Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Frist­lo­ser Wi­der­ruf der Dienst­wa­gen­über­las­sung?

Ein ver­trag­li­cher Wi­der­rufs­vor­be­halt muss zwar kei­ne Aus­lauf­frist vor­se­hen, doch darf ein Wi­der­ruf meist nur zum Mo­nats­en­de aus­ge­spro­chen wer­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.03.2012, 5 AZR 651/10

02.08.2012. Vie­le Ar­beit­neh­mer, vor al­lem Füh­rungs­kräf­te und Au­ßen­dienst­mit­ar­bei­ter, ha­ben ei­nen Dienst­wa­gen, der ih­nen auf Dau­er über­las­sen wird und den sie auch pri­va­ten nut­zen kön­nen. Die Mög­lich­keit der Pri­vat­nut­zung des Dienst­wa­gens ist ei­ne Sach­leis­tung des Ar­beit­ge­bers und ge­hört da­mit zum Ar­beits­lohn, den der Ar­beit­neh­mer ver­steu­ern muss.

Der ein­sei­ti­ge En­zug der Dienst­wa­gen­über­las­sung ist da­her im­mer wie­der ein Streit­punkt zwi­schen Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern, vor al­lem dann, wenn der Ar­beit­neh­mer den Dienst­wa­gen so­fort, d.h. oh­ne An­kün­di­gungs- oder Aus­lauf­frist her­aus­ge­ben soll. Denn ei­ne frist­lo­se Be­en­di­gung der Dienst­wa­gen­ge­stel­lung ist für den Ar­beit­neh­mer be­son­ders be­las­tend und wird da­her meist als Stra­fe emp­fun­den.

In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass ein ar­beits­ver­trag­li­cher Wi­der­rufs­vor­be­halt zwar kei­ne An­kün­di­gungs­frist für den Fall des Wi­der­rufs der Dienst­wa­gen­über­las­sung ent­hal­ten muss. Trotz­dem kann die Aus­übung ei­nes sol­chen Wi­der­rufs­vor­be­halts im Ein­zel­fall un­an­ge­mes­sen und da­her rechts­wid­rig sein, wenn der Ar­beit­neh­mer den Wa­gen so­fort her­aus­ge­ben muss und wenn der Ar­beit­ge­ber für ein sol­ches "ra­bia­tes" Vor­ge­hen kei­ne gu­ten Grün­de hat: BAG, Ur­teil vom 21.03.2012, 5 AZR 651/10.

Müssen Arbeitnehmer ihren Dienstwagen sofort zurückgeben, wenn der Arbeitgeber die Überlassung widerruft?

Stellt der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer ei­nen Dienst­wa­gen zur Verfügung und er­laubt des­sen Pri­vat­nut­zung, so ist die­se Nut­zungsmöglich­keit ei­ne Sach­leis­tung und da­mit Be­stand­teil des Ge­halts bzw. Ar­beits­lohns.

Der Ar­beit­ge­ber kann dem Ar­beit­neh­mer da­her ei­nen pri­vat nutz­ba­ren Dienst­wa­gen nur dann ein­sei­tig ent­zie­hen, wenn ein sol­ches Wi­der­rufs­recht vor­ab ar­beits­ver­trag­lich klar ge­re­gelt ist. Denn der Ent­zug der Dienst­wa­gen­be­rech­ti­gung ist ei­ne ein­sei­ti­ge Kürzung der Vergütung durch den Ar­beit­ge­ber, und das weicht von der Re­gel ab, dass der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer während des Ar­beits­verhält­nis­ses die ge­sam­te ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ge­gen­leis­tung zu­kom­men las­sen muss (§ 611 Abs. 1 Bürger­li­ches Ge­setz­buch - BGB).

Ar­beits­ver­trag­li­che Wi­der­rufs­vor­be­hal­te sind prak­tisch im­mer vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­liert und auch da­her All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB), auch wenn sie nur ein­mal ver­wen­det wer­den sol­len (§§ 310 Abs.3 BGB, 305 Abs.1 BGB). Als AGB sind Wi­der­rufs­vor­be­hal­te nur wirk­sam, wenn sie füre den Ar­beit­neh­mer verständ­lich sind und ihn nicht un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen.

Das BAG ak­zep­tiert in AGB ent­hal­te­ne Wi­der­rufs­vor­be­hal­te nur in en­gen Gren­zen. Ein Wi­der­ruf ist nur aus sach­li­chen Gründen möglich, und die­se Sach­gründe müssen in der Vor­be­halts­klau­sel vor­ab klar be­nannt wer­den, da­mit der Ar­beit­neh­mer weiß, was auf ihn zu­kom­men kann.

Im Prin­zip kann ein sol­cher Sach­grund für den Wi­der­ruf ei­ner Dienst­wa­gen­be­rech­ti­gung in der Frei­stel­lung des Ar­beit­neh­mers von der Ar­beit lie­gen, ins­be­son­de­re dann, wenn ei­ne sol­che Frei­stel­lung nach ei­ner Kündi­gungs­erklärung hin an­ge­ord­net wird.

Ein sol­cher plötz­li­che Ent­zug der pri­va­ten Pkw-Nut­zung kann den Ar­beit­neh­mer al­ler­dings hart tref­fen. Da­her stellt sich die Fra­ge, ob in der Wi­der­rufs­klau­sel ei­ne Ankündi­gungs­frist ent­hal­ten sein muss.

Zu die­ser Fra­ge hat­te sich vor knapp zwei Jah­ren be­reits das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nie­der­sach­sen geäußert (Ur­teil vom 14.09.2010, 13 Sa 462/10 - wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 11/118 Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung für Ent­zug des Dienst­wa­gens). In­zwi­schen hat auch das BAG über die­sen Fall ent­schie­den und die Aus­sa­gen des LAG Nie­der­sach­sen kor­ri­giert: BAG, Ur­teil vom 21.03.2012, 5 AZR 651/10.

Der Streitfall: Auf die Kündigung des Arbeitnehmers folgen Freistellung und Rückgabe des Dienstwagens

Im Streit­fall hat­te sich der Ar­beit­ge­ber mit ei­ner von ihm vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­klau­sel das Recht vor­be­hal­ten, ei­nen auch pri­vat nutz­ba­ren Dienst­wa­gen oh­ne Entschädi­gung zurück­zu­ver­lan­gen, falls die Ar­beit­neh­me­rin nach Aus­spruch ei­ner Kündi­gung frei­ge­stellt wer­den soll­te. Nach­dem die Ar­beit­neh­me­rin frist­ge­recht per En­de Ju­ni 2009 gekündigt hat­te, re­agier­te der Ar­beit­ge­ber An­fang Ju­ni mit ei­ner Frei­stel­lung und mit ei­nem Wi­der­ruf der Dienst­wa­gen­ge­stel­lung. 

Die Ar­beit­neh­me­rin gab den Dienst­wa­gen dar­auf­hin am 09. Ju­ni zurück. Al­ler­dings ver­lang­te sie dafür Entschädi­gung für den Nut­zungs­aus­fall, und da der Ar­beit­ge­ber die­se Entschädi­gung nicht frei­wil­lig zahl­te, zog die Ar­beit­neh­me­rin vor Ge­richt.

An­ders als das Ar­beits­ge­richt Ol­den­burg (Ur­teil vom 16.02.2010, 1 Ca 474/09) gab das LAG Nie­der­sach­sen der Ar­beit­neh­me­rin Recht, weil in der Wi­der­rufs­klau­sel kei­ne Ankündi­gungs­frist für den Wi­der­ruf vor­ge­se­hen war.

Denn nach An­sicht des LAG ist der Ent­zug ei­nes Dienst­wa­gens im Fal­le ei­ner kündi­gungs­be­ding­ten Frei­stel­lung nur dann rech­tens, wenn in der Wi­der­rufs­klau­sel zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers klar­ge­stellt wird, dass der Ar­beit­ge­ber im Fal­le ei­nes Wi­der­rufs ei­ne Ankündi­gungs­frist von min­des­tens vier Wo­chen ein­zu­hal­ten hat (LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 14.09.2010, 13 Sa 462/10 - wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 11/118 Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung für Ent­zug des Dienst­wa­gens).

BAG: Dienstwagen-Widerrufsklauseln müssen keine Ankündigungsfrist für die Ausübung des Widerrufsrechts enthalten

An die­ser Stel­le hat das BAG nicht mit­ge­macht und klar­ge­stellt, dass es für die vom LAG ge­for­der­te vierwöchi­ge Ankündi­gungs­frist „kei­nen An­satz im Ge­setz“ gibt. Der Vor­be­halt des Wi­der­rufs ei­ner Dienst­wa­gen­be­rech­ti­gung ist da­her nicht be­reits dann un­wirk­sam, weil die Wi­der­rufs­klau­sel kei­ne Ankündi­gungs­frist enthält.

Al­ler­dings ging die Ar­beit­neh­me­rin auch beim BAG als Sie­ge­rin vom Platz, denn das BAG hielt die Ent­schei­dung des LAG aus an­de­ren Gründen letzt­lich für rich­tig. Der Ar­beit­ge­ber konn­te nämlich kei­ne Gründe dafür nen­nen, dass er die Ar­beit­neh­me­rin für we­ni­gen Wo­chen bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist En­de Ju­ni 2009 den Wa­gen nicht mehr über­las­sen woll­te.

Die Ar­beit­neh­me­rin war aber in­fol­ge des Wi­der­rufs steu­er­lich ge­se­hen die Dum­me, da sie den Wa­gen nur zu An­fang des Mo­nats ei­ni­ge Ta­ge lang be­saß, aber steu­er­lich so be­han­delt wur­de, als hätte sie den Wa­gen während des gan­zen Mo­nats nut­zen können. Da­her war die Ausübung des (an sich gülti­gen) Wi­der­rufs­rechts durch den Ar­beit­ge­ber ein­sei­tig bzw. „un­bil­lig“ und da­her nicht rech­tens.

Fa­zit: Behält sich der Ar­beit­ge­ber ver­trag­lich vor, ei­ne Dienst­wa­gen­be­rech­ti­gung ein­sei­tig zu wi­der­ru­fen, braucht ei­ne sol­che Wi­der­rufs­klau­sel kei­ne all­ge­mei­ne Ankündi­gungs­frist zu ent­hal­ten, die der Ar­beit­ge­ber im Fal­le ei­nes Wi­der­rufs be­ach­ten müss­te. Trotz­dem soll­te der Ar­beit­ge­ber gu­te Gründe vor­wei­sen können, wenn er sein Wi­der­rufs­recht so ausübt, dass der Ar­beit­neh­mer den Wa­gen "knall auf Fall" zurück­ge­ben soll.

Und er soll­te auch darüber nach­den­ken, dem Ar­beit­neh­mer bei der Ausübung des Wi­der­rufs im Ein­zel­fall ei­ne mehr oder we­ni­ger lan­ge Frist zu be­las­sen, um den Ar­beit­neh­mer nicht mehr als nötig zu be­las­ten. Schon aus steu­er­li­chen Gründen wird im Nor­mal­fall ei­ne Ankündi­gungs- bzw. Aus­lau­f­rist bis zum Mo­nats­en­de nötig sein. Be­ach­tet der Ar­beit­ge­ber das nicht, kann der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer ei­ne Nut­zungs­aus­fall­entschädi­gung ver­lan­gen.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 30. September 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880