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Bul­ga­ri­ens Bot­schaf­ter kri­ti­siert De­bat­te über Ar­muts­zu­wan­de­rung

Droht mit der Öff­nung des Ar­beits­markts für Ru­mä­nen und Bul­ga­ren ab Ja­nu­ar ei­ne Zu­wan­de­rungwel­le? Die CSU sagt: ja - und for­dert die Um­set­zung gel­ten­den EU-Rechts, um So­zi­al­miss­brauch zu er­schwe­ren. Bul­ga­ri­ens Bot­schaf­ter spricht von Po­pu­lis­mus

31.12.2013. (dpa) - Bul­ga­ri­ens Bot­schaf­ter Ra­di Nai­de­nov hat die deut­sche De­bat­te über Ar­muts­zu­wan­de­rung aus sei­nem Land und Ru­mä­ni­en kri­ti­siert.

"Wer Vor­ur­tei­le be­dient und po­pu­lis­tisch ar­gu­men­tiert, scha­det der eu­ro­päi­schen Idee ins­ge­samt und da­mit uns al­len", sag­te er der Zei­tung "Die Welt" (Diens­tag).

Die CSU, die den Zu­gang zum deut­schen So­zi­al­sys­tem er­schwe­ren will, nann­te er da­bei aber nicht di­rekt.

Mit der Öff­nung des EU-Ar­beits­markts für die bei­den Län­der am 1. Ja­nu­ar wer­de kei­ne gro­ße Wel­le an bul­ga­ri­schen Zu­wan­de­rern auf Deutsch­land zu­rol­len, sag­te Nai­de­nov. Bul­ga­ri­en und Ru­mä­ni­en hät­ten bei der Auf­nah­me in die EU 2007 al­le Ein­tritts­vor­aus­set­zun­gen er­füllt und lan­ge Über­gangs­fris­ten von sie­ben Jah­ren ak­zep­tiert, er­klär­te der Bot­schaf­ter wei­ter. "Jetzt müs­sen für uns die glei­chen Rech­te und Pflich­ten gel­ten wie für al­le an­de­ren EU-Mit­glieds­staa­ten."

Die Vi­ze­vor­sit­zen­de des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des (DGB), An­ne­lie Bun­ten­bach, warf der CSU dump­fen und brand­ge­fähr­li­chen "Ver­bal-Ak­tio­nis­mus" vor. "Für Hor­ror­sze­na­ri­en gibt es kei­nen Grund", sag­te sie der Zei­tung "Neu­es Deutsch­land" (Diens­tag). Sie ver­ste­he aber die Sor­gen ein­zel­ner Kom­mu­nen. "Doch das Pro­blem ist meist, dass dort die Be­schäf­ti­gungs­la­ge ins­ge­samt be­son­ders pro­ble­ma­tisch ist und gleich­zei­tig In­te­gra­ti­ons­maß­nah­men der Spar­po­li­tik zum Op­fer ge­fal­len sind."

Al­ler­dings emp­fiehlt die Bund-Län­der-Ar­beits­ge­mein­schaft zu Ar­muts­wan­de­rung aus Ost­eu­ro­pa, den Kin­der­geld­be­zug an Be­din­gun­gen zu knüp­fen, wie die "Bild"-Zei­tung (Diens­tag) be­rich­tet. Die Zah­lung kön­ne an den Schul­be­such oder den Auf­ent­halt des Kin­des in Deutsch­land ge­kop­pelt wer­den. Das Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­um sol­le nun "sach­ver­stän­dig über­prü­fen", ob das mit EU-Recht und dem Grund­ge­setz ver­ein­bar wä­re.

Nach An­sicht des Bun­des­ver­ban­des der Deut­schen In­dus­trie (BDI) muss Deutsch­land ge­ne­rell für Zu­wan­de­rer at­trak­ti­ver wer­den. Denn bis 2020 sin­ke das Po­ten­zi­al an Er­werbs­tä­ti­gen um 6,5 Mil­lio­nen Men­schen, sag­te BDI-Prä­si­dent Ul­rich Gril­lo der Nach­rich­ten­agen­tur dpa. "Wenn wir stär­ker wach­sen wol­len, müs­sen wir auch qua­li­fi­zier­te Ar­beits­kräf­te aus dem Aus­land her­ein ho­len. Und die­se Men­schen müs­sen die Mög­lich­keit be­kom­men, in­te­griert zu wer­den." Die At­trak­ti­vi­tät Deutsch­lands zu stei­gern, ha­be nicht nur mit Geld zu tun.

Der Vor­sit­zen­de der Tür­ki­schen Ge­mein­de, Ken­an Ko­lat, sieht noch gro­ße De­fi­zi­te bei der Will­kom­mens­kul­tur für Ein­wan­de­rer. Das Aus­wär­ti­ge Amt be­geg­ne ih­nen mit re­strik­ti­ven Vi­s­a­be­stim­mun­gen, von Bun­des­po­li­zis­ten wür­den sie "an­ge­blafft", ob sie So­zi­al­leis­tun­gen be­zie­hen woll­ten, und die Aus­län­der­be­hör­den ver­hiel­ten sich ab­wei­send, sag­te er der "Saa­b­rü­cker Zei­tung" (Diens­tag).

Die CSU muss nicht nur im Mai die Eu­ro­pa­wahl, son­dern vor­her schon im März Kom­mu­nal­wah­len be­ste­hen. Sie spricht da­von, die Zu­wan­de­rung von Ar­muts­mi­gran­ten aus EU-Kri­sen­re­gio­nen durch schär­fe­re Be­zugs­re­geln im So­zi­al­sys­tem ein­zu­däm­men. Er­tapp­te Be­trü­ger soll­ten aus­ge­wie­sen und mit ei­ner Wie­der­ein­rei­se­sper­re be­legt wer­den, so wie es das EU-Recht er­mög­licht. "Wer be­trügt, der fliegt", heißt es in der Be­schluss­vor­la­ge für die Klau­sur der CSU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten An­fang Ja­nu­ar in Wild­bad Kreuth.

CSU-Chef Horst See­ho­fer zeig­te sich am Mon­tag ver­wun­dert über die Kri­tik an sei­ner Par­tei. De­ren For­de­run­gen stün­den al­le im Ko­ali­ti­ons­ver­trag. "Was wir nicht wol­len - das war Ge­gen­stand un­se­rer Wahl­pro­gram­me und ist Ge­gen­stand der Ko­ali­ti­ons­ver­ein­ba­rung -, das ist ei­ne Zu­wan­de­rung in die So­zi­al­sys­te­me", sag­te er in Mün­chen.

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Letzte Überarbeitung: 31. Dezember 2014

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