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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Tarifvertrag, Betriebsübergang, Tarifvertrag: Bezugnahme, Gleichstellungsabrede
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 4 AZR 767/06
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 29.08.2007
   
Leit­sätze:

1. Ei­ne klei­ne dy­na­mi­sche Ver­wei­sung kann über ih­ren Wort­laut hin­aus nur dann als große dy­na­mi­sche Ver­wei­sung (Be­zug­nah­me auf den je­weils für den Be­trieb fach­lich/be­trieb­lich gel­ten­den Ta­rif­ver­trag) aus­ge­legt wer­den, wenn sich dies aus be­son­de­ren Umständen er­gibt.

2. Dies gilt auch dann, wenn die Be­zug­nah­me­klau­sel die Gleich­stel­lung nicht ta­rif­ge­bun­de­ner Ar­beit­neh­mer mit den ta­rif­ge­bun­de­nen be­zweckt. Man­gels ge­gen­tei­li­ger An­halts­punk­te be­schränkt sich die Gleich­stel­lung auf das be­nann­te Ta­rif­werk.

3. Die Ablösung von vor ei­nem Be­triebsüber­gang für das Ar­beits­verhält­nis maßge­ben­den Ta­rif­nor­men nach § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB durch beim neu­en In­ha­ber gel­ten­des an­de­res Ta­rif­recht setzt die nor­ma­ti­ve Gel­tung der Ta­rif­re­ge­lun­gen des § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB vor Be­triebsüber­gang vor­aus.

4. Fin­det auf ein Ar­beits­verhält­nis, für das ein Ta­rif­ver­trag kraft All­ge­mein­ver­bind­lich­keit gilt, ein an­de­rer Ta­rif­ver­trag kraft ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me An­wen­dung, han­delt es sich nicht um Ta­rif­kon­kur­renz. Es "kon­kur­riert" viel­mehr ein Ar­beits­ver­trag mit ei­nem Ta­rif­ver­trag. Die­ses Verhält­nis ist nach Maßga­be des Güns­tig­keits­prin­zips des § 4 Abs. 3 TVG zu lösen (im An­schluss an BAG 26. Ja­nu­ar 1994 - 10 AZR 611/92 - BA­GE 75, 298 un­ter Auf­ga­be von Se­nat 23. März 2005 - 4 AZR 203/04 - BA­GE 114, 186).

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Wuppertal, Urteil vom 22.11.2005, 7 Ca 2758/05
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 20.07.2006, 15 (4) Sa 62/06, Urteil
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


4 AZR 767/06
15 (4) Sa 62/06
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Düssel­dorf

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

29. Au­gust 2007

UR­TEIL

Frei­tag, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen


Kläge­rin, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 29. Au­gust 2007 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Be­p­ler, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Bott und Dr. Wol­ter so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Pfeil und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Um­landt für Recht er­kannt:


1. Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 20. Ju­li 2006 - 15 (4) Sa 62/06 - auf­ge­ho­ben.


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2. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Wup­per­tal vom 22. No­vem­ber 2005 - 7 Ca 2758/05 - wird zurück­ge­wie­sen.

3. Die Be­klag­te hat auch die Kos­ten der Be­ru­fung und der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob ein Teil­be­triebsüber­gang mit Bran­chen­wech­sel zu ei­nem Wech­sel des für das über­ge­gan­ge­ne Ar­beits­verhält­nis maßge­ben­den Ta­rif­rechts führt.

Die Kläge­rin trat auf der Grund­la­ge ei­nes schrift­li­chen For­mu­lar­ar­beits­ver­trags vom 18. Sep­tem­ber 1972 am 1. Sep­tem­ber 1972 als „Haus­ge­hil­fin“ in die Diens­te der Stadt R, wel­che Mit­glied des Kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des war. Die­ser Ar­beits-
ver­trag enthält - wie auch die­je­ni­gen von an­de­ren Ar­beit­neh­mern - fol­gen­de Re­ge­lung:

㤠2

Das Ar­beits­verhält­nis rich­tet sich nach den Be­stim­mun­gen des Bun­des­man­tel­ta­rif­ver­tra­ges für Ar­bei­ter ge­meind­li­cher Ver­wal­tun­gen und Be­trie­be (BMT-G II) vom 31.1.1962 und der zusätz­lich ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge, ins­be­son­de­re des Be­zirks­zu­satz­ta­rif­ver­tra­ges (BZT-G/NRW) und der An­la­ge 5 zum BMT-G II, in der je­weils gel­ten­den Fas­sung. Das glei­che gilt für die an de­ren Stel­le tre­ten­den Ta­rif­verträge. Da­ne­ben fin­den die für den Be­reich des Ar­beit­ge­bers je­weils in Kraft be­find­li­chen sons­ti­gen Ta­rif­verträge An­wen­dung. ...“


Nach­dem das Ar­beits­verhält­nis zunächst auf die eben­falls dem Kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ver­band als Mit­glied an­gehören­de S-Kli­ni­kum R GmbH über­ge­gan­gen war, über­nahm die Be­klag­te von die­ser den Be­reich Rei­ni­gung mit Wir­kung ab 1. Ju­li 2004. Über die­sen Teil­be­triebsüber­gang wur­de die der Ge­werk­schaft ver.di seit dem 1. April 2004 als Mit­glied an­gehören­de, zu­letzt als Rei­ni­gungs­kraft beschäftig­te Kläge­rin mit Schrei­ben vom 5. Mai 2004 un­ter­rich­tet. Sie wi­der­sprach nicht dem Über­gang ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses auf die Be­klag­te. Ab die­sem Teil­be­triebsüber­gang ent­lohnt die Be­klag­te die Kläge­rin und die an­de­ren Mit­ar­bei­ter im Rei­ni­gungs­be­reich nach den für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ta­rif­verträgen für die ge­werb­lich Beschäftig­ten im
 


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Gebäuderei­ni­ger­hand­werk. Mit der Kla­ge macht die Kläge­rin die Ent­gelt­dif­fe­ren­zen (Lohn, Ur­laubs­geld, Zu­wen­dung) zwi­schen den sich nach dem BMT-G II er­rech­nen­den Ent­gel­ten und den von der Be­klag­ten für den Zeit­raum Ju­li 2004 bis Mai 2005 ge­zahl­ten gel­tend.

Die Kläge­rin hat, so­weit für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren noch von In­ter­es­se, vor­ge­tra­gen, auf Grund ih­res Ar­beits­ver­trags und des dort un­ter § 2 in Be­zug ge­nom­me­nen BMT-G II blie­ben die Re­ge­lun­gen die­ses Ta­rif­ver­trags auch für die Rechts­be­zie­hung der Par­tei­en und da­mit für die zu zah­len­de Ar­beits­vergütung ver­bind­lich. Ih­re Rechts­po­si­ti­on sei durch die ar­beits­ver­trag­lich ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung des BMT-G II ge­gen ei­nen Ta­rif­wech­sel auf Grund des Güns­tig­keits­prin­zips geschützt. Dar­an ände­re auch der Um­stand nichts, dass sie ab dem 1. April 2004 Mit­glied der Ge­werk­schaft ver.di ge­wor­den sei. Hier­durch wer­de die ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­sel nicht berührt.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 5.662,72 Eu­ro brut­to nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz von 911,97 Eu­ro brut­to ab dem 10. Ok­to­ber 2004, von wei­te­ren 3.521,35 Eu­ro brut­to ab dem 15. März 2005 und von wei­te­ren 1.229,40 Eu­ro brut­to ab Zu­stel­lung der Kla­ge am 22. Ju­ni 2005 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat vor­ge­tra­gen, auf Grund der bei­der­sei­ti­gen Ta­rif­ge­bun­den­heit der Kläge­rin und der S-Kli­ni­kum R GmbH ab 1. April 2004 an den BMT-G II sei­en des­sen ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen bei Be­triebsüber-gang zwar gem. § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB auf sie als Er­wer­be­rin über­ge­gan­gen, würden je­doch gem. § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB durch die Rechts­nor­men der all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­verträge für das Gebäuderei­ni­ger­hand­werk er­setzt. Die ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de ent­hal­ten­de Be­zug­nah­me­klau­sel ände­re nichts an die­sem Er­geb­nis. Sie sei da­hin aus­zu­le­gen, dass sie auch die Gleich­stel­lung für den Fall ei­nes Ta­rif­wech­sels nach § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB zum In­halt ha­be. Ei­ne an­de­re An­sicht wi­derspräche Sinn und Zweck der Gleich­stel­lungs­ab­re­de.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sie ab­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on er­strebt die Kläge­rin die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils. Die Be­klag­te be­an­tragt, die Re­vi­si­on zurück­zu­wei­sen.
 


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Ent­schei­dungs­gründe


Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist be­gründet. Sie führt zur Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils.

I. Die Kläge­rin hat An­spruch auf die mit der Kla­ge ge­for­der­ten, der Höhe nach zwi­schen den Par­tei­en un­strei­ti­gen Ent­gelt­dif­fe­ren­zen für Ju­li 2004 bis Mai 2005 nach Maßga­be der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen des BMT-G II und der - da­zu - zusätz­lich ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge.

1. Die vor­ge­nann­ten Ta­rif­verträge gal­ten zwi­schen der Kläge­rin und der Stadt R kraft Be­zug­nah­me­klau­sel in de­ren Ar­beits­ver­trag vom 18. Sep­tem­ber 1972 als Ver­trags­recht. Die Maßgeb­lich­keit des BMT-G II „und der zusätz­lich ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge“ - nach­fol­gend nur: BMT-G II - be­ruh­te zwi­schen den da­ma­li­gen Ar­beits­ver­trags­par­tei­en al­lein auf die­ser kon­sti­tu­ti­ven ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung. Denn im Ge­gen­satz zur Stadt R war die Kläge­rin sei­ner­zeit nicht ta­rif­ge­bun­den. Darüber be­steht zwi­schen den Par­tei­en kein Streit.

2. Die Par­tei­en stim­men eben­falls dar­in übe­rein, dass es sich bei der Re­ge­lung in § 2 des Ar­beits­ver­trags um ei­ne dy­na­mi­sche Ver­wei­sung auf den BMT-G II han­delt. Sie ver­ste­hen auch übe­rein­stim­mend und zu­tref­fend die­se Ver­wei­sungs­klau­sel als sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­de iSd. „al­ten“ Se­nats­recht­spre­chung, nach wel­cher ei­ne in ei­nem vom ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­ten Ar­beits­ver­trag ent­hal­te­ne Ver­wei­sung auf ei­nen Ta­rif­ver­trag, an den der Ar­beit­ge­ber selbst ge­bun­den ist, re­gelmäßig die Gleich­stel­lung sei­ner nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer mit sei­nen ta­rif-ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mern be­zweckt (zu die­ser Recht­spre­chung vgl. die um­fang-rei­chen Nach­wei­se in 14. De­zem­ber 2005 - 4 AZR 536/04 - BA­GE 116, 326, 329).

3. In­fol­ge des Be­triebsüber­gangs auf die - wie ih­re Rechts­vorgänge­rin - ta­rif­ge­bun­de­ne S-Kli­ni­kum R GmbH trat die­se gem. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB in die ar­beits­ver­trag­lich be­gründe­ten Rech­te und Pflich­ten der Stadt R ein. Man­gels Ta­rif­ge­bun­den­heit der Kläge­rin bis zum 31. März 2004 galt der BMT-G II zunächst wei­ter nicht nor­ma­tiv nach § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG zwi­schen ihr und ih­rer da­ma­li­gen neu­en Ar­beit­ge­be­rin.
 


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4. Durch den Bei­tritt der Kläge­rin zur Ge­werk­schaft ver.di am 1. April 2004 er­lang­te der BMT-G II nor­ma­ti­ve Gel­tung iSv. § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG für das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen der Kläge­rin und der S-Kli­ni­kum R GmbH. Dies änder­te nichts an sei­ner ver­trag­li­chen Gel­tung für die da­ma­li­gen Par­tei­en des Ar­beits­verhält­nis­ses. Die Wir­kung ei­ner Be­zug­nah­me­klau­sel wird nicht da­durch berührt, dass der in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­ver­trag noch aus ei­nem wei­te­ren recht­li­chen Grund für das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en maßge­bend ist (vgl. zur kon­sti­tu­ti­ven Wir­kung ei­ner Be­zug­nah­me­klau­sel bei bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit der Par­tei­en des Ar­beits­verhält­nis­ses im Zeit­punkt des Ar­beits­ver­trags­ab­schlus­ses Se­nat 19. März 2003 - 4 AZR 331/02 - BA­GE 105, 284, 290; eben­so Stau­din­ger/An­nuß BGB (2005) § 613a Rn. 290; HWK/Hens­s­ler 2. Aufl. § 3 TVG Rn. 28; Ho­hen­statt in Wil­lem­sen/Ho­hen­statt/ Sch­wei­bert/Seibt Um­struk­tu­rie­rung und Über­tra­gung von Un­ter­neh­men 3. Aufl. E Rn. 179).

5. Die­se zwei­fach be­gründe­te Gel­tung des BMT-G II für das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin hat mit dem Teil­be­triebsüber­gang des Be­reichs Rei­ni­gung auf die Be­klag­te am 1. Ju­li 2004 ihr En­de ge­fun­den. Denn die nor­ma­tiv be­gründe­ten Rech­te und Pflich­ten sind nicht nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen der Kläge­rin und der Be­klag­ten ge­wor­den, weil die­se Rech­te und Pflich­ten iSv. § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB bei der Be­klag­ten als der neu­en In­ha­be­rin des Rei­ni­gungs­be­triebs durch Rechts­nor­men „ei­nes an­de­ren Ta­rif­ver­trags“, und zwar der für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten und des­halb auf Grund bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit gel­ten­den Ta­rif­verträge (Rah­men- und Lohn­ta­rif­ver­trag) für die ge­werb­lich Beschäftig­ten im Gebäuderei­ni­ger­hand­werk ge­re­gelt wer­den. § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB, der den Über­gang nor­ma­tiv wir­ken­der Rech­te und Pflich­ten in das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Ar­beit­neh­mer und dem Be­triebs­er­wer­ber als neu­em Ar­beit­ge­ber vor­sieht, fin­det in­so­weit kei­ne An­wen­dung. Hin­ge­gen ver­bleibt es gem. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB bei der Gel­tung des BMT-G II als Ver­trags­recht zwi­schen der Kläge­rin und der Be­klag­ten. Denn nach dem aus­drück­li­chen Wort­laut des § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB ver­drängt die nor­ma­ti­ve Re­ge­lung von Rech­ten und Pflich­ten bei dem neu­en In­ha­ber nur vor dem Be­triebsüber­gang nor­ma­tiv be­gründe­te Rech­te und Pflich­ten, nicht hin­ge­gen sol­che auf ver­trag­li­cher Grund­la­ge. Für die­se gilt un­ein­ge­schränkt, dass der neue In­ha­ber nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB in die­se ein­tritt. Dar­an ändert ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Be­klag­ten, der das Lan­des­ar­beits­ge­richt bei­ge­tre­ten ist, auch der Um­stand nichts, dass es sich bei der Be­zug­nah­me-
 


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klau­sel im Ar­beits­ver­trag vom 18. Sep­tem­ber 1972 (auch) nach Auf­fas­sung bei­der Par­tei­en um ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de han­delt.

a) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat aus­geführt, bei in­di­vi­du­al­recht­lich be­gründe­ter Wei­ter­an­wen­dung der „in Be­zug ge­nom­me­nen frühe­ren Ta­rif­verträge (sta­tisch)“ nach ei­nem Teil­be­triebsüber­gang würden die­se Ar­beit­neh­mer im Ver­gleich zu den­je­ni­gen bes­ser­ge­stellt, de­ren Rech­te und Pflich­ten sich - al­lein - nach den ungüns­ti­ge­ren Be­din­gun­gen der „nun­mehr im Be­trieb - wie hier auf­grund von All­ge­mein­ver­bind­lich­keit - gel­ten­den Ta­rif­verträge“ rich­te­ten. Ei­ne der­ar­ti­ge Bes­ser­stel­lung sei nicht ge­recht­fer­tigt. Da­bei bedürfe es kei­ner ana­lo­gen An­wen­dung des § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB. Auch bedürfe es kei­ner „Ta­rif­wech­sel­klau­sel“. Er­for­der­lich sei le­dig­lich ei­ne sach­ge­rech­te Aus­le­gung der Gleich­stel­lungs­ab­re­de wie der vor­lie­gen­den. Nach der „al­ten“ Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ge­be es bei ei­ner Gleich­stel­lungs­ab­re­de ei­nen vom Wil­len des Ar­beit­ge­bers abhängi­gen „Teil“, der da­hin ge­he, den be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer - auch oh­ne ei­ne kon­gru­en­te Ta­rif­ge­bun­den­heit des­sel­ben - so zu stel­len, als wäre er (ein­schlägig) ta­rif­ge­bun­den. Die Fra­ge, mit wel­chem In­halt, wie lan­ge und zu wem die so ver­ein­bar­te Ta­rif­gel­tung Be­stand ha­be, rich­te sich so­dann nach den im Fal­le bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit gel­ten­den ge­setz­li­chen Nor­men wie zB § 3 Abs. 3, § 4 Abs. 5 TVG. Die­se sei­en gleich­sam mit in Be­zug ge­nom­men wor­den, so­weit Ab­wei­chen­des nicht aus­drück­lich ver­ein­bart sei. Ei­ne sol­che ge­setz­li­che Norm, die das Schick­sal ei­nes im Be­trieb gel­ten­den Ta­rif­ver­trags und die Fra­ge sei­ner Fort­gel­tung be­han­de­le, sei auch § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB, der in­so­fern gleich­falls, wie auch al­le an­de­ren die Ta­rif(wei­ter)gel­tung re­geln­den ge­setz­li­chen Nor­men, auf Grund der Gleich­stel­lungs­ab­re­de mit der dar­in ent­hal­te­nen „Ge­set­zes­un­ter­wer­fung“ mit in Be­zug ge­nom­men wor­den sei. Für die zu­vor nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer be­deu­te dies, dass die­se bei Ver­trags­schluss in­so­fern schon ihr (an­ti­zi­pier­tes) Ein­verständ­nis mit ei­ner Ablösung ih­rer ar­beits­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge für den Fall ge­ge­ben hätten, dass bei bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­bin­dung § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB zum Tra­gen ge­kom­men wäre. Ei­ner „Ta­rif­wech­sel­klau­sel“ bedürfe es nur dann, wenn es kei­ne ge­setz­li­che Vor­schrift ge­be, die ei­nen Ta­rif­wech­sel vor­schrei­be wie die Be­stim­mung des § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB.


b) Dem folgt der Se­nat nicht. 



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aa) Die Be­zug­nah­me auf das Ta­rif­werk ei­ner be­stimm­ten Bran­che kann über ih­ren Wort­laut hin­aus nur dann als große dy­na­mi­sche Ver­wei­sung (= Be­zug­nah­me auf den je­weils für den Be­trieb fach­lich/be­trieb­lich gel­ten­den Ta­rif­ver­trag) aus­ge­legt wer­den, wenn sich dies aus be­son­de­ren Umständen er­gibt (Se­nat 25. Sep­tem­ber 2002 - 4 AZR 294/01 - BA­GE 103, 9, 12 f. mwN; eben­so ErfK/Preis 8. Aufl. § 613a BGB Rn. 127; Ho­hen­statt in Wil­lem­sen/Ho­hen­statt/Sch­wei­bert/Seibt E Rn. 203 f.). Das hat der Se­nat ge­ra­de auch für ei­ne Be­zug­nah­me­klau­sel ent­schie­den, in der auf den BMT-G II und die die­sen ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträge ver­wie­sen wor­den ist (25. Sep­tem­ber 2002 - 4 AZR 294/01 - aaO mwN). Dies ist auch der Stand­punkt der herr­schen­den Mei­nung im Schrift­tum, in dem zwi­schen dem Ty­pus der sog. klei­nen dy­na­mi­schen Be­zug­nah­me­klau­sel (zB AnwK-ArbR/Fried­rich § 3 TVG Rn. 90 f.; Stau­din­ger/An­nuß § 613a Rn. 291), bei der sich die Dy­na­mik al­lein auf das zeit­li­che Mo­ment be­zieht, und dem­je­ni­gen der sog. großen dy­na­mi­schen Ver­wei­sung oder Ta­rif­wech­sel­klau­sel un­ter­schie­den wird, die auch be­trieb­lich/fach­lich dy­na­misch wirkt. An die­ser Un­ter­schei­dung hält der Se­nat fest, ins­be­son­de­re des­halb, weil die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en die Rechts­fol­ge ei­nes Ta­rif­wech­sels aus­drück­lich ver­ein­ba­ren können. Sie be­stim­men mit ih­rer ver­trag­li­chen Ab­re­de den Um­fang der In­be­zug­nah­me. Dar­auf be­schränkt sich auch ei­ne von ih­nen ge­woll­te Gleich­stel­lung. Das Ar­gu­ment des Lan­des­ar­beits­ge­richts, in ei­ner Gleich­stel­lungs­ab­re­de sei bei de­ren sach­ge­rech­ter Aus­le­gung auch die ge­setz­li­che Re­ge­lung des § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB mit in Be­zug ge­nom­men (da­ge­gen auch Hens­s­ler FS Schaub S. 311, 322, 323) ver­kennt, dass dies nicht der In­halt ei­ner klei­nen dy­na­mi­schen Ver­wei­sung ist. Wol­len die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en auch für den Fall ei­nes durch ei­nen Be­triebsüber­gang her­bei­geführ­ten Bran­chen­wech­sels des Ar­beit­ge­bers die Gleich­stel­lung des Ar­beit­neh­mers auf der Grund­la­ge des dann ein­schlägi­gen Ta­rif­rechts, ha­ben sie die Möglich­keit, den Ty­pus der Ta­rif­wech­sel­klau­sel zu wählen. Sch­licht un­ter­stellt wer­den kann der Wil­le zum Ta­rif­wech­sel nicht. Denn ein Ar­beit­neh­mer, der - wie hier - ei­ne Tätig­keit auf dem Ge­biet der Gebäuderei­ni­gung ausübt, kann sich ganz ge­zielt er­folg­reich um ei­ne An­stel­lung im öffent­li­chen Dienst bemüht ha­ben, um des­sen im Ver­gleich zu de­nen der Gebäuderei­ni­gung bes­se­re ta­rif­li­che Ar­beits­be­din­gun­gen zu er­hal­ten.


bb) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten enthält die Be­zug­nah­me­klau­sel im Ar­beits­ver­trag vom 18. Sep­tem­ber 1972 bei de­ren zu­tref­fen­der Aus­le­gung kei­ne Ver­wei­sung auf das Ta­rif­recht des Gebäuderei­ni­ger­hand­werks. Bei die­sem Ar­beits-ver­trag han­del­te es sich um ei­nen For­mu­lar­ver­trag, den der Se­nat selbst aus­le­gen kann (BAG 19. Ok­to­ber 2004 - 9 AZR 647/03 - BA­GE 112, 214, 222 mwN). Der

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Wort­laut der Be­zug­nah­me­klau­sel gibt kei­ne hin­rei­chen­den Hin­wei­se dar­auf, dass ei­ne Ta­rif­wech­sel­klau­sel ver­ein­bart wor­den ist. Satz 1 des § 2 des Ar­beits­ver­trags ver­weist auf den BMT-G II und die - da­zu - zusätz­lich ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge, ins-be­son­de­re auf den BZT-G/NRW. Zu die­sen „zusätz­lich ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen“ zählen nicht die Ta­rif­verträge für das Gebäuderei­ni­ger­hand­werk. Bei die­sen han­delt es sich auch nicht um Ta­rif­verträge, die iSv. § 2 Satz 2 des Ar­beits­ver­trags an die Stel­le des BMT-G II ge­tre­ten sind. Bei­des macht auch die Be­klag­te nicht gel­tend. Sie sieht viel­mehr die Ta­rif­verträge für das Gebäuderei­ni­ger­hand­werk durch § 2 Satz 3 des Ar­beits­ver­trags in Be­zug ge­nom­men, nach wel­chen „da­ne­ben“ die für den Be­reich des Ar­beit­ge­bers je­weils in Kraft be­find­li­chen sons­ti­gen Ta­rif­verträge An­wen­dung fin­den. Die­se Be­stim­mung der Be­zug­nah­me­klau­sel nimmt al­lein Ta­rif­verträge in Be­zug, die ne­ben dem BMT-G II gel­ten („da­ne­ben ...“), be­inhal­tet al­so nicht die Ablösung des in den da­vor­ste­hen­den Sätzen der Be­zug­nah­me­klau­sel in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­rechts für Ar­beit­neh­mer ge­meind­li­cher Ver­wal­tun­gen und Be­trie­be durch das Ta­rif­recht ei­nes an­de­ren Wirt­schafts­zwei­ges im Fal­le ei­nes Bran­chen­wech­sel des Ar­beit­ge­bers. Sons­ti­ge An­halts­punk­te, die Be­zug­nah­me­klau­sel des § 2 des Ar­beits­ver­trags über ih­ren Wort­laut hin­aus als Ta­rif­wech­sel­klau­sel aus­zu­le­gen, sind nicht er­kenn­bar.


c) Auch für die ana­lo­ge An­wen­dung des § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB, die Tei­le des Schrift­tums befürwor­ten (Hens­s­ler FS Schaub S. 311, 322 f.; Wank NZA 1987, 505, 509), ist kein Raum (ge­gen ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung des § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB auf Außen­sei­ter auch Ho­hen­statt in Wil­lem­sen/Ho­hen­statt/Sch­wei­bert/Seibt E Rn. 190; Oet­ker in Ja­cobs/Krau­se/Oet­ker Ta­rif­ver­trags­recht § 6 Rn. 216; ErfK/Preis § 613a Rn. 127; Stau­din­ger/An­nuß § 613a Rn. 297). Denn ein ar­beits­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­ner Ta­rif­ver­trag gilt zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en als Ver­trags­recht. An des­sen In­halt ist der neue Be­triebs­in­ha­ber nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB ge­bun­den. Die Sätze 2 bis 4 des § 613a Abs. 1 BGB ent­hal­ten ei­ne von Satz 1 ab­wei­chen­de Son­der­re­ge­lung für die Wei­ter­gel­tung von Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­run­gen (Ta­rif­ver­trag und/oder Be­triebs­ver­ein­ba­rung) nach ei­nem Be­triebsüber­gang. Die Re­ge­lung ist er­for­der­lich, weil Ta­rif­verträge und Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen nicht Be­stand­teil des Ar­beits­ver­trags sind, son­dern von außen auf Grund bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit auf das Ar­beits­verhält­nis ein­wir­ken. Wenn der Ta­rif­ver­trag je­doch kraft ein­zel­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me auf das Ar­beits­verhält­nis mit dem Be­triebs­veräußerer an­wend­bar war, gilt sein In­halt nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB nach dem Be­triebsüber­gang als In­di­vi­du­al­ver­trags­recht un­verändert wei­ter. Ei­ne Ge­set­zeslücke, die durch ei­ne ana-
 


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lo­ge An­wen­dung der Re­ge­lung des § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB zu schließen sein könn­te, fehlt. Der Se­nat hält da­her an sei­ner Recht­spre­chung fest, dass nur in den Fällen der nor­ma­ti­ven Gel­tung ei­nes Ta­rif­ver­trags im Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en vor dem Be­triebsüber­gang des­sen Ablösung nach § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB durch für bei­de Par­tei­en des Ar­beits­verhält­nis­ses nor­ma­tiv gel­ten­de ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen in Be­tracht kommt (25. Sep­tem­ber 2002 - 4 AZR 294/01 - BA­GE 103, 9, 15).


6. Die in­di­vi­du­al­recht­lich im Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en gel­ten­den Re­ge­lun­gen des BMT-G II set­zen sich nach dem ta­rif­recht­li­chen Güns­tig­keits­prin­zip des § 4 Abs. 3 TVG ge­genüber den kraft All­ge­mein­ver­bind­lich­keit nor­ma­tiv auf das Ar­beits­verhält­nis ein­wir­ken­den Ta­rif­verträgen für das Gebäuderei­ni­ger­hand­werk durch. Es geht hier­bei nicht um die Kon­kur­renz zwei­er Ta­rif­verträge, son­dern um die Kon­kur­renz ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lung mit ei­nem kraft All­ge­mein­ver­bind­lich­keit wir­ken­den Ta­rif­ver­trag. Dies ist kein Fall der Ta­rif­kon­kur­renz zwei­er Nor­men­verträge. Viel­mehr wird das Verhält­nis der ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lung zu der nor­ma­tiv wir­ken­den ta­rif­li­chen durch § 4 Abs. 3 TVG be­stimmt (BAG 26. Ja­nu­ar 1994 - 10 AZR 611/92 - BA­GE 75, 298, 308; vgl. auch Se­nat 25. Sep­tem­ber 2002 - 4 AZR 294/01 - BA­GE 103, 9, 13; Ho­hen­statt in Wil­lem­sen/Ho­hen­statt/Sch­wei­bert/Seibt E Rn. 202; Kort SAE 2006, 247 ff.; ErfK/Preis § 613a Rn. 127; Schaub/Koch ArbR-Hdb. 12. Aufl. § 119 Rn. 12). So­weit der Se­nat in der Ver­gan­gen­heit ei­ne an­de­re Rechts­auf­fas­sung ein­ge­nom­men hat (zu­letzt 23. März 2005 - 4 AZR 203/04 - BA­GE 114, 186, 191 f.), gibt er sie hier­mit aus­drück­lich auf.

7. Ei­ner Vor­la­ge der Sa­che an den Eu­ropäischen Ge­richts­hof be­durf­te es nicht. Die hier ver­tre­te­ne Auf­fas­sung zur Bin­dung des neu­en In­ha­bers an ei­ne Be­zug­nah­me­klau­sel nach ei­nem Be­triebsüber­gang verstößt nicht ge­gen Grundsätze, die der Eu­ropäische Ge­richts­hof ins­be­son­de­re in der Ent­schei­dung vom 9. März 2006 (- C-499/04 - [Wehr­hof] Eu­GHE I 2006, 2397 = AP Richt­li­nie 77/187/EWG Nr. 2 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 44) mögli­cher­wei­se auf­stel­len woll­te. Der Eu­ropäische Ge­richts­hof hat in die­ser Ent­schei­dung je­den­falls deut­lich ge­macht, dass es um die Frei­heit des Er­wer­bers von Bin­dun­gen an künf­ti­ge Kol­lek­tiv­verträge (so 9. März 2006 - C-499/04 - aaO Rn. 34, 35) bzw. an nach dem Zeit­punkt des Un­ter­neh­mensüber­gangs ge­schlos­se­ne Kol­lek­tiv­verträge (9. März 2006 - C-499/04 - aaO Rn. 36) bzw. an Kol­lek­tiv­verträge, die dem zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs gel­ten­den nach­fol­gen (9. März 2006 - C-499/04 - aaO Rn. 37), geht. Die Kläge­rin nimmt die Be­klag­te dem-ge­genüber vor­lie­gend aus ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen in An­spruch, die be­reits vor


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dem Be­triebsüber­gang ver­ein­bart wor­den sind. Ge­gen­tei­li­ges macht die Be­klag­te nicht gel­tend. Es be­darf an­ge­sichts des­sen kei­ner ein­ge­hen­den Aus­ein­an­der­set­zung mit der Fra­ge, wel­che über den Ein­zel­fall hin­aus­ge­hen­den Rechtssätze der Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 9. März 2006 zu ent­neh­men sind.


8. Nach al­le­dem rich­ten sich die Ein­zel­ansprüche der Kläge­rin, die den Ge­samt­be­trag des Klag­an­spruchs aus­ma­chen, gem. § 4 Abs. 3 TVG nach den im Ver­gleich zu den ent­spre­chen­den ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen des Gebäuderei­ni­ger­hand­werks güns­ti­ge­ren Nor­men des BMT-G II. Zwi­schen den Par­tei­en ist we­der strei­tig, dass sich die­se Ansprüche dem Grun­de nach aus dem BMT-G II er­ge­ben noch dass ih­re Be­rech­nung der Höhe nach zu­tref­fend ist.

9. Die Ver­ur­tei­lung zur Ver­zin­sung des Klag­an­spruchs wird von der Be­klag­ten nicht an­ge­grif­fen.

II. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.

Be­p­ler 

Wol­ter 

Bott

Pfeil 

Der eh­ren­amt­li­che Rich­ter Um­landt ist we­gen Ab­laufs der Amts­zeit an der Un­ter­schrift ver­hin­dert.

Be­p­ler

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