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Neu­er DGB-Chef Hoff­mann pocht auf wei­te­re So­zi­al­re­for­men

Es geht um Steu­er­er­leich­te­run­gen für Ge­ring­ver­die­ner und mehr Mit­be­stim­mung: Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund stellt sich mit neu­em Spit­zen­mann den Her­aus­for­de­run­gen der kom­men­den Jah­re. Rei­ner Hoff­mann gilt als Prag­ma­ti­ker mit am­bi­tio­nier­ten Zie­len

13.05.2014. (dpa) - Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) will mit neu­er Spit­ze die gro­ße Ko­ali­ti­on von Uni­on und SPD zu wei­te­ren So­zi­al­re­for­men trei­ben.

Der mit der gro­ßen Mehr­heit von 93,1 Pro­zent ge­wähl­te DGB-Chef Rei­ner Hoff­mann (58) strebt da­bei vor al­lem Steu­er­er­leich­te­run­gen für Ge­ring­ver­die­ner und ei­ne Aus­wei­tung der Mit­be­stim­mung an.

Der Nach­fol­ger von Mi­cha­el Som­mer er­hielt da­für bei sei­ner Wahl am Mon­tag beim DGB-Bun­des­kon­gress in Ber­lin die kla­re Rü­cken­de­ckung der acht Ein­zel­ge­werk­schaf­ten.

Der Che­mie-Ge­werk­schaf­ter und So­zi­al­de­mo­krat Hoff­mann kün­dig­te an, sich auch ge­gen den Miss­brauch von Werk­ver­trä­gen und Leih­ar­beit so­wie für ein so­zia­le­res Eu­ro­pa ein­zu­set­zen. Er wer­de "bis zu­letzt" da­für kämp­fen, dass es beim kom­men­den ge­setz­li­chen Min­dest­lohn kei­ne Aus­nah­men ge­ben wer­de, "we­der für Lang­zeit­ar­beits­lo­se noch für Ju­gend­li­che".

Hoff­mann er­hielt 365 von 392 ab­ge­ge­be­nen Stim­men. Ge­gen ihn vo­tier­ten 27 De­le­gier­te, kei­ner ent­hielt sich. Hoff­mann trat oh­ne Ge­gen­kan­di­dat an. Sein Vor­gän­ger Som­mer (62) hat­te nach zwölf­jäh­ri­ger Amts­zeit nicht mehr kan­di­diert. Dies war die bis­lang zweit­längs­te Amts­zeit ei­nes DGB-Chefs nach Heinz-Os­kar Vet­ter.

Die rund 400 De­le­gier­ten des 20. DGB-Bun­des­kon­gres­ses ver­voll­stän­dig­ten auch den von fünf auf vier Mit­glie­der ver­klei­ner­ten ge­schäfts­füh­ren­den Vor­stand. Sie be­stä­tig­ten El­ke Han­nack (CDU) mit 88,1 Pro­zent in ih­rem Amt als stell­ver­tre­ten­de DGB-Vor­sit­zen­de und wähl­ten den Vor­sit­zen­den des DGB-Be­zirks Hes­sen-Thü­rin­gen, Ste­fan Kör­zell (51), neu in das Gre­mi­um. Kör­zell er­hielt 80,9 Pro­zent der Stim­mern. Wie­der­ge­wählt in den Bun­des­vor­stand wur­de An­ne­lie Bun­ten­bach mit 88,6 Pro­zent.

Haupt­auf­ga­be von Hoff­mann und sei­nen drei Vor­stands­kol­le­gen wird sein, den DGB als po­li­ti­schen Arm der acht Ein­zel­ge­werk­schaf­ten zu stär­ken und die Ge­werk­schaf­ten nach dem in­zwi­schen ge­stopp­ten Mit­glie­der­schwund at­trak­ti­ver für jün­ge­re Ar­beit­neh­mer zu ma­chen.

Der neue DGB-Chef pocht auf die Be­sei­ti­gung der so­ge­nann­ten kal­ten Pro­gres­si­on im Steu­er­ta­rif. "Das ist aber oh­ne Ge­gen­fi­nan­zie­rung nicht zu ma­chen", sag­te er am Ran­de des Kon­gres­ses. Da­bei sei zu er­wä­gen, den Spit­zen­steu­er­satz von 45 Pro­zent schon ab ei­nem Jah­res­ein­kom­men von 125 000 statt 250 000 Eu­ro zu er­he­ben.

Die "kal­te Pro­gres­si­on" führt da­zu, dass Ar­beit­neh­mern we­gen der im un­te­ren Ein­kom­mens­be­reich stark stei­gen­den Steu­er­sät­ze und der In­fla­ti­on von Lohn­er­hö­hun­gen nichts oder kaum et­was üb­rig­bleibt, der Fis­kus da­von aber durch Mehr­ein­nah­men pro­fi­tiert.

Die von Schwarz-Rot an­ge­peil­te Bei­trags­re­form für die ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen stößt auf Kri­tik. Der DGB fin­det es "nicht ak­zep­ta­bel", dass der Ar­beit­ge­ber­an­teil selbst bei stei­gen­den Ge­sund­heits­aus­ga­ben bei 7,2 Pro­zent fest­ge­schrie­ben wer­den soll. "Wir wol­len die kla­re pa­ri­tä­ti­sche Ver­tei­lung der Las­ten", for­der­te Bun­ten­bach un­ter dem Bei­fall der De­le­gier­ten.

Po­si­ti­on be­zie­hen müs­sen der DGB und sei­ne Ein­zel­ge­werk­schaf­ten auch zu der Fra­ge, wie sie das Ver­hält­nis zu den klei­nen, aber mäch­ti­gen Spar­ten­ge­werk­schaf­ten ge­stal­ten wol­len. Es geht da­bei um die von der Bun­des­re­gie­rung an­ge­streb­te ge­setz­li­che Re­ge­lung zur Ta­rif­ein­heit nach dem Mot­to: Ein Be­trieb - ein Ta­rif­ver­trag.

Da­mit soll der Zer­split­te­rung der Ta­ri­fland­schaft Ein­halt ge­bo­ten und ver­hin­dert wer­den, dass Be­trie­be durch Streiks von Spar­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen lahm­ge­legt wer­den. Der DGB be­für­wor­tet die­ses Ziel zwar grund­sätz­lich, lehnt aber ei­ne Ein­schrän­kung des Streik­rechts strikt ab. Das The­ma steht auf der Ta­ges­ord­nung des noch bis Frei­tag dau­ern­den Kon­gres­ses und dürf­te für hef­ti­ge Dis­kus­sio­nen zwi­schen "Hard­li­nern" und ge­mä­ßig­ten Ge­werk­schaf­tern sor­gen. Das Kon­gress-Mot­to lau­tet Ar­beit.Ge­rech­tig­keit.So­li­da­ri­tät.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. August 2014

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