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Be­triebs­rat hat An­spruch auf Fach­zeit­schrift

Der Be­triebs­rat kann er­gän­zend zum In­ter­net­zu­gang ein Abon­ne­ment der Zeit­schrift "Ar­beits­recht im Be­trieb" ver­lan­gen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 19.03.2014, 7 AZN 91/13

14.05.2014. Der Be­triebs­rat ist kei­ne Ge­werk­schaft und hat da­her kein ei­ge­nes Ver­mö­gen.

Statt des­sen hat er ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch dar­auf, dass ihm der Ar­beit­ge­ber "in er­for­der­li­chem Um­fang" Sach­mit­tel und In­for­ma­ti­ons­tech­nik zur Ver­fü­gung stellt.

Der An­spruch folgt aus § 40 Abs.2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG). Die­se Vor­schrift lau­tet:

"Für die Sit­zun­gen, die Sprech­stun­den und die lau­fen­de Ge­schäfts­füh­rung hat der Ar­beit­ge­ber in er­for­der­li­chem Um­fang Räu­me, sach­li­che Mit­tel, In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik so­wie Bü­ro­per­so­nal zur Ver­fü­gung zu stel­len."

Un­ter den Sach­mit­tel­auf­wand fällt seit je­her die An­schaf­fung von ar­beits­recht­li­cher Li­te­ra­tur, al­so zum Bei­spiel die An­schaf­fung

Wel­che kon­kre­ten Bü­cher, Ge­set­zes­samm­lun­gen oder Mus­ter­text­samm­lun­gen der Be­triebs­rat an­schafft und in wel­chem Um­fang er da­bei Kos­ten ver­ur­sacht, muss er selbst nach sei­nem Er­mes­sen ent­schei­den. Da­bei kann er al­ler­dings nicht nach sei­nem frei­en Gut­dün­ken ver­fah­ren, son­dern muss auch die Kos­ten­in­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers be­rück­sich­ti­gen.

Beim ge­richt­li­chen Streit über die Pflicht zur Kos­ten­über­nah­me ent­schei­den die Ar­beits­ge­rich­te da­her nicht ein­fach dar­über, ob ein kon­kre­tes Buch "not­wen­dig" und die Kos­ten "an­ge­mes­sen" wa­ren, denn dar­über muss eben der Be­triebs­rat nach sei­nem Er­mes­sen ent­schei­den. Auf­ga­be der Ar­beits­ge­rich­te ist es viel­mehr zu kon­trol­lie­ren, ob der Be­triebs­rat bei sei­ner Ent­schei­dung die Gren­zen sei­nes Er­mes­sens ein­ge­hal­ten hat.

In ei­nem ak­tu­el­len Pro­zess, der Mit­te März 2014 vom Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) rechts­kräf­tig ent­schie­den wur­de (Be­schluss vom 19.03.2014, 7 AZN 91/13), ging es um die Fra­ge, ob der Ar­beit­ge­ber die Ent­schei­dung sei­nes neun­köp­fi­gen Be­triebs­rats schlu­cken muss, ei­ne ge­druck­te Fach­zeit­schrift für die Be­triebs­rats­ar­beit im Abon­ne­ment an­zu­schaf­fen.

Kon­kret strit­ten Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat um die vom ge­werk­schafts­na­hen Bund-Ver­lag Zeit­schrift her­aus­ge­ge­be­ne Zeit­schrift "Ar­beits­recht im Be­trieb (AiB)". Das AiB er­scheint ein­mal pro Mo­nat und in­for­miert aus der Per­spek­ti­ve be­trieb­li­cher Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen über die ak­tu­el­le Rechts­ent­wick­lung im Ar­beits­recht und über (mög­li­che) The­men der Be­triebs­rats­ar­beit. Die Kos­ten für das Jah­res­abon­ne­ment be­lau­fen sich auf 135,60 EUR.

Der Ar­beit­ge­ber lehn­te ei­ne Kos­ten­über­nah­me ab. Sein Ar­gu­ment: Es steht doch heut­zu­ta­ge al­les schon im In­ter­net, und da der Be­triebs­rat bzw. al­le Be­triebs­rats­mit­glie­der be­reits auf Ar­beit­ge­ber­kos­ten ei­nen In­ter­net­zu­gang oh­ne Zeit- und Da­ten­men­gen­be­schrän­kung hat­ten, war doch nicht zu­sätz­lich noch das AiB not­wen­dig.

Der Be­triebs­rat zog vor das Ar­beits­ge­richt Stutt­gart, das den Ar­beit­ge­ber ver­pflich­te­te, dem Be­triebs­rat ein AiB-Abon­ne­ment zur Ver­fü­gung zu stel­len (Be­schluss vom 27.02.2013, 19 BV 189/1). Das ließ der Ar­beit­ge­ber nicht auf sich sit­zen und leg­te Be­schwer­de zum LAG Ba­den-Würt­tem­berg ein.

Auch dort zog er den Kür­ze­ren, denn das LAG mein­te, die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts gin­ge in Ord­nung (Be­schluss vom 25.09.2013, 4 TaBV 3/13). Der Leit­satz des LAG-Be­schlus­ses lau­tet:

"Auch wenn al­len Be­triebs­rats­mit­glie­dern vom Ar­beit­ge­ber ein In­ter­net­zu­gang oh­ne Zeit- und Da­ten­men­gen­be­schrän­kung ein­ge­räumt wird, kann für den Be­triebs­rat da­ne­ben der Be­zug ei­ner Fach­zeit­schrift er­for­der­lich sein."

Ent­schei­dend für das LAG war die Über­le­gung,

Da das LAG die Rechts­be­schwer­de zum BAG nicht zu­ge­las­sen hat­te, leg­te der Ar­beit­ge­ber Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de beim BAG ein. Und weil Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­den ei­ne sta­tis­ti­sche Er­folgs­chan­ce von un­ter fünf Pro­zent ha­ben, ist es nicht über­ra­schend, dass das BAG auch die­se Be­schwer­de zu­rück­ge­wie­sen hat (Be­schluss vom 19.03.2014, 7 AZN 91/13).

In sei­ner ex­trem kur­zen Ent­schei­dung be­grün­det das BAG die Zu­rück­wei­sung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de da­mit, dass der Be­triebs­rat vom Ar­beit­ge­ber nicht vor die Wahl ge­stellt wer­den darf, ent­we­der ei­nen Zu­gang zum In­ter­net oder ei­ne ar­beits­recht­li­che Fach­zeit­schrift für sei­ne In­for­ma­ti­ons­zwe­cke zu be­nut­zen.

Fa­zit: Ein frei­er In­ter­net­zu­gang für al­le Be­triebs­rats­mit­glie­der ist schön, weil das In­ter­net um­fas­sen­de und ak­tu­el­le In­for­ma­tio­nen be­reit hält, und ei­ne ar­beits­recht­li­che Fach­zeit­schrift wie das AiB ist schön, weil sich die Re­dak­ti­on Mü­he gibt, die In­for­ma­tio­nen zu struk­tu­rie­ren und den Be­triebs­rä­ten prak­ti­sche Leit­fä­den für ih­re Ar­beit an die Hand zu ge­ben. Und weil bei­des so schön ist, nur eben an­ders schön, kann der Be­triebs­rat auch bei­des vom Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen. Dass es da­bei nicht das AiB sein muss, son­dern auch ei­ne an­de­re Zeit­schrift sein darf, ver­steht sich von selbst.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 16. September 2016

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