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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Betriebsübergang, Betriebsübergang: Widerspruch
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 6 Sa 1580/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 22.10.2010
   
Leit­sätze:

1. Ein für den Ar­beit­neh­mer zu Pro­to­koll erklärter Wi­der­spruch ge­gen den Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf ei­nen Be­triebs­er­wer­ber ist je­den­falls dann gemäß §§ 125 Satz 1, 613a Abs. 6 Satz 1 BGB nich­tig, wenn er nicht vor­ge­le­sen und ge­neh­migt wor­den ist.

2. In der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung des Ar­beit­neh­mers, der für die Zeit nach ei­nem Be­triebsüber­gang ge­gen den Veräußerer ei­ne Vergütungs­for­de­rung ver­folgt, ist ei­ne kon­klu­den­te Bestäti­gung sei­nes Wi­der­spruchs i.S.d. § 141 Abs. 1 BGB zu se­hen, die im Fal­le der Be­glau­bi­gung die­ses Schrift­sat­zes durch sei­nen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten die er­for­der­li­che Schrift­form wahrt und für die auch der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Ar­beit­ge­bers ent­spre­chend § 81 ZPO Emp­fangs­voll­macht be­sitzt.

3. Ei­ne Kündi­gung, die vom Be­triebs­veräußerer nach dem Be­triebsüber­gang vor­sorg­lich aus­ge­spro­chen wor­den ist, ent­fal­tet ab Zu­gang ih­re Wir­kung, so­bald der Ar­beit­neh­mer sein Wi­der­spruchs­recht gemäß § 613a Abs. 6 BGG aus­geübt hat, weil da­durch das Ar­beits­verhält­nis durchgängig zum Veräußerer be­stan­den hat.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 06.05.2010, 2 Ca 17160/09
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

 

Verkündet

am 22.10.2010

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)

6 Sa 1580/10

2 Ca 17160/09
Ar­beits­ge­richt Ber­lin

S., RHS
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

 

Im Na­men des Vol­kes

 

Ur­teil

In dem Rechts­streit

pp 

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Kam­mer 6,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 22. Ok­to­ber 2010
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt C. als Vor­sit­zen­den
so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin A. und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter M.

für Recht er­kannt:

1. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 06.05.2010 – 2 Ca 17160/09 – im Kos­ten­aus­spruch und in­so­weit geändert, wie fest­ge­stellt wor­den ist, dass das Ar­beits­verhält­nis des Klägers mit der Be­klag­ten durch de­ren Kündi­gung vom 18.11.2009 nicht auf­gelöst wor­den sei, und die Kla­ge in­so­weit ab­ge­wie­sen.
2. Die wei­ter­ge­hen­de Be­ru­fung wird zurück­ge­wie­sen.
3. Die Kos­ten des Rechts­streits ers­ter In­stanz ha­ben bei ei­nem Streit­wert von 3.605,36 € der Kläger zu 25 % und die Be­klag­te zu 75 % zu tra­gen, während die Kos­ten der Be­ru­fungs­in­stanz bei ei­nem Streit­wert von 1.589,36 € dem Kläger zu 56,71 % und der Be­klag­ten zu 43,29 % auf­er­legt wer­den.
4. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen. 

 

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T a t b e s t a n d

Der Kläger ist Stu­dent. Er trat Mit­te Ja­nu­ar 2009 als Verkäufer in die Diens­te der Be­klag­ten und wur­de in ei­ner Fi­lia­le in den Räum­lich­kei­ten ei­nes Kauf­hau­ses in Ber­lin beschäftigt.

Im An­schluss an ei­ne münd­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 30. März 2009 wur­de durch in­zwi­schen rechts­kräfti­ges Versäum­nis­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 21. Ju­li 2009 – 35 Ca 11919/09 – fest­ge­stellt, dass der Kläger in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis zur Be­klag­ten mit ei­ner Beschäfti­gung von 13 St­un­den pro Wo­che und ei­ner St­un­den­vergütung von 8,00 € ste­he.

Ab dem 1. No­vem­ber 2009 über­nahm ein an­de­res Un­ter­neh­men die Fi­lia­le der Be­klag­ten auf Fran­chise­ba­sis. Die­se kündig­te das Ar­beits­verhält­nis des Klägers im Rah­men des vor­lie­gen­den Rechts­streits in ei­nem Schrift­satz vom 9. No­vem­ber 2009 zum 16. April 2009 und er­neut mit Schrei­ben vom 18. No­vem­ber 2009 zum 31. De­zem­ber 2009. Im erst­in­stanz­li­chen Ver­hand­lungs­ter­min vom 6. Mai 2010 erklärte der Kläger­ver­tre­ter zu Pro­to­koll, ei­nem Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses auf den Fran­chise­neh­mer der Be­klag­ten zu wi­der­spre­chen.

Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin hat fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die bei­den Kündi­gun­gen der Be­klag­ten nicht auf­gelöst wor­den sei. Zu­gleich hat es ein Versäum­nis­ur­teil vom 3. No­vem­ber 2009 mit ei­ner Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten zur Zah­lung von 1.352,01 € brut­to auf­recht­er­hal­ten und die Be­klag­te ver­ur­teilt, an den Kläger ei­nen wei­te­ren Be­trag in die­ser Höhe zu zah­len, und zwar je­weils nebst Ver­zugs­zin­sen auf mo­nat­li­che Teil­beträge von 450,67 € ab dem 1. der ein­zel­nen Fol­ge­mo­na­te. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, man­gels Un­ter­rich­tung über ei­nen Be­triebsüber­gang ha­be der Kläger dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses noch am 6. Mai 2010 wi­der­spre­chen können. Sein des­halb zur Be­klag­ten fort­be­ste­hen­des Ar­beits­verhält­nis sei durch de­ren Kündi­gung vom 18. No­vem­ber 2009 nicht auf­gelöst wor­den, weil die­se we­gen des Be­triebsüber­gangs aus­ge­spro­chen wor­den sei. Die Schrift­satzkündi­gung vom 9. No­vem­ber 2009 sei be­reits am Schrift­for­mer­for­der­nis ge­schei­tert, weil dem Kläger­ver­tre­ter le­dig­lich ei­ne Ko­pie die­ses Schrift­sat­zes über­sandt wor­den sei. Auf­grund An­nah­me­ver­zugs schul­de die Be­klag­te dem Kläger Vergütung für Ju­li bis De­zem­ber 2009. Ein An­ge­bot der Ar­beits­leis­tung sei mit Rück­sicht auf die un­wirk­sa­me Kündi­gung vom 30. März 2009 ent­behr­lich ge­we­sen.

Ge­gen die­ses ihr am 28. Ju­ni 2010 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich die am 31. Ju­li 2010 ein­ge­leg­te und am 30. Au­gust 2010, ei­nem Mon­tag, be­gründe­te Be­ru­fung der Be­klag­ten. Sie meint, so­fern nicht der Wi­der­spruch des Klägers oh­ne­hin for­mun­wirk­sam sei, ha­be sie

 

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des­sen Ar­beits­verhält­nis mit ih­rem Schrei­ben vom 18. No­vem­ber 2009 des­halb kündi­gen können, weil sie we­gen des Be­triebsüber­gangs selbst kei­ne Beschäfti­gungsmöglich­keit mehr für den Kläger ge­habt ha­be. Man­gels ei­ner ent­spre­chen­den Ver­ein­ba­rung sei al­len­falls ei­ne Ar­beits­zeit von zehn St­un­den pro Wo­che zu­grun­de zu le­gen, wor­aus sich ein Vergütungs­an­spruch von mo­nat­lich le­dig­lich 336,00 € brut­to er­ge­ben hätte.

Die Be­klag­te be­an­tragt nach Be­rich­ti­gung der An­ga­be des ArbG Aa­chen als erst­in­stanz­li­chen Ge­richts in der Be­ru­fungs­be­gründung,

un­ter Ände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 6. Mai 2010
– 2 Ca 17160/09 – die Kla­ge in­so­weit ab­zu­wei­sen, wie fest­ge­stellt wor­den sei,

a) dass sie ver­ur­teilt wer­de, ei­nen mo­nat­li­chen Be­trag über 336,00 € brut­to hin­aus zu zah­len und

b) dass das Ar­beits­verhält­nis des Klägers zu ihr durch ih­re Kündi­gung vom 18. No­vem­ber 2009 nicht be­en­det wor­den sei.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Er ist der An­sicht, die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 18. No­vem­ber 2009 ha­be durch sei­nen Wi­der­spruch nicht mehr wirk­sam wer­den können, weil die­se da­mit als emp­fangs­bedürf­ti­ge Wil­lens­erklärung in die Dis­po­si­ti­on des Empfängers ge­stellt ge­we­sen wäre.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Par­tei­vor­brin­gens wird auf den Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils und die in der Be­ru­fungs­in­stanz ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

1. Die Be­ru­fung ist zulässig.

1.1 Sie ist gemäß § 66 Abs. 1 Satz 1 ArbGG, § 222 Abs. 2 ZPO frist­gemäß be­gründet wor­den.

1.2 Dass der An­trag in der Be­ru­fungs­be­gründung ge­gen ein Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Aa­chen ge­rich­tet ge­we­sen ist, war unschädlich, weil es sich da­bei im Hin­blick auf die An­ga­be des zweit­in­stanz­li­chen Ak­ten­zei­chens und die im Übri­gen zu­tref­fen­den Da­ten des an­ge­foch­te­nen Ur­teils um ei­ne unschädli­che Falsch­be­zeich­nung han­del­te.

2. Die Be­ru­fung ist teil­wei­se be­gründet.

2.1 Das Ar­beits­verhält­nis des Klägers ist durch die or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 18. No­vem­ber 2009 zum En­de die­ses Jah­res auf­gelöst wor­den.

 

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2.1.1 Trotz des un­strei­tig mit Wir­kung zum 1. No­vem­ber 2009 er­folg­ten Be­triebs-teilüber­gangs auf ei­nen Fran­chise­neh­mer der Be­klag­ten war von ei­nem Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses des Klägers zu ihr aus­zu­ge­hen.

2.1.1.1 Al­ler­dings ist der zunächst § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB ein­ge­tre­te­ne Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses auf den Fran­chise­neh­mer noch nicht durch den vom Kläger­ver­tre­ter im erst­in­stanz­li­chen Ver­hand­lungs­ter­min vom 6. Mai 2010 zu Pro­to­koll erklärten Wi­der­spruch gemäß § 613a Abs. 6 BGB be­sei­tigt wor­den. Die­ser Wi­der­spruch war man­gels der er­for­der­li­chen Schrift­form gemäß § 125 Satz 1 BGB nich­tig. Dar­an änder­te nichts, dass er zu Pro­to­koll erklärt wor­den ist. So­weit die schrift­li­che Form gemäß § 126 Abs. 4 BGB durch no­ta­ri­el­le Be­ur­kun­dung und die­se gemäß § 127a BGB bei ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich durch die Auf­nah­me der Erklärun­gen in ein nach den Vor­schrif­ten der ZPO er­rich­te­tes Pro­to­koll er­setzt wird, ließ sich dies auf den vor­lie­gen­den Fall ei­nes ein­sei­ti­gen Rechts­geschäfts schon des­halb nicht über­tra­gen (da­hin­ge­stellt BGH, Ur­teil vom 06.05.1959 – V ZR 97/58 – DB 1959, 790), weil die gemäß §§ 160 Abs. 3 Nr. 1, 162 Abs. 1 Satz 1 und 3 ZPO er­for­der­li­che Ver­le­sung und Ge­neh­mi­gung nicht im Pro­to­koll ver­merkt wor­den ist.

2.1.1.2 Der Wi­der­spruch des Klägers ist in der er­for­der­li­chen Form bestätigt wor­den, was gemäß § 141 Abs. 1 BGB als er­neu­te Vor­nah­me an­zu­se­hen war.

2.1.1.2.1 Ei­ne Bestäti­gung stellt ei­ne emp­fangs­bedürf­ti­ge Wil­lens­erklärung dar, die auch durch schlüssi­ges Ver­hal­ten zum Aus­druck ge­bracht wer­den kann. Dem steht auch das Schrift­for­mer­for­der­nis des § 613a Abs. 6 Satz 1 BGB nicht ent­ge­gen (vgl. BAG, Ur­teil vom 13.07.2006 – 8 AZR 382/05 – AP BGB § 613a Wi­der­spruch Nr. 1 zu II 1 b aa (3) der Gründe). Vor­lie­gend ist aus der Sicht der Be­klag­ten mit den Ausführun­gen des Kläger­ver­tre­ters in der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung in Ver­bin­dung mit dem zu­vor schon schriftsätz­lich an­gekündig­ten Zurück­wei­sungs­an­trag hin­rei­chend deut­lich zum Aus­druck ge­bracht wor­den, an dem von ihr in Fra­ge ge­stell­ten Wi­der­spruch fest­hal­ten zu wol­len (§ 133 BGB).

2.1.1.2.2 Die­se Bestäti­gung erfüll­te auch das Schrift­for­mer­for­der­nis für ei­nen Wi­der­spruch gemäß § 613a Abs. 6 Satz 1 BGB. Durch den Be­glau­bi­gungs­ver­merk un­ter der Ab­schrift der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung hat der Kläger­ver­tre­ter zu­gleich die Ver­ant­wor­tung für den In­halt die­ses Schrift­sat­zes über­nom­men (vgl. BAG, Ur­teil vom 13.07.2006 – 8 AZR 382/05 – AP BGB § 613a Wi­der­spruch Nr. 1 zu II 1 b bb der Gründe).

2.1.1.2.3 Die Bestäti­gung des Wi­der­spruchs war von der Pro­zess­voll­macht des Kläger­ver­tre­ters ge­deckt. Zwar ermäch­tigt ei­ne Pro­zess­voll­macht gemäß § 81 ZPO grundsätz­lich nur zu al­len den Rechts­streit be­tref­fen­den Pro­zess­hand­lun­gen. Sie er­streckt

 

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sich je­doch auch auf ma­te­ri­ell-recht­li­che Erklärun­gen, die in ei­nem in­ne­ren Zu­sam­men­hang mit dem Ge­gen­stand des Rechts­streits ste­hen (BGH, Ur­teil vom 20.03.1992 – V ZR 7/91 – NJW 1992, 1963 zu II 3 der Gründe). Ein sol­cher Zu­sam­men­hang be­steht, wenn wie vor­lie­gend zur Durch­set­zung ei­ner rechtshängi­gen Zah­lungs­for­de­rung der Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses zum Be­triebs­veräußerer An­spruchs­vor­aus­set­zung ist.

2.1.1.2.4 Die Be­klag­ten­ver­tre­ter verfügten auch über die er­for­der­li­che Emp­fangs­voll­macht. Ih­re Pro­zess­voll­macht er­streck­te sich in glei­cher Wei­se wie die Pro­zess­voll­macht der Kläger­ver­tre­ter auch auf ei­nen Wi­der­spruch ge­gen den Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses des Klägers als ei­ner Vor­aus­set­zung für den ge­gen die Be­klag­te er­ho­be­nen Zah­lungs­an­spruch für No­vem­ber und De­zem­ber 2009.

2.1.1.2.5 Sch­ließlich war auch die Mo­nats­frist des § 613a Abs. 6 Satz 1 BGB für die Erklärung ei­nes Wi­der­spruchs man­gels ei­ner den An­for­de­run­gen des § 613a Abs. 5 BGB ent­spre­chen­den Un­ter­rich­tung des Klägers über den Be­triebs­teilüber­gang und des­sen Fol­gen noch nicht ab­ge­lau­fen (da­zu BAG, Ur­teil vom 24.05.2005 – 8 AZR 398/04 – BA­GE 114, 374 = AP BGB § 613a Nr. 284 zu II 2 c der Gründe). Ei­ne Ver­wir­kung des Wi­der­spruchs­rechts gemäß § 242 BGB (da­zu BAG, Ur­teil vom 15.02.2007 – 8 AZR 431/06 – BA­GE 121, 289 = AP BGB § 613a Nr. 320 zu II 3 b (2) der Gründe) konn­te mit Rück­sicht auf den be­reits am 6. Mai 2010 zu Pro­to­koll erklärten Wi­der­spruch eben­falls nicht ein­ge­tre­ten sei.

2.1.1.3 Durch die Bestäti­gung des Wi­der­spruchs ist der zunächst gemäß § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB ein­ge­tre­te­ne Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses auf den Fran­chise­neh­mer der Be­klag­ten rück­wir­kend weg­ge­fal­len. Die­se in § 613a Abs. 6 BGB nicht aus­drück­lich an­ge­ord­ne­te Rück­wir­kung er­gibt sich aus der durch Art. 12 Abs. 1 Satz 1 GG geschütz­ten Ar­beits­platz­frei­heit des Ar­beit­neh­mers (BAG, Ur­teil vom 13.07.2006 – 8 AZR 305/05 – BA­GE 119, 91 = AP BGB § 613a Nr. 312 zu II 2 b der Gründe).

2.1.2 Das so­nach über den 31. Ok­to­ber 2009 hin­aus zur Be­klag­ten fort­be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis des Klägers ist durch de­ren Kündi­gung vom 18. No­vem­ber 2009 mit der Frist des § 622 Abs. 1 BGB zum En­de des Jah­res auf­gelöst wor­den.

2.1.2.1 Die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 18. No­vem­ber 2009 war nicht als Verfügung ei­nes Nicht­be­rech­tig­ten i.S.d. § 185 Abs. 1 BGB an­zu­se­hen. In­dem der Kläger dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit rück­wir­ken­der Kraft wi­der­spro­chen hat, be­fand sich die Be­klag­te durchgängig in der Stel­lung sei­nes Ar­beit­ge­bers. Dass da­mit die Wirk­sam­keit der Kündi­gung als ei­ner ge­stal­te­ten Wil­lens­erklärung zur Dis­po­si­ti­on des Klägers als de­ren Empfänger ge­stellt war, stand nicht ent­ge­gen. Viel­mehr ist der da­mit

 

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ver­bun­de­ne Schwe­be­zu­stand in der ge­setz­li­chen Re­ge­lung ei­nes rück­wir­ken­den Wi­der­spruchs­rechts an­ge­legt (LAG Köln, Ur­teil vom 02.08.2010 – 2 Sa 176/10 – ju­ris R 36). Zu­dem ist auch mit der Einräum­ung ei­nes Rechts zur un­verzügli­chen Zurück­wei­sung ei­nes ein­sei­ti­gen Rechts­geschäfts oh­ne Voll­machts­vor­la­ge gemäß § 174 Satz 1 BGB und der Möglich­keit, bei un­be­an­stan­de­ter Vor­nah­me ei­nes ein­sei­ti­gen Rechts­geschäfts oh­ne Ver­tre­tungs­macht den Ver­tre­te­nen gemäß §§ 177 Abs. 2, 180 Satz 2 BGB zur Ge­neh­mi­gung auf­zu­for­dern, die Wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers zur Dis­po­si­ti­on des Ar­beit­neh­mers ge­stellt.

2.1.2.2 Die Kündi­gung war nicht gemäß § 613a Abs. 4 Satz 1 BGB un­wirk­sam, weil sie von der Be­klag­ten nicht we­gen des Be­triebs­teilüber­gangs aus­ge­spro­chen wor­den ist. Viel­mehr hat die Be­klag­te gekündigt, weil sie selbst mit Rück­sicht auf die­sen Über­gang kei­ne Beschäfti­gungsmöglich­keit mehr für den Kläger hat­te. Dar­in ist ei­ne Kündi­gung aus ei­nem an­de­ren Grund i.S.d. § 613a Abs. 4 Satz 2 BGB zu se­hen (vgl. BAG, Ur­teil vom 31.05.2007 – 2 AZR 276/06 – BA­GE 123, 1 = AP KSchG 1969 § 1 So­zi­al­aus­wahl Nr. 94 zu B I der Gründe).

2.1.2.3 Ab­ge­se­hen da­von, dass die Kündi­gung man­gels Möglich­keit ei­ner Wei­ter-beschäfti­gung des Klägers im Un­ter­neh­men der Be­klag­ten oh­ne­hin gemäß § 1 Abs. 2 Satz 1 Alt. 3 KSchG aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründen so­zi­al ge­recht­fer­tigt ge­we­sen wäre, hat der dafür be­weisführungs­be­las­te­te Kläger (da­zu BAG, Ur­teil vom 26.06.2008 – 2 AZR 264/07 – AP KSchG 1969 § 23 Nr. 42 R 20 ff.) nach sub­stan­ti­ier­ter Ein­las­sung der Be­klag­ten, auch in an­de­ren Städten kei­ne Fi­lia­le mehr be­trie­ben zu ha­ben, sei­ne Be­haup­tung von ins­ge­samt mehr als zehn Beschäftig­ten nicht un­ter Be­weis ge­stellt.

2.2 Der Kläger hat gemäß § 615 Satz 1 BGB für die Zeit von Ju­li bis De­zem­ber 2009 An­spruch auf die ver­ein­bar­te Vergütung von mo­nat­lich (13 x 8 x 13 : 3 =) 450,67 € brut­to.

2.2.1 Auf­grund ih­rer un­wirk­sa­men Kündi­gung vom 30. März 2009 be­fand sich die Be­klag­te gemäß § 296 BGB in An­nah­me­ver­zug, oh­ne dass es noch ei­nes An­ge­bots des Klägers be­durft hätte. Die­ser An­nah­me­ver­zug ist durch den zunächst be­wirk­ten, durch den Wi­der­spruch des Klägers aber wie­der in Weg­fall ge­tre­te­nen Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses auf den Fran­chise­neh­mer nicht be­en­det wor­den (vgl. BAG, Ur­teil vom 24.07.2008 – 8 AZR 1020/06 – ju­ris R 49).

2.2.2 Mit Rück­sicht auf die im rechts­kräfti­gen Versäum­nis­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 21. Ju­li 2009 – 35 Ca 11919/09 – auf ei­ne ent­spre­chen­de Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge des Klägers gemäß § 256 Abs. 2 ZPO ge­trof­fe­ne Fest­stel­lung ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 13 St­un­den und ei­ner St­un­den­vergütung von 8,00 € kam es auf den da­von

 

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ab­wei­chen­den Vor­trag der Be­klag­ten zum Um­fang der tatsächli­chen Beschäfti­gung des Klägers in den Mo­na­ten Ja­nu­ar bis März 2009 nicht an.

2.2.3 An­der­wei­ti­ger Ver­dienst, den sich der Kläger gemäß § 615 Satz 2 BGB hätte an­rech­nen las­sen müssen, hat er nach sei­ner An­ga­be in der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung als Stu­dent nicht er­zielt.

2.3 Ge­gen ih­re Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung von Ver­zugs­zin­sen schon ab dem 1. des je­wei­li­gen Fol­ge­mo­nats gemäß §§ 286 Abs. 2 Nr. 1, 288 Abs. 1 BGB hat sich die Be­klag­te nicht ge­wandt, ob­wohl Fällig­keit gemäß § 614 Satz 2 BGB frühes­tens an die­sem Tag und zum Teil gemäß § 193 BGB so­gar erst noch später ein­ge­tre­ten war (da­zu BAG, Ur­teil vom 15.05.2001 – 1 AZR 672/00 – BA­GE 98, 1 = AP BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 176 zu II der Gründe).

3. Ne­ben­ent­schei­dun­gen

3.1 Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 92 Abs. 1 Satz 1, 97 Abs. 1 ZPO.

3.2 Die Vor­aus­set­zun­gen des § 72 Abs. 2 ArbGG für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on wa­ren nicht erfüllt. Ins­be­son­de­re kam kei­ner ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­ge grundsätz­li­che Be­deu­tung zu, weil ent­we­der auf höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung zurück­ge­grif­fen wer­den konn­te oder wie bei der Fra­ge der Be­rech­ti­gung des Ar­beit­ge­bers zu ei­ner be­reits vor ei­nem Wi­der­spruch des Ar­beit­neh­mers erklärten Kündi­gung kein Klärungs­be­darf be­stand, weil sich die­se Fra­ge ein­deu­tig be­ant­wor­ten ließ. Dem­ent­spre­chend hat auch das LAG Köln in sei­ner un­ter 2.1.2.1 her­an­ge­zo­ge­nen Ent­schei­dung die Re­vi­si­on nicht aus die­sem, son­dern aus ei­nem an­de­ren Grund zu­ge­las­sen.

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g

Ge­gen die­ses Ur­teil ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

 

C.

A.

H. M.
 

 

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Hensche Rechtsanwälte
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