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Be­triebs­rat - Frist­lo­se Kün­di­gung und trotz­dem im Amt?

Frist­los ge­kün­dig­te Be­triebs­rats­mit­glie­der ha­ben nur aus­nahms­wei­se ein Recht zur Teil­nah­me an Sit­zun­gen des Be­triebs­ra­tes: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Be­schluss vom 27.07.2011, 9 TaBV­Ga 2/11

30.04.2012. Da­mit der Be­triebs­rat als In­ter­es­sen­ver­tre­tung der Ar­beit­neh­mer des Be­trie­bes sei­ne Auf­ga­ben oh­ne Un­ter­bre­chung er­fül­len kann, springt ein Er­satz­mit­glied ein, wenn ein re­gu­lä­res Be­triebs­rats­mit­glied aus­schei­det oder „zeit­wei­lig ver­hin­dert“ ist.

Wird ei­nem Be­triebs­rats­mit­glied ge­kün­digt und kommt es zu ei­nem Kün­di­gungs­schutz­pro­zess, kann ei­ni­ge Zeit un­klar sein, ob das Mit­glied tat­säch­lich aus­ge­schie­den ist oder nicht. Wenn das ge­kün­dig­te Be­triebs­rats­mit­glied in die­ser Zwi­schen­zeit wei­ter sein Amt wahr­neh­men möch­te, soll­te er im Kün­di­gungs­schutz­pro­zess sei­ne vor­läu­fi­ge Wei­ter­be­schäf­ti­gung ein­kla­gen. War­um das so ist, zeigt ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Köln: Be­schluss vom 27.07.2011, 9 TaBV­Ga 2/11.

Kann ein gekündigtes Betriebsratsmitglied an Sitzungen des Betriebsrates teilnehmen?

Je­des Be­triebs­rats­mit­glied hat das Recht, an Be­triebs­rats­sit­zun­gen teil­zu­neh­men. Da­mit der Be­triebs­rat stets vollzählig und da­mit hand­lungsfähig bleibt, be­stimmt § 25 Abs.2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG), dass für je­des aus­schei­den­de oder zeit­wei­lig ver­hin­der­te Mit­glied ein Er­satz­mit­glied nachrückt.

Im Fal­le ei­ner Kündi­gung er­lischt die Mit­glied­schaft erst mit der ef­fek­ti­ven Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses (vgl. § 24 Be­trVG). Will der Ar­beit­ge­ber das Ar­beits­verhält­nis ei­nes Be­triebs­rats­mit­glieds mit so­for­ti­ger Wir­kung durch ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung be­en­den, muss er aber ho­he Hürden neh­men. Denn für ei­ne wirk­sa­me frist­lo­se Kündi­gung ei­nes Be­triebs­rats­mit­glieds braucht er ne­ben ei­nem wich­ti­gen Grund gemäß § 626 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) auch die Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes (§ 103 Be­trVG).

Ei­ni­ge Ge­rich­te und Au­to­ren mei­nen, dass das Be­triebs­rats­mit­glied trotz ei­ner frist­lo­se Kündi­gung we­der „aus­ge­schie­den“ noch zeit­wei­se „ver­hin­dert“ ist, wenn es mit ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge vor dem Ar­beits­ge­richt in ers­ter In­stanz ge­winnt und das Ver­fah­ren in der Be­ru­fung vor dem LAG fort­geführt wird.

Dem LAG Köln genügt das aber eben­so­we­nig wie den meis­ten an­de­ren Ge­rich­ten.

Teilnahmerecht nur bei offensichtlich unwirksamer Kündigung oder erfolgreichem Weiterbeschäftigungsantrag

In ei­nem vom LAG Köln ent­schie­de­nen Eil­ver­fah­ren strit­ten ei­ne Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de, die mit Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes von ih­rem Ar­beit­ge­ber frist­los ent­las­sen wor­den war, und „ihr“ Be­triebs­rat dar­um, ob sie wei­ter an Be­triebs­rats­sit­zun­gen teil­neh­men durf­te. Im­mer­hin, so die Vor­sit­zen­de, hat­te sie vor dem Ar­beits­ge­richt mit ih­rer Kündi­gungs­schutz­kla­ge erst ein­mal Er­folg ge­habt. Al­ler­dings ging ihr Pro­zess nun vor dem LAG wei­ter.

An­ders als zu­vor das Ar­beits­ge­richt Aa­chen (Be­schluss vom 05.07.2011, 4 BV­Ga 11/11) gab das LAG dem Be­triebs­rat Recht. Das Ge­richt ar­gu­men­tier­te: So­lan­ge der Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses nicht ab­ge­schlos­sen ist, bleibt es un­ge­wiss, ob die Vor­sit­zen­de noch Mit­glied des Be­triebs­ra­tes ist. Des­halb ist sie für die­se Zeit „ver­hin­dert“. Nur aus­nahms­wei­se gilt das nicht, nämlich dann, wenn die Kündi­gung (z.B. man­gels Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes) of­fen­sicht­lich un­wirk­sam ist oder wenn das gekündig­te Be­triebs­rats­mit­glied ei­nen An­spruch auf (vorläufi­ge) Wei­ter­beschäfti­gung ge­richt­lich durch­ge­setzt hat, denn dann ist die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung sehr wahr­schein­lich. Die­se Vor­aus­set­zun­gen la­gen je­doch nicht vor.

Fa­zit: Da Kündi­gun­gen nur sel­ten „of­fen­sicht­lich“ un­wirk­sam sind, soll­ten en­ga­gier­te Be­triebs­rats­mit­glie­der ih­re Kündi­gungs­schutz­kla­ge im­mer mit ei­nem An­trag auf Wei­ter­beschäfti­gung ver­bin­den. Der An­trag hat Er­folg, wenn das Ar­beits­ge­richt die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung fest­stellt und an­nimmt, dass das Wei­ter­beschäfti­gungs­in­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers bzw. Be­triebs­rats­mit­glie­des schwe­rer wiegt als die In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers. Oh­ne ei­nen sol­chen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag be­steht die Ge­fahr, auf länge­re Zeit kom­plett „draußen“ zu sein.

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Letzte Überarbeitung: 22. Juli 2016

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