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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Betriebsübergang: Tarifvertrag, Tarifvertrag, Betriebsübergang
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 4 AZR 321/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 16.05.2012
   
Leit­sätze: Tritt ein Ta­rif­ver­trag nicht mit sei­nem Ab­schluss, son­dern erst später in Kraft, be­ginnt die für die Trans­for­ma­ti­on nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB maßge­ben­de Ta­rif­gel­tung mit dem Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens.
Vor­ins­tan­zen: Landesarbeitsgericht Sachsen-Anhalt, Urteil vom 10.03.2010 - 4 Sa 218/09
Arbeitsgericht Dessau-Roßlau, Urteil vom 13.05.2009 - 1 Ca 72/09
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


4 AZR 321/10
4 Sa 218/09
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Sach­sen-An­halt

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

16. Mai 2012

UR­TEIL

Frei­tag, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläge­rin, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16. Mai 2012 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Be­p­ler, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Tre­ber, die
 


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Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Win­ter so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Plautz und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Weßel­kock für Recht er­kannt:


1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Sach­sen-An­halt vom 10. März 2010 - 4 Sa 218/09 - auf­ge­ho­ben.

2. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Des­sau-Roßlau vom 13. Mai 2009 - 1 Ca 72/09 - ab­geändert. Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

3. Die Kläge­rin hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!


Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten nach ei­nem Be­triebsüber­gang um ei­ne Zu­satz­zah­lung.

Die Kläge­rin, Mit­glied der Ver­ein­ten Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di, ist seit dem 3. Fe­bru­ar 2001 bei der Be­klag­ten und ih­rer Rechts­vorgänge­rin, der N V AG, als Te­le­fon-Sach­be­ar­bei­te­rin im Call­cen­ter mit ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von zu­letzt 31,75 St­un­den teil­zeit­beschäftigt.

Im Ar­beits­ver­trag vom 3. Fe­bru­ar 2001 heißt es ua.: 


„8. Die Vor­schrif­ten der je­weils gülti­gen Ta­rif­verträge, ... sind in ih­rer je­wei­li­gen Fas­sung In­halt die­ses Ver­tra­ges. ...
...


10. Die Dau­er des Ur­laubs rich­tet sich nach den je­weils gülti­gen Be­stim­mun­gen des zu­tref­fen­den Ta­rif­ver­tra­ges.“

Bei der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten wur­den auf das Ar­beits­verhält­nis mit der Kläge­rin die Ta­rif­verträge des Ein­zel­han­dels in Sach­sen-An­halt an­ge­wandt.



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Am 14./26. Ok­to­ber 2004 un­ter­zeich­ne­ten ua. die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten und die Ge­werk­schaft ver.di (Bun­des­vor­stand) ein sog. Eck­punk­te­pa­pier „Ver­ein­ba­rung zur Sa­nie­rung und zur Beschäfti­gungs­si­che­rung für den K - Kon­zern“, das in ei­nen „Ta­rif­ver­trag zur Sa­nie­rung und zur Beschäfti­gungs­si­che­rung“ (TV Sa­nie­rung) mit dem Da­tum des 14. Ok­to­ber 2004 münde­te, der am 1. Ja­nu­ar 2005 in Kraft trat und mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2007 en­de­te. Die­ser sah für die Beschäftig­ten ua. das Aus­set­zen von Ta­rif­loh­nerhöhun­gen so­wie den Ent­fall des ta­rif­li­chen Ur­laubs­gel­des und der ta­rif­li­chen Son­der­zu­wen­dung für die Jah­re 2005 bis 2007 vor. Grundsätz­lich en­de­te nach § 10 Abs. 3 TV Sa­nie­rung bei Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses auf ei­nen an­de­ren Recht­sträger die An­wen­dung die­ses Ta­rif­ver­tra­ges.

Gleich­zei­tig ver­ein­bar­ten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­nen „Ta­rif­ver­trag über ta­rif­li­che Zu­satz­zah­lung“ vom 14. Ok­to­ber 2004 (TV Zu­satz­zah­lung), in dem es auf Bit­ten der Ar­beit­ge­ber­sei­te - um nicht zur Bil­dung von Rück­stel­lun­gen ver­pflich­tet zu sein - in der End­fas­sung heißt: „tritt am 01.01.2008 in Kraft“.


In § 2 TV Zu­satz­zah­lung ist un­ter der Über­schrift „Zu­satz­zah­lung“ ge­re­gelt:

„Zusätz­lich zu al­len sons­ti­gen ta­rif­li­chen Ansprüchen ha­ben die voll­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ab dem 1.1.2008 An­spruch auf je­weils ei­ne mit der Ent­gelt­zah­lung für den Mo­nat Ju­ni fälli­ge jähr­li­che Zu­satz­leis­tung (1.473,-¬€), die der Sum­me von mo­nat­lich 122,75 € brut­to für die Mo­na­te des Jah­res in ei­nem gülti­gen Beschäfti­gungs­verhält­nis ent­spricht und über die ge­sam­te Lauf­zeit für ma­xi­mal die An­zahl der Mo­na­te der Gel­tung des Ta­rif­ver­tra­ges zur Sa­nie­rung und zur Beschäfti­gungs­si­che­rung auf ihr Ar­beits­verhält­nis ge­zahlt wird.


Teil­zeit­beschäftig­te ha­ben ei­nen an­tei­li­gen An­spruch ent­spre­chend dem Verhält­nis ih­rer ar­beits­ver­trag­li­chen Ar­beits­zeit zur re­gelmäßigen ta­rif­li­chen Wo­chen­ar­beits­zeit.“

Der TV Sa­nie­rung wur­de im Jah­re 2005 auf das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin an­ge­wen­det. Sie er­hielt in die­sem Jahr we­der ein ta­rif­li­ches Ur­laubs­geld noch ei­ne ta­rif­li­che Son­der­zu­wen­dung. Mit Wir­kung ab dem 1. Ja­nu­ar
 


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2006 wur­de der Be­trieb, in dem die Kläge­rin beschäftigt war, von der nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Be­klag­ten im We­ge des Be­triebsüber­gangs über­nom­men.


Am 1. Ju­li 2008 in­for­mier­te die Be­klag­te die Beschäftig­ten, dass die Ar­beitsplätze er­hal­ten wer­den können, wenn 95 vH der Be­leg­schaft neue Ar­beits­verträge mit ua. ei­ner An­he­bung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit bei gleich blei­ben­der Ar­beits­ent­gelt­zah­lung un­ter­schrei­ben würden. Ver­spro­chen wur­de da­bei ne­ben fi­nan­zi­el­len Leis­tun­gen auch ein Schutz vor be­triebs­be­ding­ten Kündi­gun­gen bis zum 30. Sep­tem­ber 2010. Die Mehr­heit der Beschäftig­ten ak­zep­tier­te die an­ge­bo­te­nen neu­en Ar­beits­verträge. Die­se Beschäftig­ten er­hiel­ten im Ok­to­ber 2008 ent­spre­chend ei­ner „Ver­ein­ba­rung über ei­ne Ab­schluss­prämie und ei­ne wei­te­re Leis­tung und An­rech­nungs­vor­be­halt“ ei­ne Ab­schluss­prämie in Höhe von 2.000,00 Eu­ro brut­to so­wie ei­ne Leis­tung im Wert von 1.473,00 Eu­ro - bei Teil­zeit­beschäfti­gung an­tei­lig be­rech­net -, die in drei Tei­le auf­ge­teilt war: ein Be­trag von 700,00 Eu­ro als Gut­schrift auf dem Kun­den­kon­to, Tank­gut­schei­ne im Wert von 400,00 Eu­ro so­wie Zuführung des Rest­be­tra­ges zur be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung. Die Ver­ein­ba­rung ent­hielt für die Leis­tung im Wert von 1.473,00 Eu­ro ei­ne Re­ge­lung zur An­rech­nung für den Fall, dass ei­ne Ver­pflich­tung zur Zah­lung der Zu­satz­zah­lung nach dem TV Zu­satz­zah­lung be­ste­hen soll­te. Die Kläge­rin ak­zep­tier­te den ihr an­ge­bo­te­nen neu­en Ar­beits­ver­trag nicht. Ei­ne Zu­satz­leis­tung nach dem TV Zu­satz­zah­lung wur­de von der Be­klag­ten nicht ge­zahlt.

Mit ih­rer Kla­ge be­an­sprucht die Kläge­rin die ta­rif­ver­trag­li­che Zu­satz­zah­lung für das Jahr 2008 in Höhe des auf ih­re Teil­zeit­beschäfti­gung be­zo­ge­nen Be­tra­ges. Der An­spruch er­ge­be sich aus § 2 TV Zu­satz­zah­lung, der nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB in das Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten über­ge­gan­gen sei. Dar­an ände­re die Re­ge­lung zum In­kraft­tre­ten mit dem 1. Ja­nu­ar 2008 nichts. Zu­dem ste­he ihr der ge­for­der­te Be­trag auch nach § 2 TV Zu­satz­zah­lung iVm. der Be­zug­nah­me­klau­sel in ih­rem Ar­beits­ver­trag so­wie aus dem Maßre­ge­lungs­ver­bot iVm. dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz zu.

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Die Kläge­rin hat be­an­tragt, 


die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 1.230,73 Eu­ro nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Ju­li 2008 zu zah­len.


Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Der An­spruch er­ge­be sich aus kei­ner der von der Kläge­rin her­an­ge­zo­ge­nen An­spruchs­grund­la­gen. Der TV Zu­satz­zah­lung sei nicht nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB in das Ar­beits­verhält­nis trans­for­miert wor­den, weil er zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs noch nicht in Kraft ge­tre­ten sei. Auch aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz und dem Maßre­ge­lungs­ver­bot fol­ge der An­spruch nicht. Bei der Net­to­zu­wen­dung von 1.473,00 Eu­ro han­de­le es sich um ei­ne im un­mit­tel­ba­ren Zu­sam­men­hang mit dem von den Ar­beit­neh­mern er­be­te­nen Sa­nie­rungs­bei­trag der dau­er­haf­ten Ar­beits­zeit­erhöhung oh­ne Lohn­aus­gleich ste­hen­de ein­ma­li­ge Aus­gleichs­leis­tung.


Die Vor­in­stan­zen ha­ben der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te das Ziel der Kla­ge­ab­wei­sung wei­ter. Die Kläge­rin be­an­tragt, die Re­vi­si­on zurück­zu­wei­sen.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten zu Un­recht zurück­ge­wie­sen. Die Kla­ge ist un­be­gründet.


I. Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts hat die Kläge­rin aus kei­nem der an­geführ­ten Gründe An­spruch auf den gel­tend ge­mach­ten Zah­lungs­be­trag.


1. Die Kla­ge­for­de­rung steht der Kläge­rin nicht auf der Grund­la­ge bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit zu. Die Be­klag­te ist nicht selbst Par­tei des TV Zu­satz­zah­lung.
 


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2. Ein Zah­lungs­an­spruch folgt auch nicht aus § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB iVm. den Nor­men des TV Zu­satz­zah­lung. Tritt ein Ta­rif­ver­trag nicht mit sei­nem Ab­schluss, son­dern erst später in Kraft, ist für den Be­ginn der Ta­rif­gel­tung der Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens maßge­bend. Zu­vor gehört der ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lungs­be­stand nicht zu den Rech­ten und Pflich­ten aus dem im Zeit­punkt ei­nes Be­triebsüber­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis nach § 613a Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 BGB.

a) Nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB, der auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en An­wen­dung fin­det, tritt dann, wenn ein Be­trieb oder Be­triebs­teil durch Rechts­geschäft auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber über­geht, die­ser in die Rech­te und Pflich­ten aus den im Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­sen ein. Am 1. Ja­nu­ar 2006 ist der Be­trieb, in dem die Kläge­rin da­mals beschäftigt war, durch Rechts­geschäft auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen. Da­mit ist die Be­klag­te kraft Ge­setz in die zu die­sem Zeit­punkt be­ste­hen­den Rech­te und Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis mit ih­rer Rechts­vorgänge­rin ein­ge­tre­ten.


b) Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts gehörten die Ansprüche aus dem TV Zu­satz­zah­lung nicht zu den Rech­ten und Pflich­ten des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin mit der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs. Sie sind des­halb nicht nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB in das nun­mehr zwi­schen der Kläge­rin und der Be­klag­ten be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis über­ge­gan­gen.


aa) Die Rech­te und Pflich­ten aus den für die Kläge­rin un­mit­tel­bar und zwin­gend gel­ten­den Ta­rif­verträgen sind mit dem 1. Ja­nu­ar 2006 gemäß § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten ge­wor­den.

(1) Maßge­bend bei der Klärung, ob Ansprüche aus dem dort nicht kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit gel­ten­den TV Zu­satz­zah­lung im Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en be­ste­hen, sind die Vor­ga­ben des § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB. Da­nach wer­den die­je­ni­gen Rech­te und Pflich­ten, die durch Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ge­re­gelt sind, In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen dem neu­en In­ha­ber und dem Ar­beit­neh­mer. Die­se Vor­ga­ben sind im

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Ein­klang mit Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 (ABl. EG L 82 vom 22. März 2001 S. 16) aus­zu­le­gen. Da­nach erhält der Er­wer­ber nach dem Über­gang die in ei­nem Kol­lek­tiv­ver­trag ver­ein­bar­ten Ar­beits­be­din­gun­gen bis zur Kündi­gung oder zum Ab­lauf des Kol­lek­tiv­ver­tra­ges bzw. bis zum In­kraft­tre­ten oder bis zur An­wen­dung ei­nes an­de­ren Kol­lek­tiv­ver­tra­ges in dem glei­chen Maße auf­recht, wie sie in dem Kol­lek­tiv­ver­trag für den Veräußerer vor­ge­se­hen wa­ren.

Mit der Trans­for­ma­ti­on nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB soll im Ein­klang mit Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie 2001/23/EG die Auf­recht­er­hal­tung der kol­lek­tiv-recht­lich ge­re­gel­ten Ar­beits­be­din­gun­gen gewähr­leis­tet wer­den. Da­bei geht es im deut­schen Rechts­gefüge ent­spre­chend der Wir­kungs­wei­se des TVG um den Er­halt von ursprüng­lich nor­ma­tiv be­gründe­ten Be­sitzständen nach ei­nem Be­triebsüber­gang, in des­sen Fol­ge die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne nor­ma­ti­ve Wei­ter­gel­tung ent­fal­len sind (vgl. BAG 24. Au­gust 2011 - 4 AZR 566/09 - Rn. 20, ZTR 2012, 92) und es auch nicht zu ei­ner Ablösung nach § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB kommt. Da­her gehören zu den nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB über­ge­hen­den Ar­beits­be­din­gun­gen nur sol­che Rech­te und Pflich­ten aus Ta­rif­verträgen, die nor­ma­tiv wir­ken­de In­halts­norm iSd. § 1 Abs. 1 TVG sind (vgl. BAG 24. Au­gust 2011 - 4 AZR 566/09 - Rn. 19 f. mwN, aaO; 22. April 2009 - 4 AZR 100/08 - Rn. 51 mwN, BA­GE 130, 237; 26. Au­gust 2009 - 4 AZR 280/08 - Rn. 21, 31 mwN, AP BGB § 613a Nr. 376 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 112) und da­mit der un­mit­tel­ba­ren und zwin­gen­den Wir­kung nach § 4 Abs. 1 TVG un­ter­lie­gen.

(2) Für die­se Trans­for­ma­ti­on der durch Rechts­nor­men ei­nes ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­tra­ges ge­re­gel­ten Rech­te und Pflich­ten nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB kom­men im Grund­satz die bei­den ge­nann­ten Ta­rif­verträge, der TV Sa­nie­rung und der TV Zu­satz­zah­lung, in Fra­ge. Sie wa­ren im Ok­to­ber 2004 und da­mit vor dem Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs am 1. Ja­nu­ar 2006 ab­ge­schlos­sen wor­den. Ei­ne kon­gru­en­te Ta­rif­ge­bun­den­heit gemäß § 3 Abs. 1 TVG war an sich ge­ge­ben, denn die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten war selbst Ta­rif­ver­trags­par­tei und die Kläge­rin war seit dem 1. Ok­to­ber 2004 Mit­glied der Ge­werk­schaft


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ver.di als Ta­rif­ver­trags­par­tei auf Ar­beit­neh­mer­sei­te. Für den hier nicht näher in­ter­es­sie­ren­den TV Sa­nie­rung war al­ler­dings be­reits in sei­nem § 10 Abs. 3 fest­ge­legt, dass bei Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses auf ei­nen an­de­ren Recht­sträger die An­wen­dung die­ses Ta­rif­ver­tra­ges grundsätz­lich en­de­te, was sei­ner Trans­for­ma­ti­on nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB be­reits im We­ge stand.


bb) Ansprüche aus dem TV Zu­satz­zah­lung gehörten zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs nicht zu den durch Ta­rif­ver­trag ge­re­gel­ten Rech­ten und Pflich­ten im Ar­beits­verhält­nis zwi­schen der Kläge­rin und der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten. Die Re­ge­lung durch den nor­ma­ti­ven Teil ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges setzt nach § 4 Abs. 1 TVG vor­aus, dass bei­de Ar­beits­ver­trags­par­tei­en an die­sen Ta­rif­ver­trag nach § 3 Abs. 1 TVG ta­rif­ge­bun­den sind und un­ter des­sen Gel­tungs­be­reich fal­len. Die­se Be­din­gun­gen wa­ren zwi­schen der Kläge­rin und ih­rer frühe­ren Ar­beit­ge­be­rin zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs An­fang des Jah­res 2006 nicht erfüllt. Die Ansprüche aus die­sem Ta­rif­ver­trag sind da­her auch nicht nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB in das Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten trans­for­miert wor­den.

(1) Die Kläge­rin war zwar Mit­glied der ta­rif­sch­ließen­den Ge­werk­schaft ver.di und ih­re frühe­re Ar­beit­ge­be­rin war selbst ei­ne der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TV Zu­satz­zah­lung auf Ar­beit­ge­ber­sei­te. Bei­de erfüll­ten al­so die Vor­aus­set­zung der Ta­rif­ge­bun­den­heit nach § 3 Abs. 1 TVG.


(2) Die Par­tei­en fie­len je­doch zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs am 1. Ja­nu­ar 2006 nicht in vol­lem Um­fang un­ter den Gel­tungs­be­reich des TV Zu­satz­zah­lung. Ihr Ar­beits­verhält­nis war zwar im räum­li­chen und sach­li­chen Gel­tungs­be­reich des TV Zu­satz­zah­lung an­ge­sie­delt. Ihr Ar­beits­verhält­nis fiel beim Be­triebsüber­gang aber nicht un­ter des­sen zeit­li­chen Gel­tungs­be­reich. Da­nach ent­fal­tet der TV Zu­satz­zah­lung sei­ne Wir­kung auf die in sei­nem Gel­tungs­be­reich im Übri­gen be­find­li­chen Ar­beits­verhält­nis­se erst ab dem 1. Ja­nu­ar 2008.


(3) Der hier­aus fol­gen­den feh­len­den Gel­tung des TV Zu­satz­zah­lung im Ar­beits­verhält­nis zwi­schen der Kläge­rin und ih­rer frühe­ren Ar­beit­ge­be­rin so­wie


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in der Fol­ge der feh­len­den Trans­for­ma­ti­on der Rech­te aus die­sem Ta­rif­ver­trag in das Ar­beits­verhält­nis der Pro­zess­par­tei­en steht nicht ent­ge­gen, dass der TV Zu­satz­zah­lung be­reits im Jah­re 2004, al­so vor dem Be­triebsüber­gang, ab­ge­schlos­sen wor­den war. Fal­len der Ab­schluss des Ta­rif­ver­tra­ges und sein Wirk­sam­keits­be­ginn nach dem Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aus­ein­an­der, so ist bei hin­aus­ge­scho­be­nem In­kraft­tre­ten re­gelmäßig der Wirk­sam­keits­be­ginn maßge­bend (so auch Wie­de­mann/Oet­ker TVG 7. Aufl. § 3 Rn. 33 mwN; Löwisch/Rieb­le TVG 2. Aufl. § 3 Rn. 74 f.). So ist für die Fest­stel­lung der Ta­rif­ge­bun­den­heit beim Sta­tus­wech­sel im Ar­beit­ge­ber­ver­band oder dem Aus­tritt aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band der Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens des Ta­rif­ver­tra­ges maßge­bend, wenn die­ser nach dem Ver­trags­ab­schluss liegt (vgl. ua. BAG 17. Fe­bru­ar 2010 - 5 AZR 191/09 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Me­tall­in­dus­trie Nr. 211 = EzA TVG § 4 Me­tall­in­dus­trie Nr. 135; 20. Fe­bru­ar 2008 - 4 AZR 64/07 - Rn. 13, 22, 38, 45, BA­GE 126, 75). An­de­res gilt bei Ver­bands­ta­rif­verträgen nur un­ter be­son­de­ren Umständen im Ein­zel­fall, wenn bei rück­wir­ken­dem In­kraft­tre­ten ta­rif­li­cher Re­ge­lun­gen für die Fest­stel­lung der Ta­rif­ge­bun­den­heit bei zwi­schen­zeit­li­chem Aus­tritt aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band der Zeit­punkt der wirk­sa­men und ver­bind­li­chen Ta­rif­ver­ein­ba­rung maßge­bend ist (vgl. BAG 26. Au­gust 2009 - 4 AZR 302/08 - Rn. 18; - 4 AZR 294/08 - Rn. 28, AP TVG § 3 Ver­bands­zu­gehörig­keit Nr. 28 = EzA TVG § 3 Nr. 33; 19. Sep­tem­ber 2007 - 4 AZR 711/06 - Rn. 26, BA­GE 124, 123), al­so der Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Ta­rif­ver­tra­ges. Für die vor­lie­gen­de ty­pi­sche Si­tua­ti­on, wo es auch nicht nur um die Ta­rif­ge­bun­den­heit, son­dern um die Gel­tung und Wir­kung des Ta­rif­ver­tra­ges geht, bleibt der Zeit­punkt maßge­bend, von dem an die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des­sen Wirk­sam­keit, sein In­kraft­tre­ten, fest­ge­legt ha­ben.


Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist die Aus­gangs­si­tua­ti­on bei Stu­fen­ta­rif­verträgen ei­ne grund­le­gend an­de­re als die vor­lie­gen­de. Bei Stu­fen­ta­rif­verträgen geht es dar­um, dass sie von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt mit ih­rem ge­sam­ten In­halt in Kraft ge­setzt wer­den und le­dig­lich die Fällig­keit der be­reits fest­ge­leg­ten ta­rif­li­chen Ansprüche auf be­stimm­te zukünf­ti­ge Zeit­punk­te hin­aus­ge­scho­ben wird (BAG 22. April 2009 - 4 AZR 100/08 - Rn. 82 ff., BA­GE 130, 237; 21. April 2010 - 4 AZR


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768/08 - BA­GE 134, 130). Stu­fen­ta­rif­verträge gel­ten von An­fang an voll wirk-sam nach § 4 Abs. 1 Satz 1 TVG. Mit dem In­kraft­tre­ten hat die Ver­wirk­li­chung des ver­ein­bar­ten Nor­men­pro­gramms be­gon­nen. Dem­ge­genüber setzt in ei­nem Fall wie dem vor­lie­gen­den mit her­aus­ge­scho­be­nem In­kraft­tre­ten des Ta­rif­ver­tra­ges selbst die Ver­wirk­li­chung des Nor­men­pro­gramms und da­mit die Bin­dung nach § 4 Abs. 1 Satz 1 TVG erst später, zu dem von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en au­to­nom fest­ge­leg­ten Zeit­punkt ein. Da­mit ent­schei­den die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu­gleich auch darüber, ob zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt, et­wa ei­nem Be­triebsüber­gang auf ei­nen nicht Ta­rif­ge­bun­de­nen, be­reits Rech­te und Pflich­ten be­gründet wa­ren, die in das Ar­beits­verhält­nis beim Er­wer­ber trans­for­miert wer­den, oder ob dies, wie vor­lie­gend nicht der Fall ist.


(4) Aus den Vor­ga­ben der Richt­li­nie 2001/23/EG er­gibt sich nichts an­de­res. 


(a) Der Re­ge­lungs­ge­halt von Ta­rif­ver­trags­nor­men geht nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB in dem Ta­rif­stand bzw. Nor­men­stand, den er zur Zeit des Be­triebsüber­gangs hat, in das Ar­beits­verhält­nis mit dem Be­triebs­er­wer­ber über (vgl. BAG 26. Au­gust 2009 - 5 AZR 969/08 - Rn. 22, BA­GE 132, 36; 22. April 2009 - 4 AZR 100/08 - Rn. 83 mwN, BA­GE 130, 237; 14. No­vem­ber 2007 - 4 AZR 828/06 - Rn. 16, AP BGB § 613a Nr. 334 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 81).

Dies ent­spricht den Vor­ga­ben der Richt­li­nie 2001/23/EG - dort Art. 3 Abs. 3 -, de­ren Ziel dar­in be­steht zu ver­hin­dern, dass sich die La­ge der über­ge­gan­ge­nen Ar­beit­neh­mer al­lein auf­grund die­ses Über­gangs ver­schlech­tert (EuGH 6. Sep­tem­ber 2011 - C-108/10 - [Scat­to­lon] Rn. 75, AP Richt­li­nie 2001/23/EG Nr. 9 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2001/23 Nr. 7; 15. Sep­tem­ber 2010 - C-386/09 - [Bri­ot] Rn. 26, Slg. 2010, I-8471; 26. Mai 2005 - C-478/03 - [Cel­tec] Rn. 26 mwN, Slg. 2005, I-4389). Mit ihr so­wie auch mit der Vorgänger­richt­li­nie 77/187/EWG wird be­zweckt, die zum Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Rech­te und Pflich­ten der Ar­beit­neh­mer zu wah­ren. Aus der Richt­li­nie er­gibt sich aber nicht, dass der Ge­mein­schafts­ge­setz­ge­ber den Er­wer­ber durch an­de­re Kol­lek­tiv­verträge als die zum Zeit­punkt des Über­gangs gel­ten­den bin­den und dem­nach ver­pflich­ten woll­te, die Ar­beits­be­din­gun­gen später durch die An­wen­dung ei­nes neu­en, nach dem Über­gang ge­schlos­se­nen
 


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Kol­lek­tiv­ver­tra­ges zu ändern. Das ent­spricht auch dem Ziel der Richt­li­nie, die nur be­zweckt, die am Tag des Über­gangs be­ste­hen­den, al­so dem Grun­de nach mit Wir­kung für die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en bin­dend fest­ge­leg­ten, Rech­te und Pflich­ten der Ar­beit­neh­mer zu wah­ren. Da­ge­gen will die Richt­li­nie nicht bloße Er­war­tun­gen und so­mit hy­po­the­ti­sche Vergüns­ti­gun­gen schützen, die sich aus zukünf­ti­gen Ent­wick­lun­gen von Kol­lek­tiv­verträgen er­ge­ben können (EuGH 9. März 2006 - C-499/04 - [Wer­hof] Rn. 29, Slg. 2006, I-2397).


Da­mit übe­rein­stim­mend geht der Se­nat da­von aus, dass Kol­lek­tiv­nor­men sta­tisch fort­gel­ten, je­doch ei­ne in der Norm selbst an­ge­leg­te Ent­wick­lung auf­recht­er­hal­ten bleibt und dass al­le Rechts­po­si­tio­nen aus Ver­gan­gen­heit, Ge­gen­wart und Zu­kunft, die zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs den In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses be­stim­men, von der Trans­for­ma­ti­on nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB er­fasst sind (st. Rspr., vgl. auch BAG 22. April 2009 - 4 AZR 100/08 - Rn. 82 ff., BA­GE 130, 237; 21. April 2010 - 4 AZR 768/08 - Rn. 50, BA­GE 134, 130). Rech­te und Pflich­ten, die in ei­nem vor dem Be­triebsüber­gang ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­trag ge­re­gelt sind, die erst zu ei­nem Zeit­punkt fällig wer­den, der nach dem Be­triebsüber­gang liegt, sind als Be­stand­teil der zwi­schen den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en un­mit­tel­bar und zwin­gend gel­ten­den Rech­te und Pflich­ten nicht von der Trans­for­ma­ti­on nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB aus­ge­nom­men. So ist ua. ei­ne be­reits fest­ge­leg­te Dy­na­mik, bei der es nur und aus­sch­ließlich auf den Zeit­ab­lauf an­kommt, da­von mit er­fasst (BAG 19. Sep­tem­ber 2007 - 4 AZR 711/06 - Rn. 26 mwN, BA­GE 124, 123). Von die­ser in der ver­ein­bar­ten Norm be­reits fest­ge­leg­ten Dy­na­mik ist ei­ne Dy­na­mik zu un­ter­schei­den, die ei­ner nachträgli­chen Verände­rung der Norm ge­schul­det ist. Letz­te­re wirkt sich nicht auf den In­halt der trans­for­mier­ten Nor­men aus (vgl. BAG 26. Au­gust 2009 - 5 AZR 969/08 - Rn. 22, BA­GE 132, 36; 22. April 2009 - 4 AZR 100/08 - Rn. 83 mwN, aaO; 29. Au­gust 2001 - 4 AZR 332/00 - zu I 3 b bb der Gründe, BA­GE 99, 10).


(b) Auch nach die­sen Vor­ga­ben sind die Nor­men des TV Zu­satz­zah­lung hier nicht in das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en trans­for­miert wor­den. An­ders als bei in Kraft be­find­li­chen Stu­fen­ta­rif­verträgen, bei de­nen die Rechts­la­ge „le­dig-
 


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lich vom Zeit­ab­lauf“ abhängt und wo die „- auf­schie­bend be­ding­te - Re­ge­lung selbst be­reits Ge­gen­stand der un­mit­tel­bar und zwin­gen­den Wir­kung des gel­ten­den Ta­rif­ver­tra­ges“ ist (BAG 19. Ok­to­ber 2011 - 4 ABR 116/09 - Rn. 29), ist vor­lie­gend der Ein­tritt der zwin­gen­den und un­mit­tel­ba­ren Wir­kung nach § 4 Abs. 1 Satz 1 TVG aus­drück­lich erst für ei­nen späte­ren Zeit­punkt vor­ge­se­hen. Ein trans­for­mier­ba­rer Ta­rif­stand bzw. Nor­men­stand war bezüglich des TV Zu­satz­zah­lung zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs nicht ge­ge­ben.


c) An­de­res er­gibt sich nicht aus dem Vor­trag der Kläge­rin un­ter dem Ge­sichts­punkt von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung, wo­nach oh­ne die Ver­ein­ba­rung der Aus­gleichs­zah­lun­gen nach dem TV Zu­satz­zah­lung der Ver­zicht nach dem TV Sa­nie­rung nicht ver­ein­bart wor­den wäre und in­so­fern ein syn­al­lag­ma­ti­sches Verhält­nis be­ste­he. Es mag zwar zu­tref­fend sein, dass die Ver­ein­ba­rung der Aus­gleichs­zah­lun­gen nach dem TV Zu­satz­zah­lung eng mit dem Ver­zicht nach dem TV Sa­nie­rung zu­sam­menhängt und dass das ei­ne nicht oh­ne das an­de­re ver­ein­bart wor­den wäre. Dies ändert je­doch nichts dar­an, dass das her­aus­ge­scho­be­ne In­kraft­tre­ten tatsächlich un­zwei­deu­tig ver­ein­bart wur­de und dies in ei­nem vom Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag ge­son­der­ten Ta­rif­ver­trag ge­sche­hen ist. Bei­de ta­rif­au­to­no­men Fest­le­gun­gen sind maßge­bend und können nicht durch ge­richt­li­che Ent­schei­dung nachträglich kor­ri­giert wer­den.

3. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist der Kla­ge auch nicht im Hin­blick auf das Maßre­ge­lungs­ver­bot (§ 612a BGB) iVm. dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz statt­zu­ge­ben. Da­bei kann es da­hin­ste­hen, ob der Kläge­rin un­ter die­sem recht­li­chen Ge­sichts­punkt dem Grun­de nach Ansprüche ge­gen die Be­klag­te zu­ste­hen. Je­den­falls hat ei­ne recht­li­che Her­lei­tung kei­nen Er­folg, wenn - wie hier - die Aus­zah­lung ei­nes Geld­be­tra­ges ver­langt wird, während die der begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mer­grup­pe gewähr­ten Leis­tun­gen nach der „Ver­ein­ba­rung über ei­ne Ab­schluss­prämie und ei­ne wei­te­re Leis­tung und An­rech­nungs­vor­be­halt“ aus Gut­schei­nen und Gut­schrei­bun­gen auf Kun­den­kon­ten so­wie im Rah­men der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung be­stan­den. Wenn un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­nes even­tu­el­len Ver­s­toßes ge­gen das Maßre­ge­lungs­ver­bot Gleich­be­hand­lung nach dem ar­beits­recht­li­chen
 


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Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­langt wird, kann ein An­spruch nur auf das­je­ni­ge be­ste­hen, was der begüns­tig­ten und/oder nicht ge­maßre­gel­ten Ar­beit­neh­mer­grup­pe gewährt wor­den ist. Da es sich in­so­weit um un­ter­schied­li­che Streit­ge­genstände han­delt, kann das in der Ver­ein­ba­rung in Aus­sicht Ge­stell­te auch nicht als ein „We­ni­ger“ ge­genüber dem Kla­ge­an­trag zu­er­kannt wer­den.


II. Ein Zah­lungs­an­spruch folgt auch nicht aus der Be­zug­nah­me auf die „Vor­schrif­ten der je­weils gülti­gen Ta­rif­verträge“ im Ar­beits­ver­trag der Kläge­rin. Der Se­nat ist, ob­wohl das Lan­des­ar­beits­ge­richt sich mit ei­nem sol­chen An­spruch nicht be­fasst hat, nicht ge­hin­dert, nach § 563 Abs. 3 ZPO selbst zu ent­schei­den und auch un­ter die­sem recht­li­chen Ge­sichts­punkt die Kla­ge ab­zu­wei­sen.


1. Bei dem Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en han­delt es sich um ei­nen For­mu­lar­ver­trag, des­sen Be­stim­mun­gen nach den Re­ge­lun­gen über All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen aus­zu­le­gen sind (näher BAG 19. Mai 2010 - 4 AZR 796/08 - Rn. 15, BA­GE 134, 283; 16. De­zem­ber 2009 - 5 AZR 888/08 - Rn. 12, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 73 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 44). Die­se Grundsätze gel­ten auch für ar­beits­ver­trag­li­che Ver­wei­sungs­klau­seln.


2. Aus der Be­zug­nah­me­klau­sel un­ter Punkt 8 des Ar­beits­ver­tra­ges folgt der Zah­lungs­an­spruch der Kläge­rin nicht. Auch wenn zu­guns­ten der Kläge­rin an­ge­nom­men wird, dass die Klau­sel nicht als sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­de wirkt, son­dern un­verändert die dort ge­nann­ten Ta­rif­verträge in ih­rer je­wei­li­gen Fas­sung ein­be­zieht, führt dies nicht zum Kla­ge­er­folg.

a) Es kann da­hin­ste­hen, ob die Be­zug­nah­me­klau­sel un­ter Punkt 8 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 3. Fe­bru­ar 2001 als sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­de iSd. frühe­ren Se­nats­recht­spre­chung aus­zu­le­gen ist, die nach Be­triebsüber­gang am 1. Ja­nu­ar 2006 auf ei­nen ta­ri­fun­ge­bun­de­nen Er­wer­ber nur noch sta­tisch wirkt und des­halb kei­ne Rechts­grund­la­ge für die For­de­rung der Kläge­rin aus ei­nem am 1. Ja­nu­ar 2008 in Kraft ge­tre­te­nen Ta­rif­ver­trag dar­stellt.
 


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aa) Zwar kann es sich hier nach dem Da­tum des Ver­trags­ab­schlus­ses im Jah­re 2001 um ei­nen „Alt­ver­trag” nach der frühe­ren Se­nats­recht­spre­chung zur sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­de han­deln, die aus Gründen des Ver­trau­ens­schut­zes nach wie vor auf Ar­beits­verträge an­ge­wandt wird, die vor dem In­kraft­tre­ten der Schuld­rechts­re­form zum 1. Ja­nu­ar 2002 ab­ge­schlos­sen wor­den sind (statt vie­ler BAG 15. Ju­ni 2011 - 4 AZR 563/09 - Rn. 29 mwN, EzTöD 100 TVöD-AT § 2 Be­zug­nah­me­klau­sel Nr. 35). Je­doch war stets und ist Vor­aus­set­zung für die Aus­le­gung ei­ner dy­na­mi­schen Ver­wei­sung auf ei­nen Ta­rif­ver­trag als sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­de, dass der in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­ver­trag bei Ver­trags­schluss ein­schlägig war (ausf. BAG 21. Ok­to­ber 2009 - 4 AZR 396/08 - Rn. 22 f., AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 72; wei­ter­hin 27. No­vem­ber 2002 - 4 AZR 661/01 - zu II 2 b bb (1) der Gründe, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 28; 26. Sep­tem­ber 2001 - 4 AZR 544/00 - zu II 1 c aa der Gründe, BA­GE 99, 120; 4. Sep­tem­ber 1996 - 4 AZR 135/95 - zu II a bb der Gründe, BA­GE 84, 97). Kon­se­quenz die­ser Vor­aus­set­zung ist, dass bei ei­ner Ver­wei­sung auf ei­nen „fach­frem­den“ oder „orts­frem­den“ Ta­rif­ver­trag die An­nah­me ei­ner Gleich­stel­lungs­ab­re­de oh­ne be­son­de­re An­halts­punk­te grundsätz­lich aus­schei­det (BAG 21. Ok­to­ber 2009 - 4 AZR 396/08 - Rn. 23, aaO; 25. Ok­to­ber 2000 - 4 AZR 506/99 - zu II 3 b cc der Gründe, BA­GE 96, 177). Da­mit zu­sam­men hängt die Fest­le­gung der frühe­ren Recht­spre­chung, wo­nach ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de nur in Be­tracht kam, wenn der Ar­beit­ge­ber bei Ver­ein­ba­rung der Be­zug­nah­me an den in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­trag gemäß § 3 Abs. 1 TVG ta­rif­ge­bun­den war.

bb) Nach den Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stan­zen steht nicht fest, ob die ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen bei Ver­trags­ab­schluss im Jah­re 2001 erfüllt sind. Es ist of­fen­ge­blie­ben, ob und ggf. wie die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses ta­rif­ge­bun­den war. Sie wand­te zwar die Ta­rif­verträge des Ein­zel­han­dels in Sach­sen-An­halt an, es fehlt je­doch - nach der Rechts­auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts fol­ge­rich­tig - an ei­ner Fest­stel­lung, ob dies durch Ver­bands­mit­glied­schaft vor­ge­ge­ben war.



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b) Je­den­falls er­fasst ei­ne dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf „die Vor­schrif­ten der je­weils gülti­gen Ta­rif­verträge“ nicht Haus­ta­rif­verträge ei­nes an­de­ren Un­ter­neh­mens.

aa) Zu­guns­ten der Kläge­rin kann an­ge­nom­men wer­den, dass die Be­zug­nah­me­klau­sel un­ter Punkt 8 des Ar­beits­ver­tra­ges un­verändert dy­na­misch aus­zu­le­gen ist.


bb) Auch bei An­nah­me un­ge­bro­che­ner dy­na­mi­scher Wir­kung der Klau­sel ist nach Be­triebsüber­gang der zu­vor noch nicht in Kraft ge­tre­te­ne TV Zu­satz­zah­lung nicht von der Be­zug­nah­me­klau­sel er­fasst.

(1) Die Be­zug­nah­me­klau­sel un­ter Punkt 8 des Ar­beits­ver­tra­ges auf die „Vor­schrif­ten der je­weils gülti­gen Ta­rif­verträge“ ist vom Wort­laut her nicht fest­ge­legt auf ein be­stimm­tes Be­zug­nah­me­ob­jekt. Es wird we­der auf ei­nen kon­kret be­zeich­ne­ten Ta­rif­ver­trag ver­wie­sen, noch ist ei­ne Be­stim­mung nach Bran­che, Fläche oder Re­gi­on dar­in be­nannt. Auch an­de­re Klau­seln im Ar­beits­ver­trag mit Be­zug­nah­men auf Ta­rif­verträge ge­ben kei­nen nähe­ren Auf­schluss. So wird un­ter Punkt 10 des Ar­beits­ver­tra­ges bezüglich des Ur­laubs­an­spruchs auf ei­nen „zu­tref­fen­den“ Ta­rif­ver­trag ver­wie­sen, was eben­falls of­fen for­mu­liert ist.


(2) Un­abhängig da­von, ob ei­ne sol­che un­spe­zi­fi­sche Be­zug­nah­me­klau­sel als wirk­sa­me sog. Ta­rif­wech­sel­klau­sel oder große dy­na­mi­sche Ver­wei­sungs­klau­sel aus­ge­legt wer­den kann oder so­gar als un­wirk­sam an­zu­se­hen ist, weil sie nicht klar und verständ­lich ist und da­mit nicht den Vor­ga­ben von § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB ent­spricht, ist je­den­falls aus­ge­schlos­sen, dass da­von ein Haus­ta­rif­ver­trag ei­nes an­de­ren Un­ter­neh­mens - wie hier der TV Zu­satz­zah­lung als vor Be­triebsüber­gang noch nicht in Kraft ge­tre­te­ner Haus­ta­rif­ver­trag des Veräußerers - er­fasst ist. Dafür ist kei­ner­lei An­halts­punkt im Wort­laut vor­han­den. Wenn über­haupt von der Ver­wei­sungs­klau­sel auch je­wei­li­ge Haus­ta­rif­verträge er­fasst sein soll­ten, dann je­den­falls nur die­je­ni­gen, die für den je­wei­li­gen Ar­beit­ge­ber bei In­kraft­tre­ten des be­tref­fen­den Ta­rif­ver­tra­ges „gültig“ sind.



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(3) Nach al­lem kommt es auf die im Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren - C-426/11 - (Alemo-Her­ron ua.) in der Fol­ge der Wer­hof-Ent­schei­dung (EuGH 9. März 2006 - C-499/04 - [Wer­hof] Rn. 29, Slg. 2006, I-2397) dem EuGH ge­stell­ten Fra­gen nach der Ver­ein­bar­keit der An­nah­me des Über­gangs dy­na­mi­scher ta­rif­ver­trag­li­cher Re­ge­lun­gen, die pe­ri­odi­scher Ver­hand­lung un­ter­lie­gen, mit der Richt­li­nie 2001/23/EG nicht an.


III. Die Kläge­rin hat als un­ter­lie­gen­de Par­tei die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen, § 91 Abs. 1 ZPO.


Be­p­ler 

Tre­ber 

Win­ter

Plautz 

Weßel­kock

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