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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Betriebsübergang, Wirtschaftliche Einheit
   
Gericht: Sächsisches Landesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 3 Sa 79/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 24.09.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Leipzig, Urteil vom 17.12.2009, 1 Ca 2413/09
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
   

Säch­si­sches
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Zwi­ckau­er Straße 54, 09112 Chem­nitz

Post­fach 7 04, 09007 Chem­nitz
 

Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben:
Az.: 3 Sa 79/10
1 Ca 2413/09 ArbG Leip­zig


Verkündet am 24. Sep­tem­ber 2010

Im Na­men des Vol­kes

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

...

hat das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt – Kam­mer 3 – durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt ... als Vor­sit­zen­den und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn ... und Herrn ... auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 24.09.2010


für R e c h t er­kannt:

1. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Leip­zig vom 17.12.2009 – 1 Ca 2413/09 –

a b g e ä n d e r t:


Es wird fest­ge­stellt, dass zwi­schen den Par­tei­en seit dem 23.12.2008 ein Ar­beits­verhält­nis zu den Be­din­gun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges des Klägers mit der DRK Ret­tungs­dienst, Kran­ken­trans­port und Hilfs­diens­te im ... vom 31.07.2002 als Ret­tungs­sa­nitäter be­steht.


Die Kos­ten des Rechts­streits hat der Be­klag­te zu tra­gen.


2. Die Re­vi­si­on wird für den Be­klag­ten zu­ge­las­sen.
 

– Sei­te 2 –

Tat­be­stand:


Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob das Ar­beits­verhält­nis der kla­gen­den Par­tei im We­ge ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges auf den Be­klag­ten über­ge­gan­gen ist.


Brand­schutz, Ret­tungs­dienst und Ka­ta­stro­phen­schutz er­fol­gen im Frei­staat Sach­sen auf der Grund­la­ge des Säch­si­schen Ge­set­zes über den Brand­schutz, Ret­tungs­dienst und Ka­ta­stro­phen­schutz (Sächs­BRKG) vom 24.06.2004. Gemäß § 2 Abs. 2 Satz 1 Sächs­BRKG um­fasst der Ret­tungs­dienst die Not­fall­ret­tung und den Kran­ken­trans­port als öffent­li­che Auf­ga­be. Auf­ga­ben­träger für den bo­den­ge­bun­de­nen Ret­tungs­dienst sind die Ret­tungs­zweck­verbände und die Land­krei­se und kreis­frei­en Städte, die sich nicht zu ei­nem Ret­tungs­zweck­ver­band zu­sam­men­ge­schlos­sen ha­ben (§ 3 Nr. 3 Sächs­BRKG). Die Ret­tungs­zweck­verbände bil­den die Land­krei­se und kreis­frei­en Städte, die zu ei­nem Ret­tungs­dienst­be­reich gehören (§ 25 Abs. 2 Satz 1 Sächs­BRKG). Gemäß § 31 Abs. 1 Satz 1 Sächs­BRKG dürfen Not­fall­ret­tung und Kran­ken­trans­port nur auf der Grund­la­ge ei­nes öffent­lich-recht­li­chen Ver­tra­ges durch­geführt wer­den. Der Träger des Ret­tungs­diens­tes überträgt die Durchführung der Not­fall­ret­tung und des Kran­ken­trans­ports nach ei­nem Aus­wahl­ver­fah­ren durch öffent­lich-recht­li­chen Ver­trag auf pri­va­te Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen oder an­de­re Un­ter­neh­men (Leis­tungs­er­brin­ger), § 31 Abs. 1 Satz 2 Sächs­BRKG. So­weit die be­darfs­ge­rech­te Ver­sor­gung mit Leis­tun­gen des Ret­tungs­diens­tes nicht nach § 31 Abs. 1 Sächs­BRKG si­cher­ge­stellt ist, führt der Träger des Ret­tungs­diens­tes die­se gemäß § 31 Abs. 7 Sächs­BRKG selbst durch.

Der Be­klag­te wur­de von meh­re­ren kom­mu­na­len Ge­bietskörper­schaf­ten zur Durchführung des bo­den­ge­bun­de­nen Ret­tungs­diens­tes in den ehe­ma­li­gen Land­krei­sen ..., ... und ... un­ter der Be­zeich­nung „Ret­tungs­zweck­ver­band der Land­krei­se ..., ... und des ...“ ge­bil­det. Nach­dem die Land­krei­se ... und ... mit Wir­kung ab dem 01.08.2008 zum Land­kreis ... so­wie der Land­kreis ... mit den Land­krei­sen ... und ... zum Land­kreis ... zu­sam­men­ge­schlos­sen wor­den wa­ren, wur­de die Be­zeich-
 

– Sei­te 3 –

nung des Be­klag­ten mit Wir­kung ab dem 04.11.2008 in „Ret­tungs­zweck­ver­band der Ver­sor­gungs­be­rei­che Land­kreis ... und Re­gi­on ... (Land­kreis ...)“ geändert. Der Be­klag­te be­treibt mit ei­ge­nem Per­so­nal ei­ne Leit­stel­le gemäß § 11 Sächs­BRKG für den ge­sam­ten Ver­sor­gungs­be­reich.


Durch öffent­lich-recht­li­chen Ver­trag vom 24.10./09.11.2006 (An­la­ge K 1 zur Kla­ge­schrift; Bl. 16 ff. d. A.) über­trug der Be­klag­te die Leis­tun­gen der Not­fall­ret­tung und des Kran­ken­trans­ports für den mitt­le­ren Teil des da­ma­li­gen Land­krei­ses ... be­fris­tet für die Zeit vom 01.01.2007 bis 31.12.2008 auf die DRK Ret­tungs­dienst, Kran­ken­trans­port und Hilfs­diens­te im ... gGmbH (im Fol­gen­den: ... gGmbH). Laut Han­dels­re­gis­ter stell­te der bo­den­ge­bun­de­ne Ret­tungs­dienst nur ei­nes von meh­re­ren Geschäfts­fel­dern der ... gGmbH dar. Zur Erfüllung der Auf­ga­ben un­ter­hielt die ... gGmbH je ei­ne Ret­tungs­wa­che in ... und ... so­wie ei­nen Ein­satz­fahr­zeug­stand­ort am Kran­ken­haus ...-Kli­ni­ken in .... Bei­de Ret­tungs­wa­chen verfügten über Um­klei­deräume, WC, Küche, Auf­ent­haltsräume so­wie Ga­ra­gen. In der Ret­tungs­wa­che Bor­na gab es zu­dem ei­nen Des­in­fek­ti­ons­raum. Der Ein­satz­fahr­zeug­stand­ort am Kran­ken­haus ... verfügte über ei­nen Stell­platz für das Ein­satz­fahr­zeug so­wie zwei an­ge­mie­te­te Räume im Wirt­schafts­gebäude ne­ben dem Haupt­ein­gang der ...¬Kli­ni­ken, die zum Auf­ent­halt des Ret­tungs­per­so­nals ge­nutzt wur­den. Ne­ben dem ei­gent­li­chen Auf­ent­halts­raum gab es ei­nen klei­nen Raum mit Küche, Flur, WC und Du­sche. Sämt­li­che Räum­lich­kei­ten in den drei Stand­or­ten wa­ren vom Be­klag­ten an­ge­mie­tet und wur­den der ... gGmbH zur Auf­ga­ben­erfüllung zur Verfügung ge­stellt. Des Wei­te­ren stell­te der Be­klag­te der ... gGmbH zur Leis­tungs­er­brin­gung für die Ret­tungs­wa­che ... zwei Ret­tungs­trans­port­wa­gen (RTW) und drei Kran­ken-trans­port­wa­gen (KTW), für den Be­reich der Ret­tungs­wa­che ... ei­nen RTW und für den Be­reich des Ein­satz­fahr­zeug­stand­orts am Kran­ken­haus ... ein Not­e­in­satz­fahr­zeug (NEF) zur Verfügung. Die­se Ret­tungs­mit­tel wa­ren zur Auf­ga­ben­erfüllung zu ver­wen­den und von der ... gGmbH mit dem er­for­der­li­chen Per­so­nal zu be­set­zen. Zur Erfüllung der ihr vom Be­klag­ten über­tra­ge­nen Auf­ga­ben beschäftig­te die ... gGmbH am 22.12.2008 ins­ge­samt 38 Ar­beit­neh­mer, von de­nen 30 Ar­beit­neh­mer im Be­reich der Ret­tungs­wa­che ... und acht Ar­beit­neh­mer im Be­reich der Ret­tungs­wa­che ... sta­tio­niert wa­ren. Aus den im Be­reich der Ret­tungs­wa­che ... sta­tio­nier­ten


– Sei­te 4 –

Ar­beit­neh­mern wur­den je­weils wech­selnd vier Ar­beit­neh­mer auf dem NEF am Ein­satz­fahr­zeug­stand­ort am Kran­ken­haus ... ein­ge­setzt. Die Ret­tungs­wa­chen ... und ... stan­den un­ter der Lei­tung des Ret­tungs­wa­chen­lei­ters ... und des stell­ver­tre­ten­den Ret­tungs­wa­chen­lei­ters .... Die Auf­ga­ben­erfüllung am Ein­satz­fahr­zeug­stand­ort am Kran­ken­haus ... wur­de durch die Ret­tungs­wa­che ... ko­or­di­niert.


Die kla­gen­de Par­tei war auf der Grund­la­ge ei­nes schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 31.07.2002 (An­la­ge K 4 zur Kla­ge­schrift; Bl. 24 d. A.) seit dem 01.08.2002 bei der ... gGmbH als Ret­tungs­sa­nitäter beschäftigt. Als Beschäfti­gungs­ort ist im Ar­beits­ver­trag die Ret­tungs­wa­che ... an­ge­ge­ben.


Mit Schrei­ben vom 22.12.2008 (An­la­ge K 3 zur Kla­ge­schrift; Bl. 23 d. A.) kündig­te der Be­klag­te den öffent­lich-recht­li­chen Ver­trag mit der ... gGmbH außer­or­dent­lich zum 23.12.2008, 07:00 Uhr. Wei­ter heißt es in dem Schrei­ben:


„Sie sind auf­ge­for­dert, am 23.12.2008 ab 07:00 Uhr Zug um Zug be­gin­nend am Leis­tungs­stand­ort ... in Fol­ge Kran­ken­haus ...-Kli­ni­ken ... 2 in Fol­ge Ret­tungs­wa­che ... die Ih­nen im Rah­men des Ver­tra­ges über­las­se­nen Leis­tungs­stand­or­te, Ein­satz­mit­tel­ausrüstun­gen und Aus­stat­tun­gen so­wie Ver­brauchs­ma­te­ria­li­en an den Ret­tungs­zweck­ver­band als Träger des Ret­tungs­diens­tes zur mögli­chen Durchführung ei­ge­ner so­for­ti­ger Leis­tungs­er­brin­gung in Si­cher­stel­lung von Not­fall­ret­tung und Kran­ken­trans­port zu über­ge­ben.

Mit Voll­zug der Über­nah­me je Leis­tungs­stand­ort be­steht für al­le Beschäftig­ten des Un­ter­neh­mens DRK Ret­tungs­dienst, Kran­ken­trans­port und Hilfs­diens­te im ... gGmbH

Haus­ver­bot

für al­le ehe­ma­li­gen Leis­tungs­stand­or­te und auf al­len vor­ma­li­gen Ein­satz­mit­teln. Das Haus­ver­bot ist zeit­lich bis auf Wei­te­res nicht be­schränkt.“


Die ... gGmbH griff die Kündi­gung nicht an und gab am 23.12.2008 ab 07:00 Uhr die ihr zur Verfügung ge­stell­ten Räum­lich­kei­ten frei und sämt­li­che Geräte, Ret­tungs­mit­tel, Ausrüstungs­ge­genstände und La­ger­bestände her­aus. Strei­tig ist, an wen die Her­aus­ga­be er­folg­te. Je­den­falls während der Her­aus­ga­be in der Ret­tungs­wa­che ... war die Geschäftsführe­rin des Be­klag­ten an­we­send. Die Auf­ga­ben des Ret­tungs­diens­tes wur­den im vor­ma­li­gen Tätig­keits­ge­biet der ... gGmbH wei­ter

– Sei­te 5 –

erfüllt. Strei­tig ist, durch wen und auf wel­cher Grund­la­ge. Dem Be­klag­ten ge­lang es nicht, ei­nen Leis­tungs­er­brin­ger zu fin­den, der be­reit war, sämt­li­che Stand­or­te der ... gGmbH zu über­neh­men. Un­ter dem 13.01.2009 schloss der Be­klag­te des­halb öffent­lich-recht­li­che Verträge mit drei ver­schie­de­nen Leis­tungs­er­brin­gern (vgl. An­la­ge B 10 zum Schrift­satz des Be­klag­ten vom 06.08.2009; Bl. 69 ff. d. A.). Auf die­ser Grund­la­ge über­nah­men der ... e. V. (ASB) ab dem 14.01.2009 am Stand­ort Ret­tungs­wa­che ... die Leis­tun­gen von Not­fall­ret­tung und Kran­ken­trans­port für ei­nen RTW und zwei KTW, der Deut­sches Ro­tes Kreuz Kreis­ver­band ,,, e. V. (DRK e. V.) ab dem 16.01.2009 am Stand­ort ... die Leis­tun­gen von Not­fall­ret­tung und Kran­ken­trans­port für ei­nen RTW so­wie der ... e. V. (JUH) ab dem 16.01.2009 am Stand­ort ...-Kli­ni­ken ... die Leis­tun­gen von Not­fall­ret­tung und Kran­ken­trans­port für ei­nen RTW und ein NEF je­weils mit ei­ge­nem Per­so­nal.


Die ... gGmbH stell­te die vor­mals zur Erfüllung der Auf­ga­ben des Ret­tungs­diens­tes beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer – u. a. auch die kla­gen­de Par­tei – am 23.12.2008 von der Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung frei. Sämt­li­che Mit­ar­bei­ter der ... gGmbH – u. a. auch die kla­gen­de Par­tei – führ­ten in der Fol­ge noch am 23.12.2008 ein Gespräch mit dem Ver­bands­vor­sit­zen­den Herrn ... und der Geschäftsführe­rin des Be­klag­ten Frau ..., in des­sen Rah­men sie dem Be­klag­ten ih­re Ar­beits­kraft an­bo­ten. Ei­ne Beschäfti­gung durch den Be­klag­ten er­folg­te nicht. En­de Ja­nu­ar 2009 kündig­te die ... gGmbH sämt­li­che Ar­beits­verhält­nis­se zunächst selbst. Nach Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens über das Vermögen der ... gGmbH am 01.03.2009 kündig­te der In­sol­venz­ver­wal­ter die Ar­beits­verhält­nis­se vor­sorg­lich er­neut. Ge­gen bei­de Kündi­gun­gen hat sich die kla­gen­de Par­tei mit Kündi­gungs­schutz­kla­gen an das Ar­beits­ge­richt Leip­zig ge­wandt.

Ih­re vor­lie­gen­de, am 28.05.2009 beim Ar­beits­ge­richt Leip­zig ein­ge­gan­ge­ne Kla­ge hat die kla­gen­de Par­tei zunächst ge­gen den „Ret­tungs­zweck­ver­band der Land­krei­se ..., ... und des ...“ ge­rich­tet. Nach Rüge des Be­kla­gen, die kla­gen­de Par­tei ha­be den fal­schen Be­klag­ten in An­spruch ge­nom­men, hat das Ar­beits­ge­richt auf An­trag der kla­gen­den Par­tei die Par­tei­be­zeich­nung des Be­klag­ten be­rich­tigt.
 

– Sei­te 6 –

Die kla­gen­de Par­tei hat die An­sicht ver­tre­ten, ihr Ar­beits­verhält­nis mit der ... gGmbH sei am 23.12.2008 gemäß § 613 a BGB im We­ge ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges auf den Be­klag­ten über­ge­gan­gen. Durch die Kündi­gung des öffent­lich-recht­li­chen Ver­tra­ges sei die Ver­pflich­tung zur Durchführung des Ret­tungs­diens­tes gemäß § 31 Abs. 7 Sächs­BRKG auf den Be­klag­ten zurück­ge­fal­len. Ent­spre­chend ha­be der Be­klag­te dann ab dem 23.12.2008 die Not­fall­ret­tung und den Kran­ken­trans­port mit den an ihn an die­sem Tag von der ... gGmbH zurück­ge­ge­be­nen Ret­tungs­mit­teln durch­geführt. Er ha­be ab die­sem Zeit­punkt die tatsächli­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­walt in­ne­ge­habt und sei der tatsächli­che In­ha­ber des Be­trie­bes ge­we­sen. So­weit der Be­klag­te be­haup­te, er ha­be in der Zeit vom 23.12.2008 bis zum Ab­schluss der neu­en öffent­lich-recht­li­chen Verträge Leis­tungs­er­brin­ger durch Her­an-zie­hungs­be­schei­de zur Er­brin­gung des Ret­tungs­diens­tes ver­pflich­tet, wer­de be­strit­ten, dass die Be­schei­de tatsächlich ver­sandt wor­den sei­en. Je­den­falls sei­en die Be­schei­de nich­tig, denn für sie ge­be es kei­ne Rechts­grund­la­ge. Der Be­klag­te sei nur des­halb so ver­fah­ren, weil er Angst vor ei­nem Be­triebsüber­gang und den da­mit ein­her­ge­hen­den Rechts­fol­gen ge­habt ha­be. Of­fen­sicht­lich ha­be der Be­klag­te ge­glaubt, auf die­se Wei­se das Tat­be­stands­merk­mal der rechts­geschäft­li­chen Über­tra­gung aus­he­beln zu können. Das Ver­hal­ten des Be­klag­ten sei in­so­weit rechts-miss­bräuch­lich. Die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 22.12.2008 sei ei­ne Ins­ze­nie­rung ge­we­sen, da die Diens­te durch die ... gGmbH bis zum 31.12.2008 oh­ne wei­te­res hätten si­cher­ge­stellt wer­den können. Auch sei es dem Be­klag­ten möglich ge­we­sen, die Ar­beit­neh­mer der ... gGmbH zu beschäfti­gen und da­mit sei­ner sich aus § 31 Abs. 7 Sächs­BRKG er­ge­ben­den Pflicht nach­zu­kom­men.


Die kla­gen­de Par­tei hat in der Kla­ge­schrift zunächst den An­trag an­gekündigt,

fest­zu­stel­len, dass der Be­klag­te ver­pflich­tet ist, sie seit dem 23.12.2008 zu den Be­din­gun­gen ih­res Ar­beits­ver­tra­ges mit der DRK Ret­tungs­dienst, Kran­ken­trans­port und Hilfs­diens­te im ... gGmbH vom 31.07.2002 als Ret­tungs­sa­nitäter zu beschäfti­gen und zu vergüten.

– Sei­te 7 –

Nach dem Hin­weis des Ar­beits­ge­richts, dass Be­den­ken hin­sicht­lich der Zulässig­keit des Kla­ge­an­trags bestünden, hat die kla­gen­de Par­tei zu­letzt be­an­tragt,


fest­zu­stel­len, dass zwi­schen den Par­tei­en seit dem 23.12.2008 ein Ar­beits­verhält­nis zu den Be­din­gun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges der kla­gen­den Par­tei mit der DRK Ret­tungs­dienst, Kran­ken­trans­port und Hilfs­diens­te im ... gGmbH vom 31.07.2002 als Ret­tungs­sa­nitäter be­steht.


Der Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Zur Be­gründung hat er aus­geführt, bei der Ände­rung des Kla­ge­an­tra­ges han­de­le es sich um ei­ne un­zulässi­ge Kla­geände­rung. Zu­dem feh­le es je­den­falls an dem er­for­der­li­chen Fest­stel­lungs­in­ter­es­se, so­weit die Fest­stel­lung auch für die Zeit nach dem 15.01.2009 be­gehrt wer­de. Im Übri­gen sei die Kla­ge je­den­falls un­be­gründet. Die kla­gen­de Par­tei ha­be den fal­schen Be­klag­ten in An­spruch ge­nom­men, denn der Ret­tungs­zweck­ver­band exis­tie­re un­ter der in der Kla­ge­schrift ge­nann­ten Be­zeich­nung nicht mehr. Ein Be­triebsüber­gang von der ... gGmbH auf ihn sei nicht er­folgt. Zur Si­cher­stel­lung des Ret­tungs­diens­tes ha­be er ab dem 23.12.2008, 07:00 Uhr, drei Leis­tungs­er­brin­ger – die Kran­ken­trans­port ... GmbH, den ... e. V. und den Deut­sches Ro­tes Kreuz Kreis­ver­band ... e. V. – durch Her­an­zie­hungs­be­schei­de vom 22.12.2008 (An­la­ge B 9 zum Schrift­satz des Be­klag­ten vom 06.08.2009; Bl. 59 ff. d. A.) zu Leis­tun­gen der Not­fall­ret­tung und des Kran­ken­trans­ports an den vor­ma­li­gen Stand­or­ten der ... gGmbH her­an­ge­zo­gen und ih­nen auf­ge­ge­ben, die dor­ti­gen Fahr­zeu­ge mit ei­ge­nem Per­so­nal zu be­set­zen. Rechts­grund­la­ge hierfür sei § 54 Abs. 1 Nr. 1 Sächs­BRKG in ent­spre­chen­der An­wen­dung. Selbst wenn es je­doch an ei­ner Rechts­grund­la­ge feh­len soll­te, sei­en die Be­schei­de zwar an­fecht­bar, aber nicht nich­tig ge­we­sen. Die Überg­a­be sämt­li­cher Ar­beits­mit­tel sei von der ... gGmbH nicht an ihn, son­dern di­rekt an die Beschäftig­ten der durch die Her­an­zie­hungs­be­schei­de ge­bun­de­nen Un­ter­neh­men er­folgt. Nur bei der Überg­a­be am Stand­ort ... sei sei­ne Geschäftsführe­rin persönlich an­we­send ge­we­sen. Auf die­se Wei­se ha­be


– Sei­te 8 –

er si­cher­ge­stellt, dass die durch die Her­an­zie­hungs­be­schei­de ge­bun­de­nen Un­ter­neh­men mit ih­ren Mit­ar­bei­tern am 23.12.2008 tatsächlich ih­re Ar­beit hätten auf-neh­men können. Zu kei­nem Zeit­punkt ha­be er den bo­den­ge­bun­de­nen Ret­tungs­dienst sel­ber er­bracht. Er verfüge gar nicht über das er­for­der­li­che Per­so­nal. Er beschäfti­ge ins­ge­samt ein­sch­ließlich der Geschäftsführe­rin 29 Per­so­nen. 16 Mit­ar­bei­ter sei­en als Dis­po­nen­ten in der Leit­stel­le beschäftigt. Die übri­gen Mit­ar­bei­ter sei­en mit der Gebühren­ab­rech­nung, Auf­ga­ben der tech­ni­schen und ma­te­ri­el­len Si­cher­stel­lung so­wie all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­auf­ga­ben be­traut. Ret­tungs­as­sis­ten­ten, Ret­tungs­sa­nitäter, Ret­tungs­hel­fer, Kran­ken­wa­gen­fah­rer und Wach­lei­ter, die die prak­ti­sche Ausübung des Ret­tungs­diens­tes gewähr­leis­ten könn­ten, beschäfti­ge er nicht. Ein Be­triebsüber­gang kom­me auch des­we­gen nicht in Be­tracht, weil die ... gGmbH zur Erfüllung ih­rer Ver­pflich­tun­gen ins­ge­samt 38 Ar­beit­neh­mer ein­ge­setzt ha­be; die Kran­ken­trans­port ... GmbH, die ... und der ... e. V. hätten da­ge­gen in der Zeit vom 23.12.2008 bis 13./15.01.2009 ins­ge­samt nur 34 Ar­beit­neh­mer beschäftigt. In der Ret­tungs­wa­che ... sei­en statt drei KTW und zwei RTW nur noch zwei KTW und ein RTW ein­ge­setzt wor­den. Am Stand­ort ...-Kli­nik ... sei ab dem 23.12.2008 ne­ben dem NEF noch ein RTW zum Ein­satz ge­kom­men. Zu­dem sei­en dort Schlafmöglich­kei­ten ge­schaf­fen wor­den. Le­dig­lich am Stand­ort ... sei durchgängig ein RTW zum Ein­satz ge­langt. Die Po­si­ti­on des Wach­lei­ters sei nicht mehr be­setzt, da die Auf­ga­be nun­mehr un­mit­tel­bar von den je­wei­li­gen Zen­tra­len der Leis­tungs­er­brin­ger aus wahr­ge­nom­men wer­de. Die Be­stel­lung von Me­di­ka­men­ten und Ver­brauchs­ma­te­ria­li­en sei in der Ver­gan­gen­heit durch die ... gGmbH er­folgt, ab dem 23.12.2008 stel­le er den Leis­tungs­er­brin­gern sämt­li­che Me­di­ka­men­te und Ver­brauchs­ma­te­ria­li­en zur Verfügung. Die Auf­nah­me von Pa­ti­en­ten­da­ten er­fol­ge durch den je­wei­li­gen Leis­tungs­er­brin­ger un­mit­tel­bar auf von ihm zur Verfügung ge­stell­ten Er­fas­sungs­geräten und nicht mehr durch hand­schrift­li­che Auf­zeich­nun­gen wie in der Ver­gan­gen­heit. Die Ab­rech­nung der Ein­satz­da­ten er­fol­ge durch je­den Leis­tungs­er­brin­ger und nicht mehr zen­tral am Stand­ort Ret­tungs­wa­che ... Letzt­lich würden die Ein­satz­mit­tel des bo­den­ge­bun­de­nen Ret­tungs­diens­tes seit dem 23.12.2008 in veränder­ten Zuständig­keits­be­rei­chen ein­ge­setzt. Er ha­be so­mit ei­ne be­trieb­li­che Ein­heit nicht fort­geführt. Sch­ließlich ver­hal­te sich die kla­gen­de Par­tei rechts­miss­bräuch­lich, wenn sie nun­mehr ihm ge­genüber ei­nen Über­gang ih­res Ar-

– Sei­te 9 –

beits­verhält­nis­ses im We­ge des Be­triebsüber­g­an­ges gel­tend ma­che, nach­dem sie zu­vor die Kündi­gun­gen der ... gGmbH und des In­sol­venz­ver­wal­ters mit Kündi­gungs­schutz­kla­gen an­ge­grif­fen ha­be. Darüber hin­aus ha­be die kla­gen­de Par­tei – un­strei­tig – mit außer­ge­richt­li­chen Schrei­ben Mit­te Fe­bru­ar 2009 auch ge­genüber den drei Leis­tungs­er­brin­gern ei­nen Be­triebsüber­gang re­kla­miert.


Mit sei­nem der kla­gen­den Par­tei am 11.01.2010 zu­ge­stell­ten Ur­teil vom 17.12.2009, auf des­sen Ent­schei­dungs­gründe (Bl. 172 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge mit der Be­gründung ab­ge­wie­sen, der Be­klag­te ha­be die Leis­tun­gen des Ret­tungs­diens­tes ab dem 23.12.2008 nicht selbst durch­geführt. Die­se gel­te un­abhängig von der recht­li­chen Be­wer­tung sei­nes Vor­ge­hens. Hier­ge­gen wen­det sich die kla­gen­de Par­tei mit ih­rer am 11.02.2010 beim Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Be­ru­fung, die sie am 21.04.2010 be­gründet hat, nach­dem die Frist zur Be­ru­fungs­be­gründung auf ih­ren am 08.03.2010 ein­ge­gan­ge­nen An­trag bis zum 22.04.2010 verlängert wor­den war.

Die kla­gen­de Par­tei ver­tritt die An­sicht, der Be­klag­te ha­be un­ter Wah­rung der wirt­schaft­li­chen Iden­tität den Be­trieb der ... gGmbH durch ein Rechts­geschäft über­nom­men. Sämt­li­che Vor­aus­set­zun­gen des § 613 a BGB lägen vor. Es han­de­le sich nicht um ei­ne bloße Funk­ti­ons­nach­fol­ge. Die­je­ni­gen Ret­tungs­sa­nitäter und Ret­tungs­as­sis­ten­ten, die ab dem 23.12.2008 den Ret­tungs­dienst für den Be­klag­ten aus­geübt hätten, sei­en Erfüllungs­ge­hil­fen des Be­klag­ten ge­we­sen, de­ren er sich zur Erfüllung sei­ner ge­setz­li­chen Auf­ga­ben be­dient ha­be. Der Be­klag­te könne sich sei­ner ge­setz­li­chen Ver­pflich­tung nicht da­durch ent­zie­hen, dass er oh­ne Rechts­grund­la­ge Ver­wal­tungs­ak­te er­las­se. Für die an­geb­li­chen Her­an­zie­hungs­be­schei­de exis­tie­re kei­ne Rechts­grund­la­ge. Ei­ne ent­spre­chen­de An­wen­dung des § 54 Abs. 1 Nr. 1 Sächs­BRKG schei­de aus. Die ent­spre­chen­den Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen hätten nicht vor­ge­le­gen. Auch sei die für ei­ne Ana­lo­gie not­wen­di­ge ver­gleich­ba­re In­ter­es­sen­la­ge nicht ge­ge­ben ge­we­sen. Spätes­tens am 01.12.2008 hätten dem Be­klag­ten prüffähi­ge Un­ter­la­gen über die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on der ... gGmbH vor­ge­le­gen. Da­mit ha­be kei­ne ei­ner Ka­ta­stro­phe oder ei­nem sons­ti­gen schwer­wie­gen­den Unglücks­fall ver­gleich­ba­re La­ge vor­ge­le­gen. Der Be­klag­te ha­be in rechts­miss-


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bräuch­li­cher Wei­se ge­gen Ge­setz und Recht ver­s­toßen. Die­ser ekla­tan­te Ver­s­toß dürfe nicht da­durch ho­no­riert wer­den, dass sich der Be­klag­te dar­auf be­ru­fen könne, dass die an­geb­li­chen Be­schei­de rechts­kräftig ge­wor­den sei­en, da hier­ge­gen nie­mand Wi­der­spruch ein­ge­legt ha­be. Un­ter Her­an­zie­hung des Rechts­ge­dan­ken des § 162 BGB i. V. m. § 613 a Abs. 4 BGB sei der Be­klag­te viel­mehr so zu be­han­deln, wie er stünde, wenn er die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen, die durch § 31 Sächs­BRKG ge­setzt wor­den sei­en, be­ach­tet hätte. Da der Be­klag­te nicht gemäß § 31 Abs. 1 Sächs­BRKG ei­nen öffent­lich-recht­li­chen Ver­trag mit ei­nem an­de­ren Leis­tungs­er­brin­ger ab­ge­schlos­sen ha­be, sei er so zu stel­len, wie er stünde, wenn er den Ret­tungs­dienst – wo­zu er ver­pflich­tet ge­we­sen sei – gemäß § 31 Abs. 7 Sächs­BRKG sel­ber aus­geführt hätte. Dies sei durch die Über­nah­me der Beschäftig­ten der ... gGmbH oh­ne wei­te­res möglich ge­we­sen.

Die kla­gen­de Par­tei be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Leip­zig vom 17.12.2009 – 1 Ca 2413/09 – ab­zuändern und fest­zu­stel­len, dass zwi­schen den Par­tei­en seit dem 23.12.2008 ein Ar­beits­verhält­nis zu den Be­din­gun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges der kla­gen­den Par­tei mit der DRK Ret­tungs­dienst, Kran­ken­trans­port und Hilfs­diens­te im ... gGmbH vom 31.07.2002 als Ret­tungs­sa­nitäter be­steht.

Der Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Zur Be­gründung führt er aus, er ha­be we­der am 23.12.2008 noch da­nach den frühe­ren Be­trieb der ... gGmbH über­nom­men und schon gar nicht fort­geführt. Für die An­nah­me ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges kom­me es maßgeb­lich auf den Zeit­punkt an, in dem der neue In­ha­ber die Geschäftstätig­keit tatsächlich wei­terführe oder wie­der auf­neh­me. Ge­nau an ei­ner tatsächli­chen Wei­terführung bzw. Wie­der­auf­nah­me feh­le es. Al­lein die Möglich­keit der Fortführung rei­che nicht aus. Des­halb kom­me es nicht dar­auf an, in wel­cher Wei­se das Kündi­gungs­schrei­ben vom 22.12.2008 for-
 

– Sei­te 11 –

mu­liert wor­den sei. Er ha­be den Ret­tungs­dienst, den bis zum 22.12.2008 die ... gGmbH an den Stand­or­ten Ret­tungs­wa­che ..., ...-Kli­nik ... und Ret­tungs­wa­che ... er­bracht ha­be, tatsächlich nicht selbst aus­geübt. Ent­spre­chen­des sei we­der am 23.12.2008 noch da­nach der Fall ge­we­sen. Kei­ner der bei ihm beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer sei ab dem 23.12.2008 tatsächlich im Ret­tungs­dienst als Ret­ter ein­ge­setzt wor­den. Bei den ab dem 23.12.2008 ein­ge­setz­ten Ret­tern ha­be es sich viel­mehr um Beschäftig­te der Kran­ken­trans­port ... GmbH, des ... und des ... ge­han­delt.

Hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en im zwei­ten Rechts­zug wird auf den In­halt der dort ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf das Pro­to­koll der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 24.09.2010 (Bl. 270 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe:

I.


Auf die gemäß § 64 Abs. 2 c ArbGG statt­haf­te und auch im Übri­gen zulässi­ge, ins­be­son­de­re form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te Be­ru­fung der kla­gen­den Par­tei ist das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Leip­zig vom 17.12.2009 ab­zuändern und wie er­kannt zu ent­schei­den. Die Be­ru­fung ist be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Un­recht ab­ge­wie­sen. Die Kla­ge ist so­wohl zulässig als auch be­gründet.

A.

Die Kla­ge ist mit dem von der kla­gen­den Par­tei zu­letzt ge­stell­ten An­trag zulässig.


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1. Der Fest­stel­lungs­an­trag ist gemäß § 256 Abs. 1 ZPO zulässig.

Nach § 256 Abs. 1 ZPO kann Kla­ge auf Fest­stel­lung des Be­ste­hens oder Nicht­be­ste­hens ei­nes Rechts­verhält­nis­ses er­ho­ben wer­den, wenn der Kläger ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an hat, dass das Rechts­verhält­nis durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung als­bald fest­ge­stellt wird.

Die kla­gen­de Par­tei be­gehrt die Fest­stel­lung, dass zwi­schen den Par­tei­en seit dem 23.12.2008 ein Ar­beits­verhält­nis und da­mit ein Rechts­verhält­nis i. S. v. § 256 Abs. 1 ZPO be­steht. Das recht­li­che In­ter­es­se an ei­ner als­bal­di­gen Fest­stel­lung er-gibt sich dar­aus, dass der Be­klag­te den Be­stand des von der kla­gen­den Par­tei be­haup­te­ten Rechts­verhält­nis­ses ernst­lich be­strei­tet (vgl. BAG, Ur­teil vom 15.11.2005 – 9 AZR 209/05 – NZA 2006, 502, 503). Dem recht­li­chen In­ter­es­se der kla­gen­den Par­tei steht nicht ent­ge­gen, dass sie sich ge­gen die Kündi­gun­gen der ... gGmbH und des In­sol­venz­ver­wal­ters ge­wandt und da­mit in­zi­dent be­haup­tet hat, zum Zeit­punkt des Aus­spruchs der Kündi­gun­gen und da­mit nach dem 23.12.2008 ha­be (noch) ein Ar­beits­verhält­nis zur ... gGmbH bzw. zum In­sol­venz­ver­wal­ter be­stan­den. Zu Recht hat schon das Ar­beits­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ein Ar­beit­neh­mer in ei­ner Si­tua­ti­on wie der vor­lie­gen­den, in der ein Be­triebsüber­gang im Streit steht, re­gelmäßig ge­gen sei­nen bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber und den ver­meint­li­chen Be­triebs­er­wer­ber vor­ge­hen muss, um ei­nen Rechts­ver­lust zu ver­mei­den. Dies gilt vor dem Hin­ter­grund des § 7 KSchG ins­be­son­de­re dann, wenn der bis­he­ri­ge Ar­beit­ge­ber – wie hier – das Ar­beits­verhält­nis (vor­sorg­lich) kündigt. Auch der Um­stand, dass sich die kla­gen­de Par­tei außer­ge­richt­lich auch ge­genüber den Leis­tungs­er­brin­gern auf ei­nen Be­triebsüber­gang und den (Fort-)Be­stand ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses be­ru­fen hat, führt zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. Auch in­so­weit han­delt es sich um ei­ne zu¬lässi­ge Wahr­neh­mung von Rech­ten in ei­ner un­kla­ren Rechts­si­tua­ti­on.

Sch­ließlich steht auch die feh­len­de zeit­li­che Be­schränkung des Fest­stel­lungs­an­trags des­sen Zulässig­keit nicht ent­ge­gen. Zu Recht hat schon das Ar­beits­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se nicht nur für die Zeit bis zum 13. bzw. 15.01.2009 be­steht. Die kla­gen­de Par­tei geht da­von aus, dass ihr Ar­beits-
 

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verhält­nis noch im Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung mit dem Be­klag­ten be­stand. Soll­te dies nicht der Fall ge­we­sen sein, et­wa weil es in der Fol­ge des Ab­schlus­ses der öffent­lich-recht­li­chen Verträge mit den Leis­tungs­er­brin­gern zu ei­nem (er­neu­ten) Be­triebsüber­gang ge­kom­men ist, so wäre die Kla­ge (teil­wei­se) un­be­gründet und da­mit (teil­wei­se) ab­zu­wei­sen.


2. Die kla­gen­de Par­tei hat ihr Kla­ge­recht nicht ver­wirkt.

a) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. z. B. Ur­tei­le vom 15.12.2005 – 2 AZR 148/05 – NZA 2006, 791, 794 und vom 21.08.2008 – 8 AZR 201/07 – NZA 2009, 29, 31, je­weils m. w. N.) kann das Recht, ei­ne Kla­ge zu er­he­ben, ver­wirkt wer­den. Dies ist dann zu be­ja­hen, wenn der Ar­beit­neh­mer die Kla­ge erst nach Ab­lauf ei­nes länge­ren Zeit­raums er­hebt (Zeit­mo­ment) und da­durch beim Ar­beit­ge­ber ein Ver­trau­en­stat­be­stand ge­schaf­fen wor­den ist, er wer­de nicht mehr ge­richt­lich be­langt wer­den (Um­stands­mo­ment). Hier­bei muss das Er­for­der­nis des Ver­trau­ens­schut­zes das In­ter­es­se des Be­rech­tig­ten an ei­ner sach­li­chen Prüfung des von ihm be­haup­te­ten An­spruchs der­art über­wie­gen, dass dem Geg­ner die Ein­las­sung auf die Kla­ge nicht mehr zu­zu­mu­ten ist. Da­bei muss der Be­rech­tig­te u. U. untätig ge­blie­ben sein, die den Ein­druck er­we­cken konn­ten, dass er sein Recht nicht mehr gel­tend ma­chen wol­le, so dass der Ver­pflich­te­te sich dar­auf ein­stel­len durf­te, nicht mehr in An­spruch ge­nom­men zu wer­den. Durch die Ver­wir­kung wird die il­loy­al ver­späte­te Gel­tend­ma­chung von Rech­ten (§ 242 BGB) aus­ge­schlos­sen. Die Fra­ge des Rechts­miss­brauchs lässt sich da­bei je­weils nur für den Ein­zel­fall klären. Ei­ne sche­ma­ti­sie­ren­de Be­trach­tungs­wei­se kommt nicht in Be­tracht.

b) Die vor­ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Ver­wir­kung des Kla­ge­rechts lie­gen nicht vor. Es fehlt zu­min­dest am Um­stands­mo­ment. Aus den von den Par­tei­en vor­ge­tra­ge­nen Umständen er­gibt sich nicht, dass beim Be­klag­ten ein Ver­trau­en da­hin­ge­hend ent­ste­hen konn­te, nicht mehr ge­richt­lich in An­spruch ge­nom­men zu wer­den. 


– Sei­te 14 –

Un­strei­tig hat die kla­gen­de Par­tei noch am 23.12.2008 ih­re Ar­beits­kraft dem Be­klag­ten persönlich an­ge­bo­ten. In der Fol­ge hat sie den Über­gang ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses noch vor Aus­spruch der Kündi­gung durch die ... gGmbH außer­ge­richt­lich ge­genüber dem Be­klag­ten gel­tend ge­macht. Die Kündi­gungs­schutz­kla­gen ge­gen die ... gGmbH und den In­sol­venz­ver­wal­ter wa­ren – wie be­reits oben aus­geführt – we­gen § 7 KSchG zur Ver­mei­dung even­tu­el­ler Rechts­ver­lus­te un­ver­meid­bar. Hier­aus konn­te der Be­klag­te vor dem Hin­ter­grund der un­geklärten Ge­samt­si­tua­ti­on nicht her­lei­ten, er wer­de nicht mehr in An­spruch ge­nom­men wer­den. Glei­ches gilt im Hin­blick auf die Tat­sa­che, dass die kla­gen­de Par­tei auch ge­genüber den Leis­tungs­er­brin­gern ei­nen Be­triebsüber­gang re­kla­miert hat. Auch dies be­inhal­tet le­dig­lich die Wah­rung von Rech­ten in ei­ner un­geklärten Si­tua­ti­on.


Sch­ließlich hat das Ar­beits­ge­richt zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass selbst wenn beim Be­klag­ten ein Ver­trau­en da­hin­ge­hend be­gründet wor­den sein soll­te, ge­richt­lich nicht mehr in An­spruch ge­nom­men zu wer­den, es je­den­falls an Umständen fehlt, die es für den Be­klag­ten als nicht mehr zu­mut­bar er­schei­nen las­sen, dass sich die kla­gen­de Par­tei auf ei­nen Be­triebsüber­gang be­ruft. Der Be­klag­te hat nicht dar­ge­legt, dass er im Ver­trau­en dar­auf, dass die kla­gen­de Par­tei das Vor­lie­gen ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges nicht mehr gel­tend ma­chen wer­de, ir­gend­wel­che Dis­po­si­tio­nen vor­ge­nom­men oder un­ter­las­sen hat.


3. Die Ände­rung der Par­tei­be­zeich­nung des Be­klag­ten stellt kei­ne (un­zulässi­ge)
Kla­geände­rung i. S. v. § 263 ZPO dar.


a) Die Par­tei­en ei­nes Pro­zes­ses sind vom Kläger in der Kla­ge­schrift zu be­zeich­nen. Ist ei­ne Be­zeich­nung nicht ein­deu­tig, so ist die Par­tei durch Aus­le­gung zu er-mit­teln. Selbst bei äußer­lich ein­deu­ti­ger, aber of­fen­kun­dig un­rich­ti­ger Be­zeich­nung ist grundsätz­lich die­je­ni­ge Per­son als Par­tei an­ge­spro­chen, die er­kenn­bar durch die Par­tei­be­zeich­nung be­trof­fen wer­den soll. Es kommt dar­auf an, wel­cher Sinn der von der kla­gen­den Par­tei in der Kla­ge­schrift gewähl­ten Par­tei­be­zeich­nung bei ob­jek­ti­ver Würdi­gung des Erklärungs­in­halts bei­zu­le­gen ist. Ent­schei­dend ist die Wah­rung der recht­li­chen Iden­tität. Bleibt die Par­tei nicht die­sel­be, liegt kei­ne „Be­rich­ti-
 

– Sei­te 15 –

gung“ vor, son­dern es wird im We­ge der Par­teiände­rung ei­ne an­de­re Par­tei in den Pro­zess ein­geführt. Ei­ne un­ge­naue oder er­kenn­bar fal­sche Par­tei­be­zeich­nung ist hin­ge­gen unschädlich und kann je­der­zeit von Amts we­gen rich­tig­ge­stellt wer­den (vgl. BAG, Ur­teil vom 28.08.2008 – 2 AZR 279/07 – NZA 2009, 221, 222, m. w. N.).

b) Vor­lie­gend konn­te das Ar­beits­ge­richt die Be­zeich­nung des Be­klag­ten auf An­trag der kla­gen­den Par­tei be­rich­ti­gen. Die in der Kla­ge­schrift ver­wand­te Be­zeich­nung des Be­klag­ten war er­kenn­bar die vor dem 04.11.2008 gel­ten­de Be­zeich­nung des Be­klag­ten, mit­hin zum Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung er­kenn­bar un­rich­tig. Wen die kla­gen­de Par­tei als Be­klag­ten in An­spruch neh­men woll­te, er­gab sich je­den­falls aus den der Kla­ge bei­gefügten An­la­gen. Hier war der Be­klag­te im Kündi­gungs­schrei­ben vom 22.12.2008 (An­la­ge K 3 zur Kla­ge­schrift; Bl. 23 d. A.) kor­rekt be­zeich­net. Vor die­sem Hin­ter­grund war völlig aus­ge­schlos­sen, dass die kla­gen­de Par­tei mit ih­rer Kla­ge ei­ne mit dem Be­klag­ten nicht iden­ti­sche drit­te ju­ris­ti­sche Per­son in An­spruch neh­men woll­te.

4. Sch­ließlich war auch die Ände­rung des Kla­ge­an­trags zulässig. Eben­so wie das Ar­beits­ge­richt geht auch das er­ken­nen­de Ge­richt da­von aus, dass die Neu­for­mu­lie­rung des Kla­ge­an­trags le­dig­lich ei­ne Präzi­sie­rung und nicht ei­ne Kla­geände­rung i. S. von § 263 ZPO dar­stellt. Selbst wenn es sich je­doch um ei­ne Kla­geände­rung han­deln soll­te, ist die­se je­den­falls zulässig, da sach­dien­lich. Auf die über­zeu­gen­de und zu­tref­fen­de Be­gründung un­ter I. 4. b) der Ent­schei­dungs­gründe im Ur­teil des Ar­beits­ge­richts wird Be­zug ge­nom­men.

B.

Die Kla­ge ist auch be­gründet. Zwi­schen den Par­tei­en be­steht seit dem 23.12.2008 ein Ar­beits­verhält­nis zu den Be­din­gun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges der kla­gen­den Par­tei mit der DRK Ret­tungs­dienst, Kran­ken­trans­port und Hilfs­diens­te im ... gGmbH vom 31.07.2002 als Ret­tungs­sa­nitäter.

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1. Un­strei­tig be­stand zwi­schen der kla­gen­den Par­tei und der ... gGmbH seit dem 01.08.2002 ein Ar­beits­verhält­nis auf der Ba­sis des Ar­beits­ver­tra­ges vom 31.07.2002, auf des­sen Grund­la­ge die kla­gen­de Par­tei bis zum 23.12.2008, 07:00 Uhr, als Ret­tungs­sa­nitäter beschäftigt war. Der Be­klag­te hat zwar den kon­kre­ten Beschäfti­gungs­ort be­strit­ten. Un­strei­tig ist je­doch, dass die ... gGmbH die kla­gen­de Par­tei zur Erfüllung des öffent­lich-recht­li­chen Ver­tra­ges vom 24.10./ 09.11.2006 im Ret­tungs­dienst der Ret­tungs­wa­chen bzw. Ein­satz­fahr­zeug­stand­or­te ... und ... ein­ge­setzt hat.

2. Der Be­klag­te ist gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB in die Rech­te und Pflich­ten des Ar­beits­verhält­nis­ses der kla­gen­den Par­tei mit Wir­kung ab dem 23.12.2008 ein­ge­tre­ten, denn der vor­mals von der ... gGmbH geführ­te Be­trieb/Be­triebs­teil „Ret­tungs­dienst“ ist durch Rechts­geschäft auf den Be­klag­ten über­ge­gan­gen.

a) Un­klar ist auf­grund des im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Geschäfts­ge­gen­stands der ... gGmbH, ob die­se al­lein den Ret­tungs­dienst auf Ba­sis des öffent­lich-recht­li­chen Ver­tra­ges vom 24.10./09.11.2006 be­trie­ben oder da­ne­ben noch an­de­re Geschäftstätig­kei­ten ent­fal­tet hat. Dies kann je­doch da­hin­ste­hen. Selbst wenn der Ret­tungs­dienst nicht der ein­zi­ge Geschäfts­ge­gen­stand ge­we­sen ist, han­del­te es sich beim Ret­tungs­dienst um ei­ne selbständig über­trag­ba­re wirt­schaft­li­che Ein­heit.

aa) Für die Ab­gren­zung von Be­trieb und Be­triebs­teil ist ei­ne Ge­samt­be­trach­tung maßgeb­lich, bei der die wirt­schaft­li­che Ein­heit und ih­re Iden­tität im Mit­tel­punkt ste­hen. Da­mit ver­liert die ei­genständi­ge In­ter­pre­ta­ti­on des Be­griffs „Be­triebs­teil“ grundsätz­lich an Be­deu­tung. Denn auch beim Er­werb ei­nes Be­triebs­teils ist es er­for­der­lich, dass die wirt­schaft­li­che Ein­heit ih­re Iden­tität wahrt. Da­her muss ei­ne Teil­ein­heit des Be­trie­bes auch be­reits beim frühe­ren Be­triebs­in­ha­ber die Qua­lität ei­nes Be­triebs­teils ge­habt ha­ben. Schon beim bis­he­ri­gen Be­triebs­in­ha­ber muss al­so – in An­leh­nung an § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Be­trVG – ei­ne selbständig ab­trenn­ba­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit ge­ge­ben sein, mit der in­ner­halb des be­trieb­li­chen Ge­samt­zwecks ein Teil­zweck ver­folgt wur­de. Das Merk­mal des Teil­zwecks dient zur Ab­gren­zung der or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ein­heit; im Teil­be­trieb müssen aber nicht an-


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ders­ar­ti­ge Zwe­cke als im übri­gen Be­trieb ver­folgt wer­den (vgl. BAG, Ur­teil vom 17.12.2009 – 8 AZR 1019/08 – NZA 2010, 499, 500, m.w.N.).

bb) Aus­ge­hend hier­von hat­te der Ret­tungs­dienst bei der ... gGmbH je­den­falls die Qua­lität ei­nes Be­triebs­teils. Der Ret­tungs­dienst war ei­ne selbständig ab­trenn­ba­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit.

Der Ret­tungs­dienst wur­de aus­sch­ließlich von den drei Stand­or­ten in ... und ... aus mit den vom Be­klag­ten zur Verfügung ge­stell­ten Fahr­zeu­gen ab­ge­wi­ckelt. Die­se Be­triebs­mit­tel wa­ren der ... gGmbH aus­sch­ließlich zum Zwe­cke des Ret­tungs-diens­tes über­tra­gen und wur­den von ihr ent­spre­chend ge­nutzt. Zur Ausführung des Ret­tungs­diens­tes be­dien­te sich die ... gGmbH ei­ner ab­ge­grenz­ten Ar­beit­neh­mer­grup­pe, die – so­weit aus den vor­ge­leg­ten Ar­beits­verträgen er­sicht­lich – aus­sch­ließlich zu die­sem Zweck beschäftigt wur­de. Sämt­li­che Ret­tungs­kräfte stan­den un­ter der zen­tra­len Lei­tung ei­nes Ret­tungs­dienst­lei­ters und ei­nes stell­ver­tre­ten­den Ret­tungs­dienst­lei­ters, die in der Ret­tungs­wa­che in Bor­na an­ge­sie­delt wa­ren. Da­mit be­stand so­wohl räum­lich, per­so­nell und auch or­ga­ni­sa­to­risch ei­ne ein­deu­ti­ge Ab­gren­zung zwi­schen dem Ret­tungs­dienst und even­tu­ell vor­han­de­nen wei­te­ren Geschäfts­fel­dern der ... gGmbH.

b) Die vor­ge­nann­te wirt­schaft­li­che Ein­heit „Ret­tungs­dienst“ ist auf den Be­klag­ten am 23.12.2008 i. S. von § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB über­ge­gan­gen.

aa) Ein Be­triebsüber­gang i. S. des § 613 a BGB setzt die Wah­rung der Iden­tität ei­ner auf ge­wis­se Dau­er an­ge­leg­ten, hin­rei­chend struk­tu­rier­ten und selbständi­gen wirt­schaft­li­chen Ein­heit vor­aus. Die Wah­rung der Iden­tität kann sich aus dem Über­gang sach­li­cher und im­ma­te­ri­el­ler Be­triebs­mit­tel, aber auch aus dem Über­gang von Per­so­nal, Führungs­kräften, der Über­nah­me von Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on und Be­triebs­me­tho­den her­lei­ten. Da­bei kommt es auf ei­ne Ge­samtwürdi­gung al­ler Umstände an. Es muss ei­ne im We­sent­li­chen un­veränder­te Fortführung der bis­her in die­ser ab­grenz­ba­ren Ein­heit ge­leis­te­ten Tätig­keit möglich sein (vgl. BAG, Ur­teil vom 17.12.2009 – 8 AZR 1019/08 – NZA 2010, 499, 501, m. w. N.). Der Be­triebsüber-


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gang tritt mit dem Wech­sel in der Per­son des In­ha­bers des Be­trie­bes ein. Der bis­he­ri­ge In­ha­ber muss sei­ne wirt­schaft­li­che Betäti­gung in dem Be­trieb oder Be­triebs­teil ein­stel­len. Ei­ner be­son­de­ren Über­tra­gung ei­ner ir­gend­wie ge­ar­te­ten Lei­tungs­macht be­darf es da­ne­ben nicht. Al­ler­dings tritt der Wech­sel der In­ha­ber­schaft nicht ein, wenn der neue „In­ha­ber“ den Be­trieb gar nicht führt. Ein Be­triebsüber­gang liegt nur vor, wenn der In­ha­ber des Be­trie­bes wech­selt, in­dem un­ter Wah­rung der Be­triebs­i­den­tität an die Stel­le des Veräußerers der Er­wer­ber tritt. Ein Be­triebsüber­gang i. S. von § 613 a BGB tritt nur mit dem Wech­sel in der Per­son des In­ha­bers des Be­trie­bes ein. Maßgeb­lich ist die Wei­terführung der Geschäftstätig­keit durch die­je­ni­ge Per­son, die nun­mehr für den Be­trieb als In­ha­ber „ver­ant­wort­lich“ ist. Ver­ant­wort­lich ist die Per­son, die den Be­trieb im ei­ge­nen Na­men führt. Sie muss nach außen als der In­ha­ber des Be­trie­bes auf­tre­ten. Un­maßgeb­lich ist, wer wirt­schaft­lich die Ge­schi­cke des Be­trie­bes be­stimmt. Das muss nicht der Be­triebs­in­ha­ber sein, das kann auch ein an­de­rer sein, so­fern er im Na­men des Be­triebs­in­ha­bers han­delt (vgl. BAG, Ur­teil vom 15.12.2005 – 8 AZR 202/05 – NZA 2006, 597, 600 und 603, m. w. N.). Dem­ent­spre­chend hat der Eu­ropäische Ge­richts­hof im Ur­teil vom 26.05.2005 (– C-478/03 –, NZA 2005, 681, 682) Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 77/187/EWG des Ra­tes vom 14.02.1977 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glieds­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Be­triebs­tei­len da­hin aus­ge­legt, dass der Zeit­punkt des Über­gangs i. S. die­ser Be­stim­mung dem Zeit­punkt ent­spricht, zu dem die In­ha­ber­schaft, mit der die Ver­ant­wor­tung für den Be­trieb der über­tra­ge­nen Ein­heit ver­bun­den ist, vom Veräußerer auf den Er­wer­ber über­geht. Die In­ha­ber­schaft geht dann über, wenn der neue Be­triebs­in­ha­ber die wirt­schaft­li­che Ein­heit nutzt und fortführt. Nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs ist ei­ne Ge­samt­abwägung vor­zu­neh­men, bei der je nach Ein­zel­fall fol­gen­de re­le­van­te Umstände in Be­tracht zu zie­hen sind: Die Art des Be­triebs oder Un­ter­neh­mens; der Über­gang der ma­te­ri­el­len Be­triebs­mit­tel wie Gebäude, Ma­schi­nen und be­weg­li­che Güter so­wie de­ren Wert und Be­deu­tung; der Wert der über­nom­me­nen im­ma­te­ri­el­len Be­triebs­mit­tel und der vor­han­de­nen Or­ga­ni­sa­ti­on; die Wei­ter­beschäfti­gung der Haupt­be­leg­schaft durch den neu­en In­ha­ber, al­so des nach Zahl und Sach­kun­de we­sent­li­chen Teils des Per­so­nals; der et­wai­ge Über­gang der Kund­schaft und der


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Lie­fe­ran­ten­be­zie­hun­gen; der Grad der Ähn­lich­keit zwi­schen den vor und nach dem Über­gang ver­rich­te­ten Tätig­kei­ten; die Dau­er ei­ner even­tu­el­len Un­ter­bre­chung die­ser Tätig­keit. Grundsätz­lich gehört auch die Or­ga­ni­sa­ti­on zu den Kri­te­ri­en für die Be­stim­mung der Iden­tität ei­ner wirt­schaft­li­chen Ein­heit. Es ist für ei­nen Be­triebsüber­gang je­doch nicht er­for­der­lich, dass der Über­neh­mer die kon­kre­te Or­ga­ni­sa­ti­on der ver­schie­de­nen über­tra­ge­nen Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren bei­behält, son­dern dass die funk­tio­nel­le Ver­knüpfung der Wech­sel­be­zie­hung und ge­gen­sei­ti­gen Ergänzung der Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren bei­be­hal­ten wird. Dies er­laubt nämlich dem Er­wer­ber, die Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren in ih­rer Wech­sel­be­zie­hung und ge­gen­sei­ti­gen Ergänzung zu nut­zen, selbst wenn sie nach der Über­tra­gung in ei­ne neue, an­de­re Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur ein­ge­glie­dert wer­den, um der­sel­ben oder ei­ner gleich­ar­ti­gen wirt­schaft­li­chen Tätig­keit nach­zu­ge­hen (vgl. BAG, Ur­teil vom 17.12.2009 – 8 AZR 1019/08 – NZA 2010, 499, 501 f., m. w. N.).

bb) Aus­ge­hend vom Vor­ste­hen­den hat der Be­klag­te die wirt­schaft­li­che Ein­heit „Ret­tungs­dienst“ ab dem 23.12.2008 un­ter Wah­rung ih­rer Iden­tität als neu­er In­ha­ber fort­geführt.

Der Be­klag­te war ab dem 23.12.2008 für die wirt­schaft­li­che Ein­heit „Ret­tungs-dienst“ als In­ha­ber ver­ant­wort­lich und hat sie im ei­ge­nen Na­men geführt. Da­bei kann das Vor­brin­gen des Be­klag­ten zur Her­an­zie­hung von drei Un­ter­neh­men zur Leis­tungs­er­brin­gung durch Her­an­zie­hungs­be­schei­de als zu­tref­fend un­ter­stellt wer­den. Un­strei­tig hat der Be­klag­te für die Zeit ab dem 23.12.2008 zunächst kei­ne öffent­lich-recht­li­chen Verträge mit Leis­tungs­er­brin­gern gemäß § 31 Abs. 1 Sächs-BRKG ab­ge­schlos­sen. Dies hat gemäß § 31 Abs. 7 Sächs­BRKG die ge­setz­li­che Kon­se­quenz, dass der Be­klag­te als Träger des Ret­tungs­diens­tes die be­darfs­ge­rech­te Ver­sor­gung mit Leis­tun­gen des Ret­tungs­diens­tes selbst durch­zuführen hat­te. Das Ge­setz wies da­mit dem Be­klag­ten ein Han­deln in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung an. Er hat­te kraft Ge­set­zes den Ret­tungs­dienst im vor­ma­li­gen Ge­biet der ... gGmbH im ei­ge­nen Na­men zu führen. Man­gels ei­ge­nen Per­so­nals ist er sei­ner Ver­ant­wor­tung da­durch ge­recht ge­wor­den, dass er drei Un­ter­neh­men zur Leis­tung des Ret­tungs­diens­tes durch Her­an­zie­hungs­be­schei­de vom 22.12.2008 her­an­ge­zo-


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gen hat. Hier­bei han­del­te es sich um ein Han­deln durch Ver­wal­tungs­akt. Die Her­an­ge­zo­ge­nen han­del­ten nicht im ei­ge­nen Na­men, son­dern im Auf­trag des Her­an­zie­hen­den, wie sich aus ei­ner ent­spre­chen­den An­wen­dung des § 54 Abs. 4 Sächs­BRKG er­gibt. Da­bei ist un­er­heb­lich, ob die Her­an­zie­hungs­be­schei­de mögli­cher­wei­se nich­tig wa­ren. Selbst wenn dies der Fall ge­we­sen sein soll­te, ändert dies nichts dar­an, dass die Her­an­ge­zo­ge­nen nicht im ei­ge­nen Na­men, son­dern auf­grund der Her­an­zie­hung im Auf­trag des Be­klag­ten han­deln soll­ten und woll­ten. Dies trat auch in­so­weit nach außen her­vor, als die drei Un­ter­neh­men den Ret­tungs­dienst mit Fahr­zeu­gen des Be­klag­ten er­brach­ten. Des Wei­te­ren er­folg­ten die Ab­rech­nun­gen der Leis­tun­gen ge­genüber den ge­ret­te­ten Per­so­nen bzw. trans­por­tier­ten Kran­ken nicht un­ter den Na­men der drei her­an­ge­zo­ge­nen Un­ter­neh­men. Die­se er­hiel­ten viel­mehr nach dem In­halt der Her­an­zie­hungs­be­schei­de ei­nen Auf­wen­dungs­er­satz durch den Be­klag­ten. Ein Auf­tre­ten im ei­ge­nen Na­men durch die drei her­an­ge­zo­ge­nen Un­ter­neh­men er­gibt sich auch nicht dar­aus, dass de­ren Mit­ar­bei­ter nicht un­mit­tel­bar dem Wei­sungs­recht des Be­klag­ten un­ter­stan­den. Das Di­rek­ti­ons­recht ge­genüber Ar­beit­neh­mern muss nicht durch den Be­triebs­in­ha­ber selbst aus­geübt wer­den (vgl. BAG, Ur­teil vom 15.12.2005 – 8 AZR 202/05 – NZA 2006, 597, 603, m. w. N.).

Der Be­klag­te hat am 23.12.2008 auch die we­sent­li­chen Be­triebs­mit­tel über­nom­men. Wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­geführt hat, han­delt es sich bei der Durchführung des Ret­tungs­diens­tes nicht um ei­ne rei­ne Dienst­leis­tung, son­dern um ei­nen be­triebs­mit­tel­ge­prägten Be­trieb, bei dem der Ein­satz der sächli­chen Be­triebs­mit­tel bei wer­ten­der Be­trach­tung den ei­gent­li­chen Kern des zur Wertschöpfung er­for­der­li­chen Funk­ti­ons­zu­sam­men­hangs aus­macht. Die Durchführung des Ret­tungs­diens­tes war oh­ne die von der ... gGmbH her­aus­ge­ge­be­nen Fahr­zeu­ge, die dar­in be­find­li­che Aus­stat­tung so­wie die Räum­lich­kei­ten der Stütz­punk­te nicht auf­trags­gemäß möglich. Es han­delt sich nicht um ein­fa­che Hilfs­mit­tel, die ne­ben der men­sch­li­chen Ar­beits­kraft nur ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le für die wirt­schaft­li­che Wertschöpfung spie­len, son­dern viel­mehr um Be­triebs­mit­tel von er­heb­li­chem Wert, die für den Be­trieb des Ret­tungs­diens­tes un­ver­zicht­bar sind. Es han­delt sich um Spe­zi­al­fahr­zeu­ge mit spe­zi­el­len Ein- und Auf­bau­ten, die spe­zi­el­len ge­setz­li­chen


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An­for­de­run­gen ent­spre­chen müssen. Des Wei­te­ren be­darf es der Räum­lich­kei­ten für die Un­ter­brin­gung des Per­so­nals in Be­reit­schafts­zei­ten, zur La­ge­rung der Ver­brauchs­mit­tel und zur Auf­ar­bei­tung der Fahr­zeu­ge und de­ren Ausrüstung nach den je­wei­li­gen Einsätzen (z. B. durch Des­in­fek­ti­on).

Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt auch fest­ge­stellt, dass der Be­klag­te die Be­triebs-mit­tel von der ... gGmbH über­nom­men hat. Da­bei kann zu­guns­ten des Be­klag­ten un­ter­stellt wer­den, dass sämt­li­che Be­triebs­mit­tel von der ... gGmbH di­rekt an Mit­ar­bei­ter der drei her­an­ge­zo­ge­nen Un­ter­neh­men über­ge­ben wor­den sind. Ent­schei­dend ist, dass die Her­aus­ga­be auf Ver­an­las­sung des Be­klag­ten an ei­nen von ihm be­stimm­ten Per­so­nen­kreis er­folgt ist. Die Mit­ar­bei­ter der drei her­an­ge­zo­ge­nen Un­ter­neh­men wa­ren le­dig­lich Be­sitz­die­ner i. S. von § 855 BGB für den Be­klag­ten. Zwar übten die Mit­ar­bei­ter der her­an­ge­zo­ge­nen Un­ter­neh­men die tatsächli­che Ge­walt über die Be­triebs­mit­tel aus. Auf­grund der Her­an­zie­hung wa­ren sie je­doch ver­pflich­tet, je­der­zeit den Wei­sun­gen des Be­klag­ten im Hin­blick auf die­se Sa­chen nach­zu­kom­men. In­so­weit kommt es nicht dar­auf an, ob der Be­klag­te tatsächlich An­wei­sun­gen er­teilt hat, son­dern le­dig­lich dar­auf, dass er dies als Ei­gentümer bzw. Mie­ter der Be­triebs­mit­tel hätte tun können und die Mit­ar­bei­ter der drei her­an­ge­zo­ge­nen Un­ter­neh­men den Wei­sun­gen auf­grund der öffent­lich-recht­li­chen Her­an­zie­hung hätten fol­gen müssen.

So­weit der Be­klag­te ei­nen Be­triebsüber­gang des­halb ver­neint, weil die vor­ma­li­ge Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur des Ret­tungs­diens­tes bei der ... gGmbH nicht bei­be­hal­ten wor­den sei, kann dem nicht ge­folgt wer­den. Wie be­reits oben aus­geführt, ist es nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs nicht er­for­der­lich, dass der Über­neh­mer die kon­kre­te Or­ga­ni­sa­ti­on der ver­schie­de­nen über­tra­ge­nen Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren bei­behält. Es reicht viel­mehr aus, wenn die funk­tio­nel­le Ver­knüpfung der Wech­sel­be­zie­hung und ge­gen­sei­ti­gen Ergänzung der Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren bei­be­hal­ten wird. Letz­te­res ist im vor­lie­gen­den Fall ge­ge­ben. Sämt­li­che we­sent­li­chen ma­te­ri­el­len Be­triebs­mit­tel, die vor­her von der ... gGmbH zur Er­brin­gung des Ret­tungs­diens­tes ein­ge­setzt wor­den sind, sind auch ab dem 23.12.2008 wei­ter zur Erfüllung der ret­tungs­dienst­li­chen Auf­ga­ben im vor­mals von der ... gGmbH be­treu-


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ten Ge­biet ver­wandt wor­den. Dass Fahr­zeu­ge um­ge­setzt wor­den sind (z. B. ein RTW an den Ein­satz­fahr­zeug­stand­ort am Kran­ken­haus ...) spielt in­so­weit kei­ne Rol­le. Auch so­weit der Be­klag­te di­ver­se wei­te­re De­tailände­run­gen vor­ge­tra­gen hat (Ent­fall der Po­si­ti­on des Wach­lei­ters in ..., Zur­verfügung­stel­len von Me­di­ka­men­ten und Ver­brauchs­ma­te­ria­li­en, geänder­te Auf­nah­me der Pa­ti­en­ten­da­ten und der Ab­rech­nung der Leis­tun­gen), ändern die­se nichts dar­an, dass die we­sent­li­chen Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren wie Fahr­zeu­ge und Stütz­punk­te wei­ter im Na­men und in der Ver­ant­wor­tung ei­nes In­ha­bers für das­sel­be Ge­biet mit dem­sel­ben wirt­schaft­li­chen Zweck ge­nutzt wur­den.

c) Der Über­gang der wirt­schaft­li­chen Ein­heit „Ret­tungs­dienst“ ist schließlich auch durch ein Rechts­geschäft er­folgt. Die Rücküber­tra­gung der Be­triebs­mit­tel auf­grund der Be­en­di­gung ei­nes Ver­trags­verhält­nis­ses (hier: des öffent­lich-recht­li­chen Ver­tra­ges des Be­klag­ten mit der ... gGmbH) be­ruht auf dem vor­ma­li­gen Ver­trags­verhält­nis und stellt da­mit ei­ne rechts­geschäft­li­che Über­tra­gung dar (vgl. EuGH, Ur­teil vom 05.05.1988 – C-144 und 145/87 – NZA 1990, 885).

3. Das Ar­beits­verhält­nis der kla­gen­den Par­tei ist bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht auf­grund ei­nes wei­te­ren Be­triebsüber­g­an­ges vom Be­klag­ten auf ei­nen Drit­ten über­ge­gan­gen.

Das Ar­beits­ge­richt hat den Be­klag­ten be­reits in der münd­li­chen Ver­hand­lung ers­ter In­stanz aus­weis­lich des Pro­to­kolls vom 17.12.2009 zu­tref­fend dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Be­klag­te die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für ei­ne et­wai­ge Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen ihm und der kla­gen­den Par­tei nach dem 23.12.2008 trägt. Ein et­wai­ger wei­te­rer Be­triebsüber­gang auf ei­nen Drit­ten ist ei­ne rechts­ver­nich­ten­de Ein­wen­dung, die der Be­klag­te dem Fest­stel­lungs­be­geh­ren der kla­gen­den Par­tei ent­ge­gen­set­zen kann. Nach den all­ge­mei­nen Grundsätzen muss aber der­je­ni­ge, der ei­ne güns­ti­ge Rechts­fol­ge für sich in An­spruch neh­men will, dar­le­gen und be­wei­sen, dass die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Rechts­fol­ge vor­lie­gen (vgl. BAG, Ur­teil vom 15.12.2005 – 8 AZR 202/05 – NZA 2006, 597, 603, m. w. N.). Das Vor­brin­gen des Be­klag­ten genügt die­sen An­for­de­run­gen nicht. Der Be­klag­te


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hat kei­ne Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen, die be­le­gen, dass das Ar­beits­verhält­nis der kla­gen­den Par­tei nach dem 23.12.2008 auf ei­nen Drit­ten über­ge­gan­gen oder auf an­de­re Wei­se be­en­det wor­den ist.

Un­strei­tig hat der Be­klag­te un­ter dem 13.01.2009 drei öffent­lich-recht­li­che Verträge mit drei ver­schie­de­nen Leis­tungs­er­brin­gern be­tref­fend die Er­brin­gung der Leis­tun­gen der Not­fall­ret­tung und des Kran­ken­trans­ports im vor­mals von der ... gGmbH be­treu­ten Ge­biet für die Zeit ab dem 14. bzw. 16.01.2009 ab­ge­schlos­sen. In der Fol­ge ha­ben die drei Leis­tungs­er­brin­ger den Ret­tungs­dienst von den Stand­or­ten Ret­tungs­wa­che ..., Ret­tungs­wa­che ... bzw. Ein­satz­fahr­zeug­stand­ort ...-Kli­nik ... aus er­bracht. Dar­in liegt je­doch kein (Teil-)Be­triebsüber­gang.

Vor dem Hin­ter­grund, dass die neu­en Leis­tungs­er­brin­ger le­dig­lich Tei­le ei­ner in der Ver­gan­gen­heit ein­heit­li­chen wirt­schaft­li­chen Ein­heit über­nom­men ha­ben, kommt le­dig­lich der Über­gang von Be­triebs­tei­len in Be­tracht. § 613 a BGB setzt für ei­nen Be­triebs­teilüber­gang vor­aus, dass die über­nom­me­nen Be­triebs­mit­tel be­reits bei dem frühe­ren Be­triebs­in­ha­ber die Qua­lität ei­nes Be­triebs­teils hat­ten. Es reicht nicht aus, wenn der Er­wer­ber mit ein­zel­nen bis­her nicht teil­be­trieb­lich or­ga­ni­sier­ten Be­triebs­mit­teln ei­nen Be­trieb oder Be­triebs­teil gründet (vgl. BAG, Ur­teil vom 21.02.2008 – 8 AZR 77/07 – NZA 2008, 825, 826, m. w. N.).

Die Ret­tungs­wa­chen ... und ... so­wie der Ein­satz­fahr­zeug­stand­ort am Kran­ken-haus ... wa­ren beim Be­klag­ten nicht teil­be­trieb­lich or­ga­ni­siert. Wie be­reits oben aus­geführt, stell­te der ge­sam­te von der ... gGmbH aus­geübte Ret­tungs­dienst ei­ne selbständi­ge, ab­trenn­ba­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit dar. Die­se ist nach dem Vor­ste­hen­den vollständig auf den Be­klag­ten über­ge­gan­gen. So­weit aus dem Vor­brin­gen des Be­klag­ten er­sicht­lich, hat die­ser den vor­mals ein­heit­li­chen Be­trieb nicht in selbständi­ge Teil­ein­hei­ten auf­ge­spal­ten. Zwar hat der Be­klag­te zur Ausführung des Ret­tungs­diens­tes ab dem 23.12.2008 für je­den Stand­ort un­ter­schied­li­che Un­ter­neh­men her­an­ge­zo­gen. Die­se stan­den je­doch un­ter der ein­heit­li­chen Lei­tung des Be­klag­ten, da er al­lein durch sein Ver­wal­tungs­han­deln den Un­ter­neh­men die Auf­ga­ben im We­ge der Her­an­zie­hung zu­wies.


– Sei­te 24 –

II.


Der Gewährung ei­ner Schrift­satz­frist für den Be­klag­ten im Hin­blick auf die Rechts­ausführun­gen des Vor­sit­zen­den in der münd­li­chen Ver­hand­lung am 24.09.2010 be­durf­te es nicht. Es mag den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Be­klag­ten über­rascht ha­ben, dass die er­ken­nen­de Kam­mer an­ders als al­le bis­her erst- und zweit­in­stanz­lich mit ver­gleich­ba­ren Ver­fah­ren be­fass­ten Kam­mern nicht sei­ner Rechts­auf­fas­sung zu fol­gen be­ab­sich­tig­te. Die­ses Ri­si­ko ist je­doch je­dem Rechts­streit im­ma­nent. Vor dem Hin­ter­grund, dass die kla­gen­de Par­tei sich zur Stützung ih­res ge­gen­tei­li­gen Rechts­stand­punk­tes stets auf die Re­ge­lung des § 31 Abs. 7 Sächs­BRKG be­ru­fen hat und in der münd­li­chen Ver­hand­lung am 24.09.2010 kei­ne neu­en Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen wor­den sind, zu de­nen sich der Be­klag­te nicht hat erklären können, reich­te es aus, dass sich der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Be­klag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung zu den „seich­ten“ Ar­gu­men­ten der er­ken­nen­den Kam­mer äußern konn­te.


III.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO. Der Be­klag­te hat als un­ter­le­ge­ne Par­tei die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.


Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on für den Be­klag­ten be­ruht auf § 72 Abs. 2 Nr. 1 und 2 ArbGG


– Sei­te 25 –

Re c h t s m i t t e l b e l e h r u n g


Ge­gen die­ses Ur­teil kann von d. Be­klag­ten/Be­ru­fungs­be­klag­ten

Re­vi­si­on


ein­ge­legt wer­den.


Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb


ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

schrift­lich beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den.


Die An­schrift des Bun­des­ar­beits­ge­richts lau­tet:

Post­fach, 99112 Er­furt
oder
Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt

Te­le­fon: (03 61) 26 36 - 0
Te­le­fax: (03 61) 26 36 - 20 00.


Sie ist gleich­zei­tig in­ner­halb


ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten

schrift­lich zu be­gründen.


Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift und die Be­gründung der Re­vi­si­on müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Pro­zess­be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte,

2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­ber­verbänden so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände und Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,

3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 11 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 ArbGG erfüllen.
 

– Sei­te 26 –

In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift und die Be­gründung un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Bezüglich der Möglich­kei­ten elek­tro­ni­scher Ein­le­gung und Be­gründung der Re­vi­si­on - ei­ne Ein­le­gung per E-Mail ist aus­ge­schlos­sen! - wird ver­wie­sen auf die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 9. März 2006 (BGBl. I S. 519).

Die Re­vi­si­on kann nur dar­auf gestützt wer­den, dass das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf der Ver­let­zung ei­ner Rechts­norm be­ruht.

Für die kla­gen­de Par­tei ist ge­gen die Ent­schei­dung kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

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