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Deutsch­land lockt Azu­bis aus Sü­d­eu­ro­pa

Mit ei­nem För­der­pro­gramm wirbt Deutsch­land um Lehr­lin­ge aus an­de­ren EU-Län­dern - vor al­lem aus Sü­d­eu­ro­pa: Dort ste­hen vie­le Ju­gend­li­che auf der Stra­ße. Deut­sche Be­trie­be kla­gen da­ge­gen über Be­wer­ber­man­gel. In der Re­gi­on Bonn sol­len Spa­nier als Ho­tel­kö­che aus­ge­bil­det wer­den.

21.05.2013. (dpa) - Vie­le Aus­bil­dungs­plät­ze blei­ben in Deutsch­land un­be­setzt, weil es an ge­eig­ne­ten Be­wer­bern fehlt.

Die Kla­gen aus Bran­chen wie der Gas­tro­no­mie wer­den lau­ter.

Nun sol­len ne­ben Fach­kräf­ten auch Lehr­lin­ge aus Sü­d­eu­ro­pa an­ge­lockt wer­den.

Läuft al­les nach Plan, dann wer­den erst­mals zum neu­en Aus­bil­dungs­jahr im Herbst vor­aus­sicht­lich ei­ni­ge hun­dert jun­ge Men­schen aus an­de­ren EU-Län­dern mit fi­nan­zi­el­ler För­de­rung des Bun­des ei­ne Lehr­stel­le an­tre­ten.

Das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um leg­te An­fang des Jah­res ein Pro­gramm auf, mit dem ei­ne be­trieb­li­che Aus­bil­dung ge­för­dert wird. Mit der Über­nah­me von Kos­ten und ei­ner hö­he­ren Aus­bil­dungs­ver­gü­tung als für deut­sche Lehr­lin­ge soll jun­gen Men­schen ab 18 Jah­ren ei­ne Aus­bil­dung in der Bun­des­re­pu­blik schmack­haft ge­macht wer­den.

Ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) fliegt zu­dem an die­sem Diens­tag nach Ma­drid, um ei­ne Ab­sichts­er­klä­rung zu un­ter­zeich­nen, in der sich Deutsch­land und Spa­ni­en ver­pflich­ten, ge­mein­sam mehr jun­ge Leu­te in Ar­beit oder Aus­bil­dung zu brin­gen. Im kri­sen­ge­schüt­tel­ten Spa­ni­en liegt die Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit bei 56 Pro­zent, in Deutsch­land bei 7,6 Pro­zent.

33 000 Lehr­stel­len blie­ben im ver­gan­ge­nem Jahr hier­zu­lan­de un­be­setzt, vor al­lem im Le­bens­mit­tel­hand­werk und in der Gas­tro­no­mie. Zu­dem ist hier die Zahl der Aus­bil­dungs­ab­bre­cher hoch, bei den Kö­chen zum Bei­spiel wird et­wa je­der zwei­te Lehr­ver­trag vor­zei­tig ge­löst. "Ich stel­le schon im­mer mehr jun­ge Leu­te ein", be­rich­tet Ge­schäfts­füh­rer Dirk Dötsch vom Bon­ner Re­stau­rant "Rhein­aue", der sich nun für Kan­di­da­ten aus Bar­ce­lo­na in­ter­es­siert.

Die An­wer­bung von Lehr­lin­gen ist Teil des Mo­bi­li­täts­pro­gramms "Mo­bil­Pro-EU", mit dem die Bun­des­re­gie­rung auch Fach­kräf­te aus an­de­ren EU-Län­dern ge­win­nen will. Bun­des­weit ist das Pro­gramm in der Start­pha­se, vor al­lem in Ba­den-Würt­tem­berg gibt es Vor­rei­ter. Ei­nen Mas­sen­an­sturm gab es trotz der pre­kä­ren Ar­beits­markt­la­ge für Ju­gend­li­che in Sü­d­eu­ro­pa bis­lang nicht. Rund 400 An­trä­ge von Be­wer­bern auf För­de­rung lie­gen ak­tu­ell bei der Zen­tra­len Aus­lands- und Fach­ver­mitt­lung der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (ZAV) in Bonn.

In der eins­ti­gen Haupt­stadt sind es bis­her rund 30 Ho­tels oder Re­stau­rants, die sich für ei­nen Lehr­ling aus Bar­ce­lo­na in­ter­es­sie­ren - der Re­gi­on, auf die sich die dor­ti­ge In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer kon­zen­triert. Be­son­de­re "Küm­me­rer" der Kam­mer oder des Be­triebs sol­len den Ein­stieg der Spa­nier er­leich­tern und ih­nen bei Woh­nungs­su­che, Be­hör­den­gän­gen oder Sprach­kur­sen hel­fen.

Größ­tes Hin­der­nis sind feh­len­de Sprach­kennt­nis­se. "Es nutzt nichts, wenn hier ein jun­ger Spa­nier in der Be­rufs­schu­le sitzt und nichts ver­steht", er­klärt der IHK-Ge­schäfts­füh­rer für Aus- und Wei­ter­bil­dung, Jür­gen Hin­den­berg. Vor­ab­sprach­kur­se und Deutsch­un­ter­richt wäh­rend der Aus­bil­dung wer­den vom Bund be­zahlt.

Da­ne­ben gibt es Pau­scha­len für Rei­sen zu Vor­stel­lungs­ge­sprä­chen und zu Prak­ti­ka, eben­so ei­ne Prak­ti­kums­ver­gü­tung. Bis zu 818 Eu­ro im Mo­nat soll an Aus­bil­dungs­ver­gü­tung ge­zahlt wer­den, wo­bei die je­wei­li­ge Ent­loh­nung durch den Ar­beit­ge­ber auf­ge­stockt wird. Da die Ta­rif­ver­gü­tun­gen et­wa für Kö­che oder Bä­cker weit dar­un­ter lä­gen, kön­ne es hier ei­ne "mas­si­ve Ali­men­tie­rung von Be­trie­ben und Mit­nah­me­ef­fek­te ge­ben", kri­ti­sier­te der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Wil­li Bra­se aus Sie­gen im Ge­spräch mit der Nach­rich­ten­agen­tur dpa.

Der Be­rufs­bil­dungs­ex­per­te sieht - eben­so wie Ge­werk­schaf­ten - das Pro­gramm kri­tisch: "Der Mas­se der ar­beits­lo­sen Ju­gend­li­chen et­wa aus Spa­ni­en bie­tet es kei­ne Zu­kunfts­per­spek­ti­ve, bes­ser wä­ren Lö­sun­gen in der Hei­mat, et­wa auch durch die För­de­rung des dua­len Aus­bil­dungs­kon­zepts. Für Deutsch­land be­deu­tet es auch kei­ne Lö­sung, eben mal ei­ni­ge Spa­nier ein­zu­stel­len, die bil­lig sind. Das ist nur Lü­cken­schlie­ße­rei für ei­ni­ge Be­trie­be."

Der Be­darf in Deutsch­land sol­le mit den hier le­ben­den Ju­gend­li­chen ge­deckt wer­den, ver­langt der SPD-Po­li­ti­ker. Fast 270 000 jun­ge Men­schen be­fin­den sich in War­te­schlei­fen des Über­gangs­sys­tems, et­wa Be­rufs­vor­be­rei­tungs­kur­sen. Al­lein im ver­gan­ge­nem Jahr ka­men 76 000 Lehr­stel­len­be­wer­ber nicht zum Zu­ge. "Die kön­nen nicht als aus­bil­dungs­un­fä­hig ab­ge­schrie­ben wer­den. Da muss auch mal ein Schwä­che­rer ge­nom­men wer­den."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 4. Juli 2015

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