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CG­ZP - Ta­rif­ver­trä­ge end­gül­tig ge­kippt

BAG stellt feh­len­de Ta­rif­fä­hig­keit der CG­ZP auch für 2004 bis 2009 fest: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 22.05.2012, 1 ABN 27/12

26.05.2012. Im Prin­zip kön­nen Leih­ar­bei­ter die­sel­be Be­zah­lung ver­lan­gen wie ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer im Ent­lei­her­be­trieb ("equal pay") - wenn ih­re Be­zah­lung nicht in ei­nem Ta­rif­ver­trag an­ders ge­re­gelt ist (§ 9 Nr.2 Ar­beit­neh­mer­über­las­sungs­ge­setz - AÜG). Leih­ar­beits­ta­rif­ver­trä­ge er­mög­li­chen da­her ei­ne le­ga­le Schlech­ter­stel­lung von Leih­ar­beit­neh­mern ge­gen­über der Stamm­be­leg­schaft. Und für sol­che, aus Ar­beit­gerber­sicht "nütz­li­chen" Ta­rif­ver­trä­ge hat vor al­lem die Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vice­agen­tu­ren (CG­ZP) ge­sorgt.

An­ge­sichts der ein­sei­tig ar­beit­ge­ber­freund­li­chen Bil­lig-Ta­rif­ver­trä­ge der CG­ZP fragt sich al­ler­dings, ob die CG­ZP über­haupt ei­ne ech­te Ge­werk­schaft ist oder nicht viel­mehr ein U-Boot der Ar­beit­ge­ber­sei­te mit dem Auf­trag, Schein-Ta­rif­ver­trä­ge zum Zwe­cke der Be­sei­ti­gung des equal pay-Grund­sat­zes ab­zu­schlie­ßen. Ei­ne sol­che Aus­sa­ge über die CG­ZP hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in sei­ner CG­ZP-Ent­schei­dung vom De­zem­ber 2010 zwar nicht ge­trof­fen (BAG, Be­schluss vom 14.12.2010, 1 ABR 19/10), doch hat es der CG­ZP die Ta­rif­fä­hig­keit aus for­mal­ju­ris­ti­schen Grün­den ab­ge­spro­chen.

Die BAG-Ent­schei­dung vom De­zem­ber 2010 ent­hielt al­ler­dings kei­ne Aus­sa­ge zu der Fra­ge, ob die CG­ZP auch schon in der Ver­gan­gen­heit ta­rif­un­fä­hig war, d.h. zu der Ta­rif­fä­hig­keit der CG­ZP in den Jah­ren 2004 bis 2009/2010 sagt die­se Ent­schei­dung nichts. Die­se Lü­cke hat das BAG in ei­nem ges­tern be­kannt ge­wor­de­nen Be­schluss vom 22.05.2012 ge­schlos­sen und klar­ge­stellt, dass die CG­ZP auch in der Ver­gan­gen­heit kei­ne Ta­rif­ver­trä­ge ab­schlie­ßen konn­te: BAG, Be­schluss vom 22.05.2012, 1 ABN 27/12.

War die CGZP auch in den Jahren 2002 bis 2009 tarifunfähig?

Das BAG hat­te die Ta­rif­unfähig­keit der CG­ZP in sei­nem Be­schluss vom 14.12.2010 mit for­mal­ju­ris­ti­schen Feh­lern bei der Gründung der CG­ZP be­gründet (wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell 11/034: BAG: Die CG­ZP kann kei­ne Ta­rif­verträge ab­sch­ließen). Der Grund für die Ta­rif­unfähig­keit lag dar­in, dass die CG­ZP ein Ge­werk­schafts­zu­sam­men­schluss ist, d.h. ein sog. Dach­ver­band, und dass die CG­ZP-Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten be­schlos­sen hat­ten, der CG­ZP die all­ge­mei­ne Ta­rif­zuständig­keit für die Leih­ar­beits­bran­che zu über­tra­gen. Da­mit hat­ten sie aber der CG­ZP mehr an Ta­rif­zuständig­keit ge­ge­ben, als sie selbst hat­ten, und da­her war die CG­ZP ta­rif­unfähig.

Die­se Fest­stel­lung konn­te das BAG aber in sei­nem o.g. Be­schluss vom 14.12.2010 nur auf der Grund­la­ge der­je­ni­gen CG­ZP-Sat­zung tref­fen, die Ge­gen­stand des da­ma­li­gen Ge­richts­ver­fah­rens war, so dass sich der BAG-Be­schluss auf die ab dem 08.10.2009 gel­ten­de CG­ZP-Sat­zung be­zog. Über die Zeit da­vor ent­hielt der BAG-Be­schluss vom 14.12.2010 aus­drück­lich kei­ne Aus­sa­gen.

In­fol­ge­des­sen wur­den seit An­fang 2011 neue Ge­richts­ver­fah­ren ge­gen die CG­ZP an­ge­strengt, und zwar mit dem Ziel der Fest­stel­lung, dass die CG­ZP auch schon in der Zeit da­vor ta­rif­unfähig war.

Ei­ne sol­che ge­richt­li­che Fest­stel­lung traf das Ar­beits­ge­richt Ber­lin im Mai 2011, in­dem es die Ta­rif­unfähig­keit der CG­ZP für die Jah­re 2004, 2006 und 2008 fest­stell­te (Be­schluss vom 30.05.2011, 29 BV 13947/10 - wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell 11/105: CG­ZP war auch in der Ver­gan­gen­heit nicht ta­riffähig). Die­se Ent­schei­dung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg bestätigt, d.h. es hat eben­falls ge­gen die CG­ZP ent­schie­den (LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11 - wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell 12/010: CG­ZP-Ta­riffähig­keit). Da­bei hat es die Rechts­be­schwer­de zum BAG nicht zu­ge­las­sen, so dass die CG­ZP ge­zwun­gen war, ei­ne sog. Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ein­zu­rei­chen.

Bundesarbeitsgericht: Die CGZP war bereits seit ihrer Gründung tarifunfähig

Am 23.05.2012 hat das BAG nun­mehr die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de der CG­ZP zurück­ge­wie­sen. Da­mit ist die Ent­schei­dung des LAG Ber­lin-Bran­den­burg vom 09.01.2012 rechts­kräftig.

In­fol­ge­des­sen steht durch den BAG-Be­schluss vom 14.12.2010 und den Be­schluss des LAG Ber­lin-Bran­den­burg vom 09.01.2012 rechts­kräftig fest, dass die CG­ZP seit ih­rer Gründung ta­rif­unfähig war, so das BAG in sei­ner Pres­se­mel­dung vom 25.05.2012.

Fa­zit: Auf Leih­ar­beits­fir­men, die in den Jah­ren vor 2008 bzw. 2009 die Schein-Ta­rif­verträge der CG­ZP an­ge­wandt ha­ben, kom­men Nach­for­de­run­gen zu, denn ih­re Ar­beit­neh­mer können für die­se Jah­re rück­wir­kend den glei­chen Lohn ver­lan­gen wie ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer des Ent­lei­her­be­triebs.

In­fol­ge der ge­rin­gen Be­reit­schaft von Leih­ar­beit­neh­mern, sol­che Ansprüche ein­zu­kla­gen, so­wie auf­grund der mitt­ler­wei­le ein­ge­tre­te­nen Verjährung der Dif­fe­renz­lohn­ansprüche für die Jah­re bis 2008 geht es vor­aus­sicht­lich in ers­ter Li­nie um Nach­for­de­run­gen von So­zi­al­ab­ga­ben, die von den So­zi­al­ver­si­che­rungs­trägern gel­tend ge­macht wer­den können. Denn auf der Grund­la­ge der (nicht ge­zahl­ten, aber ge­schul­de­ten) Equal-Pay-Löhne hätten die Leih­ar­beits­fir­men höhe­re So­zi­al­ab­ga­ben abführen müssen.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­gründe schrift­lich ab­ge­fasst und veröffent­licht. Die Ent­schei­dungs­gründe im Voll­text fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 2. November 2016

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