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Be­triebs­ren­ten in der Zins­fal­le - Un­ter­neh­men su­chen nach Aus­we­gen

Ge­schätz­te 17 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te ha­be An­spruch auf ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung: Das Geld da­für zu er­wirt­schaf­ten fällt Un­ter­neh­men in Zei­ten nied­ri­ger Zin­sen aber nicht leicht

27.09.2014. (dpa) - Für Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te ist die Be­triebs­ren­te ein will­kom­me­nes Zu­satz­plus im Al­ter.

Sie kön­nen zwar nicht auf Mil­lio­nen hof­fen wie man­cher Spit­zen­ma­na­ger.

Aber auch die Zei­ten, in de­nen vie­le Be­schäf­tig­te mit ei­ner fes­ten Ver­zin­sung von 3,5 bis 4 Pro­zent ih­rer Bei­trä­ge rech­nen konn­ten, schei­nen vor­erst vor­bei zu sein.

Für die Un­ter­neh­men wird es an­ge­sichts des Dauer­tiefs an der Zins­front im­mer schwie­ri­ger, ho­he Ren­di­ten für künf­ti­ge Ru­he­ständ­ler zu er­wirt­schaf­ten.

"Der Trend geht zu Ver­sor­gungs­sys­te­men oh­ne fes­te Zu­sa­gen, bei de­nen die Be­schäf­tig­ten stär­ker am Ri­si­ko be­tei­ligt wer­den. Die Zu­sa­gen wer­den bei­spiels­wei­se an die Ent­wick­lun­gen be­stimm­ter Wert­pa­pie­re ge­kop­pelt", sagt Carl-Hein­rich Kehr, In­vest­ment­stra­te­ge beim Be­ra­tungs­un­ter­neh­men Mer­cer. Für die Be­schäf­tig­ten heißt das: Läuft es an den Fi­nanz­märk­ten gut, pro­fi­tie­ren sie da­von, geht es berg­ab, fällt die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung schma­ler aus. Die ein­ge­zahl­ten Bei­trä­ge müs­sen sie in je­dem Fall her­aus­be­kom­men.

Mehr als die Hälf­te von 26 un­ter­such­ten deut­schen Groß­un­ter­neh­men ha­ben nach An­ga­ben des Be­ra­tungs­un­ter­neh­mens Towers Wat­son in­zwi­schen fle­xi­ble Mo­del­le oh­ne fes­te Zins­zu­sa­gen. Mit­tel­ständ­ler setz­ten häu­fig auf Ver­si­che­rungs­lö­sun­gen, be­rich­tet Towers-Wat­son-Ex­per­te Tho­mas Jas­per. Die Hö­he der Zah­lun­gen im Ru­he­stand rich­tet sich nach den Leis­tun­gen ei­ner Le­bens­ver­si­che­rung.

"Es ist kaum noch zu schaf­fen, fes­te Zu­sa­gen am Markt zu er­wirt­schaf­ten", sagt auch Ver­si­che­rungs­ex­per­tin El­ke Wei­den­bach von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rhein-West­fa­len. Das Pro­blem der fle­xi­blen Mo­del­le: Die Be­schäf­tig­te könn­ten kaum noch ein­schät­zen, was sie am En­de her­aus­be­kom­men.

Wer schon im Ru­he­stand ist, muss sich kaum Sor­gen ma­chen: "Lau­fen­de Be­triebs­ren­ten zu kür­zen, ist na­he­zu un­mög­lich", sagt Flo­ri­an Swy­ter von der Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de. An­wart­schaf­ten - al­so Zu­sa­gen für künf­ti­ge Ru­he­ständ­ler - zu än­dern, ist eben­falls nicht ein­fach. Vor al­lem bei Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen sei­en en­ge Gren­zen ge­setzt, er­läu­tert Swy­ter. Ist die Al­ters­ver­sor­gung in ei­nem Ta­rif­ver­trag ge­re­gelt, sei der Spiel­raum für Än­de­run­gen da­ge­gen et­was grö­ßer.

Der Um­bau der Al­ters­vor­sor­ge birgt durch­aus Zünd­stoff - wie das Bei­spiel Luft­han­sa zeigt. Sie hat al­len Luft­han­sea­ten ab 2014 die Be­triebs­ren­ten auf­ge­kün­digt und will mit den Ge­werk­schaf­ten den Wech­sel auf fes­te Zu­schüs­se an­stel­le ver­bind­li­cher Pen­si­ons­zu­sa­gen ver­han­deln. Das Zins­ri­si­ko tra­gen dann die Be­schäf­tig­ten. Är­ger gibt es un­ter an­de­rem des­we­gen mit den auf Streiks set­zen­den Pi­lo­ten.

Maß­stab für die Be­rech­nung von Pen­si­ons­las­ten ist die Ren­di­te von Un­ter­neh­mens­an­lei­hen mit gu­ter Bo­ni­tät. Sinkt die Ren­di­te der An­lei­hen, steigt der in der Bi­lanz an­zu­set­zen­de Ge­gen­wert der Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen. Die Ren­di­te - in der Fach­spra­che Rech­nungs­zins ge­nannt - ist auf Tal­fahrt. So kürz­te Mer­cer sei­ne Zins­emp­feh­lung von 3,7 Pro­zent En­de 2013 auf 2,7 Pro­zent En­de Ju­li. Legt man die­sen Wert zu­grun­de, stei­gen die Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen der 30 Dax-Kon­zer­ne auf et­wa 341 Mil­li­ar­den Eu­ro. En­de 2013 wa­ren es noch 301 Mil­li­ar­den. Die Fol­ge: Die Un­ter­neh­men müs­sen mehr Rück­stel­lun­gen bil­den, was am Ei­gen­ka­pi­tal nagt.

"Die Be­las­tung des Ei­gen­ka­pi­tals ist schmerz­haft für die Un­ter­neh­men", sag­te Tho­mas Ha­ge­mann, Ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­ker bei Mer­cer. Denn sinkt das Ei­gen­ka­pi­tal, be­steht die Ge­fahr, dass Ra­ting­agen­tu­ren die Kre­dit­wür­dig­keit des Un­ter­neh­mens her­ab­stu­fen. Schlech­te­re No­ten der Bo­ni­täts­wäch­ter kön­nen wie­der­um die Kre­dit­auf­nah­me ver­teu­ern.

Ein wei­te­rer Aus­weg aus der Zins­fal­le kann die An­la­ge­stra­te­gie sein. Mer­cer zu­fol­ge wol­len Dax-Kon­zer­ne und an­de­re Groß­un­ter­neh­men die An­la­ge in An­lei­hen in die­sem Jahr auf 50 Pro­zent ver­rin­gern (Vor­jahr: 57 Pro­zent) und statt­des­sen stär­ker auf Ak­ti­en und an­de­re In­vest­ments set­zen.

Selbst man­che Spit­zen­ma­na­ger wer­den im Ru­he­stand mit we­ni­ger aus­kom­men müs­sen als ih­re Vor­gän­ger. Zwar zahl­ten Dax-Kon­zer­ne der ge­werk­schafts­na­hen Hans-Böck­ler-Stif­tung zu­fol­ge im ver­gan­ge­nen Jahr im Schnitt fast acht Mil­lio­nen Eu­ro an Ru­he­stands­be­zü­gen an Ex-Vor­stands­mit­glie­der. Mit neu be­ru­fe­nen Vor­stän­den wer­de je­doch oft ein ge­rin­ge­res Leis­tungs­ni­veau ver­ein­bart als bei ih­ren Vor­gän­gern, er­klär­te der Au­tor der Stu­die, Hans Evers.

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Letzte Überarbeitung: 2. März 2016

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