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Öf­fent­li­cher Dienst we­gen Flücht­lin­gen an Über­las­tungs­gren­ze

Tau­send­fach stel­len Äm­ter, Po­li­zei und Schu­len we­gen der Flücht­lin­ge neu­es Per­so­nal ein: Trotz­dem ächzt der öf­fent­li­che Dienst nach Auf­fas­sung von Re­gie­rung und Ge­werk­schaf­ten an der Gren­ze des Mach­ba­ren

12.01.2016. (dpa) - Trotz tau­sen­der neu­er Stel­len bringt der Zu­strom hun­dert­tau­sen­der Flücht­lin­ge den öf­fent­li­chen Dienst viel­fach an sei­ne Be­las­tungs­gren­ze.

Dar­in wa­ren sich In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) und Spit­zen­ver­tre­ter des Be­am­ten­bunds dbb am Mon­tag bei der dbb-Jah­res­ta­gung in Köln ei­nig.

Vie­le Be­schäf­tig­te ar­bei­te­ten weit mehr als vor­ge­schrie­ben, sag­te de Mai­ziè­re.

Im Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF), bei der Po­li­zei, den Kom­mu­nen, der Jus­tiz, dem Ge­sund­heits­dienst oder in Ki­tas kä­men vie­le an die Gren­ze phy­si­scher und psy­chi­scher Be­last­bar­keit, sag­te dbb-Vi­ze Wil­li Russ.

Zwar ge­be es tau­sen­de neue Stel­len, so de Mai­ziè­re. Al­lei­ne bei den Si­cher­heits­be­hör­den des Bun­des sei­en es knapp 4000, beim BAMF 1650 mehr. Al­ler­dings kön­ne Per­so­nal nicht be­reits durch den Be­schluss neu­er Stel­len ins Amt ge­zau­bert wer­den. Des­halb sei es nö­tig, dass Kom­mu­nen, Län­der und Bund ihr Per­so­nal um­schich­te­ten und vor­über­ge­hend für Flücht­lin­ge ein­set­zen.

Selbst ein vor­über­ge­hen­des Auf­wei­chen von Qua­li­täts­stan­dards sei da­für in Kauf zu neh­men, sag­te de Mai­ziè­re. Das sei bes­ser, als das vor­han­de­ne Per­so­nal wei­ter im Kri­sen­mo­dus zu be- oder über­las­ten, bis Nach­wuchs fer­tig aus­ge­bil­det sei, sag­te de Mai­ziè­re. "Auf Dau­er kön­nen wir nicht auf den ho­hen Ein­satz mit 'zig Über­stun­den und un­ter ho­hem Druck bau­en."

Russ schlug ei­ne völ­lig neue Bün­de­lung der Flücht­lings­auf­ga­ben vor. "Dies könn­te viel­leicht auch mit ei­ner ein­heit­li­chen Flücht­lings- und In­te­gra­ti­ons­ver­wal­tung, die für Un­ter­brin­gung, Ver­sor­gung und In­te­gra­ti­on zu­stän­dig ist, ge­sche­hen."

Zwi­schen obers­tem Dienst­herr und Ge­werk­schaft zeich­ne­ten sich deut­li­che Dif­fe­ren­zen dar­über ab, wie der öf­fent­li­che Dienst die Flücht­lings­kri­se künf­tig be­wäl­ti­gen kann. So kri­ti­sier­te Russ die gro­ße Zahl be­fris­te­ter Stel­len. De Mai­ziè­re hielt dem ent­ge­gen: "Wenn ei­ne Auf­ga­be be­fris­tet ist, dann soll­te es die Stel­le auch sein." Vor der im März star­ten­den Ta­rif­run­de für Bund und Kom­mu­nen mahn­te er, zü­gig und oh­ne Streiks zu ver­han­deln. Russ ver­wahr­te sich ge­gen sol­che Auf­for­de­run­gen.

Ein­dring­lich warn­te de Mai­ziè­re, die Her­aus­for­de­run­gen durch die Flücht­lin­ge "jetzt schon" für ge­schei­tert zu er­klä­ren. Der An­spruch ei­nes aus­ge­gli­che­nen Bun­des­haus­halts und ei­ner Stär­kung der Kin­der- und Ju­gend­för­de­rung dür­fe nicht auf­ge­ge­ben wer­den. Flücht­lin­ge dürf­ten zu­dem nicht we­gen Ter­ro­ris­mus oder Kri­mi­na­li­tät un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­stellt wer­den.

Zehn Ta­ge nach den An­grif­fen auf Frau­en in der Sil­ves­ter­nacht sag­te de Mai­ziè­re aber zu­gleich: "Es liegt im In­ter­es­se der Flücht­lin­ge, dass dif­fe­ren­ziert wird, wer von den Flücht­lin­gen kri­mi­nell wird und wer nicht." An Sil­ves­ter wa­ren Frau­en in Köln mas­siv se­xu­ell be­drängt und be­klaut wor­den. Op­fer und Zeu­gen spra­chen von Tä­tern nord­afri­ka­ni­scher oder ara­bi­scher Her­kunft.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 1. Februar 2017

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