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Be­triebs­schlie­ßung bei No­kia in Ulm

Hef­ti­ge Kri­tik an No­kia-Ent­schei­dung zu Ulm - 730 Ar­beits­plät­ze be­droht
15.06.2012 (dpa/lsw) - Die ge­plan­te Schlie­ßung des No­kia-Stand­orts er­schüt­tert Ulm. "Das ist ein gro­ßer Feh­ler", sag­te Ober­bür­ger­meis­ter Ivo Gön­ner (SPD) am Don­ners­tag der Nach­rich­ten­agen­tur dpa. In Ulm sei­en gro­ße Tei­le der Han­dy-For­schung kon­zen­triert. "Wer am Markt punk­ten will muss neue Pro­duk­te ent­wi­ckeln." Der Stand­ort für For­schung und Ent­wick­lung mit 730 Mit­ar­bei­tern soll nach An­ga­ben des kri­seln­den Un­ter­neh­mens aus Finn­land En­de Sep­tem­ber 2012 schlie­ßen.

Welt­weit streicht No­kia 10.000 Ar­beits­plät­ze, um sei­ne Zu­kunft zu si­chern. Deutsch­land blei­be aber ein sehr wich­ti­ger Stand­ort, be­ton­te Kon­zern­chef Ste­phen Elop in ei­ner Te­le­fon­kon­fe­renz. Er hob vor al­lem das Zen­trum für orts­be­zo­ge­ne Diens­te in Ber­lin her­vor. In Ulm aber ar­bei­te­ten die Mit­ar­bei­ter an Pro­jek­ten, die No­kia nicht mehr fort­füh­ren wer­de.

Ba­den-Würt­tem­bergs Wirt­schafts­mi­nis­ter Nils Schmid (SPD) nann­te die Ent­schei­dung der Fin­nen "sehr be­dau­er­lich". Schmid sag­te in Stutt­gart, dass sei ei­ne Kon­zer­n­ent­schei­dung. Er hof­fe dar­auf, dass die Be­schäf­tig­ten mit ih­ren ho­hen Qua­li­fi­ka­tio­nen am Ar­beits­markt ver­mit­telt wer­den könn­ten.

Ein Spre­cher von No­kia in Ulm sag­te, die Ent­schei­dung sei ein "har­ter, schwe­rer Schritt". Die Mit­ar­bei­ter wur­den den An­ga­ben zu­fol­ge am Mor­gen auf ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung dar­über in­for­miert. Auf Fra­gen von Jour­na­lis­ten woll­ten vie­le Be­schäf­tig­te nicht ant­wor­ten, ei­ni­ge sag­ten le­dig­lich: "Kein Kom­men­tar."

Die zu­stän­di­ge Agen­tur für Ar­beit will sich am (mor­gi­gen) Frei­tag mit Ver­ant­wort­li­chen von No­kia tref­fen, wie ei­ne Spre­che­rin sag­te. Die Ent­wick­lung tref­fe den Ar­beits­markt in Ulm hart, weil es be­reits ei­ni­ge Ein­schlä­ge ge­ge­ben ha­be. Sie ver­wies auf die Schle­cker-Plei­te. Auch die an­ge­schla­ge­ne Fi­at-Toch­ter Ive­co Ma­gi­rus hat Ein­schnit­te am Stand­ort Ulm an­ge­kün­digt. We­gen der Ver­le­gung der Last­wa­gen­pro­duk­ti­on ins Aus­land sol­len 670 von 1.070 Ar­beits­plät­zen weg­fal­len. Die ge­plan­te Schlie­ßung des Stand­or­tes nann­te Ober­bür­ger­meis­ter Gön­ner ei­ne "wei­te­re schlech­te Nach­richt" für Ulm. Das Un­ter­neh­men sei dort seit fast 18 Jah­ren ver­tre­ten.

Der Ober­bür­ger­meis­ter kri­ti­sier­te No­ki­as Po­li­tik. Der Kon­zern be­trei­be ei­ne "et­was sprung­haf­te Ge­schäfts­po­li­tik". Vor Jah­ren sei die Pro­duk­ti­on von Bo­chum nach Ru­mä­ni­en ver­la­gert, spä­ter der ru­mä­ni­sche Stand­ort ge­schlos­sen wor­den. "Dann wur­de er­klärt, dass die For­schung in Ulm kon­zen­triert wer­den soll." Vor kur­zem sei noch über Aus­bau­plä­ne ge­spro­chen wor­den. Das pas­se al­les nicht zu­sam­men.

Bun­des­for­schungs­mi­nis­te­rin An­net­te Scha­van re­agier­te be­stürzt. "Ich be­daue­re die Schlie­ßung des Stand­or­tes au­ßer­or­dent­lich. Das ist ein gro­ßer Ver­lust für den Wirt­schafts- und Wis­sen­schafts­stand­ort Ulm", er­klär­te die CDU-Po­li­ti­ke­rin am Don­ners­tag in Ber­lin auf An­fra­ge der Nach­rich­ten­agen­tur dpa.

Be­trof­fen­heit auch beim Be­triebs­rat von No­kia Ulm: "Wir al­le ste­hen un­ter ei­nem Schock. Für uns ist das ein Schlag ins Ge­sicht", sag­te Vor­sit­zen­der Hei­ner Mos­ba­cher. Ge­ra­de weil No­kia Ulm ei­nes der wich­ti­gen For­schungs- und Ent­wick­lungs­zen­tren der Fir­ma sei, sei die Ent­schei­dung über­haupt nicht nach­voll­zieh­bar. "Un­ser Ziel ist, Al­ter­na­ti­ven für die Be­schäf­tig­ten und den Stand­ort prü­fen, be­vor Ver­hand­lun­gen mit No­kia auf­ge­nom­men wer­den."

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Letzte Überarbeitung: 30. September 2016

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