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Dieb­stahls­ver­dacht - frist­lo­se Kün­di­gung

Ge­richt seg­net frist­lo­se Kün­di­gung ei­nes Fi­li­al­lei­ters im Ein­zel­han­del we­gen Dieb­stahls­ver­dachts ab: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 10.02.2012, 6 Sa 1845/11

19.03.2012. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hat in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung die au­ßer­or­dent­li­che und frist­lo­se Kün­di­gung ei­nes Fi­li­al­lei­ters in ei­nem Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men ab­ge­seg­net und sei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge da­her ab­ge­wie­sen.

Der Fi­li­al­lei­ter war seit knapp 21 Jah­ren bei dem Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men tä­tig. Er nahm an ei­nem Tag ei­nen Beu­tel Streu­sand aus der Fi­lia­le mit, oh­ne ihn zu be­zah­len. Zwei Ta­ge spä­ter wur­de er beim Ver­las­sen der Fi­lia­le mit un­be­zahl­ten Wa­ren im Wert von 12,02 EUR an­ge­trof­fen. Das Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men kün­dig­te dar­auf­hin frist­los, oh­ne zu­vor ei­ne Ab­mah­nung aus­zu­spre­chen.

Der ge­kün­dig­te Fi­li­al­lei­ter er­hob Kün­di­gungs­schutz­kla­ge, hat­te da­mit aber vor dem Ar­beits­ge­richt kei­nen Er­folg. Und auch in der Be­ru­fung vor dem LAG Ber­lin-Bran­den­burg zog er den kür­ze­ren. In der der­zeit al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mit­tei­lung des LAG heißt es zur Be­grün­dung, es be­ste­he der drin­gen­de Ver­dacht, dass sich der Fi­li­al­lei­ter in zwei Fäl­len wi­der­recht­lich Sa­chen im Ei­gen­tum der Ar­beit­ge­be­rin ha­be an­eig­nen wol­len. Und mit die­sem Ver­hal­ten ha­be er das Ver­trau­en in sei­ne Recht­schaf­fen­heit, das er wäh­rend sei­ner lang­jäh­ri­gen Tä­tig­keit ha­be auf­bau­en kön­nen, "end­gül­tig zer­stört".

An­ge­sichts die­ser Sach­la­ge kann es dem Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men nicht zu­ge­mu­tet wer­den, das Ar­beits­ver­hält­nis auch nur bis zum Ab­lauf der or­dent­li­chen Kün­di­gungs­frist fort­zu­set­zen, so das LAG. Er­schwer­dend kam hin­zu, dass der Fi­li­al­lei­ter ei­nen für den Ver­dacht we­sent­li­chen Um­stand zu­nächst in Ab­re­de ge­stellt ha­be. Im Er­geb­nis half es dem ge­kün­dig­ten Fi­li­al­lei­ter auch nicht, dass die von ihm ent­wen­de­ten Sa­chen nur ei­nen ge­rin­gen Wert hat­ten. Dies, so das LAG, sei "oh­ne Be­deu­tung".

Da das LAG Ber­lin-Bran­den­burg die Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) nicht zu­ge­las­sen hat, ist die Ent­schei­dung end­gül­tig. Der Fi­li­al­lei­ter kann zwar noch ei­ne Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ein­le­gen, doch hat die­ser Rechts­be­helf nur in we­ni­ger als fünf Pro­zent der Fäl­le, in de­nen er ein­ge­legt wird, Er­folg.

Fa­zit: Die Grün­de da­für, dass der Fi­li­al­lei­ter mit sei­ner Kün­di­gungs­schutz­kla­ge kei­nen Er­folg hat­te, wer­den in der LAG-Pres­se­mit­tei­lung nur an­ge­deu­tet, doch wa­ren hier wohl drei Um­stän­de ent­schei­dend:

Ers­tens spricht der kur­ze zeit­li­che Ab­stand der zwei Weg­nah­me­hand­lun­gen für ei­ne "schlech­te Ge­wohn­heit", d.h. der ge­kün­dig­te Fi­li­al­lei­ter hat den An­schein er­weckt, als wür­de er sei­nen Ar­beit­ge­ber im­mer wie­der be­steh­len.

Zwei­tens hat er als Fi­li­al­lei­ter ei­ne her­aus­ge­ho­be­ne Po­si­ti­on, d.h. für ihn gilt noch mehr als für an­de­re An­ge­stell­te im Ein­zel­han­del, dass sich der Ar­beit­ge­ber auf sei­ne Ehr­lich­keit ver­las­sen kön­nen muss.

Und drit­tens hat der Fi­li­al­lei­ter nach Be­kannt­wer­den der ge­gen ihn vor­lie­gen­den Ver­dachts­mo­men­te nicht al­les so­fort of­fen und ehr­lich zu­ge­ge­ben, son­dern ei­nen Um­stand, der für den Ver­dacht we­sent­lich war, zu­nächst be­strit­ten.

Im Er­geb­nis passt das Ur­teil in die ak­tu­el­le Recht­spre­chung zur Ba­ga­tell­kün­di­gung und zur Ver­dachts­kün­di­gung. Auch ei­ne Ab­wei­chung von der be­rühm­ten Em­me­ly-Ent­schei­dung des BAG liegt nicht vor.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de ver­öf­fent­licht. Das voll­stän­dig be­grün­de­te Ur­teil fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

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