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Bsirs­ke: Ama­zon-Ar­beits­kampf hat grund­sätz­li­che Aus­strah­lung

Seit Mo­na­ten kämpft Ver­di für ei­nen Ta­rif­ver­trag bei Ama­zon: Für Ge­werk­schafts­chef Bsirs­ke ist es ein Kampf um die Ar­beits­be­din­gun­gen in der di­gi­ta­len Ära. Ei­nen schnel­len Durch­bruch er­war­tet er nicht

01.01.2015. (dpa) - Der Ar­beits­kampf von Ver­di beim On­line-Ver­sand­händ­ler Ama­zon hat für den Chef der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft grund­sätz­li­che Aus­strah­lung weit über den deut­schen Ab­le­ger des US-Gi­gan­ten hin­aus.

"Es ist ein fun­da­men­ta­ler Kon­flikt", sag­te Frank Bsirs­ke der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Ber­lin.

"Es geht dar­um, wie im di­gi­ta­len Zeit­al­ter die Zu­kunft der Ar­beits­be­zie­hun­gen ge­stal­tet wer­den soll", sag­te Bsirs­ke. "Hier sol­len ame­ri­ka­ni­sier­te Ar­beits­be­zie­hun­gen mit ei­ner Ab­leh­nung von Ge­werk­schaf­ten als Ver­hand­lungs­part­ner nach Eu­ro­pa ex­por­tiert wer­den."

Kurz­fris­tig zeich­ne sich auch nach den jüngs­ten Streiks bei Ama­zon kein Durch­bruch ab. Ver­di ha­be zu­letzt sechs Stand­or­te in der Bun­des­re­pu­blik ein­be­zo­gen, Ar­beits­nie­der­le­gun­gen ha­be es auch in Frank­reich ge­ge­ben.

Ama­zon wol­le den Streik durch den Zu­griff auf La­ger­be­stän­de im Aus­land und den Ein­satz von be­fris­tet Be­schäf­tig­ten un­ter­lau­fen. Ver­di ver­net­ze sich aber in­ter­na­tio­nal mit Fran­zo­sen, Bri­ten, Po­len und Tsche­chen. "Ich bin über­zeugt, dass es am En­de zu ei­ner ta­rif­li­chen An­er­ken­nung der Ge­werk­schaft als Ver­hand­lungs­part­ner kommt. Denn dar­um geht es", mein­te der Ver­di-Chef.

Ama­zon wol­le kei­ne Ta­rif­ver­trä­ge, son­dern ein­sei­tig fest­le­gen, zu wel­chen Be­din­gun­gen ge­ar­bei­tet wird. "An den ver­schie­de­nen deut­schen Ama­zon-Stand­or­ten gibt es un­ter­schied­li­che Lohn­ni­veaus, Zu­schlags­re­ge­lun­gen und Ne­ben­leis­tun­gen."

Der Ta­rif­kon­flikt zwi­schen Ama­zon Deutsch­land und der Ge­werk­schaft dau­ert seit Mai 2013 an. Der On­line­händ­ler lehnt ei­nen Ta­rif­ver­trag nach den Be­din­gun­gen des Ein­zel­han­dels ab und ver­weist dar­auf, dass sich die Be­zah­lung der Mit­ar­bei­ter am obe­ren Be­reich der Lo­gis­tik­bran­che ori­en­tie­re.

Mit­ar­bei­ter er­hiel­ten zu Be­ginn des Ar­beits­ver­hält­nis­ses im Schnitt 10,09 Eu­ro brut­to pro St­un­de und nach zwei Jah­ren bis zu 12,69 Eu­ro, zu­züg­lich Son­der­leis­tun­gen. Zu­letzt hat­te das Un­ter­neh­men dar­auf hin­ge­wie­sen, in die­sem Jahr in Deutsch­land rund 1200 neue un­be­fris­te­te Stel­len ge­schaf­fen zu ha­ben.

Bsirs­ke kün­dig­te un­ge­ach­tet des­sen an, ver­bes­ser­te Re­ge­lun­gen zur All­ge­mein­ver­bind­lich­keits­er­klä­rung von Ta­rif­ver­trä­gen nut­zen zu wol­len. "Ein Ta­rif­ver­trag kann nun all­ge­mein­ver­bind­lich er­klärt wer­den, wenn wirt­schaft­li­chen Fehl­ent­wick­lun­gen im öf­fent­li­chen In­ter­es­se ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den soll."

Die Ero­si­on des Ta­rif­ver­trags­sys­tems sei ei­ne sol­che Fehl­ent­wick­lung. "Wir be­rei­ten ei­ne Initia­ti­ve vor, den Ein­zel­han­dels­ta­rif­ver­trag für den Ver­sand­han­del ver­bind­lich zu ma­chen." Der Ver­di-Chef zeig­te sich über­zeugt, dass das vom Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um po­si­tiv be­glei­tet wer­de.

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Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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