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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Betriebsvereinbarung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Akten­zeichen: 17 Sa 1522/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 28.04.2009
   
Leit­sätze:

1. Ver­wei­sun­gen im Ar­beits­ver­trag auf ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung sind im Zwei­fel de­kla­to­risch ge­meint und be­gründen kei­nen ei­ge­nen in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen An­spruch.

2. Auf Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen fin­den nach § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB die Vor­schrif­ten der § 305ff. BGB kei­ne An­wen­dung. Bin­dungs­klau­seln in Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen un­ter­lie­gen kei­ner In­halts­kon­trol­le. Dies gilt im Ar­beits­ver­trag bei ei­ner Be­zug­nah­me auf die Be­triebs­ver­ein­ba­rung.

3. Die Un­wirk­sam­keit ei­ner Klau­sel in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung führt nicht zur Un­wirk­sam­keit al­ler Re­ge­lun­gen, so­weit oh­ne Klau­sel ei­ne sinn­vol­le und ge­schlos­se­ne Re­ge­lung ver­bleibt (hier ver­neint).

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 26.09.2008, 1 Ca 3987/08, Urteil
   

17 Sa 1522/08

1 Ca 3987/08
Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf  

 

Verkündet am 28. April 2009

Will­ms, Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT DÜSSEL­DORF

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

des Herrn U. H., Zum T. 25, M.,

- Kläger und Be­ru­fungskläger -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte G. u.a.,
T. straße 51, O.,

g e g e n

die J. Deut­sche J. bank AG , ver­tre­ten durch den Vor­stand Dr. H. C., X.-C.-Straße 1, E.,

- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte L. & W.,
H.-H.-Straße 8, E.,

hat die 17. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 28.04.2009
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Jan­sen als Vor­sit­zen­den so­wie der eh­ren­amt­li­chen Rich­te­rin Cle­mens und der eh­ren­amt­li­chen Rich­te­rin Schmidt-We­fels

für R e c h t er­kannt:

Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 26.09.2008 – 1 Ca 3987/08 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

Ver­merk:
Ur­teil be­rich­tigt gemäß Be­schluss v. 07.08.2009. Düssel­dorf, den 07.08.2009 Will­ms, Re­gie­rungs­beschäftig­te als UdG

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T a t b e s t a n d :

Die Par­tei­en strei­ten über den An­spruch des Klägers auf Zah­lung ei­ner va­ria­blen Vergütung für das Geschäfts­jahr 2007/2008.

Der Kläger war seit dem 01.08.1999 bei der Be­klag­ten, ei­ner über­re­gio­nal täti­gen Bank mit Sitz in E., auf­grund Ar­beits­ver­tra­ges vom 06.03.2001 beschäftigt. Der Kläger kündig­te das Ar­beits­verhält­nis un­ter Ein­hal­tung der ver­trag­li­chen Kündi­gungs­frist zum 30.06.2008. Auf­grund Ver­ein­ba­rung schied er be­reits zum 31.03.2006 aus dem Ar­beits­verhält­nis aus.

Der Ar­beits­ver­trag hat u.a. fol­gen­den In­halt:

„§ 3 VERGÜTUNG
Ih­re Bezüge glie­dern sich wie folgt: Fest­ge­halt

13. Mo­nats­ge­halt

Va­ria­ble Er­folgs­vergütung (VE)

Die nach Be­en­di­gung ei­nes Geschäfts­jah­res von der Bank an Sie aus­zu­zah­len­de va­ria­ble Er­folgs­vergütung er­folgt gemäß der ent­spre­chen­den Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf der Grund­la­ge ei­ner in­di­vi­du­ell fest­ge­leg­ten Ziel­größe (Ziel-VE). In Ih­rem Fal­le setz­ten wir für das ers­te vol­le Geschäfts­jahr Ih­rer Tätig­keit ei­ne Ziel-VE in Höhe von EUR 7.200,-- (in Wor­ten: Eu­ro Fünf­tau­send) brut­to fest. Bei ei­nem Ein­tritt im lau­fen­den Geschäfts­jahr er­folgt die Aus­zah­lung der VE zeit­an­tei­lig.

Ab­gel­tung/Aus­schluss

Mit der Zah­lung der ver­ein­bar­ten Bezüge ist die Leis­tung von Mehr­ar­beit ab­ge­gol­ten. Die Ab­tre­tung oder Verpfändung von Vergütungs­ansprüchen ist aus­ge­schlos­sen.“

 

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In der Be­triebs­ver­ein­ba­rung „Va­ria­ble Er­folgs­vergütung“ vom 25.02.2001 (Bl. 11- 19 d. A.) heißt es u.a.:

„§ 8 Aus­nah­men

Ei­ne Ist-VE kommt nicht zur Aus­zah­lung, wenn der Mit­ar­bei­ter un­terjährig durch Kündi­gung aus­schei­det oder bis zum Aus­zah­lungs­tag das Ar­beits­verhält­nis gekündigt wird. Bei Aus­tritt durch Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze oder Vor­ru­he­stand so­wie bei Mut­ter­schutz-/Er­zie­hungs­ur­laub und Er­werbs­unfähig­keit kommt die Ist-VE pro ra­ta tem­po­ris zur Aus­zah­lung“....

Der Kläger er­hielt jähr­lich Mit­tei­lun­gen über die Neu­fest­set­zung sei­ner Vergütung zu­letzt mit Schrei­ben vom 12.06.2007. Für das Geschäfts­jahr 2007/2008 wur­de ei­ne Ziel-VE von Eu­ro 16.000,00 brut­to fest­ge­legt.

Für das Geschäfts­jahr 2007/2008 be­gehr­te der Kläger ei­ne va­ria­ble Vergütung von 22.880,00 € brut­to. Dies lehn­te die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 29.05.2008 ab.

Mit der am 08.07.2008 beim Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge ver­folgt er sei­nen Zah­lungs­an­spruch wei­ter.

Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass ihm ein durch Ar­beits­leis­tung ver­dien­ter Ent­gelt­be­stand­teil nicht durch § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ent­zo­gen wer­den könne. Der Teil der Be­triebs­ver­ein­ba­rung sei we­gen Ver­s­toßes ge­gen den Ta­rif­ver­trag un­wirk­sam, je­den­falls un­bil­lig. Die Re­ge­lung sei auch über­ra­schend und be­nach­tei­li­ge ihn un­an­ge­mes­sen. Zu­dem ha­be die Be­klag­te die Ziel-VE auch an an­de­re aus­schei­den­de Mit­ar­bei­ter un­abhängig von der Ent­fall­klau­sel ge­zahlt.

Der Kläger hat be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 22.800.00 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

 

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die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hält ei­nen An­spruch des Klägers für nicht ge­ge­ben. Sie ver­weist auf die Aus­nah­me­re­ge­lun­gen in § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung sei ih­rer­seits wirk­sam und im Ar­beits­ver­trag nur de­kla­ra­to­risch in Be­zug ge­nom­men. Sie be­haup­tet, dass der Er­geb­nis­fak­tor we­gen des schlech­ten Er­geb­nis­ses nur auf 0,8 fest­ge­setzt wor­den sei, so dass dem Kläger al­len­falls 18.304,00 € zu stünden.

Mit Ur­teil vom 26.09.2008 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen und im We­sent­li­chen aus­geführt, dass sich kein An­spruch aus dem Ar­beits­ver­trag her­lei­ten las­se. Im Ar­beits­ver­trag sei le­dig­lich de­kla­ra­to­risch auf die, die va­ria­ble Er­folgs­vergütung re­geln­de Be­triebs­ver­ein­ba­rung ver­wie­sen wor­den. Dies er­ge­be die Aus­le­gung des Ar­beits­ver­tra­ges. Auf die Be­triebs­ver­ein­ba­rung könne der Kläger sei­nen An­spruch auch nicht stützen, da nach § 8 Abs. 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung kei­ne Aus­zah­lung statt­fin­de, wenn das Ar­beits­verhält­nis bis zum Aus­zah­lungs­tag gekündigt wer­de. Die Re­ge­lung sei nicht un­wirk­sam. Die Be­triebs­part­ner hätten in recht­lich zulässi­ger Wei­se zwei an­spruchs­be­gründen­de Vor­aus­set­zun­gen für den Zah­lungs­an­spruch ge­schaf­fen, von de­nen im Streit­fall ei­ne nicht erfüllt sei. Die Be­triebs­part­ner hätten auch ei­ne um­fas­sen­de Re­ge­lungs­kom­pe­tenz durch frei­wil­li­ge Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen Re­ge­lun­gen über den In­halt, den Ab­schluss und die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen zu tref­fen. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung, ins­be­son­de­re de­ren § 8 ver­s­toße nicht ge­gen § 75 Be­trVG. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung be­las­te nicht die Be­leg­schaft son­dern begüns­ti­ge sie. Schon aus die­sem Grun­de ste­he es den Be­triebs­par­tei­en frei, zu ent­schei­den, un­ter wel­chen ge­nau­en Vor­aus­set­zun­gen die Begüns­ti­gung gewährt wer­den sol­le. Hier hätten die Par­tei­en die Ent­schei­dung ge­trof­fen, ei­ne zusätz­li­che frei­wil­li­ge Leis­tung nur dann zu gewähren, wenn ei­ne ent­spre­chen­de Be­triebs­treue ge­zeigt wer­de. Dies sei ein an­er­kann­ter Zweck. Die Re­ge­lung sei auch un­ter Berück­sich­ti­gung der Art. 2,12 GG be­den­ken­frei. An­ge­sichts der Höhe der Son­der­zah­lung sei die Dau­er des zukünf­ti­gen Zeit­raums, in de­nen der Ar­beit­neh­mer sein Kündi­gungs­recht nicht ausüben dürfe, nicht zu be­an­stan­den. Es könne da­hin­ste­hen, ob ge­gen die Be­triebs­ver­ein­ba­rung un­ter dem

 

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Ge­sichts­punkt der §§ 307 ff BGB Be­den­ken be­ste­hen, da Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen kei­ner In­halts­kon­trol­le un­ter­lie­gen. Der Hin­weis auf § 77 Abs. 3 Be­trVG führe nicht wei­ter, da ein Ver­s­toß zum ei­nen nicht dar­ge­legt wor­den sei und zum an­de­ren die Rechts­fol­ge ei­nes Ver­s­toßes die Un­wirk­sam­keit der Re­ge­lung sei und folg­lich der Kläger erst recht kei­nen An­spruch gel­tend ma­chen könne. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung könne nicht oh­ne die­se Klau­sel auf­recht­er­hal­ten blei­ben. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung wäre nicht oh­ne § 8 ab­ge­schlos­sen wor­den. Der Zweck der Re­ge­lung könn­te nicht er­reicht wer­den.

Der Kläger hat ge­gen das am 20.10.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil mit dem am 04.11.2008 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz vom 29.10.2008 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 12.01.2009 mit dem am 12.01.2009 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz vom 12.01.2009 be­gründet.

Der Kläger ist der Auf­fas­sung, dass sich ein An­spruch be­reits aus dem Ar­beits­ver­trag er­ge­be. Es han­de­le sich in § 3 um ei­ne ei­genständi­ge Vergütungs­re­ge­lung. Die va­ria­ble Er­folgs­vergütung ste­he un­ter dem Be­griff „Vergütung“. So­dann heiße es, „ih­re Bezüge glie­dern sich wie folgt“. Sie sei da­mit nach dem ein­deu­ti­gen Wort­laut Teil ei­ner ge­glie­der­ten Vergütung. Hier­bei sei zu berück­sich­ti­gen, dass mit die­ser Vergütung, auch der Er­folgs­vergütung, die Leis­tung von Mehr­ar­beit ab­ge­gol­ten sein soll. Die­ses Er­geb­nis wer­de durch den Wort­laut der wei­te­ren Pas­sa­ge gestützt „da­nach ist die aus­zu­zah­len­de Vergütung gemäß der ent­spre­chen­den Be­triebs­ver­ein­ba­rung zu leis­ten“. Selbst wenn man dem nicht fol­ge, be­ste­he ein An­spruch, da die­se Re­ge­lung der Be­triebs­ver­ein­ba­rung im Ar­beits­ver­trag ge­gen das AGB-Ge­setz ver­s­toße. Die Klau­sel in § 8 sei nicht nur un­an­ge­mes­sen, son­dern auch über­ra­schend. Ei­ne Un­an­ge­mes­sen­heit er­ge­be sich des­we­gen, weil das Geschäfts­jahr am 31.03. ei­nes Jah­res en­de, die Aus­zah­lung aber erst En­de Ju­li er­fol­ge. Bei der Kündi­gungs­frist für den Kläger von sechs Mo­na­ten zum Quar­tals­en­de führe das da­zu, dass er bei

 

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ei­nem Kündi­gungs­ent­schluss im Ju­li die va­ria­ble Er­folgs­vergütung für zwei Jah­re ver­lie­re. Ein An­spruch er­ge­be sich auch aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, da un­strei­tig an an­de­re aus­schei­den­de Ar­beit­neh­mer die leis­tungs­be­zo­ge­ne Vergütung ge­zahlt wor­den sei, ob­wohl die­se die Vor­aus­set­zun­gen der Ent­fall­klau­sel erfüllt hätten. § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ver­s­toße auch ge­gen § 75 Be­trVG. Bei der va­ria­blen Er­folgs­vergütung han­de­le es sich um ei­ne im ver­trag­li­chen Sy­nal­lag­ma ste­hen­de Leis­tung. Es han­de­le sich um Ent­gelt im en­ge­ren Sin­ne. Der Ent­zug ei­ner be­reits ver­dien­ten Vergütung stel­le ei­ne un­zulässi­ge Kündi­gungs­er­schwe­rung dar. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung sei auch un­bil­lig, wenn sie zwei Zie­le, Leis­tungs­lohn und Blei­bensprämie, die nichts mit­ein­an­der zu tun hätten, gleich­ran­gig mit­ein­an­der ver­knüpfe. Der vor­lie­gen­de Fall sei auch nicht mit den Fällen der Zah­lung ei­ner Gra­ti­fi­ka­ti­on, ei­ner Son­der­zah­lung oder ei­nes 13. Ge­hal­tes ver­gleich­bar. Letzt­lich ver­s­toße die Be­triebs­ver­ein­ba­rung auch ge­gen § 77 Abs. 3 Be­trVG. Bei den Ban­ken ge­be es ei­nen Ta­rif­ver­trag zur Leis­tung und/oder er­folgs­ori­en­tier­ter Vergütung. Da­nach müsse bei un­terjähri­gem Aus­tritt die Er­folgs­vergütung an­tei­lig aus­ge­gli­chen wer­den. Da­ge­gen ver­s­toße die Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Die in­so­weit be­ste­hen­de Teil­un­wirk­sam­keit führe nicht zur Un­wirk­sam­keit der ge­sam­ten Be­triebs­ver­ein­ba­rung, son­dern nur da­zu, dass die Re­ge­lung in § 8 nicht zur An­wen­dung kom­me.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­klag­te un­ter Auf­he­bung des am 26.09 2008 verkünde­ten Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf (AZ.: 1 Ca 3987/08) zur Zah­lung von 22.880,00 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über den je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit an den Kläger zu ver­ur­tei­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen

Die Be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil und trägt vor, dass dem Kläger kein An­spruch auf die va­ria­ble Vergütung zu­ste­he. Der Ar­beits­ver­trag ent-

 

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hal­te kei­ne kon­sti­tu­ti­ve Zu­sa­ge ei­ner va­ria­blen Vergütung. § 3 des Ar­beits­ver­tra­ges ver­wei­se nur de­kla­ra­to­risch auf die bei der Be­klag­ten exis­tie­ren­de Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Et­was an­de­res er­ge­be sich auch nicht aus der For­mu­lie­rung. Be­reits der Wort­laut spre­che dafür, dass die Ver­trags­par­tei­en ge­ra­de nicht ei­ne von der Be­triebs­ver­ein­ba­rung los­gelöste ei­genständi­ge Re­ge­lung schaf­fen woll­ten. An kei­ner Stel­le wer­de ein Wil­le er­kenn­bar, ei­nen ei­ge­nen ar­beits­ver­trag­li­chen An­spruch schaf­fen zu wol­len. Die Ver­wei­sung stel­le auch kei­nen Ver­s­toß ge­gen das AGB-Recht dar. Die Ver­wei­sung sei ein­deu­tig. Es er­ge­be sich auch kein An­spruch aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung, da nach § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ei­ne Ist-VE nicht zur Aus­zah­lung kom­me, wenn der Mit­ar­bei­ter un­terjährig durch Kündi­gung aus­schei­den­de oder bis zum Aus­zah­lungs­tag das Ar­beits­verhält­nis gekündigt wer­de. Die­se Vor­aus­set­zung sei hier erfüllt. Es er­ge­be sich auch kei­ne Un­wirk­sam­keit von § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung nach den Vor­schrif­ten der §§ 307 ff BGB, da die Vor­schrif­ten nach § 310 Abs. 4 S. 1 BGB auf Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen nicht an­zu­wen­den sei­en. Der nur vor­zu­neh­men­den Rechts­kon­trol­le nach § 75 Be­trVG hal­te die Be­triebs­ver­ein­ba­rung stand. Stich­tags­klau­seln sei­en all­ge­mei­nen an­er­kannt. Der Ar­beit­ge­ber könne mit Jah­res­son­der­zah­lun­gen un­ter­schied­li­che Zwe­cke ver­fol­gen. Sie könne aus­sch­ließlich im Be­zugs­zeit­raum er­brach­te Ar­beits­leis­tung zusätz­lich ho­no­rie­ren. Sie könne aber auch ver­gan­gen­heits- und zu­kunfts­be­zo­ge­ne Ele­men­te mit­ein­an­der ver­knüpfen und die Be­loh­nung bis­he­ri­ger Be­triebs­treue be­zwe­cken und dem An­reiz künf­ti­ger Be­triebs­treue die­nen. Dies sei hier ge­ge­ben. Die Vor­aus­set­zung, dass der Ar­beit­neh­mer noch am Aus­zah­lungs­tag in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis ste­hen müsse, führe nicht zu ei­ner un­bil­li­gen Schlech­ter­stel­lung des Klägers. An­ge­sichts der Höhe der in Aus­sicht ge­stell­ten Son­der­zah­lung und der vor­aus­ge­setz­ten Bin­dungs­dau­er an das Ar­beits­verhält­nis sei kei­ne Un­an­ge­mes­sen­heit zu er­ken­nen. Es sei dem Kläger durch­aus zu­mut­bar ge­we­sen, le­dig­lich auf die Kündi­gungsmöglich­keit am 30.06. des Jah­res zu ver­zich­ten, um die va­ria­ble Vergütung zu er­hal­ten. Dar­in lie­ge kei­ne un­zulässi­ge Kündi­gungs­er­schwe­rung. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung be­inhal­te auch kei­nen un­zulässi­gen Ein­griff in den Ta­rif­ver­trag zur leis­tungs- und/oder er­folgs­ori­en­tier­ten va­ria­blen Vergütung für das pri­va­te und öffent­li­che Bank­ge­wer­be.

 

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Zum ei­nen be­ste­he kei­ne Ta­rif­bin­dung und zum an­de­ren be­inhal­te die Be­triebs­ver­ein­ba­rung ei­nen ab­wei­chen­den Re­ge­lungs­ge­gen­stand. Der Ta­rif­ver­trag re­ge­le, in­wie­weit das mo­nat­li­che Ta­rif­ge­halt va­ria­bi­li­siert wer­den könne. Für den mit der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ver­folg­ten Zweck feh­le je­de Ta­rifüblich­keit. Selbst wenn ein Ver­s­toß ge­gen den Ta­rif­vor­be­halt nach § 77 Abs. 3 Be­trVG vor­lie­ge, steht dem Kläger kein An­spruch zu. In die­sem Fall wäre die Be­triebs­ver­ein­ba­rung un­wirk­sam. Sie könne auch nicht oh­ne die Re­ge­lung in § 8 auf­recht er­hal­ten blei­ben, da die­se Leis­tung vor al­lem die Mo­ti­va­ti­on der Mit­ar­bei­ter fördern und ei­nen An­reiz für die künf­ti­ge Be­triebs­treue set­zen soll­te. Letzt­lich schei­de auch ein An­spruch aus ei­nem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz aus, da die Gewährung der va­ria­blen Er­folgs­vergütung nicht nur beim Kläger vom Vor­lie­gen der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung abhängig ge­macht würde. Un­abhängig da­von sei der An­spruch auch nicht in der Höhe be­gründet. Auf­grund des schlech­ten wirt­schaft­li­chen Er­geb­nis­ses der Be­klag­ten im ver­gan­ge­nen Geschäfts­jahr sei der Er­geb­nis­fak­tor auf 0,8 fest­ge­setzt wor­den. In­so­fern er­ge­be sich für den Kläger al­len­falls ei­ne va­ria­ble Vergütung von 18.304,00 €.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des zu­grun­de­lie­gen­den Sach­ver­hal­tes so­wie des wi­der­strei­ten­den Sach­vor­trags und der un­ter­schied­li­chen Rechts­auf­fas­sun­gen der Par­tei­en wird ergänzend Be­zug ge­nom­men auf die in bei­den In­stan­zen zu den Ak­ten ge­reich­ten Schriftsätze der Par­tei­en nebst An­la­gen so­wie Pro­to­kol­le der münd­li­chen Ver­hand­lun­gen und den Tat­be­stand des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :

I. Die Be­ru­fung ist zulässig.

Sie ist an sich statt­haft (§ 64 Abs. 1 ArbGG), nach dem Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des zulässig (§ 64 Abs. 2 Zif­fer b ArbGG) so­wie in ge­setz­li­cher Form und Frist ein­ge­legt i. V. m. § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG, § 66 Abs. 1 Satz 1 und

 

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Satz 2 ArbGG, § 519 Abs. 1 und Abs. 2 ZPO) und in­ner­halb der Frist (§ 66 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 ArbGG) ord­nungs­gemäß (§ 520 Abs. 3 ZPO i. V. m. § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG) be­gründet wor­den.

II. Die Be­ru­fung des Klägers ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Der Kläger hat ge­gen die Be­klag­te kei­nen An­spruch auf Zah­lung der va­ria­blen Vergütung in Höhe von 23.880,00 € brut­to für das Geschäfts­jahr 2007/2008.

1. Der Kläger kann sei­nen An­spruch nicht auf den Ar­beits­ver­trag stützen. Der Ar­beits­ver­trag enthält kei­ne in­di­vi­du­el­le Zu­sa­ge auf Gewährung der va­ria­blen Vergütung.

a) Im Ar­beits­ver­trag ist zwar un­ter der Über­schrift Vergütung in § 3 ne­ben dem mo­nat­li­chen Fest­ge­halt, be­ste­hend aus dem mo­nat­li­chen Grund­ge­halt und der mo­nat­li­chen Zu­la­ge, das 13. Mo­nats­ge­halt und die va­ria­ble Er­folgs­vergütung (VE) auf­geführt. Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt der Re­ge­lung aber kei­ne kon­klu­den­te ar­beits­ver­trag­li­che Zu­sa­ge in der Wei­se ent­nom­men, dass dem Kläger jähr­lich, un­abhängig von den Be­stim­mun­gen der zwi­schen der Be­klag­ten und dem Ge­samt­be­triebs­rat ver­ein­bar­ten Be­triebs­ver­ein­ba­rung, ei­ne va­ria­ble Ver¬gütung zu­ste­hen soll­te.

aa) Dies er­gibt die Aus­le­gung des Ar­beits­ver­tra­ges. Der In­halt von Wil­lens­erklärun­gen ist nach den §§ 133, 157 BGB ob­jek­tiv un­ter Berück­sich­ti­gung der Umstände des Ein­zel­fal­les nach der Sicht des Empfängers zu be­stim­men. Der in der aus­zu­le­gen­den Erklärung verkörper­te recht­lich maßgeb­li­che Wil­le ist zu er­mit­teln. Lässt sich da­bei ein übe­rein­stim­men­der Wil­le der Par­tei­en fest­stel­len, so ist die­ser al­lein maßgeb­lich, auch wenn er in ei­ner Ver­ein­ba­rung nur ei­nen un­voll­kom­me­nen oder gar kei­nen Aus­druck ge­fun­den hat. Das übe­rein­stim­mend Ge­woll­te hat Vor­rang vor dem in­so­weit falsch oder nicht aus­drück­lich Erklärten. Kann ei­ne sol­che Fest­stel­lung nicht ge­trof­fen wer­den, so sind die je­wei­li­gen Erklärun­gen der Ver­trags­par­tei­en je­weils aus der Sicht des Erklärungs-

 

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empfängers so aus­zu­le­gen, wie er sie nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te ver­ste­hen durf­te und muss­te. Bei der Aus­le­gung sind al­le tatsächli­chen Be­gleit­umstände der Erklärung zu berück­sich­ti­gen, die für die Fra­ge von Be­deu­tung sein können, wel­chen Wil­len der Erklären­de bei sei­ner Erklärung ge­habt hat und wie die Erklärung von ih­rem Empfänger zu ver­ste­hen war, die Ent­ste­hungs­ge­schich­te, das Ver­hal­ten der Par­tei­en vor und nach Ver­trags­schluss, der Zweck ei­ner Ab­ma­chung und die ge­ge­be­ne In­ter­es­sen­la­ge (BAG Ur­teil v. 03.05. 2006 - 10 AZR 310/05 - EzA BGB 2002 § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 18; BAG Ur­teil v. 24.09.2003 - 10 AZR 34/03 - NZA 2004, 149-152 = EzA BGB 2002 § 133 Nr. 3; BAG Ur­teil v. 26.09.2002 - 6 AZR 434/00 - EzA BBiG § 10 Nr. 6; BAG Ur­teil v. 12.06.2002 - 10 AZR 323/01 - EzA Be­trVG 1972 § 112 Nr. 110) .

bb) Enthält der Ver­trag all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen i.S.v. § 305 Abs. 1 BGB, die von der Be­klag­ten für ei­ne Viel­zahl von Verträgen gleich­lau­tend ver­wen­det und dem Ar­beit­neh­mer bei Ver­trags­schluss ge­stellt wur­den, so sind die­se nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständ­li­chen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu Grun­de zu le­gen ist (BAG Ur­teil v. 24.10.2007 - 10 AZR 825/06 - EzA BGB 2002 § 307 Nr. 26 m.w.N.; BAG Ur­teil v. 31.08.2005 - 5 AZR 50045/04 - AP Arb­ZG § 6 Nr.8). Maßge­bend sind die Verständ­nismöglich­kei­ten des ty­pi­scher­wei­se bei Verträgen der ge­re­gel­ten Art zu er­war­ten­den nicht rechts­kun­di­gen Ver­trags­part­ners. Der Ver­wen­der ist dem­gemäß ver­pflich­tet, die Rech­te und Pflich­ten des Ver­trags­part­ners möglichst klar und durch­schau­bar dar­zu­stel­len; sie müssen so ge­stal­tet sein, dass der nicht rechts­kun­di­ge Durch­schnitts­ar­beit­neh­mer die be­nach­tei­li­gen­de Wir­kung oh­ne Ein­ho­lung von Rechts­rat er­ken­nen kann (Rei­ne­cke BB 2005, 378/379).

 

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cc) Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Grundsätze er­ge­ben sich we­der aus dem Wort­laut noch aus dem Ge­samt­zu­sam­men­hang und den Be­gleit­umständen aus­rei­chen­de An­halts­punk­te dafür, dass dem Kläger kon­sti­tu­tiv die va­ria­ble Vergütung zu­ge­sagt wer­den soll­te.

1) Bei der Re­ge­lung in § 3 „va­ria­ble Er­folgs­vergütung“ han­delt es sich al­ler­dings um ei­ne all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung i. S. d. § 305 Abs. 1 S.1 BGB. Auch Ver­trags­be­din­gun­gen die vor ih­rer Ver­wen­dung kol­lek­tiv­recht­lich aus­ge­han­delt wor­den sind, gehören da­zu (BAG Ur­teil v. 21.04.2007 - 6 AZR 622/06 – EzA § 113 In­sO Nr. 19 m.w.N.).

2) Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG Ur­teil v. 12.03.2008 - 10 AZR 256/07 - NV; BAG Ur­teil v. 27.09.2000 - 7 AZR 390/99 EzA § 1 BeschFG 1985 Nr. 20 BAG 24.09.2003 - 10 AZR 34/03 - NZA 2004, 149-152 ; EzA BGB 2002 § 133 Nr. 3) sind Ver­wei­sun­gen im Ar­beits­ver­trag auf oh­ne­hin an­wend­ba­re ge­setz­li­che, ta­rif­li­che oder be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Vor­schrif­ten im Zwei­fel de­kla­ra­to­risch ge­meint. Die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en wol­len in der Re­gel durch die Ver­wei­sung auf oh­ne­hin gel­ten­de kol­lek­ti­ve Re­ge­lun­gen kei­nen ei­genständi­gen in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Gel­tungs­grund für die­se Re­ge­lun­gen schaf­fen. Sie brin­gen re­gelmäßig durch ei­ne sol­che Ver­wei­sung nur zum Aus­druck, dass nicht sämt­li­che für das Ar­beits­verhält­nis maßgeb­li­chen Be­stim­mun­gen im Text des Ar­beits­ver­trags wie­der­ge­ge­ben, son­dern darüber hin­aus in den ge­nann­ten kol­lek­ti­ven Ver­ein­ba­run­gen ent­hal­ten sind (BAG 18.11.2003 - 1 AZR 604/02 - BA­GE 108, 299, 302). Die Ver­wei­sungs­klau­sel stellt dann schon kein Rechts­geschäft dar. Ihr lie­gen kei­ne Wil­lens­erklärun­gen zu Grun­de, durch die Rechts­fol­gen be­wirkt wer­den sol­len. Es han­delt sich um ei­nen bloßen recht­li­chen Hin­weis (BAG 18.11.2003 - 1 AZR 604/02 – a.a.O.).

3) Es lie­gen kei­ne aus­rei­chen­den Umstände vor, die hier zu ei­ner an­dern Be­ur­tei­lung führen. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung fand auch oh­ne die Ver­wei­sung im Ar­beits­ver­trag auf den Kläger (vgl. § 1) An­wen­dung. Der Kläger war we­der

 

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Aus­zu­bil­den­der, noch ist dar­ge­tan, dass er lei­ten­der An­ge­stell­ter im Sin­ne des § 5 Abs. 3 Be­trVG war. Er war auch nicht auf­grund ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges beschäftigt. Mit dem Ver­weis brin­gen die Par­tei­en auch hier folg­lich nur zum Aus­druck, dass nicht al­le für das Ar­beits­verhält­nis maßgeb­li­chen Be­stim­mun­gen im Ar­beits­ver­trag fest­ge­legt sind, son­dern auch die Re­ge­lun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung zur An­wen­dung kom­men.

4) So­weit der Kläger dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass die Ver­wei­sung un­klar und von ei­nem nicht rechts­kun­di­gen Ver­trags­part­ner nicht in dem Sin­ne zu ver­ste­hen sei, kann dem nicht ge­folgt wer­den. Die va­ria­ble Er­folgs­vergütung ist zwar un­ter der Über­schrift Vergütung auf­geführt, dies reicht aber nicht aus, um von ei­ner kon­sti­tu­ti­ven Re­ge­lung aus­zu­ge­hen. Die Erwähnung in der va­ria­blen Er­folgs­vergütung un­ter § 3 Vergütung weist le­dig­lich dar­auf hin, dass die Vergütungs­ansprüche zu­sam­men­ge­fasst dar­ge­stellt wer­den soll­ten. Der Wort­laut der Re­ge­lung in § 3 enthält auch kei­nen Hin­weis auf ei­ne ei­genständi­ge Zu­sa­ge. Der Kläger meint, dass der Ge­brauch der For­mu­lie­rung „aus­zu­zah­len­de va­ria­ble Er­folgs­vergütung“ dafür spre­che, dass ihm ein ein­zel­ver­trag­li­cher An­spruch zu­ste­hen soll­te. Dem kann aber nicht ge­folgt wer­den. Die Wor­te können nicht iso­liert be­trach­tet wer­den, son­dern sind dem Zu­sam­men­hang zu­zu­ord­nen, in dem sie ste­hen. Der vollständi­ge Satz heißt, „die nach Be­en­di­gung ei­nes Geschäfts­jah­res von der Bank an Sie aus­zu­zah­len­de va­ria­ble Er­folgs­vergütung er­folgt gemäß der ent­spre­chen­den Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf der Grund­la­ge ei­ner in­di­vi­du­ell fest­ge­leg­ten Ziel­größe (Ziel-VE)“. Der Ver­weis er­folgt nicht nur auf ein­zel­ne be­stimm­te Re­ge­lun­gen der Be­triebs­ver­ein­ba­rung, wie et­wa die Grundsätze der Be­rech­nung der va­ria­blen Vergütung, son­dern er ist all­ge­mein und um­fas­send und be­zieht die ge­sam­te Be­triebs­ver­ein­ba­rung ein, „gemäß der ent­spre­chen­den Be­triebs­ver­ein­ba­rung“. Dies kann auch von ei­nem nicht rechts­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter nur da­hin­ge­hend ver­stan­den wer­den, dass sich die Aus­zah­lung und da­mit die Vor­aus­set­zun­gen für den An­spruch al­lein aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung er­ge­ben sol­len. Ein An­spruch auf die va­ria­ble Er­folgs­vergütung auf­grund der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung schei­det da­mit aus.

 

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2. Der Kläger kann sei­nen An­spruch auch nicht auf die Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 20.02.2001 stützen. Die Be­ru­fungs­kam­mer folgt in­so­weit den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts.

a) Die Vor­aus­set­zun­gen für die Aus­zah­lung der va­ria­blen Er­folgs­vergütung sind nicht erfüllt. Gemäß § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung kommt ei­ne Ist-VE nicht zur Aus­zah­lung, wenn der Mit­ar­bei­ter un­terjährig durch Kündi­gung aus­schei­det oder bis zum Aus­zah­lungs­tag das Ar­beits­verhält­nis gekündigt wird. Dies ist hier ge­ge­ben. Die va­ria­ble Vergütung wird im Ju­li des fol­gen­den Geschäfts­jah­res ge­zahlt. Zu die­sem Zeit­punkt war der Kläger be­reits aus­ge­schie­den. Er hat das Ar­beits­verhält­nis zum 30.06.2008 gekündigt und ist auf­grund Ver­ein­ba­rung so¬gar schon zum 31.03.2008 aus­ge­schie­den.

b) Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung ist auch nicht rechts­un­wirk­sam.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers ist § 8 Abs. 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung nicht gemäß §§ 307 ff BGB un­wirk­sam. Nach § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB fin­den die Vor­schrif­ten der §§ 305 ff. BGB auf Ta­rif­verträge, Be­triebs- und Dienst­ver­ein­ba­run­gen kei­ne An­wen­dung. Nach § 310 Abs. 4 Satz 3 BGB ste­hen sol­che Kol­lek­tiv­re­ge­lun­gen Rechts­vor­schrif­ten i.S.v. § 307 Abs. 3 BGB gleich. (BAG, Ur­teil v. 01.02.2006 - 5 AZR 187/05 - EzA BGB 2002 § 308 Nr. 1 m.w.N.). Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung gilt gemäß § 77 Abs.3 Be­trVG un­mit­tel­bar und zwin­gend. Da­her un­ter­lie­gen auch in ei­ner Viel­zahl von Fällen for­mu­larmäßig ver­wen­de­te Klau­seln in Ar­beits­verträgen, die auf ei­ne sol­che Kol­lek­tiv­re­ge­lung Be­zug neh­men oder mit ihr übe­rein­stim­men und le­dig­lich de­ren ge­sam­ten In­halt wie­der­ge­ben, nicht der In­halts­kon­trol­le nach §§ 307 ff. BGB (BT-Drucks. 14/6857 S. 54; BAG Ur­teil v. 25.04.2007 - 6 AZR 622/06 - EzA § 113 In­sO Nr. 19; BAG Ur­teil v. 27.07. 2005 - 7 AZR 486/04 - BA­GE 115, 274; BAG Ur­teil v.12.09. 2006 - 9 AZR 675/05 - AP BGB § 611 Leh­rer, Do­zen­ten Nr. 176 = EzA BGB 2002 § 310 Nr. 4) . Bei den in § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB ge­nann­ten kol­lek­tiv­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen be­steht kein Bedürf­nis auf Schutz durch Re­ge­lun-

 

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gen der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen. Es wird un­ter­stellt, dass die­se Schutz­funk­ti­on durch die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en bzw. Be­triebs­part­ner wahr­ge­nom­men wur­de (vor­lie­gend beim Ab­schluss des In­ter­es­sen­aus­gleichs und So­zi­al­plans BAG v. 25.04.2007 a.a.O.).

Et­was an­de­res kann gel­ten, wenn die Be­triebs­ver­ein­ba­rung nur auf Grund ei­ner Be­zug­nah­me im Ar­beits­ver­trag An­wen­dung fin­det (die Be­reichs­aus­nah­me des § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB gilt in die­sem Fall nicht, so Ri­char­di, Be­trVG 11.Auf­la­ge 2008 § 77 Rd­nr 134; Rieb­le /Schul RdA 2006, 339, 349 ff.). Dies ist hier aber nicht ge­ge­ben. Wie aus­geführt, han­delt es sich le­dig­lich um ei­ne de­kla­ra­to­ri­sche Ver­wei­sung. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung kommt auch oh­ne die Ver­wei­sung auf das Ar­beits­verhält­nis des Klägers zur An­wen­dung. Im Ar­beits­ver­trag wird zu­dem auf die ge­sam­te Be­triebs­ver­ein­ba­rung ver­wie­sen.

c) Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung verstößt auch nicht we­gen § 75 Be­trVG.

aa) Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben, so­weit § 77 Abs. 3 Be­trVG nicht ein­greift, ei­ne um­fas­sen­de Kom­pe­tenz zur Re­ge­lung von for­mel­len und ma­te­ri­el­len Ar­beits­be­din­gun­gen BAG Ur­teil v. 19.02.2008 – 1 AZR 1004/06 - EzA § 112 Be­trVG 2001 Nr. 26; BAG Ur­teil v. 12.12.2006 - 1 AZR 96/06 - , NZA 2007, 453; grund­le­gend BAG Ur­teil v. 07.11. 1989 - GS 3/85, NZA 1990, 816; auch BVerfG, 23.4. 1986, NJW 1987, 827; Fit­ting, Be­trVG, 24. Aufl. 2008, § 88 Rn. 1, 2). Bei der Aus­ge­stal­tung der Be­triebs­ver­ein­ba­rung steht den Be­triebs­part­nern ein wei­te­rer Er­mes­sens­spiel­raum zu (BAG 19.02.08 a. a. O). Sie ha­ben die Grundsätze von Recht und Bil­lig­keit ins­be­son­de­re den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz des § 75 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG zu be­ach­ten, dem wie­der­um der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG zu­grun­de liegt. Er zielt dar­auf ab, ei­ne Gleich­be­hand­lung von Per­so­nen in ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten si­cher­zu­stel­len und ei­ne gleich­heits­wid­ri­ge Grup­pen­bil­dung aus­zu­sch­ließen. Da­bei verstößt ei­ne sach­ver­halts­be­zo­ge­ne Un­gleich­be­hand­lung erst dann ge­gen den Gleich­heits­satz, wenn sie willkürlich ist, weil sich ein vernünf­ti­ger Grund für die Dif­fe­ren­zie­rung nicht fin­den lässt. Bei ei­ner per­so­nen­be­zo­ge­nen Un­gleich­be­hand­lung ist der Gleich­heits­satz be­reits dann ver­letzt,

 

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wenn ei­ne Grup­pe von Nor­madres­sa­ten im Ver­gleich zu an­de­ren Nor­madres­sa­ten an­ders be­han­delt wird, ob­wohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Un­ter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Ge­wicht be­ste­hen, dass sie die un­glei­che Be­hand­lung recht­fer­ti­gen könn­ten. Die Übergänge zwi­schen sach­ver­halts­be­zo­ge­nen und per­so­nen­be­zo­ge­nen Dif­fe­ren­zie­run­gen sind bis­wei­len fließend. Ins­be­son­de­re kann ei­ne Un­gleich­be­hand­lung von Sach­ver­hal­ten mit­tel­bar ei­ne Un­gleich­be­hand­lung von Per­so­nen­grup­pen be­wir­ken (BAG Ur­teil v. 22.03.2005 - 1 AZR 49/04 -, EzA § 75 Be­trVG 2001 Nr. 2; BAG Ur­teil v. 27.05.2004 - 6 AZR 129/03 - EzA GG Art. 3 Nr. 101).

bb) Maßgeb­lich für das Vor­lie­gen ei­nes die Bil­dung un­ter­schied­li­cher Grup­pen recht­fer­ti­gen­den Sach­grunds ist vor al­lem der mit der Re­ge­lung ver­folg­te Zweck (BAG Ur­teil v. 06. 11. 2007 - 1 AZR 960/06 - EzA § 112 Be­trVG 2001 Nr. 25). Gewährt der Ar­beit­ge­ber auf Grund ei­ner abs­trak­ten Re­ge­lung ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung nach ei­nem er­kenn­bar ge­ne­ra­li­sie­ren­den Prin­zip und legt er gemäß dem mit der Leis­tung ver­folg­ten Zweck die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für die Leis­tung fest, darf er ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer von der Leis­tung nur aus­neh­men, wenn dies sach­li­chen Kri­te­ri­en ent­spricht (vgl.; BAG Ur­teil v. 28.03.2007 -10 AZR 261/06 - EzA § 611 BGB 2002 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 21; BAG Ur­teil v. 27.05.2004 - 6 AZR 129/03 - BA­GE 111, 8). Bei frei­wil­li­gen Leis­tun­gen muss der Ar­beit­ge­ber des­halb die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen so ab­gren­zen, dass ein Teil der Ar­beit­neh­mer von der Vergüns­ti­gung nicht sach­wid­rig oder willkürlich aus­ge­schlos­sen wird (BAG Ur­teil v. 08.03. 1995 - 10 AZR 208/94 - AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 184 = EzA BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 131). Ei­ne sach­frem­de Be­nach­tei­li­gung ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer liegt nicht vor, wenn sich nach dem Zweck der Leis­tung Gründe er­ge­ben, die es un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände recht­fer­ti­gen, die­sen Ar­beit­neh­mern die den an­de­ren Ar­beit­neh­mern gewähr­te Leis­tung vor­zu­ent­hal­ten. Die Zweck­be­stim­mung ei­ner Son­der­zah­lung er­gibt sich vor­ran­gig aus den tatsächli­chen und recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, von de­ren Vor­lie­gen und Erfüllung die Leis­tung abhängig ge­macht wird (vgl. BAG Ur­teil v. 10.01.1991 - 6 AZR 205/89 - BA­GE 67, 1, 5). Die Be­zeich­nung ist nicht maßgeb­lich. Sie kann al­len­falls als ein zusätz­li­ches In­diz,

 

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nicht je­doch als aus­schlag­ge­ben­des oder gar al­lei­ni­ges Merk­mal für ei­nen be­stimm­ten Zweck her­an­ge­zo­gen wer­den (BAG 13.06.1991 - 6 AZR 421/89 - EzA BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 86).

cc) Mit Jah­res­son­der­zah­lun­gen können un­ter­schied­li­che Zwe­cke ver­bun­den wer­den. Die Son­der­zah­lung kann aus­sch­ließlich die im Be­zugs­zeit­raum er­brach­te Ar­beits­leis­tung zusätz­lich ho­no­rie­ren. Hat sie nur die­sen Zweck, ent­steht der An­spruch auf sie be­reits im Lau­fe des Be­zugs­zeit­raums ent­spre­chend der zurück­ge­leg­ten Zeit­dau­er und Ar­beits­leis­tung und wird le­dig­lich zu ei­nem an­de­ren Zeit­punkt ins­ge­samt fällig.

Die Son­der­leis­tung kann aber auch ver­gan­gen­heits- und zu­kunfts­be­zo­ge­ne Ele­men­te mit­ein­an­der ver­knüpfen und so­wohl die Be­loh­nung bis­he­ri­ger Diens­te und er­wie­se­ner Be­triebs­treue be­zwe­cken als auch als An­reiz für künf­ti­ge Be­triebs­treue die­nen (BAG Ur­teil v. 28.03.2007 - 10 AZR 261/06 - a. a. O; BAG Ur­teil v. 07.12.1989 - 6 AZR 324/88 - BA­GE 63, 385; 18.03. 1981 - 5 AZR 952/78 - EzA BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 70). Bei sol­chen Son­der­vergütun­gen wird die Be­loh­nung künf­ti­ger Be­triebs­treue in der Re­gel da­durch si­cher­ge­stellt, dass der An­spruch auf die Son­der­zah­lung den Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses über ei­nen Stich­tag hin­aus bis zum En­de ei­nes dem Ar­beit­neh­mer noch zu­mut­ba­ren Bin­dungs­zeit­raums vor­aus­setzt und der Ar­beit­neh­mer die Son­der­vergütung zurück­zu­zah­len hat, wenn das Ar­beits­verhält­nis vor Ab­lauf der Bin­dungs­dau­er en­det. Die Son­der­zah­lung darf da­von abhängig ge­macht wer­den, dass das Ar­beits­verhält­nis am Aus­zah­lungs­tag über­haupt noch oder noch un­gekündigt be­steht (BAG Ur­teil v. 04.05.1999 - 10 AZR 417/98 - AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 214 = EzA BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 155; BAG Ur­teil v. 08.03.1995 - 10 AZR 208/94 - AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 184 = EzA BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 131) .

dd) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist es auch grundsätz­lich möglich, dass der Ar­beit­ge­ber den An­spruch auf ei­ne frei­wil­li­ge

 

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Son­der­zah­lung dar­an knüpft, dass das Ar­beits­verhält­nis über den Aus­zah­lungs­zeit­punkt hin­aus in­ner­halb ei­nes be­stimm­ten Zeit­rau­mes fort­be­steht, wo­bei für die zulässi­ge Bin­dungs­dau­er die Höhe der Son­der­zah­lung maßgeb­lich ist (BAG Ur­teil v. 28.03.2007 - 10 AZR 261/06 - a. a. O ; BAG Ur­teil v. 28.04. 2004 - 10 AZR 356/03 - BA­GE 110, 244; 21.05. 2003 - 10 AZR 390/02 - BA­GE 106, 159) . Sol­che Klau­seln sind selbst dann zulässig, wenn der Grund für die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses vor Ab­lauf der Bin­dungs­frist nicht in der Sphäre des Ar­beit­neh­mers liegt.

ee) Un­ter Berück­sich­ti­gung der oben dar­ge­stell­ten Grundsätze, die für ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bar­te Son­der­zah­lun­gen ent­wi­ckelt wor­den sind, kann im vor­lie­gen­den Fall kei­ne sach­frem­de Schlech­ter­stel­lung des Klägers fest­ge­stellt wer­den.

1) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers erschöpft sich hier der Zweck der Zah­lung der va­ria­blen Er­folgs­vergütung nicht in der zusätz­li­chen Ho­no­rie­rung der ver­gan­ge­nen Ar­beits­leis­tung. Dies er­gibt sich un­zwei­fel­haft aus den Re­ge­lun­gen der Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen sind we­gen ih­res nor­ma­ti­ven Cha­rak­ters wie Ge­set­ze aus­zu­le­gen. (BAG Ur­teil v. 10.02.2009 - 1AZR 767/07 - ju­ris.de; BAG Ur­teil v. 26.08.2008.2008 - 1 AZR 346/07 - Rn. 21, NZA 2009, 161) . Aus­zu­ge­hen ist da­nach vom Wort­laut und dem durch ihn ver­mit­tel­ten Wort­sinn. Ins­be­son­de­re bei un­be­stimm­tem Wort­sinn sind darüber hin­aus der wirk­li­che Wil­le der Be­triebs­par­tei­en und der von ih­nen be­ab­sich­tig­te Zweck der Re­ge­lung zu berück­sich­ti­gen, so­fern sie im Re­ge­lungs­werk ih­ren Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben. Ab­zu­stel­len ist außer­dem auf den Ge­samt­zu­sam­men­hang der Re­ge­lung. Die­ser kann An­halts­punk­te für den wirk­li­chen Wil­len der Be­triebs­par­tei­en bie­ten. Blei­ben im Ein­zel­fall wei­ter­hin Zwei­fel, können die Ge­rich­te auf wei­te­re Kri­te­ri­en zurück­grei­fen, et­wa die Ent­ste­hungs­ge­schich­te und die bis­he­ri­ge An­wen­dung der Re­ge­lung in der Pra­xis. Auch die Prak­ti­ka­bi­lität denk­ba­rer Aus­le­gungs­er­geb­nis­se ist zu berück­sich­ti­gen. Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Aus­le­gung der Vor­zug, die zu ei­ner sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier-

 

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ten, prak­tisch brauch­ba­ren und ge­set­zes­kon­for­men Re­ge­lung führt (BAG 13.12.2005 - 1 AZR 551/04 - EzA Be­trVG 2001 § 112 Nr. 16).

2) Aus­ge­hend von die­sen Aus­le­gungs­grundsätzen be­schränkt sich der Zweck der Leis­tung nicht nur auf die Ho­no­rie­rung der ver­gan­ge­nen Ar­beits­leis­tung. Die vor­lie­gen­de Be­triebs­ver­ein­ba­rung enthält nicht nur Re­ge­lun­gen über die Be­wer­tung und Be­rech­nung der va­ria­blen Er­folgs­vergütung, son­dern auch die Vor­aus­set­zun­gen un­ter de­nen die IST-VE nicht zur Aus­zah­lung kommt. Die Vergütung wird, wie das Ar­beits­ge­richt zu Recht aus­geführt hat, an zwei an­spruchs­be­gründen­de Vor­aus­set­zun­gen ge­knüpft. Ers­te Vor­aus­set­zung ist die Erfüllung der Ziel­vor­ga­be. Wei­te­re Vor­aus­set­zung ist, dass der Mit­ar­bei­ter we­der durch Kündi­gung un­terjährig aus­schei­det, noch dass das Ar­beits­verhält­nis vor dem Aus­zah­lungs­tag gekündigt wird. Aus der Re­ge­lung die­ser zwei­ten Vor­aus­set­zung er­gibt sich nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer of­fen­kun­dig, dass der Zweck der Leis­tung auch dar­in be­steht, künf­ti­ge Be­triebs­treue zu be­loh­nen. Wenn man der Auf­fas­sung des Klägers fol­gen würde, hätte die Re­ge­lung in § 8 kei­nen Sinn. Es kann aber nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Be­triebs­part­ner ei­ne Re­ge­lung in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf­neh­men, die kei­ne Be­deu­tung ha­ben soll.
Der Zweck der va­ria­blen Er­folgs­vergütung, die Mit­ar­bei­ter an das Un­ter­neh­men auch für die Zu­kunft zu bin­den und zu mo­ti­vie­ren und da­mit künf­ti­ge Be­triebs­treue zu be­loh­nen, konn­te im Fal­le des aus­ge­schie­de­nen Klägers nicht mehr er­reicht wer­den. Der Kläger ist folg­lich nicht aus sach­frem­den Gründen von dem An­spruch auf Zah­lung der Er­folgs­vergütung aus­ge­schlos­sen wor­den.

3) Nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer ist die Stich­tags­re­ge­lung auch nicht in Be­zug auf die Bin­dungs­dau­er willkürlich und da­mit un­zulässig.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG Ur­teil v. 28.03.2007 - 10 AZR 261/06 - EzA § 611 BGB 2002 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 21 m.w.N.; vgl. LAG Rhein­land-Pfalz Ur­teil v. 24.04.2008 - 11 Sa 87/08 - ) dürfen mit Son­der­zah­lun­gen ver­bun­de­ne ein­zel­ver­trag­li­che Bin­dungs- und Rück­zah­lungs­klau­seln ei­nen Ar­beit­neh­mer nicht in un­zulässi­ger Wei­se in sei­ner Be­rufs­frei­heit

 

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(Art. 12 Abs. 1 GG) be­hin­dern. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in­so­weit für ein­zel­ver­trag­li­che Reg­lun­gen Grenz­wer­te fest­ge­legt. Ei­ne am Jah­res­en­de ge­zahl­te Zu­wen­dung, die über 100,00 EUR, aber un­ter ei­nem Mo­nats­be­zug liegt, kann den Ar­beit­neh­mer da­nach bis zum 31.03. des Fol­ge­jah­res bin­den. Nur wenn die Zu­wen­dung ei­nen Mo­nats­be­zug er­reicht, ist ei­ne Bin­dung des Ar­beit­neh­mers über die­sen Ter­min hin­aus zulässig. Erhält ein Ar­beit­neh­mer ei­ne Son­der­zah­lung, die ein zwei­fa­ches Mo­nats­ge­halt nicht er­reicht, so kann er durch ei­ne Rück­zah­lungs­klau­sel je­den­falls dann nicht über den 30.06. des fol­gen­den Jah­res ge­bun­den wer­den, wenn er bis da­hin meh­re­re Kündi­gungsmöglich­kei­ten hat­te (BAG, 24.10.2007 - 10 AZR 825/06 - AP Nr. 32 zu § 307 BGB m.w.N.). Für die Be­ur­tei­lung der Zulässig­keit ei­ner Bin­dungs­klau­sel sind folg­lich die Dau­er der Bin­dung, die Höhe der Son­der­zah­lung und auch das Aus­las­sen von Kündi­gungsmöglich­kei­ten von Be­deu­tung.

Da die Bin­dungs­klau­sel im vor­lie­gen­den Fall in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung ent­hal­ten ist, kommt al­ler­dings, wie aus­geführt we­gen § 310 Abs. 4 S. 1 BGB, kei­ne In­halts­kon­trol­le gem. §§ 305 BGB zum Tra­gen. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG Ur­teil v. 09.12.1981 - 5 AZR 549/79 - EzA § 112 Be­trVG 1972 Nr. 24; BAG, Ur­teil vom 17.02.1981 - 1 AZR 290/78 - AP Nr. 11 zu § 112 Be­trVG 1972 m w. N.) un­ter­lie­gen Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen nicht nur der Kon­trol­le zur Übe­rein­stim­mung mit Ver­fas­sung, Ge­set­zes­recht und gu­ten Sit­ten, son­dern auch der Bil­lig­keits­kon­trol­le, wie sie in § 75 Be­trVG be­schrie­ben ist. Maßstab der Kon­trol­le ist die Ver­pflich­tung der Be­triebs­or­ga­ne, dem Wohl des Be­trie­bes und sei­ner Ar­beit­neh­mer un­ter Berück­sich­ti­gung des Ge­mein­wohls zu die­nen. In­ner­halb die­ser Ver­pflich­tung ha­ben sie den bil­li­gen Aus­gleich zwi­schen den In­ter­es­sen der Be­leg­schaft und dem Be­trieb so­wie den Aus­gleich zwi­schen den ver­schie­de­nen Tei­len der Be­leg­schaft zu su­chen (BAG Ur­teil v. - 5 AZR 217/74- EzA § 77 Be­trVG 1972 Nr.1). Die ge­richt­li­che Bil­lig­keits­kon­trol­le be­zieht sich auf den In­halt der ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen selbst. Es geht dar­um, ob die von den Be­triebs­part­nern ver­ein­bar­te Re­ge­lung in sich der Bil­lig­keit ent­spricht

 

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oder ob ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer oder Grup­pen von ih­nen in un­bil­li­ger Wei­se be­nach­tei­ligt wer­den (BAG 17.02.1981 -1 AZR 290/78 - AP Nr. 11 zu § 112 Be­trVG 1972; vgl. hier­zu auch Rolfs, Die In­halts­kon­trol­le ar­beits­recht­li­cher in­di­vi­du­al- und Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen RdA 2006, 349, wo­nach ein un­ter­schied­li­cher Prüfungs­maßstab für Ta­rif­verträge und Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen nicht mit § 310 Abs. 4 S. 1 BGB zu ver­ein­ba­ren ist).

Dies ha­ben die Be­triebs­part­ner nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer mit der vor­lie­gen­den Re­ge­lung be­ach­tet, wo­bei da­hin­ste­hen kann, ob ein un­ter­schied­li­cher Prüfungs­maßstab für Ta­rif­verträge und Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen mit § 310 Abs. 4 S. 1 BGB zu ver­ein­ba­ren ist. Das Geschäfts­jahr en­det bei der Be­klag­ten nach ih­rem un­be­strit­te­nen Vor­trag am 31.03. des Jah­res. Gemäß § 2 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung wird die Er­folgs­vergütung mit den Bezügen für den Mo­nat Ju­li aus­ge­zahlt. Der Kläger be­gehrt ei­ne Jah­res­son­der­zah­lung von 22.880,00 €, die das mo­nat­li­che Grund­ge­halt um das Vier­fa­che und das Fix­ge­halt um das Drei­fa­che (3,7) über­schrei­tet. Selbst un­ter Zu­grun­de­le­gung des von der Be­klag­ten er­rech­ne­ten Be­tra­ges von 18.304,00 € brut­to er­gibt sich ein Be­trag in Höhe ei­nes 2,9 fa­chen Mo­nats­ge­halts. An­ge­sichts die­ser Höhe ist ei­ne Bin­dung nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer über den Ju­li (Aus­zah­lungs­mo­nat) des Fol­ge­jah­res hin­aus, nicht un­an­ge­mes­sen.

So­weit der Kläger dar­auf ver­weist, dass er bei ei­nem Kündi­gungs­ent­schluss im Ju­li ei­nes Jah­res an­ge­sichts der Re­ge­lung in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung und der lan­gen Kündi­gungs­frist von sechs Mo­na­ten zum Quar­tal zwei Jah­re die va­ria­ble Er­folgs­vergütung ver­lie­re, hat die Be­klag­te dem zu­tref­fend ent­ge­gen­ge­hal­ten, dass der Kläger in der Zeit zwi­schen Ab­lauf des Be­zugs­zeit­raums und dem Aus­zah­lungs­ter­min le­dig­lich ei­ne Kündi­gungsmöglich­keit am 30.06. des Jah­res aus­las­sen muss, um sei­nen An­spruch zu er­hal­ten. Dies ist nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer nicht zu be­an­stan­den. Im Übri­gen er­gibt sich die­se Bin­dung auf­grund der spe­zi­el­len Kündi­gungs­frist des Klägers. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung gilt gemäß § 1 für al­le Ar­beit­neh­mer, mit Aus­nah­me von Aus­zu­bil­den­den, lei­ten­den An­ge­stell­ten und be­fris­tet Beschäftig­te, al­so auch für Ar­beit­neh­mer mit

 

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kürze­rer, even­tu­ell ge­setz­li­cher Kündi­gungs­frist. Für die­se Per­so­nen er­gibt sich ein er­heb­lich kürze­rer Bin­dungs­zeit­raum.

Die ge­richt­li­che Kon­trol­le er­streckt sich ent­spre­chend der Na­tur der Be­triebs­ver­ein­ba­rung als kol­lek­ti­ver Re­ge­lung nur auf die Norm als sol­che (abs­trak­te Bil­lig­keits­kon­trol­le), nicht hin­ge­gen auf de­ren Aus­wir­kung auf die ein­zel­nen Ar­beits­verhält­nis­se (BAG Ur­teil v. 20.11.1987 - 2 AZR 284/86 - EzA § 620 BGB Al­ters­gren­ze Nr. 1; kon­kre­te Bil­lig­keits­kon­trol­le). Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat ver­pflich­ten sich Be­triebs- und Be­leg­schafts­in­ter­es­sen zu ei­nem bil­li­gen Aus­gleich zu brin­gen. Auf ei­ne in­di­vi­du­el­le In­ter­es­sen­abwägung kommt es nicht an. Zu­dem sind Stich­tags­re­ge­lun­gen Aus­druck ei­ner ge­bo­te­nen pau­scha­lier­ten Be­trach­tung und aus Gründen der Prak­ti­ka­bi­lität un­ge­ach­tet der da­mit ver­bun­de­nen Härten zur Ab­gren­zung des begüns­tig­ten Per­so­nen­krei­ses ge­recht­fer­tigt, wenn sich die Wahl der Stich­tags­re­ge­lung am ge­ge­be­nen Sach­ver­halt ori­en­tiert und dem­nach ver­tret­bar ist (BAG Ur­teil v. 12.12.2007 - 10 AZR 24/07.-. EzA § 242 BGB 2002 Gleich­be­hand­lung Nr. 16 un­ter Hin­weis auf BAG, 25.06.2003 - 4 AZR 405/02 - EzA Art 3 GG Nr. 99). Die vor­lie­gen­de Re­ge­lung ist in­so­weit nicht zu be­an­stan­den. Das In­ter­es­se der Be­leg­schaft, ei­ne zusätz­li­che va­ria­ble Er­folgs­vergütung zu er­hal­ten und an­de­rer­seits das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers ei­nen An­reiz für zukünf­ti­ge Be­triebs­treue und Mo­ti­va­ti­on zu schaf­fen, ist mit der Stich­tags­re­ge­lung aus­rei­chend ab­ge­wo­gen. Es er­gibt sich auch kei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung, weil mit den ver­ein­bar­ten Bezügen auch die Mehr­ar­beit ab­ge­gol­ten ist. Es darf nicht über­se­hen wer­den, dass der Kläger nach dem un­strei­ti­gen Vor­trag auch oh­ne die va­ria­ble Er­folgs­vergütung ei­ne über­ta­rif­li­che Vergütung erhält.

4) Da die je­wei­li­ge Stich­tags­re­ge­lung nur im Hin­blick auf die kon­kret ver­folg­te Er­folgs­vergütung ge­prüft wer­den kann, kann da­hin­ste­hen, ob dies auch in an­de­ren Ka­len­der­jah­ren gilt (LAG Rhein­land-Pfalz Ur­teil vom 24.04.2008 – 11 Sa 87/08- AE 2009, 42, ju­ris.de).

 

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d) Der Kläger kann sich auch nicht Er­folg dar­auf be­ru­fen, dass § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­gen § 77 Abs. 3 S. 2 Be­trVG verstößt und die da­mit teil­un­wirk­sa­me Be­triebs­ver­ein­ba­rung oh­ne die Bin­dungs­re­ge­lung be­ste­hen bleibt. Selbst wenn man da­von aus­geht, dass die Re­ge­lung ge­gen § 77 Abs. 3 Be­trVG verstößt, führt das nicht zu ei­nem An­spruch des Klägers. Die in die­sem Fall teil­un­wirk­sa­me Be­triebs­ver­ein­ba­rung gilt nicht oh­ne die Re­ge­lung des § 8 wei­ter.

aa) Die Teil­un­wirk­sam­keit ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung hat die Un­wirk­sam­keit al­ler Re­ge­lun­gen zur Fol­ge, wenn der ver­blei­ben­de Teil oh­ne die un­wirk­sa­men Be­stim­mun­gen kei­ne sinn­vol­le und in sich ge­schlos­se­ne Re­ge­lung enthält (BAG Ur­teil v. 15.05.2001 - 1 ABR 39/00 - EzA § 87 Be­trVG 1972 Leis­tungs­lohn Nr. 18). Stellt sich da­ge­gen der ver­blei­ben­de Teil ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung als ei­ne wei­ter­hin sinn­vol­le und an­wend­ba­re Re­ge­lung dar, so kommt es für de­ren iso­lier­te Wei­ter­gel­tung auf ei­nen mögli­cher­wei­se ent­ge­gen­ste­hen­den Wil­len der Be­triebs­par­tei­en re­gelmäßig nicht an. Dies folgt aus dem Norm­cha­rak­ter ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung, der es eben­so wie bei Ta­rif­verträgen und Ge­set­zen ge­bie­tet, im In­ter­es­se der Kon­ti­nuität und Rechts­beständig­keit ei­ner ge­setz­ten Ord­nung die­se so­weit auf­recht zu er­hal­ten, wie sie auch oh­ne den un­wirk­sa­men Teil ih­re Ord­nungs­funk­ti­on noch ent­fal­ten kann (GK-Be­trVG/Kreutz 8. Aufl. § 77 Rn. 61 m.w.N.).

bb) Nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer enthält die Be­triebs­ver­ein­ba­rung oh­ne die Stich­tags­klau­sel kei­ne sinn­vol­le und in sich ge­schlos­se­ne Re­ge­lung. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung hat ei­ne dop­pel­te Funk­ti­on. Die Be­triebs­part­ner woll­ten so­wohl die Mit­ar­bei­ter mo­ti­vie­ren, als auch ein An­reiz für zukünf­ti­ge Be­triebs­treue er­set­zen. Dies er­gibt sich un­zwei­fel­haft aus ih­rer Re­ge­lung in § 8. Dies er­gibt sich auch aus § 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung, wo­nach sie kei­ne An­wen­dung fin­det auf Mit­ar­bei­ter mit be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen, de­ren An­stel­lung nicht auf Dau­er an­ge­legt ist. Oh­ne die Bin­dungs­klau­sel kann der von den Be­triebs­part­nern ver­folg­te Zweck nicht er­reicht wer­den. Der Zweck der zusätz­li­chen va­ria­blen Vergütung würde sich al­lein dar­auf be­schränken, in der Ver­gan­gen­heit ge­leis­te­te Ar­beit zu vergüten. Dies ent­sprach aber nicht dem Wil­len

 

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der Be­triebs­part­ner. Es ver­bleibt al­so kei­ne in sich ge­schlos­se­ne, den vor­ge­ge­be­nen Zweck der Leis­tung berück­sich­ti­gen­de Re­ge­lung.

cc) Ei­ne un­wirk­sa­me Be­triebs­ver­ein­ba­rung führt auch nicht da­zu, dass der zulässi­ge In­halt ein­zel­ver­trag­lich gilt. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist es zwar nicht aus­ge­schlos­sen, ei­ne un­wirk­sa­me Be­triebs­ver­ein­ba­rung ent­spre­chend § 140 BGB in ei­ne ver­trag­li­che Ein­heits­re­ge­lung (Ge­samt­zu­sa­ge oder gebündel­te Ver­trags­an­ge­bo­te) um­zu­deu­ten. Ei­ne sol­che Um­deu­tung kommt al­ler­dings nur in Be­tracht, wenn be­son­de­re Umstände die An­nah­me recht­fer­ti­gen, der Ar­beit­ge­ber ha­be sich un­abhängig von der Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf je­den Fall ver­pflich­ten wol­len, sei­nen Ar­beit­neh­mern die in die­ser Be­triebs­ver­ein­ba­rung vor­ge­se­he­nen Leis­tun­gen zu gewähren (BAG Ur¬teil v. 24.01.1996 - 1 AZR 597/95 - AP Be­trVG 1972 § 77 Ta­rif­vor­be­halt Nr. 8; BAG Ur­teil v. 05.03.1997 - 4 AZR 532/95 - AP Be­trVG 1972 § 77 Ta­rif­vor­be­halt Nr. 10; BAG Ur­teil v. 29.10.2002 - 1 AZR 573/01 - AP Be­trVG 1972 § 77 Ta­rif­vor­be­halt Nr. 18). Da­bei ist ins­be­son­de­re zu berück­sich­ti­gen, dass sich der Ar­beit­ge­ber von ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung durch Kündi­gung je­der­zeit lösen kann, während ei­ne Ände­rung der Ar­beits­verträge, zu de­ren In­halt ei­ne Ge­samt­zu­sa­ge wird, nur ein­ver­nehm­lich oder durch ge­richt­lich über­prüfba­re Ände­rungskündi­gung möglich ist. Ein hy­po­the­ti­scher Wil­le des Ar­beit­ge­bers, sich un­abhängig von der Wirk­sam­keit ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf Dau­er zu bin­den, kann da­her nur in Aus­nah­mefällen an­ge­nom­men wer­den (BAG Ur­teil v. 05.03.1997 - 4 AZR 532/95 - AP Be­trVG 1972 § 77 Ta­rif­vor­be­halt Nr.10). Sol­che Umstände sind hier nicht ge­ge­ben. Es kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass sich die Be­klag­te auf Dau­er an ei­ne Re­ge­lung bin­den woll­te, die nicht ih­rem Re­ge­lungs­zweck ent­spricht.

3. Der Kläger kann sich auch nicht mit Er­folg auf den all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz be­ru­fen. Er hat die Vor­aus­set­zun­gen für das Ein­grei­fen des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes nicht aus­rei­chend dar­ge­legt.

 

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Der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­bie­tet so­wohl die sach­frem­de Schlech­ter­stel­lung ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer ge­genüber an­de­ren Ar­beit­neh­mern in ver­gleich­ba­rer La­ge als auch die sach­frem­de Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Ar­beit­neh­mern in ei­ner be­stimm­ten Ord­nung. Ei­ne Grup­pen­bil­dung muss sach­li­chen Kri­te­ri­en ent­spre­chen. Sach­fremd ist ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung, wenn es für die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung kei­ne bil­li­gens­wer­ten Gründe gibt. Der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­bie­tet es dem Ar­beit­ge­ber, ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer oder Ar­beit­neh­mer­grup­pen von ei­ner all­ge­mei­nen begüns­ti­gen­den Re­ge­lung willkürlich, das heißt oh­ne Vor­lie­gen sach­li­cher Gründe, aus­zu­neh­men. Liegt ein sach­li­cher Grund nicht vor, so kann der über­g­an­ge­ne Ar­beit­neh­mer ver­lan­gen, nach Maßga­be der all­ge­mei­nen Re­ge­lung be­han­delt zu wer­den (BAG Ur­teil v. 15.11.1994 - 5 AZR 682/93 - NZA 1995, 939 f.).
Der Kläger hat nicht sub­stan­ti­iert dar­ge­tan, dass die Be­klag­te bei an­de­ren Ar­beit­neh­mern die Stich­tags­klau­sel in § 8 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung nicht an­wen­det. An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass die Be­klag­te ei­ne sach­frem­de Schlech­ter­stel­lung des Klägers be­strit­ten hat, hätte der Kläger im Ein­zel­nen Tat­sa­chen vor­tra­gen und dar­le­gen müssen, aus de­nen sich ei­ne sach­frem­de Un­gleich­be­hand­lung er­gibt. In­so­weit fehlt es aber an ei­nem kon­kre­ten Vor­trag, der ei­ne recht­li­che Be­ur­tei­lung zulässt.

4. Der Kläger kann den An­spruch nicht auf ei­ne be­trieb­li­che Übung stützen. Von ei­ner be­trieb­li­chen Übung der Ar­beit­neh­mer ist trotz wie­der­holt ge­zahl­ter Leis­tun­gen dann nicht aus­zu­ge­hen, wenn der Ar­beit­ge­ber die Leis­tun­gen er­kenn­bar auf Grund ei­ner an­de­ren und sei es auch ei­ner tatsächlich nicht be­ste­hen­den Rechts­pflicht hat er­brin­gen wol­len (BAG Ur­teil v. 14.08.2001 - 1 AZR 619/00 - AP Be­trVG 1972 § 77 Nr. 85; BAG Ur­teil v. 18.11.2003 - 1 AZR 604/02 - AP Be­trVG 1972 § 77 Nach­wir­kung Nr. 15). Dies ist hier ge­ge­ben. Die Be­klag­te will er­kenn­bar nur im Rah­men der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ih­re Leis­tun­gen er­brin­gen. Der Kläger konn­te nicht da­von aus­ge­hen, dass sich die Be­klag­te un­abhängig vom Schick­sal der Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf un­be­grenz­te Zeit ver­pflich­ten woll­te.

 

- 25 -

III. Die Kos­ten des Rechts­streits hat der Kläger als un­ter­le­ge­ne Par­tei nach § 91 Abs. 1, § 97 Abs. 1 ZPO zu tra­gen.

IV. Die Kam­mer hat den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen grundsätz­li­che Be­deu­tung bei­ge­mes­sen und da­her gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1, Abs. 1 ArbGG für den Kläger die Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­sen.

RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von dem Kläger

R E V I S I O N

ein­ge­legt wer­den.

Für die Be­klag­te ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

Fax: 0361 2636 2000

ein­ge­legt wer­den.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte,
2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,

 

- 26 -

3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Nr. 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung der Mit­glie­der die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on oder ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder Zu­sam­men­schlus­ses mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.

* ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

 

Jan­sen 

Cle­mens 

Schmidt-We­fels

 

- 27 -

17 Sa 1522/08

1 Ca 3987/08
Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf

 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT DÜSSEL­DORF

BERICH­TI­GUN­GS-BESCHLUSS

In dem Rechts­streit

des Herrn U. H., Zum T. 25, M.,

- Kläger und Be­ru­fungskläger -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte G. u.a.,
T. straße 51, O.,

g e g e n

die J. Deut­sche J. bank AG , ver­tre­ten durch den Vor­stand Dr. H. C., X.-C.-Straße 1, E.,

- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte Pro­fes­sor Dr. L. & W.,
H.-H.-Straße 8, E. ,

wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 28.04.2009 - 17 Sa 1522/08 – wie folgt be­rich­tigt:

statt 22.800,00 € auf Sei­te 3 des Tat­be­stan­des im An­trag des Klägers und 23.880,00 € un­ter II. Sei­te 9 der Ent­schei­dungs-gründe heißt es in bei­den Fällen:

„22.880,00 €“.

G R Ü N D E:

Es han­delt sich um ei­nen Schreib­feh­ler und da­mit um ei­ne of­fen­sicht­li­che Un­rich­tig­keit, die von Amts we­gen gemäß § 319 ZPO zu be­rich­ti­gen war.

Düssel­dorf, den 07.08.2009
Der Vor­sit­zen­de der 17. Kam­mer
Jan­sen
Vor­sit­zen­der Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt

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