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Be­triebs­über­gang und Kün­di­gung: Kei­ne Be­triebs­rats­an­hö­rung bei Kün­di­gung nach Wi­der­spruch

Wi­der­spricht der Ar­beit­neh­mer bei ei­nem Be­triebs­über­gang der Über­lei­tung sei­nes Ar­beits­ver­hält­nis­ses und wird be­triebs­be­dingt ge­kün­digt, ist ei­ne Be­triebs­rats­an­hö­rung nicht nö­tig.: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg, Ur­teil vom 09.08.2011, 6 Sa 230/10
25.10.2011. Bei ei­nem Be­triebs­über­gang wird der Ar­beit­ge­ber kraft Ge­set­zes aus­ge­tauscht, d.h. die Ar­beits­ver­hält­nis­se "wan­dern" vom bis­he­ri­gen zum neu­en Be­triebs­in­ha­ber, § 613a Abs.1 Satz 1 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB). Dem kön­nen die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer wi­der­spre­chen, d.h. sie ha­ben sie die Wahl, ob sie „mit­ver­kauft“ wer­den möch­ten oder nicht (§ 613a Abs.5, Abs.6 BGB).

Wer wi­der­spricht, bleibt zwar beim bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber, doch hat der kei­ne Be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keit mehr. Dann kommt es meist zu ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kün­di­gung. Ge­gen die­se kann man Kün­di­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben, aber im All­ge­mei­nen mit schlech­ten Er­folgs­aus­sich­ten. Denn auch der Ein­wand, die Kün­di­gung sei we­gen feh­ler­haf­ter Be­triebs­rats­an­hö­rung un­wirk­sam, zieht meist nicht, wie ein ak­tu­el­les Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Nürn­berg zeigt (Ur­teil vom 09.08.2011, 6 Sa 230/10).

Betriebsratsanhörung bei betriebsbedingter Kündigung nach Widerspruch gemäß § 613a BGB?

Ge­gen ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung kann man sich oft mit gu­ten Er­folgs­aus­sich­ten weh­ren, falls die Kündi­gungs­wel­le nur über ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer oder Ab­tei­lug­nen hin­weg­schwappt. Dann kann der Gekündig­te ein­wen­den, er hätte doch an ei­nem an­de­ren Ar­beits­platz wei­ter beschäftigt wer­den können oder die So­zi­al­aus­wahl sei nicht in Ord­nung. An­ders ste­hen Ar­beit­neh­mer da, die bei ei­nem Be­triebsüber­gang nicht zum Er­wer­ber wech­seln wol­len und da­her der Über­lei­tung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses auf den Er­wer­ber wi­der­spre­chen. Für sie hat der bis­he­ri­ge Ar­beit­ge­ber kei­nen Beschäfti­gungs­be­darf mehr, so dass Wei­ter­beschäfti­gung und So­zi­al­aus­wahl kein The­ma sind.

Im­mer­hin könn­te die be­triebs­be­ding­te Kündi­gung auch in sol­chen Fällen for­mal­ju­ris­tisch un­wirk­sam sein, wenn der Be­triebs­rat nicht an­gehört wur­de (§ 102 Abs.1 Satz 3 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz - Be­trVG). Al­ler­dings fragt sich, ob nach ei­nem Be­triebsüber­gangs-Wi­der­spruch über­haupt noch ein Be­triebs­rat für den wi­der­spre­chen­den Ar­beit­neh­mer zuständig ist - und falls ja, wel­cher.

LAG Nürnberg: Bei einer betriebsbedingten Kündigung nach Widerspruch muss kein Betriebsrat angehört werden.

Ein Qua­litätsprüfer ar­bei­te­te in ei­nem Werk, das ei­nen Be­triebs­rat hat­te. Das Werk wur­de kom­plett ver­kauft. Der Kläger wi­der­sprach dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses. Dar­auf­hin stell­te der Ar­beit­ge­ber ihn man­gels Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten um­ge­hend von der Ar­beit frei und kündig­te be­triebs­be­dingt.

Mit sei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge hat­te der Qua­litätsprüfer vor dem Ar­beits­ge­richt Wei­den (Ur­teil vom 11.02.2011, 1 Ca 724/09) und dem LAG kei­nen Er­folg. Der Be­triebs­rat des über­ge­gan­ge­nen Be­trie­bes war für ihn nicht mehr zuständig, da er in­fol­ge des Wi­der­spruchs nicht mehr zum Be­trieb gehörte. Und ein Rest­man­dat bzw. Über­g­angs­man­dat hat der Be­triebs­rat gemäß §§ 21a, 21b Be­trVG nur bei Be­triebs­stil­le­gun­gen, Be­triebs­spal­tun­gen und Be­triebs­zu­sam­men­le­gun­gen, nicht aber bei ei­nem Be­triebsüber­gang. Und da der Ar­beit­neh­mer in­fol­ge des Wi­der­spruchs in kei­nem Be­trieb mehr ein­ge­glie­dert war, war für ihn auch kein - an­de­rer - Be­triebs­rat zuständig.

Fa­zit: Wer bei ei­nem Be­triebsüber­gang dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses wi­der­spricht, ris­kiert ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung, ge­gen die er meist kaum et­was ein­wen­den kann. Denn auch ei­ne Anhörung des Be­triebs­rats ist meist nicht er­for­der­lich, da der Ar­beit­neh­mer in­fol­ge des Wi­der­spruchs kei­nem funk­tio­nie­ren­den Be­trieb mit Be­triebs­rat mehr zu­zu­ord­nen ist.

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Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

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