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Dia­ko­nie setzt mit "Job-Gut­schein" Si­gnal für Lang­zeit­ar­beits­lo­se

Dia­ko­nie und Land wol­len Lang­zeit­ar­beits­lo­se nicht im Re­gen ste­hen las­sen: Selbst im rei­chen Süd­wes­ten sind es noch 70 000. Da sind in­no­va­ti­ve Kon­zep­te ge­fragt

21.11.2013. (dpa) - Die Evan­ge­li­sche Kir­che und das Land Ba­den-Würt­tem­berg ha­ben die künf­ti­ge Bun­des­re­gie­rung auf­ge­for­dert, Lang­zeit­ar­beits­lo­se nicht län­ger links lie­gen zu las­sen.

Die Po­li­tik müs­se sich von der Le­bens­lü­ge ver­ab­schie­den, al­le Job­su­chen­den könn­ten auf dem ers­ten Ar­beits­markt un­ter­ge­bracht wer­den, hieß es am Mitt­woch bei Dia­ko­nie und der Lan­des­kir­che Würt­tem­berg.

Der So­zi­al­ver­band will mit dem bun­des­weit ein­zig­ar­ti­gen Pro­jekt "Be­schäf­ti­gungs­gut­schei­ne" ein Si­gnal für Ar­beits­lo­se set­zen.

So­zi­al­mi­nis­te­rin Kat­rin Alt­pe­ter (SPD) ap­pel­lier­te an die po­ten­zi­el­len Ko­ali­ti­ons­part­ner Uni­on und SPD, die Mit­tel für die In­te­gra­ti­on Lang­zeit­ar­beits­lo­ser auf­zu­sto­cken.

Im Süd­wes­ten gibt es 70 000 Men­schen, die län­ger als zwölf Mo­na­te oh­ne fes­ten Job sind. Nach den Plä­nen der Dia­ko­nie sol­len Kir­chen­ge­mein­den ei­nen Bon er­hal­ten, wenn sie Lang­zeit­ar­beits­lo­se ein­stel­len. Die evan­ge­li­sche Lan­des­syn­ode hat­te da­für 500 000 Eu­ro be­reit­ge­stellt und bei Er­folg der Initia­ti­ve mehr Geld ver­spro­chen. Die Gut­schei­ne in Hö­he von 150 Eu­ro bis 500 Eu­ro pro Mo­nat und Kopf kön­nen von kirch­li­chen Ar­beit­ge­bern für ein Jahr be­an­tragt wer­den.

Im bes­ten Fall kön­nen durch Kom­bi­na­ti­on mit Mit­teln der Job­cen­ter oder von Kom­mu­nen so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Jobs ent­ste­hen. Als Bei­spie­le sind Fah­rer für Ta­fel­lä­den oder Hel­fer in der Kir­chen­ge­mein­de denk­bar.

"Lang­zeit­ar­beits­lo­se wol­len ar­bei­ten, sie brau­chen das", sag­te Ober­kir­chen­rat Die­ter Kauf­mann. Es ge­he nicht vor­dring­lich um ein Ver­mit­teln auf den ers­ten Ar­beits­markt, son­dern um Teil­ha­be, ei­ne Ta­ges­struk­tur und das Ge­fühl, ge­braucht zu wer­den. Die Be­trof­fe­nen re­si­gnier­ten oh­ne sinn­vol­le Tä­tig­keit, fühl­ten sich nutz­los und wür­den schließ­lich krank. Das ge­sam­te Um­feld lei­de mit. Er sei zu­ver­sicht­lich, dass sich die­se Er­kennt­nis­se auch bei den künf­ti­gen Ko­ali­tio­nä­ren durch­setz­ten.

Die FDP nann­te das Pro­jekt "be­wun­derns­wert": Ei­ne fai­re Markt­wirt­schaft zei­ge sich ge­ra­de dann, wenn sich ei­ne Bür­ger­ge­sell­schaft ak­ti­vie­ren­de neue Mo­del­le für Men­schen oh­ne Ar­beit ein­fal­len las­se, sag­te Ge­ne­ral­se­kre­tär Pa­trick Mein­hardt. Auch die Che­fin der Re­gio­nal­di­rek­ti­on für Ar­beit, Eva Stro­bel, be­grüß­te die Initia­ti­ve der Dia­ko­nie. Für sie ste­he al­ler­dings die In­te­gra­ti­on von Lang­zeit­ar­beits­lo­sen in den ers­ten Ar­beits­markt im Mit­tel­punkt.

Kauf­mann lob­te das grün-ro­te "Lan­des­pro­gramm für gu­te und si­che­re Ar­beit": "Das ist ge­nau die Rich­tung, die wir uns wün­schen." Auch das So­zi­al­mi­nis­te­ri­um sprach von ei­nem "vol­len Er­folg". Da­mit sei­en mehr als 9500 Lang­zeit­ar­beits­lo­sen, al­lein­er­zie­hen­den Müt­tern und be­nach­tei­lig­ten Ju­gend­li­chen ei­ne neue Per­spek­ti­ve er­öff­net wor­den, bi­lan­zier­te Mi­nis­te­rin Alt­pe­ter.

Al­lein beim so­ge­nann­ten Pas­siv-Ak­tiv-Tausch hät­ten mehr als 500 Men­schen ei­ne so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Be­schäf­ti­gung ge­fun­den, mehr als je­der zwei­te da­von in der frei­en Wirt­schaft. Da­bei er­hält der Ar­beit­ge­ber Zu­schüs­se aus den Mit­teln, die der Lang­zeit­ar­beits­lo­se sonst für sei­nen Le­bens­un­ter­halt be­kommt. "Wir wol­len Ar­beit statt Ar­beits­lo­sig­keit fi­nan­zie­ren", er­läu­ter­te Alt­pe­ter. Das ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Mo­dell zei­ge, dass es ge­lin­ge, Lang­zeit­ar­beits­lo­se wie­der in Ar­beit zu brin­gen. Statt solch in­no­va­ti­ve We­ge zu be­schrei­ten, ha­be die al­te schwarz-gel­be Bun­des­re­gie­rung die Ein­glie­de­rungs­hil­fe für Lang­zeit­ar­beits­lo­se um fast die Hälf­te zu­sam­men­ge­stri­chen.

Das An­fang 2012 ge­star­te­te Lan­des­pro­gramm wird bis En­de 2014 mit rund 20 Mil­lio­nen Eu­ro aus dem Eu­ro­päi­schen So­zi­al­fonds und mit über 15 Mil­lio­nen Eu­ro aus dem Lan­des­haus­halt fi­nan­ziert.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 26. April 2014

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