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Be­triebs­rats­wahl - Ab­bruch nur bei Nich­tig­keit

Ge­richt­li­cher Stopp für Be­triebs­rats­wahl auf An­trag des Ar­beit­ge­bers nur, wenn die Wahl nich­tig wä­re: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10

13.01.2012. Ei­ne Be­triebs­rats­wahl ist nur in ganz be­son­de­ren und sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len nich­tig.

Da­zu muss nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) ge­gen all­ge­mei­ne Grund­sät­ze je­der ord­nungs­ge­mä­ßen Wahl in so ho­hem Maß ver­sto­ßen wer­den, dass "der An­schein ei­ner dem Ge­setz ent­spre­chen­den Wahl nicht mehr be­steht". Es muss sich al­so um ei­nen of­fen­sicht­li­chen und be­son­ders gro­ben Ver­stoß ge­gen ge­setz­li­che Wahl­vor­schrif­ten han­deln.

Z.B. wä­re ei­ne Be­triebs­rats­wahl nich­tig, wenn die Ar­beit­neh­mer die Kan­di­da­ten auf ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung "per Ak­kla­ma­ti­on", d.h. durch Hän­de­klat­schen, "wäh­len" wür­den. Ei­ne sol­che "Wahl" wä­re nich­tig.

Ist ei­ne Wahl nicht nich­tig, aber trotz­dem recht­lich nicht in Ord­nung, kann sie an­ge­foch­ten wer­den. Der prak­tisch wich­tigs­te Un­ter­schied zwi­schen Nich­tig­keit und blo­ßer An­fecht­bar­keit ei­ner Be­triebs­rats­wahl be­steht dar­in, dass der durch ei­ne an­fecht­ba­re Wahl ge­wähl­te Be­triebs­rat erst ein­mal im Amt ist und ar­bei­ten kann.

Ins­be­son­de­re kann er auch Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen ab­schlie­ßen. Und der Be­triebs­rat bleibt so­lan­ge im Amt, bis das ge­richt­li­che Wahl­an­fech­tungs­ver­fah­ren rechts­kräf­tig und im Sin­ne der An­fecht­bar­keit bzw. Rechts­wid­rig­keit der Wahl ent­schie­den ist, was gut und ger­ne zwei bis drei Jah­re dau­ern kann.

Frag­lich ist, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der Ar­beit­ge­ber ei­ne lau­fen­de Be­triebs­rats­wahl ge­richt­lich stop­pen las­sen kann, d.h. durch ei­nen ge­gen den Wahl­vor­stand ge­rich­te­ten ge­richt­li­chen Be­schluss mit dem In­halt, die wei­te­re Durch­füh­rung der Wahl zu un­ter­las­sen. Die­se Fra­ge hat das BAG in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung, de­ren Be­grün­dung heu­te ver­öf­fent­licht wur­de, so be­ant­wor­tet (Be­schluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10, Leit­satz 1).

"Auf An­trag des Ar­beit­ge­bers ist ei­ne Be­triebs­rats­wahl ab­zu­bre­chen, wenn sie vor­aus­sicht­lich nich­tig ist. Die blo­ße An­fecht­bar­keit ge­nügt nicht."

Auf der Grund­la­ge die­ser Ent­schei­dung ist es künf­tig nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len mög­lich, ein recht­lich falsch lau­fen­de Be­triebs­rats­wahl noch vor Ab­schluss der Wahl zu stop­pen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 14. Mai 2014

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