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15/044a Bür­ger sein im Be­trieb - Ruf nach mehr Mit­spra­che in der Ar­beits­welt

Mo­bil, ver­netzt und kom­mu­ni­ka­tiv: Die di­gi­ta­le Ar­beits­welt bringt auch ei­ne neue Ge­ne­ra­ti­on von Ar­beit­neh­mern her­vor. Sie wol­len mit­re­den bei wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen im Un­ter­neh­men. Das stellt auch Füh­rungs­kräf­te vor neue An­for­de­run­gen

13.02.2015. (dpa) - Den ei­ge­nen Chef wäh­len?

Über neue Pro­duk­te oder so­gar übers Ge­halt mit­ent­schei­den?

Für die meis­ten Be­schäf­tig­ten in Deutsch­land klingt das noch nach fer­ner Zu­kunft.

Doch in der neu­en di­gi­ta­len Ar­beits­welt kommt vie­les auf den Prüf­stand - von der Prä­senz­kul­tur über alt­her­ge­brach­te Hier­ar­chi­en bis hin zu stren­gen Ren­di­te­vor­ga­ben.

Statt­des­sen wird der Ruf nach mehr Mit­spra­che bei der Wert­schöp­fung lau­ter, wie auch ei­ne Kon­fe­renz un­ter dem Ti­tel "Das de­mo­kra­ti­sche Un­ter­neh­men" am Don­ners­tag an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät in Mün­chen zeig­te.

Das neue Den­ken passt in die Zeit: Welt­weit wird über so­zia­le Netz­wer­ke ge­pos­tet, dis­ku­tiert und ge­teilt. Je­der spricht mit je­dem über Al­les - das treibt auch die Kom­mu­ni­ka­ti­on in Un­ter­neh­men an. Mehr noch: Jun­ge Ta­len­te, die in in­no­va­ti­ve Ar­beits­pro­zes­se und Ent­wick­lun­gen ein­ge­bun­den sind, wol­len sich nicht mehr vom Chef gän­geln las­sen, son­dern brau­chen Frei­räu­me, um sich zu ent­fal­ten, ist der frü­he­re Te­le­kom-Per­so­nal­vor­stand Tho­mas Sat­tel­ber­ger über­zeugt. Der klas­si­sche Füh­rungs­stil per An­ord­nung von oben nach un­ten da­ge­gen ha­be weit­ge­hend aus­ge­dient.

Sat­tel­ber­ger en­ga­giert sich in der Initia­ti­ve Neue Qua­li­tät der Ar­beit und sieht in der De­mo­kra­ti­sie­rung von Un­ter­neh­men ei­ne Zu­kunfts­fra­ge für die deut­sche Wirt­schaft. Da­bei ge­be es vie­le The­men, bei de­nen sich die Be­schäf­tig­ten mit ih­ren Kom­pe­ten­zen ein­brin­gen kön­nen - ob Stra­te­gie, Ver­gü­tungs­sys­tem oder Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on, vor al­lem in Teams, so Sat­tel­ber­ger.

Bei­spie­le für ei­nen Kul­tur­wan­del gibt es be­reits: Bei der Ham­bur­ger Agen­tur Elb­dud­ler bei­spiels­wei­se be­stim­men die Mit­ar­bei­ter selbst, wie viel sie ver­die­nen. Und bei der Schwei­zer Soft­ware­fir­ma Um­an­tis wäh­len die Be­schäf­tig­ten ih­re Füh­rungs­kräf­te. Bei SAP ist die Mit­spra­che schon im­mer Usus. In­zwi­schen hat der Soft­ware­kon­zern die Zu­frie­den­heit der Mit­ar­bei­ter so­gar zum stra­te­gi­schen Ziel aus­ge­ru­fen - und lässt sich re­gel­mä­ßig von ih­nen per Be­fra­gung Zeug­nis­se aus­stel­len.

Auch Ar­min Steu­er­na­gel, Chef des Ver­sand­händ­lers Uni­vers­na­tur, be­tei­ligt sei­ne Mit­ar­bei­ter über die App "Cor­po­ra­te Vo­te" prak­tisch an al­len Ent­schei­dun­gen im Un­ter­neh­men - vom Ka­ta­log­de­sign bis hin zur Fra­ge, ob Ver­triebs­mit­ar­bei­ter ei­ne Bahn­Card 100 ha­ben soll­ten. Wich­tig da­bei: Die The­men wer­den an die­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter her­an­ge­tra­gen, die di­rekt da­von be­trof­fen sind und die Kon­se­quen­zen je­der Ent­schei­dung vor­ab ge­mein­sam ana­ly­siert, be­vor ab­ge­stimmt wird. Die Vor­tei­le lie­gen für den 24-jäh­ri­gen Grün­der auf der Hand: "Wir sind viel in­no­va­ti­ver, denn das ist wie kol­lek­ti­ves Brain­stor­ming", sagt Steu­er­na­gel.

Für Sat­tel­ber­ger al­ler­dings hat das Mit­re­den auch Gren­zen: "Zu viel Teil­ha­be kann Un­ter­neh­mens­ab­läu­fe läh­men." Wich­tig sei, dass die Teil­ha­be mit Au­gen­maß statt­fin­de - und dass ein Gre­mi­um die­se an­ge­mes­sen struk­tu­riert. Auch Be­triebs­wirt­schaft­le­rin Isa­bell Wel­pe be­tont, dass de­mo­kra­ti­sche­re Or­ga­ni­sa­ti­ons­for­men in Un­ter­neh­men nicht gleich­zu­set­zen sei­en mit "Füh­ren oh­ne Hier­ar­chie". Ge­ra­de bei stan­dar­di­sier­ten Auf­ga­ben mit kla­ren Lö­sungs­we­gen, die schnell er­le­digt wer­den müs­sen, sei Füh­rung ge­fragt. "Da will man nicht lan­ge rum­dis­ku­tie­ren", sagt die In­ha­be­rin des Lehr­stuhls für Stra­te­gie und Or­ga­ni­sa­ti­on an der TU Mün­chen.

Und wie passt der wach­sen­de Drang zur per­sön­li­chen Teil­ha­be des ein­zel­nen Mit­ar­bei­ters zur tra­di­tio­nel­len Mit­be­stim­mung über Be­triebs­rä­te und Ge­werk­schaf­ten? "Das greift in­ein­an­der", sagt Chris­tia­ne Ben­ner vom Vor­stand der IG Me­tall. Die Mit­be­stim­mung bie­te den ge­schütz­ten Rechts­rah­men und stär­ke so auch den Ein­zel­nen. Des­halb ha­be sie auch künf­tig ih­ren wich­ti­gen Platz in der Ar­beits­welt. Da­bei ge­he es dar­um, Mit­be­stim­mung stär­ker auf die in­di­vi­du­el­len Wün­sche der Be­schäf­tig­ten zu­zu­schnei­den - nicht zu­letzt nach ei­ner bes­se­ren Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Le­ben.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 4. Oktober 2016

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