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Chef auf Zeit - In­te­rim Ma­nage­ment boomt

Sie ver­die­nen ho­he Ta­ges­sät­ze und krem­peln als Füh­rungs­kräf­te auf Zeit die Är­mel hoch: In­te­rim Ma­na­ger sind in Un­ter­neh­men im­mer ge­frag­ter: Doch wer den an­spruchs­vol­len Job ma­chen will, braucht jah­re­lan­ge Er­fah­rung - und muss fle­xi­bel sein

25.03.2013. (dpa) - Auf be­ruf­li­chen Auf­stieg hat­te es Ma­rei Strack nicht ab­ge­se­hen, als sie sich vor 14 Jah­ren ent­schloss, In­te­rim Ma­na­ge­rin zu wer­den.

Die pro­mo­vier­te In­ge­nieu­rin aus Neuss hat­te bis da­hin be­ruf­lich viel er­reicht: Mit­ar­beit in ei­ner Un­ter­neh­mens­be­ra­tung so­wie Füh­rungs­po­si­tio­nen in di­ver­sen Fir­men.

Doch nach der Ge­burt ih­res Kin­des war die Rück­kehr zu ih­rem da­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber we­gen ei­nes Wech­sels in der Füh­rungs­spit­ze schwie­rig. Des­halb ent­schied sie sich, von nun an als Ma­na­ge­rin auf Zeit zu ar­bei­ten.

Ma­rei Strack ist ei­ne von rund 5500 In­te­rim Ma­na­gern in Deutsch­land. Sie sind in Fir­men im­mer dann ge­fragt, wenn ei­ne Lü­cke ent­steht, die schnell ge­schlos­sen wer­den muss.

Fällt ein Mit­ar­bei­ter län­ger aus, et­wa we­gen ei­nes Sab­ba­ti­cals oder ei­ner Schwan­ger­schaft, wird die Stel­le für meh­re­re Mo­na­te frei und Un­ter­neh­men brau­chen Er­satz. Dann kom­men In­te­rim Ma­na­ger ins Spiel, er­klärt Jür­gen Be­cker von Ma­nat­net, ei­ner Agen­tur, die In­te­rim Ma­na­ger ver­mit­telt.

Der Markt für die Zeit­ar­bei­ter in Na­del­strei­fen wächst: 2012 sum­mier­ten sich die Ho­no­ra­re in der Bran­che auf 925 Mil­lio­nen Eu­ro - im Jahr 2000 wa­ren es erst rund 80 Mil­lio­nen. Das geht aus Zah­len der Dach­ge­sell­schaft Deut­sches In­te­rim Ma­nage­ment (DDIM) her­vor, de­ren Vor­stands­vor­sit­zen­de Strack ist.

Oft stel­len Fir­men auch ei­nen Ma­na­ger auf Zeit ein, weil Know-how-Lü­cken ge­schlos­sen wer­den sol­len. Das ist et­wa der Fall, wenn Un­ter­neh­men welt­weit SAP-Soft­ware ein­füh­ren wol­len, sie ihr Per­so­nal­we­sen neu auf­stel­len möch­ten oder die Ab­läu­fe in der Pro­duk­ti­on op­ti­miert wer­den müs­sen. Häu­fig kom­men die Ma­na­ger­no­ma­den auch wenn es brennt - und ei­ne Fir­ma sa­niert wer­den muss. An­ders als Un­ter­neh­mens­be­ra­ter er­stell­ten In­te­rim Ma­na­ger da­bei nicht nur Kon­zep­te, son­dern set­zen sie auch um und neh­men da­bei ei­ne Füh­rungs­po­si­ti­on ein, so Be­cker.

Die In­te­rim Ma­na­ger sind kurz­fris­tig über­all ein­satz­fä­hig. "Von der An­fra­ge bis zum Ein­satz­be­ginn ver­ge­hen nur drei bis sechs Wo­chen", er­klärt An­selm Gör­res von der Agen­tur Zeit­ma­na­ger Mün­chen, die eben­falls In­te­rim Ma­na­ger ver­mit­telt. Ein lang­wie­ri­ger Ein­stel­lungs­pro­zess mit Stel­len­aus­schrei­bung und Be­wer­bungs­ge­sprä­chen ent­fällt.

Die zeit­li­che und ört­li­che Fle­xi­bi­li­tät macht sich für die In­te­rim Ma­na­ger be­zahlt: Für ei­nen Tag im Un­ter­neh­men be­kom­men sie et­was we­ni­ger als ein Pro­zent des Jah­res­ge­hal­tes, das ein Fest­an­ge­stell­ter in die­ser Po­si­ti­on ver­die­nen wür­de. Laut ei­ner Um­fra­ge des Ar­beits­krei­ses In­te­rim Ma­nage­ment Pro­vi­der (AIMP) sind das im Durch­schnitt 930 Eu­ro pro Tag.

Das klingt zu­nächst lu­kra­tiv, sagt Thors­ten Be­cker von der Agen­tur Ma­nage­ment An­gels. Doch In­te­rim Ma­na­ger wird man nicht ein­fach nach dem Hoch­schul­ab­schluss. Um zur Eli­te der Zeit­ar­bei­ter zu zäh­len, braucht es viel Er­fah­rung. Üb­lich sei, dass zu­künf­ti­ge In­te­rim Ma­na­ger erst ein­mal Füh­rungs­er­fah­run­gen in ver­schie­de­nen Fest­an­stel­lun­gen über­nom­men ha­ben, be­vor sie sich selbst­stän­dig ma­chen. Die meis­ten stei­gen zwi­schen 45 und 50 Jah­ren in das Ge­schäft ein.

Pro­jekt­er­fah­rung sei eben­falls wich­tig. "Su­chen Un­ter­neh­men ei­nen In­te­rim Ma­na­ger für ei­ne be­stimm­te Auf­ga­be, dann soll die­ser be­reits ähn­li­che Her­aus­for­de­run­gen be­wäl­tigt ha­ben", er­zählt Be­cker. Das kann auch Rai­ner Na­gel vom In­te­rim Ma­nage­ment An­bie­ter Atreus be­stä­ti­gen: "Wenn je­mand schon Pro­duk­tio­nen an fünf ver­schie­de­nen Stand­or­ten der Welt auf­ge­baut hat, dann traut man ihm das auch ein sechs­tes Mal in ei­nem neu­en Land zu." Wer den Job ma­chen will, soll­te al­ler­dings sehr an­pas­sungs­fä­hig sein und sich schnell auf neue Men­schen und Si­tua­tio­nen ein­las­sen kön­nen.

Von den klas­si­schen Kar­rie­rei­de­en müs­sen sich In­te­rim Ma­na­ger ver­ab­schie­den. "Den tra­di­tio­nel­len Auf­stieg im Un­ter­neh­men gibt es dann nicht mehr", weiß Ma­rei Strack. "Als In­te­rim Ma­na­ger ar­bei­tet man eher auf dem Le­vel, auf dem man be­reits war, oder et­was dar­un­ter." Zu­dem müs­se man sich ein ge­wis­ses fi­nan­zi­el­les Pols­ter an­ge­legt ha­ben, um auch ein paar Mo­na­te oh­ne Auf­trä­ge über­le­ben zu kön­nen. Im Durch­schnitt ar­bei­ten In­te­rim Ma­na­ger laut der AIMP-Stu­die näm­lich nur 140 Ta­ge im Jahr - dann al­ler­dings min­des­tens 10 St­un­den am Tag.

Das rest­li­che Jahr er­ho­len sie sich von ih­ren meist zwi­schen sechs und neun Mo­na­te dau­ern­den Man­da­ten oder ak­qui­rie­ren neue Auf­trä­ge. Das ist vor al­lem am An­fang ei­ne Her­aus­for­de­rung, denn für ei­nen In­te­rim Ma­na­ger ist sein Netz­werk das wich­tigs­te Ka­pi­tal. "60 Pro­zent sei­ner Auf­trä­ge be­kommt er über sei­ne Kon­tak­te", sagt Mi­cha­el Poch­ham­mer, der das In­te­rims­ge­schäft bei der Per­so­nal­be­ra­tung Si­g­ni­um In­ter­na­tio­nal ver­ant­wor­tet. Des­halb sei es wich­tig, dass ein In­te­rim Ma­na­ger sei­ne ei­ge­nen Fä­hig­kei­ten und Er­fah­run­gen gut ver­mark­ten kann.

Wer die har­ten Ar­beits­be­din­gun­gen nicht scheut, hat je­doch gu­te Aus­sich­ten. "In­te­rim Ma­nage­ment ist die klei­ne, schnell wach­sen­de Schwes­ter der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung", sagt Thors­ten Be­cker. Und Gör­res glaubt: "In ei­ni­gen Jah­ren wird In­te­rim Ma­nage­ment ge­nau­so nor­mal und ge­fragt sein wie Un­ter­neh­mens­be­ra­tung oder Zeit­ar­beit in der In­dus­trie."

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Letzte Überarbeitung: 23. Januar 2015

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