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Bund: Min­dest­lohn gilt für EU-Lkw-Fah­rer - Är­ger in War­schau und Prag

In Po­len und Tsche­chi­en ge­hen die Spe­di­teu­re ge­gen den deut­schen Min­dest­lohn auf die Bar­ri­ka­den: Die Bun­des­re­gie­rung will die Lohn­un­ter­gren­ze aber oh­ne Ab­stri­che durch­set­zen. Die EU-Kom­mis­si­on sieht sich das ge­nau­er an
Europafahne

22.01.2015. (dpa) - Die Bun­des­re­gie­rung pocht auf ei­ne Durch­set­zung des Min­dest­lohns auch bei aus­län­di­schen Lkw-Fah­rern, die durch Deutsch­land fah­ren.

Die ent­spre­chen­den Bran­chen­ver­bän­de Po­lens und Tsche­chi­ens fürch­ten um die Wett­be­werbs­fä­hig­keit ih­rer Un­ter­neh­men.

Die EU-Kom­mis­si­on prüft die Be­schwer­den.

"Wir un­ter­su­chen der­zeit die bei uns vor­ge­brach­ten Be­den­ken", sag­te ein Spre­cher am Mitt­woch in Brüs­sel. Meh­re­re Staa­ten so­wie Ver­tre­ter des Ver­kehrs­sek­tors hät­ten die EU-Be­hör­de auf die deut­sche Pra­xis auf­merk­sam ge­macht. Der Kom­mis­si­ons­spre­cher be­ton­te, dass das deut­sche Min­dest­l­ohn­ge­setz "in vol­lem Ein­klang mit dem so­zi­al­po­li­ti­schem En­ga­ge­ment der EU-Kom­mis­si­on" ste­he. Deutsch­land ha­be als 22. EU-Land den na­tio­na­len Min­dest­lohn ein­ge­führt.

Aus der Tsche­chi­schen Re­pu­blik oder Po­len kä­men An­fra­gen zum The­ma, teil­te ein Spre­cher des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­ums in Ber­lin mit. Dann er­läu­te­re das Haus ger­ne, war­um die ent­spre­chen­de Re­geln gül­tig sei­en und die Re­gie­rung sie für ver­ein­bar mit der EU-Ent­sen­de­richt­li­nie hal­te.

In Po­len und Tsche­chi­en se­hen Trans­port­un­ter­neh­mer ih­re Ar­beit durch die neu­en deut­schen Re­ge­lun­gen be­droht. Jan Buc­zek, Vor­sit­zen­der des Ver­bands in­ter­na­tio­na­ler Trans­port­un­ter­neh­mer in Po­len (ZMPD), such­te schon in der ver­gan­ge­nen Wo­che das Ge­spräch mit Eu­ro­pa­par­la­men­ta­ri­ern, um ge­gen die neue deut­sche Re­ge­lung vor­zu­ge­hen. Die Er­hö­hung der Kos­ten im Trans­port­we­sen kön­ne den Bank­rott zahl­rei­cher pol­ni­scher Fir­men be­deu­ten.

Der Kon­kur­renz­druck ist nach An­sicht des tsche­chi­schen Bran­chen­ver­ban­des Ces­mad Bo­he­mia enorm. "Wir wä­ren froh, wenn un­se­re Lkw-Fah­rer ge­nau­so viel ver­die­nen könn­ten wie ih­re deut­schen Kol­le­gen, aber das ent­spricht nicht den wirt­schaft­li­chen Rea­li­tä­ten", sag­te Spre­cher Mar­tin Fe­lix.

Für die Min­dest­lohn-Kon­trol­le zu­stän­dig ist auch in die­sen Fäl­len der Zoll. Ei­ne Spre­che­rin des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums skiz­zier­te den ent­spre­chen­den Weg: Das ent­sen­den­de Un­ter­neh­men le­ge dem Zoll ei­ne Ein­satz­pla­nung vor. Zu­sätz­lich kön­ne der Zoll Ar­beit­neh­mer auch auf der Au­to­bahn kon­trol­lie­ren. Schließ­lich kön­ne er auch et­wa von pol­ni­schen Spe­di­teu­ren Da­ten et­wa zum Ge­halt ver­lan­gen und dann die Ein­hal­tung des Min­dest­lohns kon­trol­lie­ren.

Mög­li­che Buß­gel­der könn­ten Zehn­tau­sen­de Eu­ro be­tra­gen, so der Spre­cher des Ar­beits­res­sorts. Die Voll­stre­ckung er­fol­ge im EU–Aus­land auf Grund­la­ge der EU-Bei­trei­bungs­richt­li­nie, er­gänz­te das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um.

An­läss­lich der Kri­tik pol­ni­scher Trans­port­fir­men über die 8,50-Lohn-Gren­ze will die War­schau­er Re­gie­rung nun das Ge­spräch mit Ber­lin su­chen. Die Re­gie­rungs­kanz­lei kün­dig­te an, In­fra­struk­tur­mi­nis­te­rin Ma­ria Wasi­ak wer­de in den nächs­ten Ta­gen mit Ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) über das The­ma spre­chen. Ein Mi­nis­te­ri­ums­spre­cher teil­te mit, Wasi­ak ha­be be­reits vor ei­ni­gen Ta­gen um ei­nen Ter­min für ein Tref­fen über die neu­en deut­schen Min­dest­lohn­vor­schrif­ten ge­be­ten.

Per­so­nal in Flug­zeu­gen, die über Deutsch­land flie­gen, sei nicht au­to­ma­tisch be­trof­fen, er­gänz­te der Spre­cher des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­ums. "Die­se Ab­lei­tung kann man so oh­ne wei­te­res nicht tref­fen." Der Min­dest­lohn gel­te aber für al­le, die sich wäh­rend ih­rer Be­schäf­ti­gung in Deutsch­land auf­hal­ten. Aus­nah­men wür­den den Min­dest­lohn durch­lö­chern.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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