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CSU für Min­dest­löh­ne

CSU und SPD strei­ten über Min­dest­löh­ne und so­zia­le Ge­rech­tig­keit: Die CSU will sich im Wahl­kampf auch mit ei­nem ty­pi­schen SPD-The­ma pro­fi­lie­ren: der so­zia­len Ge­rech­tig­keit. SPD und DGB sind kri­tisch

15.01.2013 (dpa) - Acht Mo­na­te vor der Land­tags­wahl ist zwi­schen CSU und SPD ein Streit über die Mei­nungs­füh­rer­schaft beim The­ma so­zia­le Ge­rech­tig­keit ent­brannt.

Wäh­rend sich die CSU auf und nach ih­rer Win­ter­klau­sur in Wild­bad Kreuth nun auch mit dem The­ma Min­dest­löh­ne pro­fi­lie­ren will, warf SPD-Spit­zen­kan­di­dat Chris­ti­an Ude den Christ­so­zia­len "nur ei­ne hal­be Kehrt­wen­de, aber ein gan­zes Täu­schungs­ma­nö­ver" vor. Die CSU wol­le sich an­ge­sichts der Wahl mit Schein­lö­sun­gen ein "so­zia­les Män­tel­chen" um­hän­gen, kri­ti­sier­te er.

CSU-Land­tags­frak­ti­ons­chef Ge­org Schmid wies dies zu­rück. Die CSU be­schäf­ti­ge sich schon lan­ge mit die­sen The­men. Mit dem po­li­ti­schen Geg­ner ha­be das gar nichts zu tun, be­ton­te er.

Die CSU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten wol­len auf ih­rer Klau­sur ein neu­es Kon­zept zur Ar­beits­markt­po­li­tik be­schlie­ßen. In dem Pa­pier, das der Frak­ti­ons­vor­stand in Kreuth be­reits ab­ge­seg­net hat, spricht sich die CSU für mehr fa­mi­li­en­freund­li­che Ar­beits­plät­ze, we­ni­ger Mi­ni­jobs, we­ni­ger Zeit­ar­beit und aus­kömm­li­che Lohn­un­ter­gren­zen aus. Die­se sol­len aber von den Ta­rif­par­tei­en und nicht vom Ge­setz­ge­ber fest­ge­legt wer­den.

"Wir sind für den ta­rif­li­chen Min­dest­lohn und sind ge­gen ei­nen ge­setz­li­chen Min­dest­lohn", be­ton­te Frak­ti­ons­chef Schmid. Das neue Kon­zept war be­reits En­de ver­gan­ge­ner Wo­che be­kannt­ge­wor­den.

Der Lan­des­vor­sit­zen­de des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des, Mat­thi­as Je­na, sag­te in Mün­chen zu dem CSU-Kon­zept: "Das ist kein Min­dest­lohn, das ist nicht ein­mal ein Min­dest­löhn­chen. Das ent­spricht in keins­ter Wei­se un­se­ren Vor­stel­lun­gen." Al­ler­dings sei es auch er­freu­lich, dass kei­ne Par­tei mehr an sol­chen The­men vor­bei­kom­me. "Aber na­tür­lich ist das auch dem Land­tags­wahl­kampf ge­schul­det", räum­te der DGB-Chef ein.

Schmid wies Vor­hal­tun­gen, die CSU ko­pie­re nun die SPD, klar zu­rück: "Wir sind ei­ne Par­tei, die nicht nur die Wirt­schafts­fra­gen sieht, na­tür­lich auch, son­dern auch auf der an­de­ren Sei­te die Fra­gen der so­zia­len Ge­rech­tig­keit." Da ge­he es auch um ei­nen Aus­gleich zwi­schen Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern.

Ude da­ge­gen be­ton­te: "Am En­de ei­ner Amts­pe­ri­ode, in der die CSU so­wohl im Bun­des­tag wie auch im Land­tag die so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche For­de­rung nach Min­dest­löh­nen zu­rück­ge­wie­sen, blo­ckiert und ver­teu­felt hat, knickt sie jetzt auch bei die­sem The­ma ein." Al­ler­dings leh­ne die CSU ge­setz­ge­be­ri­sche Maß­nah­men zum Schutz vor Lohn­dum­ping nach wie vor ab, die in man­chen Bran­chen nach­weis­lich un­ver­zicht­bar wä­ren.

Ude mut­maß­te, die CSU sei wohl "durch schlech­te Wer­te beim The­ma so­zia­le Ge­rech­tig­keit in den letz­ten Mei­nungs­um­fra­gen er­schreckt wor­den". Wirk­sa­me Lö­sun­gen ge­gen das Lohn­dum­ping sei­en al­ler­dings nach wie vor nur von der So­zi­al­de­mo­kra­tie zu er­war­ten, be­ton­te er.

Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Mar­tin Run­ge kri­ti­sier­te: "Die CSU geht das The­ma Min­dest­löh­ne halb­her­zig an und ist nicht glaub­wür­dig." Un­glaub­wür­dig sei die CSU des­halb, weil die Staats­re­gie­rung bei der Ver­ga­be öf­fent­li­cher Auf­trä­ge im Frei­staat Dum­ping­löh­ne zu­las­se. Freie-Wäh­ler-Frak­ti­ons­chef Hu­bert Ai­wan­ger läs­ter­te: "Die CSU hat beim The­ma Dum­ping­löh­ne bis­her völ­lig ver­sagt und ver­brei­tet jetzt in Kreuth viel hei­ße Luft." Er er­war­te nun kon­kre­tes Han­deln.

In ih­rem neu­en Kon­zept kün­digt die CSU auch an, die Ar­beits­welt noch fa­mi­li­en­freund­li­cher zu ma­chen. Kar­rie­re und Fa­mi­lie sol­len noch bes­ser mit­ein­an­der ver­ein­bar wer­den. Des­halb will die CSU bis 2018 die so­ge­nann­ten Vä­ter­mo­na­te beim El­tern­geld ver­dop­peln, Ar­beits­zei­ten stär­ker fle­xi­bi­li­sie­ren und be­stimm­te Aus­zei­ten für Er­zie­hung und Pfle­ge leich­ter er­mög­li­chen. Der Wie­der­ein­stieg in den Be­ruf nach Fa­mi­li­en­pau­sen soll er­leich­tert wer­den, zu­dem sol­len Auf­stiegs- und Qua­li­fi­zie­rungs­chan­cen für Müt­ter und Vä­ter ver­bes­sert wer­den. Zu­dem soll der Druck auf die Wirt­schaft er­höht wer­den, Mi­ni­jobs und Zeit­ar­beit nur noch auf das ab­so­lut not­wen­di­ge Maß zu be­schrän­ken.

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Letzte Überarbeitung: 18. Dezember 2013

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