­dung des LAG Schles­wig-Hol­stein aus dem Jah­re 2007 (Be­schluss vom 19.09.2007, 6 Ta BV 14/07) ist, so das LAG Köln, auf den da­ma­li­gen Ein­zel­fall zu­ge­schnit­ten. Da­her kann man die­ser Ent­schei­dung nicht klar ent­neh­men, dass "klei­ne­re" Be­triebsräte mit bis zu sie­ben Mit­glie­dern ge­ne­rell kei­nen ei­ge­nen, nur ih­nen zu­ste­hen­den Raum ver­lan­gen könn­ten.

Für ei­ne sol­che For­de­rung sprach im vor­lie­gen­den Fall, dass der Be­triebs­rat nur dann, wenn er ei­nen ei­ge­nen Raum zur al­lei­ni­gen Nut­zung hat, je­der­zeit zu­sam­men­kom­men und da­bei auf die nöti­gen Un­ter­la­gen zurück­grei­fen kann. Der Be­triebs­rat hat­te da­her mit sei­ner For­de­rung den ihm zu­ste­hen­den Er­mes­sens­spiel­raum nicht über­schrit­ten.

Den Vor­schlag des Ar­beit­ge­bers, der Be­triebs­rat könne doch in den Haus­meis­terbüros der be­treu­ten Ob­jek­te zu­sam­men­tref­fen, wies das LAG zurück. Denn wenn der Be­triebs­rat in ei­nem sol­chen Raum ar­bei­tet, sind Störun­gen an der Ta­ges­ord­nung. Von ei­nem Schild mit der Auf­schrift "Be­triebs­rats­sit­zung - bit­te nicht stören" wird sich nämlich in drin­gen­den Fällen kein Mie­ter da­von ab­hal­ten las­sen, an­zu­klop­fen und den Be­triebs­rat aus der Ar­beit bzw. Sit­zung zu reißen.

Fa­zit: Bei ei­ner Be­triebs­größe von 155 Ar­beit­neh­mern kann der Be­triebs­rat dem Ar­beit­ge­ber größere An­stren­gun­gen für die Ab­si­che­rung der Be­triebs­rats­ar­bei zu­mu­ten als in ei­nem Be­trieb mit 20 oder 30 Ar­beit­neh­mern. Da­her stell­te das LAG Köln auch ent­ge­gen der vom Ar­beit­ge­ber im Pro­zess ver­tre­te­nen An­sicht klar, dass ihm die An­mie­tung ei­nes Rau­mes zu­zu­mu­ten sei.

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Letzte Überarbeitung: 13. Oktober 2016

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