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Bun­des­tag be­schließt zwei­te Stu­fe der Pfle­ge­re­form - Ver­bands-Kri­tik

20 Jah­re nach ih­rer Ein­füh­rung er­hält die Pfle­ge­ver­si­che­rung ei­ne um­fas­sen­de Re­form, so Ge­sund­heits­mi­nis­ter Grö­he: So­zi­al­ver­bän­de se­hen das an­ders

13.11.2015. (dpa) - Der Bun­des­tag will an die­sem Frei­tag (09.00 Uhr) die zwei­te Stu­fe der Pfle­ge­re­form von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) ver­ab­schie­den. Be­wer­tet wird künf­tig nicht mehr so sehr nach Zeit­auf­wand für die Pfle­ge, son­dern vor al­lem da­nach, wie sehr die Selbst­stän­dig­keit ei­nes Men­schen ein­ge­schränkt ist. Da­bei sol­len Pa­ti­en­ten mit De­menz den glei­chen Zu­gang zu Pfle­ge­leis­tun­gen be­kom­men wie kör­per­lich Be­hin­der­te. Die bis­he­ri­gen drei Pfle­ge­stu­fen sol­len auf fünf Pfle­ge­gra­de er­wei­tert wer­den. Pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge wer­den bei der so­zia­len Ab­si­che­rung bes­ser­ge­stellt.

Be­reits An­fang des Jah­res war das ers­te Pfle­ge­stär­kungs­ge­setz in Kraft ge­tre­ten. Mit den bei­den Stu­fen wer­den die Bei­trä­ge zur Pfle­ge­ver­si­che­rung von 2,05 auf 2,55 Pro­zent vom Jahr 2017 an er­höht. Das soll rund fünf Mil­li­ar­den Eu­ro brin­gen. Grö­he be­ton­te, dass mit der Re­form kein Pa­ti­ent, der be­reits heu­te pfle­ge­be­dürf­tig sei, schlech­ter ge­stellt wer­den soll.

Nach Dar­stel­lung der Deut­schen Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz sind durch die Re­form je­doch vie­le Men­schen, die von 2017 an pfle­ge­be­dürf­tig wer­den, schlech­ter dran als heu­ti­ge Pa­ti­en­ten. «Von 2017 an er­hal­ten neue An­trag­stel­ler, die ins Pfle­ge­heim müs­sen, deut­lich we­ni­ger Geld von der Pfle­ge­kas­se», er­klär­te Stif­tungs­vor­stand Eu­gen Brysch. «Das be­trifft Men­schen, de­ren Pfle­ge­be­dürf­tig­keit heu­te den Pfle­ge­stu­fen I und II ent­spre­chen wür­de.»

Nach Bryschs Be­rech­nun­gen er­hal­ten Pfle­ge­heim­be­woh­ner mit Pfle­ge­stu­fe I der­zeit 1064 Eu­ro. Nach der Re­form be­kom­men künf­ti­ge Heim­be­woh­ner im neu­en Pfle­ge­grad II nur noch 770 Eu­ro. Der Ei­gen­an­teil wer­de so­mit stei­gen. Im­mer mehr Pfle­ge­heim­be­woh­ner lie­fen so­mit Ge­fahr, in die So­zi­al­hil­fe ab­zu­rut­schen, für die Städ­te und Ge­mein­den auf­kom­men müs­sen. Den An­ga­ben zu­fol­ge wer­den da­von ins­ge­samt 275 000 Pfle­ge­heim­be­woh­ner be­trof­fen sein. Da­mit kä­men Mehr­kos­ten von 685 Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich auf die Pfle­ge­heim­be­woh­ner oder die Kom­mu­nen zu.

Die Prä­si­den­tin des So­zi­al­ver­bands VdK, Ul­ri­ke Ma­scher, for­der­te wei­te­re Nach­bes­se­run­gen für pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge und Pfle­ge­be­dürf­ti­ge. Po­si­tiv be­wer­tet der Ver­band, dass je­der, der heu­te pfle­ge­be­dürf­tig ist, Be­stands­schutz ha­be. Die­ser müs­se aber aus­drück­lich un­be­fris­tet gel­ten. Auch bei der ren­ten­recht­li­chen Ab­si­che­rung von pfle­gen­den An­ge­hö­ri­gen müs­se wei­ter nach­ge­bes­sert wer­den. Da­mit pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge schnell Aus­kunft über Hil­fen und Ent­las­tungs­mög­lich­kei­ten er­hal­ten kön­nen, for­dert der VdK zu­dem ein flä­chen­de­cken­des Netz an Be­ra­tungs­an­ge­bo­ten.

Nach Ein­schät­zung des Pfle­ge­be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung, Karl-Jo­sef Lau­mann (CDU), wird die Re­form zu ei­ner ver­bes­ser­ten Si­tua­ti­on für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und Pfle­ge­per­so­nal füh­ren. Vor­aus­sicht­lich 500 000 Men­schen, die bis­her kei­ne Leis­tun­gen er­hal­ten hät­ten, wür­den in Zu­kunft zu­sätz­lich von der Pfle­ge­ver­si­che­rung un­ter­stützt, sag­te er den «Ruhr Nach­rich­ten» (Frei­tag).

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 25. August 2016

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