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Bun­des­tags-Gut­ach­ten: Ta­rif­ein­heits­ge­setz ver­stößt ge­gen Grund­ge­setz

Ge­gen­wind für die Bun­des­re­gie­rung: Beim Ta­rif­ein­heits­ge­setz könn­te in Karls­ru­he End­sta­ti­on sein. Ab Mon­tag soll es tur­bu­len­te Ta­ge zu den Plä­nen in Ber­lin ge­ben

02.03.2015. (dpa) - Das ge­plan­te Ge­setz zur Ta­rif­ein­heit wird nach Ein­schät­zung des Wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes des Bun­des­ta­ges ge­gen das Grund­ge­setz ver­sto­ßen.

Das Ge­setz, über das am Don­ners­tag erst­mals im Ple­num be­ra­ten wird, stel­le ei­nen Ein­griff in die kol­lek­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit dar, heißt es nach In­for­ma­tio­nen der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in der Ex­per­ti­se.

Der Ber­li­ner "Ta­ges­spie­gel" (Mon­tag) hat­te zu­vor dar­über be­rich­tet.

Al­les in al­lem sei­en ver­fas­sungs­recht­li­che Be­den­ken nicht von der Hand zu wei­sen.

Der Be­am­ten­bund (dbb) und die Ärz­te­ge­werk­schaft Mar­bur­ger Bund hat­ten be­reits an­ge­kün­digt, das Ge­setz vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu Fall brin­gen zu wol­len.

Ein­grif­fe in Grund­rech­te sind dem Gut­ach­ten zu­fol­ge zwar mög­lich, aber nur wenn sie ge­recht­fer­tigt sei­en. Das Ziel des Ge­set­zes – al­so die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie zu si­chern - rei­che da­für nicht aus. Auch an­de­re Be­grün­dun­gen sei­en nicht aus­rei­chend für ei­nen Ein­griff in die Ko­ali­ti­ons­frei­heit – et­wa ei­ne Zu­nah­me von Ar­beits­kämp­fen in jüngs­ter Zeit oder das Ziel der Stär­kung des Be­triebs­frie­dens.

Die Re­gie­rung will künf­tig in Be­trie­ben mit meh­re­ren Ta­rif­ver­trä­gen für die­sel­be Be­schäf­tig­ten­grup­pe dem Ver­trag der Ge­werk­schaft mit den meis­ten Mit­glie­dern Vor­rang ge­ben. Das soll mehr Ru­he in die Be­trie­be und die Wirt­schaft ins­ge­samt brin­gen. Die Macht klei­ne­rer Ge­werk­schaf­ten wie je­ner der Lok­füh­rer, GDL, wür­de ein­ge­schränkt. Des­halb sieht der Wis­sen­schaft­li­che Dienst die Ko­ali­ti­ons­frei­heit nach Ar­ti­kel 9 Grund­ge­setz be­trof­fen.

Rein­hard Göh­ner, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Ar­beit­ge­ber­ver­bands BDA, ent­geg­ne­te in der Zei­tung: "Der Ge­setz­ent­wurf stellt nur ei­ne Re­gel auf für den Kol­li­si­ons­fall." Wenn al­so zwei Ge­werk­schaf­ten und Ta­rif­ver­trä­ge auf die­sel­ben Ar­beit­neh­mer ziel­ten, müs­se es Klar­heit dar­über ge­ben, wel­cher Ta­rif­ver­trag gel­te. Das Ge­setz sei kein Ein­griff in ein Grund­recht, son­dern des­sen Aus­ge­stal­tung.

BDA-Prä­si­dent In­go Kra­mer er­gänz­te am Sonn­tag in Ber­lin: "Die ak­tu­el­len Ta­rif­ab­schlüs­se wie in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie wie auch die lau­fen­den Ta­rif­ver­hand­lun­gen et­wa in der Che­mie­in­dus­trie be­le­gen nach­drück­lich, dass die Ta­rif­part­ner ih­rer Ver­ant­wor­tung ge­recht wer­den." Das Er­geb­nis ei­nes Ab­schlus­ses dür­fe nicht in Ge­fahr sein, je­der­zeit durch neue For­de­run­gen und Ar­beits­kämp­fe in­fra­ge ge­stellt zu wer­den.

Der dbb und sei­ne be­trof­fe­nen Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten pro­tes­tie­ren von die­sem Mon­tag an ge­gen den Ge­setz­ent­wurf aus dem Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um von An­drea Nah­les. Vor den Par­tei­zen­tra­len von CDU und SPD wol­len Mit­glie­der bis Don­ners­tag Mahn­wa­chen ab­hal­ten. Zum Auf­takt will dbb-Chef Klaus Dau­der­städt vor der CDU-Zen­tra­le sein. Vor die SPD kom­men un­ter an­de­rem dbb-Ta­rif­ex­per­te Wil­li Russ und der Vor­sit­zen­de der Ge­werk­schaft Deut­scher Lo­ko­mo­tiv­füh­rer (GDL), Claus We­sels­ky. Vor al­lem die mas­si­ven Bahn­streiks im Ok­to­ber und No­vem­ber hat­ten den Ruf nach dem lan­ge ge­plan­ten Ta­rif­ein­heits­ge­setz lau­ter wer­den las­sen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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