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Be­triebs­still­le­gung bei Opel in Bo­chum ab 2016

Opel macht ernst: Au­to­pro­duk­ti­on in Bo­chum wird still­ge­legt

11.12.2012 (dpa) - Bei Opel in Bo­chum lau­fen bald kei­ne Au­tos mehr vom Band. Die mo­na­te­lan­ge Ver­hand­lun­gen um den Er­halt des Wer­kes schlu­gen fehl.

Opel-In­te­rims­chef Tho­mas Se­dran über­brach­te die Hi­obs­bot­schaft am Mon­tag per­sön­lich: "2016 en­det die Fer­ti­gung kom­plet­ter Fahr­zeu­ge in Bo­chum", sag­te er auf ei­ner Be­leg­schafts­ver­samm­lung. Da­mit re­agiert die Adam Opel AG auf an­hal­tend ho­he Ver­lus­te - zum Ent­set­zen der Be­schäf­tig­ten in dem 50 Jah­re al­ten Werk. Bis zu 3.000 Stel­len dro­hen weg­zu­fal­len.

Mit­ar­bei­ter re­agier­ten wü­tend. Die Stim­mung sei ag­gres­siv ge­we­sen, be­rich­te­ten Teil­neh­mer. Da­bei be­deu­te die Ent­schei­dung nicht das Aus für den Stand­ort im Ruhr­ge­biet, be­ton­te Se­dran: "Opel bleibt auch zu­künf­tig in Bo­chum prä­sent."

Das Wa­ren­ver­teil­zen­trum mit 430 Mit­ar­bei­tern sol­le er­hal­ten wer­den und mög­li­cher­wei­se künf­tig mehr Men­schen be­schäf­ti­gen. In Ver­hand­lun­gen mit den Ar­beit­neh­mern sol­le ge­prüft wer­den, ob ei­ne Tei­le­fer­ti­gung in Bo­chum wirt­schaft­lich mög­lich ist. In dem Werk könn­te ei­ne drei­stel­li­ge Zahl von Jobs ent­ste­hen.

Zu­dem will Opel mit Stadt und Land Al­ter­na­ti­ven für den Stand­ort su­chen. Die nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­re­gie­rung ver­lang­te, dass der Opel-Vor­stand sein Kon­zept zeit­nah prä­zi­siert. Be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen will die Adam Opel AG auch über Job­an­ge­bo­te in an­de­ren deut­schen Wer­ken oder at­trak­ti­ve Ab­fin­dun­gen ver­mei­den. "Wir ha­ben vier Jah­re, und in der Zeit wird uns viel ge­lin­gen. Die bis­he­ri­ge Stand­ort­ga­ran­tie bis En­de 2014 ver­län­gern wir da­mit um zwei Jah­re - vor­be­halt­lich der ab­schlie­ßen­den Ei­ni­gung mit den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern", be­ton­te Se­dran.

Das de­fi­zi­tä­re Un­ter­neh­men muss die Kos­ten drü­cken. Opel lei­det un­ter enor­men Über­ka­pa­zi­tä­ten und ei­nem dra­ma­ti­schen Nach­fra­ge­ein­bruch in Eu­ro­pa. "Am En­de des Ta­ges müs­sen wir über­le­gen, was für die Ge­samt­heit der Wer­ke und der Be­leg­schaft die bes­te Lö­sung ist", sag­te Se­dran der dpa: "Wir ha­ben uns die Ent­schei­dung wahr­lich nicht ein­fach ge­macht."

Das Ma­nage­ment ha­be nicht nur ei­ne un­ter­neh­me­ri­sche Ver­ant­wor­tung ge­gen­über den Mit­ar­bei­tern in Bo­chum, son­dern ge­gen­über al­len gut 37.400 Men­schen, die für Opel ar­bei­ten. Seit Jah­ren kann Opel in Eu­ro­pa mehr Au­tos bau­en, als ver­kau­fen. Die Über­ka­pa­zi­tä­ten sind teu­er. Des­halb macht Opel die Au­to­fer­ti­gung in Bo­chum dicht: Un­term Strich sei es das un­wirt­schaft­lichs­te Werk der Her­stel­lers.

Die Ar­beit­neh­mer re­agier­ten em­pört. "Ei­ne Kampf­an­sa­ge an die Be­schäf­tig­ten", hieß es in ei­ner ers­ten Stel­lung­nah­me der IG Me­tall zu den Plä­nen. Die Ar­beit­neh­mer wür­den nun al­le Op­tio­nen prü­fen, sag­te ein Ge­werk­schafts­spre­cher.

Nach der Be­leg­schafts­ver­samm­lung ver­lie­ßen vie­le der rund 2.300 Mit­ar­bei­ter wort­los das Kon­gress­zen­trum. Werk­zeug­ma­cher Cars­ten Ada­metz sag­te: "Wir sind al­le in so ei­ner Art Schock­star­re." Auf ei­nem Pla­kat wur­de ver­kün­det: "Nein zum Tod auf Ra­ten - Kampf um je­den Ar­beits­platz."

Der Bo­chu­mer Be­triebs­rats­chef Rai­ner Ei­nen­kel kün­dig­te Wi­der­stand an: "Wir wer­den auch nach 2016 in Bo­chum Au­tos bau­en." Er ver­lang­te, das Aus der Ge­trie­be­fer­ti­gung in Bo­chum zu re­vi­die­ren. "Wie soll ich denn zu­künf­tig ei­ne Kom­po­nen­ten­pro­duk­ti­on ein­rich­ten, wenn ich heu­te schon ei­nen wich­ti­gen Teil schlie­ße", sag­te Ei­nen­kel der dpa. Die Ge­trie­be­fer­ti­gung mit rund 300 Be­schäf­tig­ten soll­te zu­nächst 2011 schlie­ßen, nach ak­tu­el­len Pla­nun­gen 2013, even­tu­ell et­was spä­ter.

Opel-Ge­samt­be­triebs­rats­chef Wolf­gang Schä­fer-Klug wet­ter­te: "Die Ur­sa­chen der Über­ka­pa­zi­tä­ten sind nicht nur im wirt­schaft­li­chen Um­feld zu su­chen, son­dern sind auch haus­ge­macht." Die La­ge von Opel, mit der das En­de der Fahr­zeug­pro­duk­ti­on in Bo­chum be­grün­det wer­de, sei das Er­geb­nis von jahr­zehn­te­lan­gen Ma­nage­ment­feh­lern und man­geln­der Kon­ti­nui­tät der Un­ter­neh­mens­po­li­tik: "Die­se Sup­pe sol­len nun die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in Bo­chum aus­löf­feln."

Die Bun­des­re­gie­rung be­dau­er­te die Ent­schei­dung. "Das ist ein schwe­rer Schlag für die be­trof­fe­nen Men­schen, für ih­re Fa­mi­li­en, aber auch für den In­dus­trie­stand­ort Bo­chum", sag­te Vi­ze-Re­gie­rungs­spre­cher Ge­org Strei­ter.

Über ein Aus für den Stand­ort im Ruhr­ge­biet wird schon seit län­ge­rem spe­ku­liert. Opel schreibt seit vie­len Jah­ren ro­te Zah­len, Bo­chum gilt als al­tes Werk mit re­la­tiv ho­hen Lohn­kos­ten. Ob­wohl sich der Markt in den kom­men­den Jah­ren kaum er­ho­len dürf­te, wol­len Opel und die US-Mut­ter Ge­ne­ral Mo­tors bis zur Mit­te des Jahr­zehnts die Ge­winn­schwel­le er­rei­chen. Da­zu sol­len auch die Ma­te­ri­al­kos­ten ge­senkt und die Mar­ke ge­stärkt wer­den.

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Letzte Überarbeitung: 6. Juni 2014

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