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Im­mer mehr Bun­des­bür­ger müs­sen am Wo­chen­en­de oder nachts ar­bei­ten

Lan­ge kämpf­ten die Ge­werk­schaf­ten für den frei­en Sams­tag: Doch in der Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft kön­nen vie­le Be­schäf­tig­te nur noch da­von träu­men. Sie müs­sen im­mer öf­ter am Wo­chen­en­de oder nachts ran

19.02.2013. (dpa) - Im­mer mehr Bun­des­bür­ger ar­bei­ten, wenn an­de­re Fei­er­abend ha­ben: Al­ten­pfle­ger, Kran­ken­schwes­tern, So­zi­al­ar­bei­ter, Lkw-Fah­rer oder Kell­ner sind zu­neh­mend am Wo­chen­en­de, in der Nacht oder im Schicht­be­trieb im Ein­satz.

Nach ei­ner ak­tu­el­len Er­he­bung muss­ten 2011 ein Vier­tel oder 25,3 Pro­zent der Be­schäf­tig­ten an Wo­chen­en­den zur Ar­beit und Geld ver­die­nen. 2001 wa­ren es erst 20,6 Pro­zent.

Das geht aus ei­ner Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf ei­ne An­fra­ge der Links­frak­ti­on im Bun­des­tag her­vor, über die die "Süd­deut­sche Zei­tung" (Mon­tag) zu­erst be­rich­te­te. Dem­nach ar­bei­te­ten im Jahr 2011 et­wa 8,9 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te "stän­dig oder re­gel­mä­ßig am Wo­chen­en­de" - nach 6,7 Mil­lio­nen im Jahr 2001.

Auch bei der Nacht­ar­beit gab es Zu­wachs: Von 7,8 auf 9,4 Pro­zent der Be­schäf­tig­ten. Schicht­ar­beit leis­te­ten zu­letzt 15,6 Pro­zent der Ar­beit­neh­mer - nach zu­vor 13,6 Pro­zent. Die Ent­wick­lung führt das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um vor al­lem auf die Be­schäf­ti­gungs­zu­nah­me in der Pfle­ge­bran­che mit ih­ren Rund-um-die-Uhr-Ein­sät­zen zu­rück. Ähn­li­ches gel­te auch für den Me­di­zin­be­trieb und den So­zi­al­sek­tor, sag­te ei­ne Mi­nis­te­ri­ums­spre­che­rin am Mon­tag in Ber­lin.

Die Zu­nah­me sei des­halb "nicht di­rekt ver­wun­der­lich". Zum Pro­blem wer­de die Ent­wick­lung erst, wenn es Miss­brauch ge­be, et­wa wenn ge­gen ar­beits­recht­li­che Be­stim­mun­gen ver­sto­ßen wer­de, Leu­te oh­ne Ver­gü­tung mehr ar­bei­ten müss­ten oder Aus­gleichs­stun­den nicht ge­währt wür­den.

Über­lan­ge Ar­beits­zei­ten sind nach Dar­stel­lung der Re­gie­rung "nach wie vor ei­ne Aus­nah­me". Sie nah­men im un­ter­such­ten Zeit­raum den­noch zu. Mehr als 48 St­un­den die Wo­che wer­kel­ten 2011 et­wa 1,92 Mil­lio­nen Ar­beit­neh­mer. 2001 wa­ren es noch 1,56 Mil­lio­nen, ein Zu­wachs von im­mer­hin 23 Pro­zent. Be­son­ders weit ver­brei­tet sind sol­che über­lan­gen Ar­beits­zei­ten bei Leh­rern, In­ge­nieu­ren und bei "Be­ru­fen der Un­ter­neh­mens­lei­tung, -be­ra­tung und -prü­fung".

In ih­rer Ant­wort weist die Bun­des­re­gie­rung auf das stei­gen­de Ri­si­ko psy­chi­scher Be­las­tun­gen für Schicht­ar­bei­ter hin und dass für die­se "er­höh­te ge­sund­heit­li­che Ri­si­ken be­ste­hen". Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt hat­te die­se Ent­wick­lung be­reits im Au­gust ver­gan­ge­nen Jah­res mit ähn­li­chen Da­ten be­schrie­ben.

Die Ar­beits­markt­ex­per­tin der Links­frak­ti­on im Bun­des­tag, Jut­ta Krell­mann, nann­te die Zah­len alar­mie­rend. "Der Psy­chost­ress ist ei­ne ti­cken­de Zeit­bom­be in der Ar­beits­welt und muss end­lich ein­ge­dämmt wer­den." Sie for­dert wie die IG Me­tall ei­ne An­ti-Stress-Ver­ord­nung im Ar­beits­schutz­ge­setz. Nach An­ga­ben der Re­gie­rung ist die Zahl der of­fi­zi­ell re­gis­trier­ten Ver­stö­ße seit 2007 um fast ein Drit­tel auf gut 12 000 ge­stie­gen.

Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Sa­bi­ne Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger (FDP) hält es für "wich­tig, dass es für die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer Aus­gleichs­re­ge­lun­gen gibt." Aus Sicht von Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Dirk Nie­bel (eben­falls FDP) hän­gen die vie­len Jobs an Wo­chen­en­den oder nachts vom ver­än­der­ten Kon­sum- und Frei­zeit­ver­hal­ten ab. "Das bringt mehr Un­ru­he ins täg­li­che Le­ben." Zu­gleich stei­ge aber mit den gu­ten Be­schäf­ti­gungs­zah­len die Chan­ce auf mehr Wohl­stand in Deutsch­land.

Für die Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gung BDA sind vie­le Be­rei­che, wie der Ge­sund­heits­be­reich, Po­li­zei und Feu­er­wehr oder der Ver­kehrs­sek­tor, "zwin­gend dar­auf an­ge­wie­sen, dass Be­schäf­ti­gung auch jen­seits üb­li­cher Ar­beits­zei­ten statt­fin­det". Auch Be­schäf­tig­te hät­ten dar­an In­ter­es­se. Ge­setz­lich sei­en die Be­trie­be ge­hal­ten, Ar­beits­be­din­gun­gen und Ar­beits­zeit so zu ge­stal­ten, dass von ih­nen kei­ne krank­ma­chen­den Wir­kun­gen aus­ge­hen. Ei­ne An­ti-Stress-Ver­ord­nung sei über­flüs­sig.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 9. Mai 2014

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