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Di­plom-Psy­cho­lo­gen bei der Aus­bil­dung zum psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten sind Ar­beit­neh­mer

Ar­bei­tet ein Di­plom-Psy­cho­lo­ge bei der prak­ti­schen Aus­bil­dung zum psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten über­wie­gend ei­gen­stän­dig, ist er Ar­beit­neh­mer und kein Prak­ti­kant: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 16.10.2012, 21 Ca 43/12

07.12.2012. Von ei­nem schlecht be­zahl­ten (Schein-)Prak­ti­kum zum nächs­ten, im­mer in der Hoff­nung auf ei­ne Fest­an­stel­lung - das ent­spricht dem Kli­schee von ei­ner "Ge­ne­ra­ti­on Prak­ti­kum".

Wie vie­le sol­cher Schein-Prak­ti­kan­ten es tat­säch­lich gibt und ob sie ei­ne gan­ze Ge­ne­ra­ti­on aus­ma­chen, dar­über ge­hen die Mei­nun­gen aus­ein­an­der. Klar ist je­den­falls, dass vor al­lem aka­de­misch ge­bil­de­te Ar­beit­neh­mer in Ge­fahr sind, Op­fer ei­nes Lohn­wu­chers un­ter dem Deck­man­tel der be­ruf­li­chen Fort­bil­dung zu wer­den.

So er­geht es seit Jah­ren den be­reits di­plo­mier­ten Psy­cho­lo­gen, die ein­ein­halb Jah­re prak­ti­sche Er­fah­run­gen in der Kli­nik sam­meln müs­sen, wenn sie als psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­ten ar­bei­ten wol­len. Hier sind vie­le Kli­ni­ken ger­ne da­zu be­reit, bei der Fort­bil­dung be­hilf­lich zu sein, vor­aus­ge­setzt, die di­plo­mier­ten "Prak­ti­kan­ten" ge­ben sich mit ei­nem Ta­schen­geld für ih­re the­ra­peu­ti­sche Ar­beit zu­frie­den oder ar­bei­ten gleich ganz um­sonst.

In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ham­burg hat die "Ge­ne­ra­ti­on Prak­ti­kum" ei­nen Sieg er­run­gen, denn das Ar­beits­ge­richt hat die Kli­nik zur Zah­lung des re­gu­lä­ren Ta­rif­ge­halts an ei­ne Psy­cho­lo­gin ver­ur­teilt: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 16.10.2012, 21 Ca 43/12.

Wann ist der Praktikant ein Arbeitnehmer?

Wer ein Prak­ti­kum ab­sol­viert, soll prak­ti­sche Kennt­nis­se und Er­fah­run­gen er­wer­ben, um sich auf ei­nen Be­ruf vor­zu­be­rei­ten, so das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­nem Ur­teil vom 05.08.1965 (2 AZR 439/64). Da­her steht der Aus­bil­dungs­zweck beim Prak­ti­kum im Vor­der­grund, d.h. er prägt den Ver­trags­in­halt.

Oft ver­rich­ten Prak­ti­kan­ten aber ganz gewöhn­lich Ar­beits­auf­ga­ben, wie sie auch von Ar­beit­neh­mern ver­rich­tet wer­den. Das ist erst ein­mal noch kein Miss­brauch der Ver­trags­form "Prak­ti­kum", denn der Prak­ti­kant soll ja in das prak­ti­sche Be­rufs­le­ben hin­ein­schnup­pern. Be­denk­lich wird es erst dann, wenn die Aus- und Fort­bil­dung in den Hin­ter­grund ge­drängt wird und der Prak­ti­kant über­wie­gend eben­so ein­ge­setzt wird wie ein Ar­beit­neh­mer.

Dass nicht übe­r­all Prak­ti­kum drin ist, wo Prak­ti­kum drauf­steht, zeigt ein ak­tu­el­ler Fall des Ar­beits­ge­richts Ham­burg: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 16.10.2012, 21 Ca 43/12.

Der Streitfall: Diplom-Psychologin arbeitet 18 Monate lang weitgehend selbständig als Therapeutin in der Klinik - ohne Gehalt

Im Streit­fall hat­te ei­ne Di­plom-Psy­cho­lo­gin von An­fang 2008 bis En­de Ju­ni 2009 in ei­ner Kli­nik für 25 St­un­den in der Wo­che ge­ar­bei­tet. Grund­la­ge war ein Ver­trag, in dem die Psy­cho­lo­gin als Prak­ti­kan­tin be­zeichnt und ihr zu­ge­stan­den wur­de, das Ver­trags­verhält­nis je­der­zeit kurz­fris­tig be­en­den zu können. Ei­ne Be­zah­lung oder Auf­wands­entschädi­gung be­kam sie nicht.

Al­ler­dings war sie die ge­sam­te Zeit über als Psy­cho­lo­gin in der Pa­ti­en­ten­ver­sor­gung tätig. Die Pa­ti­en­ten konn­te sie sich nicht aus­su­chen, und wann sie ih­re Be­hand­lun­gen vor­neh­men muss­te, wur­de von der Kli­nik bzw. den Dienst­plänen vor­ge­ge­ben. Bei der ei­gent­li­chen Be­hand­lung war die Psy­cho­lo­gin dann aber fach­lich auf sich selbst ge­stellt, d.h. sie ar­bei­te­te ei­genständig, oh­ne dass ihr ei­ne Art Aus­bil­der zur Sei­te ge­stellt wor­den wäre.

Bei Be­en­di­gung der Tätig­keit er­teil­te die Kli­nik der Psy­cho­lo­gin ein Zeug­nis, in dem ei­ne große Zahl von ge­leis­te­ten The­ra­pie­stun­den, Ar­beits­be­spre­chun­gen, Be­spre­chun­gen mit An­gehöri­gen, Su­per­vi­si­ons­teil­nah­men usw. do­ku­men­tiert wur­de. Auf die­ses Zeug­nis be­rief sich die Psy­cho­lo­gin und klag­te für ih­re 25-St­un­den-Wo­che den re­gulären Ta­rif­lohn für an­ge­stell­te di­plo­mier­te Psy­cho­lo­gen ein, im­mer­hin 33.460,00 EUR.

Arbeitsgericht Hamburg: Arbeitet eine Diplom-Psychologin bei der praktischen Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin überwiegend eigenständig, ist sie Arbeitnehmerin und keine Praktikantin

Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg gab der Kla­ge statt und ver­ur­tei­le den Kli­nik­be­trei­ber zur Zah­lung. Denn nach An­sicht des Ar­beits­ge­richts lag hier kein Prak­ti­kum, son­dern ein Ar­beits­verhält­nis vor. Auf die­ser ver­trag­li­chen Grund­la­ge wur­de die Kläge­rin als Di­plom-Psy­cho­lo­gin ein­ge­setzt.

Dass die Kläge­rin ei­nen Dienst­ver­trag ver­ein­bart hat­te, von den Wei­sunen der Kli­nik abhängig und in de­ren Be­trieb ein­ge­glie­dert, ist da­bei we­nig zwei­fel­haft. Das genügt zwar im All­ge­mei­nen dafür, ei­ne Ver­trags­be­zie­hung als Ar­beits­verhält­nis zu be­wer­ten, doch ist das aus­nahms­wei­se dann an­ders, wenn der Aus­bil­dungs­zweck im Vor­der­grund steht. Ei­ne sol­che hauptsächli­che Zweck­set­zung woll­te das Ar­beits­ge­richt hier im Streit­fall aber nicht bestäti­gen.

Denn die Kläge­rin hat­te im we­sent­li­chen ei­genständig als Di­plom-Psy­cho­lo­gin ge­ar­bei­tet. Dem­ent­spre­chend wur­den ih­re Ar­bei­ten ge­genüber den Kran­ken­kas­sen ab­ge­rech­net, nämlich als Leis­tun­gen ei­ner psy­cho­lo­gi­schen The­ra­peu­tin. Bei ei­nem Prak­ti­kum müss­te das aber an­ders sein, denn bei ei­nem Prak­ti­kum müss­te es ei­nen Aus­bil­der ge­ben, der dem Prak­ti­kan­ten zur Sei­te steht, sei­ne Ar­bei­ten re­gelmäßig über­wacht und fach­lich kor­ri­giert. All das gab es hier nicht.

Fa­zit: Hier lagt ein Schein-Prak­ti­kum vor. Die be­rufs­recht­li­chen Re­ge­lun­gen über die Aus­bil­dung zum psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten se­hen zwar ei­ne ein­ein­halbjähri­ge prak­ti­sche Tätig­keit in der Kli­nik vor, doch ist da­mit nicht vor­ge­schrie­ben, dass die­se Tätig­keit ein un­be­zahl­tes Prak­ti­kum sein muss. Ein Ar­beits­verhält­nis zählt auch als ei­ne be­rufs­vor­be­rei­ten­de prak­ti­sche Tätig­keit. Und hier hat­te sich die Kli­nik für ein Ar­beits­verhält­nis ent­schie­den, die­ses aber aus Gründen der Kos­ten­er­spar­nis un­ter dem Deckmäntel­chen ei­nes Prak­ti­kums ver­bor­gen.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 3. März 2016

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