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Be­triebs­rats­mit­glied we­gen Be­triebs­rats­schu­lung vor Ge­richt

Ab­mah­nun­gen we­gen un­be­rech­tig­ter Be­triebs­rats­schu­lung sind im Ur­teils­ver­fah­ren zu klä­ren: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 02.01.2012, 10 Ta 1993/11

13.01.2012. Mit­glie­der des Be­triebs­rats ha­ben nach dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) ei­nen An­spruch auf Schu­lung, d.h. auf Frei­stel­lung zum Zwe­cke von Bil­dungs­maß­nah­men, da­mit sie ih­re Auf­ga­ben im Be­triebs­rat pro­fes­sio­nell wahr­neh­men kön­nen.

Und na­tür­lich kön­nen sie auch ver­lan­gen, dass der Ar­beit­ge­ber die Kurs­ge­büh­ren über­nimmt und dass er Rei­se- und Über­nach­tungs­kos­ten trägt, falls die­se an­fal­len.

Sol­che Fort­bil­dungs­maß­nah­men kön­nen den Ar­beit­ge­ber teu­er zu ste­hen kom­men. Wenn der ge­sam­te Be­triebs­rat mal eben ei­ne Wo­che lang weg ist und da­her die Ar­beits­auf­ga­ben al­ler Be­triebs­rats­mit­glie­der lie­gen­blei­ben, freut das den Ar­beit­ge­ber meist nicht.

Da­her wird im­mer wie­der über die sach­li­che Er­for­der­lich­keit von Be­triebs­rats­schu­lun­gen vor Ge­richt ge­strit­ten, wo­bei es meist um die Fra­ge der Kos­ten­über­nah­me­pflicht des Ar­beit­ge­bers geht. An­trag­stel­ler ist dann der Be­triebs­rat als Gre­mi­um, was für die Be­triebs­rats­mit­glie­der den Vor­teil hat, we­der An­walts­kos­ten nocht Ge­richts­kos­ten tra­gen zu müs­sen.

Manch­mal wird der Streit über die Er­for­der­lich­keit ei­ner Be­triebs­rats­schu­lung aber auch mit här­te­ren Ban­da­gen aus­ge­tra­gen. Dann wei­gert sich der Ar­beit­ge­ber nicht nur, die Kurs­ge­büh­ren zu zah­len, son­dern er spricht ei­ne Ab­mah­nung ge­gen­über den an der Schu­lung teil­neh­men­den Be­triebs­rä­ten aus und be­hält den Lohn für die Zeit der Be­triebs­rats­schu­lung ein.

Dann fragt sich, ob das ein­zel­ne, von sol­chen Sank­tio­nen des Ar­beit­ge­bers be­trof­fe­ne Be­triebs­rats­mit­glied

Po­li­tisch spricht viel da­für, auch sol­che Strei­tig­kei­ten im Be­schluss­ver­fah­ren klä­ren zu las­sen, denn schließ­lich liegt der Grund des Kon­flikts in der Ar­beit des Be­triebs­rats. Denn der Be­triebs­rat ent­schei­det über Schu­lungs­maß­nah­men und auch dar­über, wel­ches Be­triebs­rats­mit­glied an wel­cher Schu­lung teil­neh­men soll.

Aber recht­lich wird das von vie­len Ge­rich­ten an­ders ge­se­hen, so auch vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg (Be­schluss vom 02.01.2012, 10 Ta 1993/11). Der Leit­satz die­ser Ent­schei­dung lau­tet:

"Der An­spruch von Be­triebs­rats­mit­glie­dern auf Ge­gen­stands­lo­s­er­klä­rung von Ab­mah­nun­gen und des Rück­gän­gig­ma­chens von Lohn­ein­be­halt we­gen aus Sicht der Ar­beit­ge­be­rin nicht er­for­der­li­cher Schu­lungs­teil­nah­me hat im ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils­ver­fah­ren zu er­fol­gen. Dar­an än­dert auch ei­ne Be­zug­nah­me auf § 78 Be­trVG nichts."

Fa­zit: Zieht ein Be­triebs­rats­mit­glied we­gen ei­ner Ab­mah­nung vor Ge­richt, die ih­ren Grund in sei­ner Ar­beit für den Be­triebs­rat hat, ist die Ab­mah­nung trotz­dem ei­ne in­di­viv­du­al­recht­li­che An­ge­le­gen­heit. Dann steht das be­trof­fe­ne Be­triebs­rats­mit­glied als Ar­beit­neh­mer vor Ge­richt, d.h. auf ei­ge­ne Kos­ten.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 8. Juni 2014

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